Allergie auslösende Spinnentiere

Milbenspray und Co.: So bekämpfen Sie Milben im Bett

Milben der Gattung Dermatophagoides sind der zweithäufigste Allergie-Auslöser. Lesen Sie hier, welche Sprays und Hausmittel die Tierchen auf Abstand halten.

milben im bett
Hausstaubmilben sind in jeder Wohnung zu finden. Besonders viele Tiere leben in Matratzen und Kopfkissen.
iStock
  • Milbenspray mit pflanzlichem Wirkstoff kann die Milbenzahl deutlich senken

  • Milben ernähren sich von Hautschuppen im Bett und auf Textilien

  • Spezielle Bezüge (Encasings) zeigten in Studien wenig Wirkung auf die Allergie-Symptome

  • Neben physikalischen und chemischen Anti-Milben-Maßnahmen ist gute Hygiene wichtig

  • Die Allergie zu bekämpfen ist wichtig, da aus ihr allergisches Asthma entstehen kann

Laufende Nase, rote Augen, Niesattacken: Bei diesen Symptomen denken viele Betroffene und Ärzte bloß an Pollen als Ursache. Dabei führt auch der zweithäufigste Allergie-Auslöser zu genau diesen Anzeichen: der Kot von Hausstaubmilben (fachsprachlich Dermatophagoides, griechisch für "Hautfresser").

  • zum Selbsttest

    Schnupfen, Niesattacken, gerötete und brennende Augen? Diese Symptome deuten auf eine Allergie hin. Aber steckt eine Überreaktion auf Hausstaubmilben dahinter? Finden Sie es hier heraus:

Die Spinnentiere sind nur Millimeterbruchteile klein, weiß und mit Borsten besetzt. Sie finden sich in jeder Wohnung – egal, wie hygienisch es dort zugehen mag. Hausstaubmilben leben in der Regel ein bis vier Monate, die Weibchen legen in dieser Zeit Dutzende Eier. In einem einzigen Kopfkissen können sich deshalb Hunderttausende der Tierchen tummeln, selbst ein frischgewaschenes Kissen beherbergt noch Tausende. Auch in Matratzen, Teppichen und Polstermöbeln fühlen sich die Milben wohl und vermehren sich.

Hautschuppen dienen den Milben als Nahrung

Hausstaubmilben der Gattung Dermatophagoides sind nur in menschlichen Behausungen zu finden und draußen in aller Regel nicht überlebensfähig. Der Grund: Die Milben ernähren sich, wie ihr griechischer Name schon sagt, von menschlichen Hautschüppchen. Jeder Mensch verliert davon rund ein Gramm täglich – ein Festessen für die kleinen Spinnentiere: Von den Hautschuppen eines Menschen können sich 1,5 Millionen Hausstaubmilben einen Tag lang ernähren.

Die optimalen Lebensbedingungen für Milben liegen bei einer Raumtemperatur von etwa 25 Grad und einer mittleren Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent. Beginnt im Winter die Heizperiode, dann sinkt die Luftfeuchtigkeit und die Milbenpopulation nimmt ab. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Symptome von Milbenallergikern deshalb zurückgehen. Im Gegenteil können die vielen sterblichen Überreste der Milben sie noch verschlimmern.

Insgesamt sind im Hausstaub mehr als zehn verschiedene Milbenspezies zu Hause, von denen vier Allergien auslösen können. Milbenallergiker reagieren genau gesagt auf bestimmte Eiweiß-Bestandteile der Ausscheidungen, der Eier und der Körper dieser Milben mit Allergie-Symptomen. Es kann auch zum Etagenwechsel kommen, so dass die Milbenallergie schließlich in allergisches Asthma übergeht.

So sehen Hausstaubmilben aus

Sie sind weit kleiner als ein Millimeter und bevölkern unsere Betten: Hausstaubmilben. Für Allergiker können die kleinen Tierchen zum schwerwiegenden Problem werden. So sehen Milben unter dem Mikroskop aus.

YouTube/Taurus

 

Milbenspray dezimiert die Population und bessert Allergie-Symptome

Im Laufe ihres Lebens produzieren Allergie auslösende Milben das 200-fache ihres Körpergewichts an Kot. Deshalb ist es umso wichtiger für Allergiker, die Milbenpopulation möglichst klein zu halten und so die Allergenbelastung und die Schwere der Symptome zu reduzieren. Erreichen lässt sich das laut Studien mit bestimmten Sprays, die das Wachstum der Tiere behindern und so den Entwicklungsprozess der Milben von der Larve zum erwachsenen Tier hemmen.

Als besonders gut wirksam auf regelmäßig benutzten Matratzen – einem wahren Milbenparadies – erwiesen sich Produkte mit einem Extrakt aus Neemöl. Sie sind in Apotheken erhältlich, ein Rezept vom Arzt ist dafür nicht nötig.

