Insulin ist nicht gleich Insulin

Insulinarten im Überblick

Inzwischen gibt es eine ganze Palette von Insulinen. Sie werden überwiegend gentechnisch hergestellt und erlauben eine sichere, der gesunden Situation ähnliche Therapie. Meist werden kurz und lang wirksame Insuline kombiniert.

Insulinarten im Überblick
Insuline unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich der Wirkdauer.
(c) Getty Images/Creatas RF

Das lebensnotwendige Hormon Insulin besteht aus zwei Eiweißketten, einer A-Kette mit 21 und einer B-Kette mit 30 Aminosäuren. Beide sind mit Schwefelbrücken miteinander verbunden. Dieses kleine Eiweißmolekül wird heute kaum noch aus tierischen Bauchspeicheldrüsen gewonnen, sondern als Humaninsulin gentechnisch hergestellt. Das bedeutet Bierhefezellen oder Bakterien, die den Bauplan für das menschliche Insulin in ihr Erbgut eingeschleust bekommen haben, synthetisieren das Insulin. Anschließend wird es aus der Zellkultur aufgereinigt. Diese Art der Produktion hat es möglich gemacht, durch Veränderungen, insbesondere an Position 28 bzw. 29 der B-Kette, ganz gezielt Insuline zu entwickeln, die einerseits den Patientenkomfort in der Therapie erhöhen und andererseits, was viel entscheidender ist, Risiken wie Unterzuckerungen (Hypoglykämien) zu vermindern.

Schnell wirksame Insuline

Das heute am meisten eingesetzte schnell wirksame Insulin ist das als Normal- oder Altinsulin bezeichnete Humaninsulin. Darüber hinaus gibt es drei schnell wirkende gentechnisch veränderte sogenannte Insulinanaloga (Insulin-Lispro, Insulin-Aspartat und Insulin Glulisin). Normal- oder Altinsulin - weil es das älteste zur Therapie eingesetzte Insulin ist - muss 30 Minuten (min) vor den Mahlzeiten unter die Haut (subkutan) gespritzt werden, da es etwa 20 min benötigt, bis es wirkt. Es behält seine Wirkung je nach Dosis für etwa 4,5 Stunden. Die maximale Wirkung entfaltet es nach etwa 2,5 Stunden.

Bei den Insulinanaloga wurde eine Aminosäure, also ein Baustein des Eiweißmoleküls Insulin, ausgetauscht. Dadurch bilden sich weniger Insulin-Hexamere, also „Insulinklumpen“ aus sechs Insulinmolekülen, weshalb diese Insuline schneller resorbiert werden. Sie wirken unmittelbar, d.h. etwa zehn Minuten nach der Injektion und können daher nach der Mahlzeit gespritzt werden. Für den Patienten hat dies den Vorteil, dass kein Spritz-Ess-Abstand eingehalten werden muss. Er kann die Dosis also festlegen, nachdem er gegessen hat und besser einschätzen kann, wie viel Insulin er benötigt. Gerade bei Älteren und Kindern, bei denen sich der Appetit im Vorhinein nicht so leicht abschätzen lässt, ist dies von Bedeutung. Denn Überdosierungen des Insulins mit der heiklen Folge einer Unterzuckerung sind dadurch seltener. Außerdem nehmen die Patienten weniger zu, da sie, im Gegensatz zur Therapie mit Verzögerungsinsulin, nicht unnötig viel Insulin aufnehmen und dann eine Zwischenmahlzeit einnehmen müssen, um den Insulinüberhang auszugleichen. Kurzwirksame Insulinanaloga werden auch bei der Insulinpumpen-Therapie beispielsweise von Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

NPH-Verzögerungs- oder Basalinsuline

Verzögerungsinsuline wurden dagegen entwickelt, um Diabetikern das nur ein- bis zweimalige tägliche Spritzen zu ermöglichen. Sie decken den nahrungsunabhängigen Grundbedarf an Insulin. Ihr Nachteil ist, dass sie nicht so gut zu steuern sind und es bei sportlicher Aktivität oder auch nachts zu Unterzuckerungen kommen kann. Die Verzögerung wird durch Bindung des Insulins an Protamin (sogenanntes Neutral-Protamin-Hagedorn (NPH)-Insulin) oder auch Zink (Lente-Insuline) erreicht. Erst wenn es sich von seinem Bindungspartner gelöst hat, wird das Insulin aus dem Unterhautgewebe aufgenommen, was bis zu zwölf Stunden dauern kann. Die Wirkung beginnt etwa zwei Stunden nach dem Spritzen, das Wirkmaximum tritt vier bis acht Stunden nach der Injektion ein. NPH-Insulin ist das am häufigsten eingesetzte Basalinsulin, da es gut mit anderen Insulinen mischbar ist. Daneben gibt es zwei gentechnisch veränderte lang wirksame Abkömmlinge des Insulins, die Insulinanaloga Insulin Glargin und Insulin Detemir. Sie weisen bei einmal täglicher Injektion eine über 24 Stunden andauernde Wirkung auf. Ihr Vorteil gegenüber NPH-Insulin liegt darin, dass sie über den ganzen Tag hinweg gleichmäßig wirken. Zudem lässt sich der Marker der langfristigen Blutzuckereinstellung, der HbA1c, mit ihnen durch wesentlich niedrigere Insulinmengen auf Zielwert bringen. Insulinanaloga sind aber teurer und werden nur zum Teil von den Kassen erstattet.

Mischinsulin

Da viele Diabetiker vor allem bei der konventionellen Insulintherapie sowohl schnell als auch lang wirksames Insulin benötigen, gibt es vorgefertigte Mischungen aus unterschiedlichen Insulinen. Mit ihnen lässt sich die Zahl der Injektionen und die Insulinmenge reduzieren. Am häufigsten wird NPH-Insulin mit Normalinsulin oder Insulinanaloga kombiniert. Vor dem Spitzen müssen manche Mischinsuline durch Rollen bzw. Kippen gründlich durchmischt werden.

Inhalierbares Insulin

Im Jahr 2006 wurde in Europa trotz Sicherheitsbedenken ein inhalierbares Insulinpräparat zugelassen. Es sollte Patienten, die vor dem Spitzen Angst haben, den Einstieg in die Insulintherapie erleichterm. Nur eineinhalb Jahre später wurde es wieder vom Markt genommen, da es zu wenig interessierte Patienten gab, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Weitere inhalierbare Insulinpräparate schafften es erst gar nicht auf den Markt.

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