Schutz vor COVID-19

Corona-Impfstoff: Vergleich zugelassener Vakzine

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Die Corona-Pandemie führt dazu, dass Wissenschaft und pharmazeutische Unternehmen weltweit mit Hochdruck an der Entwicklung wirksamer und sicherer COVID-19-Impfstoffe arbeiten. Welche sind bereits in Deutschland im Einsatz? Und welche stehen weltweit vor der Zulassung? Eine Übersicht.

coronaimpfung
© Getty Images/David Espejo

In der EU sind aktuell vier COVID-19-Impfstoffe zugelassen, für vier weitere wurde ein Teil der Zulassungsunterlagen eingereicht. Doch die Anzahl an einsetzbaren Vakzinen dürfte bald noch größer werden: Die Weltgesundheitsorganisation WHO verzeichnet derzeit 320 Impfstoffprojekte, die entwickelt werden (Stand: 08.10.2021). Die meisten Hersteller beschäftigen sich mit Impfstoffen der ersten Generation, einige fokussieren sich aber bereits auf Impfstoffe der zweiten Generation. Letztere sollen noch besser vor Varianten des Coronavirus schützen.

Artikelinhalte im Überblick:

Corona-Impfungen: Welche Corona-Impfstoffe gibt es?

Welche Corona-Impfstoffe gibt es in Deutschland?

In der Europäischen Union sind vier COVID-19-Impfstoffe genehmigt, mit denen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft wird. Dabei handelt es sich um:

  • BioNTech/Pfizer: Der Impfstoff Corminaty® wurde im Dezember 2020 als erster Corona-Impfstoff zugelassen.

  • Moderna: Das Vakzin des US-Unternehmens wird seit Januar 2021 unter dem Impfstoffnamen Spikevax® in der EU verimpft.

  • AstraZeneca: Auch der Impfstoff Vaxzevria® gehört zu den Impfstoffen, die in der EU verabreicht werden. Er erhielt seine EU-Zulassung ebenfalls im Januar 2021.

  • Johnson & Johnson: Mit Janssen® erhielt im März 2021 der 4. Corona-Impfstoff grünes Licht in der EU.  

Für einen vollständigen Schutz werden bei den Corona-Impfstoffen der Firmen Moderna, BioNTech/Pfizer und AstraZeneca zwei Dosen injiziert. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson ist hingegen nur eine Impfdosis notwendig, um eine ausreichende Immunität gegen das Virus zu erreichen.

Gelten bestimmte Zulassungsanforderungen für Corona-Impfstoffe?

Für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie einigen anderen Staaten (zum Beispiel Norwegen) ist die Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency) für die Zulassung der COVID-19-Impfstoffe verantwortlich: Sie prüft Daten zur Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit, die von den pharmazeutischen Unternehmen eingereicht werden. Fällt die Bewertung positiv aus, spricht die Behörde eine Empfehlung für die Impfungen aus.

In Deutschland ist darüber hinaus das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig. Die Behörde prüft und bewertet Zulassungsunterlagen und trägt dazu bei, dass die Vakzine, die hierzulande zum Einsatz kommen, qualitativ hochwertig, wirksam und unbedenklich sind.

Um den Bewertungsprozess zu beschleunigen, haben die Behörden das sogenannte Rolling-Review-Verfahren eingerichtet. Das bedeutet, dass Hersteller einige Kapitel ihres Zulassungsantrages schon einreichen können, während die letzte klinische Studienphase noch läuft. Ziel ist es, schneller über die Anträge zu entscheiden und die Bevölkerung rascher vor schweren Krankheitsverläufen, gerade bei Pandemien, zu schützen.

Welche weiteren Corona-Impfstoffe gibt es?

Neben den vier bereits zugelassenen Corona-Impfstoffen gibt es ebenso einige, die sich in der finalen Phase klinischer Entwicklung befinden und bald auch in Deutschland bereitstehen könnten. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Novavax (Impfstoff: NVX-CoV2373): Anfang März 2021 ist das Rolling-Review-Verfahren für den Novavax-Impfstoff bei der EMA gestartet. Der komplette Zulassungsantrag soll noch 2021 folgen.