Rezeptfreie Repellentien machen Milben den Garaus

Der auch Margosa-Extrakt oder Mahalin genannte Wirkstoff wird aus den Samen des Neembaums gewonnen, der in Indien, Pakistan und anderen tropischen Gegenden wächst. Vermutlich beruht die abschreckende Wirkung des Neemöls gegenüber Milben auf Bitterstoffen, die in hoher Konzentration in dem Extrakt stecken.

Daneben sind ebenfalls rezeptfreie, Anti-Milben-Mittel mit Benzylbenzoat auf dem Markt. Diese Substanz wirkt akarizid (Milben tötend), birgt allerdings die Gefahr von Nebenwirkungen wie Juckreiz und Hautreizungen, eine allergische Reaktion auf das chemische Repellent ist in Einzelfällen möglich.

Milben im Bett: Helfen spezielle, milbendichte Matratzenbezüge?

Lange galten auch sogenannte Encasings als Mittel der Wahl für Milbenallergiker. Es handelt sich dabei um spezielle, sehr dicht gewebte und somit beinahe luftdichte sowie allergenundurchlässige Bezüge für die Matratze. Die Therorie dahinter: Encasings sollen die Milben gleichsam in der Matratze einsperren und Allergiker so vor dem Kontakt mit deren Ausscheidungen und Überresten schützen.

Allerdings zeigten die Spezial-Bezüge in einer großen Übersichtsstudie wenig Wirkung. Weshalb sie Allergiker nur unzureichend vor "ihren" Allergenen bewahren, wurde den Autoren der Metaanalyse nicht ganz klar. Es könnte sein, dass die Bezüge zu selten gewaschen werden dürfen und sich deshalb auf der Oberseite wiederum viele Milben tummeln. Möglicherweise sind aber auch in der restlichen Wohnung noch zu viele Milben vorhanden, als dass Allergiker eine spürbare Erleichterung ihrer Symptome wahrnehmen können. Viele Allergiker, denen Encasings alleine kaum nützen, kombinieren milbendichte Überzüge deshalb mit einem Milbenspray.

Hausstauballergie: Tipps zu Behandlung und Vorbeugung

 

Wie kann man Hausstaubmilben noch zu Leibe rücken?

Neben Milben-Repellents etwa mit Mahalin gibt es eine Reihe mechanischer sowie physikalischer Hilfsmittel und Tipps, auf die Milbenallergiker zurückgreifen können. Der Deutsche Allergie und Asthmabund gibt Betroffenen folgende Ratschläge an die Hand, um die Milbenpopulation zu reduzieren:

  • Die Wohnung immer gut lüften und trocken halten, keine Luftbefeuchter installieren!
  • Matratzen nach spätestens acht Jahren austauschen
  • Bettdecke, Kissen und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad waschen
  • Staubfänger vermeiden: vor allem im Schlafbereich auf Vorhänge, offene Bücherregale und überflüssige Textilien verzichten
  • Kuscheltiere sollten ebenfalls bei 60 Grad waschbar sein oder von Zeit zu Zeit in die Tiefkühltruhe gelegt werden, denn tiefe Temperaturen töten die Milben
  • Teppiche und Polstermöbel zweimal jährlich mit Milben abschreckenden Substanzen behandeln
  • Milbendichte Filter in den Staubsauger einbauen

Hyposensibilisierung macht unempfindlich gegenüber Milbenkot

Bieten all diese Optionen keine ausreichende Hilfe, kommt gegen die Milbenallergie auch eine Hyposensibilisierung infrage. Dabei handelt es sich um eine kausale Therapie, sprich eine Behandlung, die die Ursache der Allergie – eine Überreaktion des Immunsystems – beheben kann. Allerdings sind die Erfolgssaussichten im Fall einer Hausstauballergie deutlich geringer als etwa bei Pollenallergien.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. August 2016

Reden Sie mit!

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Meistgeklickt zum Thema
Hausstauballergie: Tipps zu Behandlung und Vorbeugung
Hausstauballergie

Einfache Tipps im Alltag können die Symptome lindern. Welche Haushaltskniffe Milbenallergiker kennen sollten und was sonst noch wissenswert ist mehr...

Hausstauballergiker sollten jetzt gut lüften
Tipps fürs Immunsystem

Für Hausstaubmilben-Allergiker ist gründliches Lüften im Herbst besonders wichtig mehr...

"Encasing": Milbendichter Matratzenbezug zeigt wenig Wirkung
Milbenallergie vorbeugen

Milbendichte Bezüge sollen Allergiesymptome lindern. Stimmt nicht, sagen mehrere Studien mehr...

Wie gut ist Ihr Medizinwissen?
Allergene lösen Allergien aus: Doch wieviele davon gibt es? Was schätzen Sie?
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Ratgeber
Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang