Häufigste Kopfschmerzform

Spannungskopfschmerz: Symptome und Behandlung

Der drückende Spannungskopfschmerz wird meistens beidseitig empfunden, oft wie eine Haube. Seine Ursache ist unbekannt. Neben Medikamenten gibt es Hausmittel und Verhaltensänderungen, die helfen können.

Mann und Frau haben Kopfschmerzen
Häufig führen Verspannungen im Nacken zum Spannungskopfschmerz.
© iStock.com/Deagreez

Betroffene beschreiben Spannungskopfschmerzen häufig als dumpf und drückend. Meist tritt er beidseitig auf und kann in der Stirn, im Nacken oder wie eine Haube empfunden werden. Im Gegensatz zu Migräne wird der Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung nicht stärker und die Betroffenen können ihrem Alltag nachgehen. Viele Menschen leiden sporadisch am Spannungskopfschmerz. Treten die Beschwerden öfter auf, werden zwei Verlaufsformen unterschieden, der episodische und der chronische Spannungskopfschmerz.

Tipps und Hausmittel gegen Kopfschmerzen

Spannungskopfschmerz: Symptome

Bildhaft wird der Spannungskopfschmerz oft als "Band um den Kopf" beschrieben. Häufig ist es schwer, ihn zu lokalisieren. Er ist von leichter bis mittelschwerer Intensität. Nur gelegentlich kommt es zu Begleitsymptomen.

  • Der Spannungskopfschmerz wird als dumpf und drückend beschrieben, selten klopfend

  • Immer wird er beidseitig empfunden, meistens im Bereich der Stirn oder im Hinterkopf

  • Manche Patienten berichten vom Gefühl einer drückenden Haube

  • Der Schmerz ist leicht bis mittelschwer

  • Bei körperlicher Aktivität verstärkt sich der Schmerz kaum

  • Dauer: Eine Schmerzphase hält zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen an

  • Mögliche Begleitsymptome: Appetitlosigkeit, leichte Übelkeit und Lärm- sowie Lichtscheu

Manche Patienten leiden zusätzlich unter einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit der Kopfmuskulatur: der Druck auf Nacken-, Stirn- und Kaumuskeln wird als sehr unangenehm empfunden. Der normale Tagesablauf eines Betroffenen ist zwar gestört, aber durchaus möglich. Durch die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln und zusätzlich Koffein, Kodein oder Schlafmitteln kann sich ein Spannungskopfschmerz zum Dauerkopfschmerz entwickeln.

Zwei Formen von Spannungskopfschmerzen

  1. Ein sogenannter episodischer Spannungskopfschmerz äußert sich mit mindestens zehn Schmerzepisoden im Jahr, die insgesamt weniger als 180 Tage dauern.

  2. Viel seltener (nur circa 3 Prozent der Fälle) ist der chronische Spannungskopfschmerz, bei dem die Betroffenen über mehr als sechs Monate hinweg mindestens an 15 Tagen pro Monat an Kopfschmerzen leiden. Im Unterschied zum episodischen gibt es beim chronischen Spannungskopfschmerz keine feste Attackendauer.

Ursachen von Spannungskopfschmerzen

Bislang gibt es keine schlüssige Theorie zur Ursache dieser Art von Kopfschmerzen. Zu den Ursachen und Auslösern des Spannungskopfschmerzes gibt es bisher nur Vermutungen. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind verschiedene Faktoren an seinem Entstehen beteiligt. Daher sollte nicht ausschließlich eine einzelne Ursache verantwortlich gemacht und behandelt werden. Dies gilt vor allem für massive Eingriffe, wie kieferchirurgische Korrekturen des Zahnapparates.

  • Muskelverspannungen: Etwa 50 Prozent der Betroffenen weisen eine erhöhte Spannung in der Hals, Nacken- oder Rückenmuskulatur auf. Unklar ist, ob die Verspannungen Ursache oder Folge des Spannungskopfschmerzes ist.

  • Niedrige Schmerzschwelle: Als Schmerzschwelle gilt die Stärke eines Reizes, ab dem dieser als Schmerz empfunden wird. Jeder Mensch hat eine individuelle Schmerzschwelle, die sich durch verschiedene Faktoren, darunter zum Beispiel Stress, verändern kann. Möglicherweise ist die Schwelle beim chronischen Spannungskopfschmerz herabgesetzt, sodass bereits leichte Reize die Schmerzen auslösen können.

  • Psychische Ursachen: Manche Menschen entwickeln einen Spannungskopfschmerz bei Angst, Stress oder depressiven Erkrankungen an der Entstehung des Schmerzes beteiligt sein könnten. Die körpereigenen Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin sind an der Regulation der Schmerzwahrnehmung beteiligt. Daher könnte eine Störung im Haushalt dieser Stoffe den Spannungskopfschmerz begünstigen.

Überraschende Auslöser von Kopfschmerzen

Spannungskopfschmerz: Diagnose

Der Arzt befragt den Patienten bei Spannungskopfschmerz zuerst im Rahmen der Anamnese und untersucht ihn dann körperlich. Treten zusätzliche Symptome wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungen oder Krampfanfälle auf, werden vom Arzt bildgebende Untersuchungen des Gehirns und der Gefäße veranlasst.

Die Computertomographie (Craniale Computertomographie, CT) und die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) liefern schichtweise Aufnahmen von Schädel und Gehirn. Vor allem bei älteren Menschen, deren Kopfschmerzen neu entstanden sind, werden die bildgebenden Verfahren eingesetzt.