  • Gamaleya-Institut (Impfstoff: Sputnik V): Das bereits in Russland, Belarus und Argentinien verwendete Vakzin wird derzeit auch von der Europäischen Arzneimittelagentur geprüft.

  • Sinovac Biotech (Impfstoff: CoronaVac): Seit Mai 2021 bewertet die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erste Daten des chinesischen Pharmaherstellers Sinovac, dessen Impfstoff bald in Deutschland an den Start gehen könnte.

  • Sanofi-GSK (Vidprevtyn): Derzeit noch in der Phase-III-Studie, steht auch das japanische Vakzin kurz vor der Zulassung in der EU.

Die deutsche Biotechfirma aus Tübingen CureVac, die Teile des Zulassungsantrages im Februar 2021 an die EMA übermittelte, hat ihren Impfstoff aufgrund der geringen Wirksamkeit wieder zurückgezogen. Zusammen mit einem anderen Pharmakonzern konzentriert sich das Unternehmen nun auf einen neuen Impfstoff.

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Arten von Corona-Impfstoffen?

Die Corona-Impfungen basieren alle auf demselben Prinzip: Dem Immunsystem wird ein Merkmal des Coronavirus präsentiert, woraufhin der Körper Antikörper und Abwehrzellen bildet. Dies führt zu einem Immungedächtnis: Kommt es zu einer erneuten Konfrontation mit dem Erreger, kann das Immunsystem direkt reagieren und bestenfalls eine Erkrankung verhindern.

Die verschiedenen Impfstoffe provozieren die Bildung von Antikörpern auf verschiedene Arten:

  1. Vektorviren-Impfstoffe: Hierzu werden harmlose Viren (Vektorviren) als Träger genetischer Informationen des SARS-CoV-2-Virus genutzt. Hierzu werden harmlose Viren (Vektorviren) als Träger genetischer Informationen des SARS-CoV-2-Virus genutzt. Diese werden um das Gen für das Spike-Protein von SARS-CoV-2 ergänzt. Somit dienen die Vektoviren als Gen-Fähre: Sie schleusen den Bauplan für das Spikeprotein in die Körperzellen ein. Zu den Vektorviren-Impfstoffen zählen beispielsweise die zugelassenen Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson sowie der russische Impfstoff Sputnik V.

  2. Impfstoffe mit Virusproteinen: Diese Vakzine setzen auf eine lang bewährte Technologie: Sie enthalten entweder ausgewählte Virusproteine (beispielsweise NVX-CoV2373 und Vidprevtyn) oder das ganze Material inaktivierter SARS-CoV-2-Viren. Nach demselben Prinzip funktioniert beispielsweise auch die Grippeimpfung.

  3. mRNA-Impfstoffe: Auf ein ganz neues Konzept setzen die mRNA-Impfstoffe. Die Besonderheit: Statt eines geschwächten Virus oder einzelnen Teilen eines Virus enthalten mRNA-Impfstoffe den Bauplan für das Spike-Protein des Coronavirus. In den Muskel gespritzt, können Körperzellen den Bauplan ablesen und nachbauen, wodurch Antikörper gebildet werden. Bei den Impfstoffen von BioNtech/Pfizer und Moderna handelt es sich um mRNA-basierte Impfstoffe.

  4. DNA-Impfstoffe: Die Impfstoffe wirken ähnlich wie die mRNA-Impfstoffe, enthalten jedoch virale DNA. Mit ZyCoV-D hat Indien einen Vertreter dieser neuen Impfstoffklasse bereits zugelassen.

Wie hoch ist die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe?

Laut Robert-Koch-Institut bieten die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna eine hohe Wirksamkeit von 95 Prozent. Das bedeutet, die Wahrscheinlichkeit an COVID-19 zu erkranken, ist bei vollständig geimpften um etwa 95 Prozent geringer als bei ungeimpften Menschen. In Bezug auf die Verhinderung von einem schweren Verlauf, der eine Behandlung im Krankenhaus erfordert, wird von einer Wirksamkeit von 85 Prozent ausgegangen.


Beim Vektor-basierten Impfstoff Vaxzervia von AstraZeneca wird eine Wirksamkeit von 80 Prozent angenommen, sofern der empfohlene Abstand von 12 Wochen zwischen beiden Corona-Impfungen eingehalten wird. Der Vektor-basierte Impfstoff von Johnson & Johnson gewährt nach derzeitigem Kenntnisstand und nach einmaliger Impfung einen Schutz von 65 Prozent, die Wirksamkeit in Bezug auf die Verhinderung schwerer COVID-Erkrankungen liegt jedoch bei nahezu 100 Prozent.

Bisher haben Mutationen, also Veränderungen im Erbmaterial des Virus, nur geringe Auswirkungen auf dem Impfschutz. Neue Varianten von SARS-VoV-2 könnten jedoch ein Nachjustieren der bisherigen Impfstoffe erfordern.

Auffrischungsimpfung gegen COVID-19: Wann und für wen ist eine Booster-Impfung sinnvoll?

Corona-Impfungen schützen anhaltend und effektiv vor schweren COVID-19-Erkrankungen und reduzieren nachweislich das Übertragungsrisiko. Allerdings lässt der Impfschutz, insbesondere in Hinblick auf die Verhinderung milder Krankheitsverläufe, mit der Zeit nach. Vor allem für Menschen im höheren Alter kann daher eine Auffrischung sinnvoll sein. Denn bei ihnen fällt die Immunantwort nach der Impfung insgesamt geringer aus und das Risiko von schweren Verläufen ist deutlich höher. Daher empfiehlt die STIKO allen Personen ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung (Stand: 18. November 2021), insbesondere jedoch:

  • Personen über 70 Jahren
  • Bewohner*innen von Altenheimen und Pflegeeinrichtungen
  • Pflegepersonal
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Kontakt zu Patient*innen

Die Booster-Impfung wird frühestens sechs Monate, im Einzelfall oder bei genügend Kapazitäten auch fünf Monate nach vollständiger Grundimmunisierung verabreicht. Unabhängig davon, welcher Impfstoff hierbei verwendet wurde, sollte ein mRNA-Impfstoff (Biontech/Pfizer oder Moderna) zur Anwendung kommen.

Einen Anspruch auf eine Booster-Impfung hat jedoch grundsätzlich jede*r, der älter als zwölf Jahre ist. Viele Expert*innen empfehlen eine dritte Dosis zur Auffrischung des Impfschutzes auch für alle Altersgruppen. Laut STIKO sollen unter 30-Jährige grundsätzlich nur noch den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten. Für Menschen über 30 Jahre können jedoch Kreuzimpfungen sinnvoll sein, da diese die Schutzwirkung noch einmal erhöhen – wie auch die folgende Infografik zeigt:

Infografik Booster-Impfungen
© Lifeline/Funke Mediengruppe

Auf welche Weise werden die Corona-Impfungen verabreicht?

Die meisten Corona-Impfstoffe werden in den Muskel injiziert. Aber es gibt auch Alternativen. Neben der Impfstoff-Art experimentieren einige Hersteller auch mit neuen Applikationsformen.

  • Bei dem in Indien zugelassenen Vakzin Zycov-D handelt es sich nicht nur um den ersten DNA-basierte Impfstoff, die Impfung erfolgt auch nicht intramuskulär, sondern durch die Haut. Statt mit einer Nadel wird der Impfstoff mithilfe eines schmalen Flüssigkeitsstrahls und hohem Druck in die Haut gebracht.

  • Das Universitätsklinikum Tübingen arbeitet mit Forschenden des Max-Planck-Instituts an einer Corona-Impfung, die in Form von Nasenspray verabreicht werden soll.

  • Einige Forschungsprojekte, etwa die Universität Würzburg zusammen mit dem Pharmaunternehmen Aeterna Zentaris, arbeiten an oral anwendbaren Impfstoffen.

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