Neurologische Symptome können Vorboten eines Schlaganfalls sein, daher kommt auch die Dopplersonographie infrage. Mit dieser Art der Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Durchblutung der großen Schlagadern an Hals oder Kopf messen.

Therapie: Was kann man gegen Spannungskopfschmerzen tun?

Auch ohne Medikamente kann man den Spannungskopfschmerz behandeln. Manchmal werden Medikamente sogar überflüssig.

  • Entspannung: Regelmäßige Pausen, vor allem bei der Arbeit am Bildschirm oder beim Autofahren und Bewegung an der frischen Luft. Manchmal hilft auch die Massage von Schläfen oder Stirn mit Pfefferminzöl. Gezielte Entspannungstechniken oder ein Training zur Stressbewältigung können ebenfalls helfen.

  • Alkohol, Nikotin und Medikamente: Nicht Rauchen und wenig Alkohol trinken. Der übermäßige Gebrauch von Schmerzmitteln kann wiederum zum Schmerzmittelkopfschmerz führen – in diesem Fall ist ein Arztbesuch angezeigt.

  • Biofeedback: Bei diesem Verfahren werden Körpervorgänge gemessen und dem Patienten gemeldet. Er soll lernen, diese Vorgänge zu steuern. Biofeedback kommt bei erhöhter Spannung der Muskulatur von Kopf und Hals zum Einsatz. Ein Fühler misst die Muskelspannung. Der Patient empfängt optische oder akustische Signale. Er lernt so, sich auch in Stresssituationen rasch zu entspannen.

  • Muskelentspannung nach Jacobson: Dabei werden Spannung und Entspannung von Muskelgruppen geübt. Die Anspannung soll die Muskeln bewusst machen und die anschließende Entspannung fördern.

  • Stressbewältigungstraining: Dabei handelt es sich um ein Verfahren der Verhaltenstherapie. Es hilft den Patienten, als Stress empfundene Situationen früh zu erkennen und die eigene Position zu stärken. Belastende Situationen werden analysiert. Das Training umfasst auch Rollenspiele, Übungen zur Selbstsicherheit und zum bewussten Genießen mit allen Sinnen.

  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Die Nerven im Schmerzgebiet werden über Hautelektroden mit elektrischen Impulsen gereizt. Die Reize hemmen die Schmerzleitung und sollen als angenehm empfunden werden.

Fünf Hausmittel gegen Kopfschmerzen

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Behandlung mit Medikamenten

Bei der Behandlung vom episodischen Spannungskopfschmerz sollten nur einfache Schmerzmittel zum Einsatz kommen. Höchstens an zehn Tagen pro Monat sollten Patienten zu Schmerzmitteln greifen – und immer nur in Rücksprache mit einem Arzt.

Medikamente zur Behandlung des episodischen Spannungskopfschmerzes:

In der medikamentösen Therapie des chronischen Spannungskopfschmerzes gelten tri- und tetrazyklische Antidepressiva als Goldstandard. Die Datenlage ist insbesondere für Amitriptylin und die eng verwandte Substanz Amitriptylinoxid gut. Die Behandlung sollte dennoch nur in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Medikamente der ersten Wahl bei chronischem Spannungskopfschmerz:

  • Amitriptylin:25-150 mg pro Tag
  • Doxepin: 25-150 mg pro Tag
  • Maprotilin
  • Imipramim: 30-150 mg pro Tag
  • Clomipramin: 25-150 mg pro Tag
  • Mianserin: 30-90 mg pro Tag

Entzug von Medikamenten

Es gibt eine wachsende Zahl von Patienten, die täglich oder beinahe täglich Medikamente einnehmen. Meistens handelt es sich nicht nur um reine Schmerzmittel, sondern Schlaf- und um Beruhigungsmittel, denen zusätzlich Kodein oder Koffein zugesetzt ist. Die dauerhafte Therapie kann zum sogenannten medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz führen. Am Anfang der Behandlung steht dann immer der Entzug.

Die Entzugserscheinungen halten drei bis vier Tage an. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufstörungen, rascher Herzschlag, Unruhe und Schlafstörungen können auftreten. Auf jeden Fall muss der Entzug unter ärztlicher Kontrolle stattfinden.

Spannungskopfschmerzen vorbeugen

Ratsam ist für Menschen mit Spannungskopfschmerzen Entspannung und körperliche Aktivität. Bewährt haben sich folgende Tipps:

  • Entspannung: Einige depressionslösende Medikamente werden auch zur Prophylaxe von Spannungskopfschmerz eingesetzt.

  • Bei Stress: Ans geöffnete Fenster stellen und tief durchatmen. Den Kopf nach vorne und auf die Seiten fallen lassen, um die Muskulatur im Nacken zu dehnen. Mit dem Schultergelenk Kreise beschreiben.

  • Auf eine bequeme Haltung und genügend Licht am Arbeitsplatz achten. Wer im Sitzen arbeitet, sollte öfter die Position wechseln oder aufstehen und umher gehen.

  • Viel frische Luft tanken und in eine gute Matratze investieren.

  • Regelmäßig Sport treiben: Drei- bis viermal die Woche 20 bis 30 Minuten Joggen, Schwimmen oder Radfahren sind gut für Kondition und Entspannung. Beim Training darf die Pulsfrequenz 180 Schläge pro Minute minus Lebensalter nicht übersteigen. Wer über 35 Jahre alt ist und vorher keinen Sport betrieben hat, sollte sich vorher vom Arzt untersuchen lassen.

  • Nicht Rauchen und wenig Alkohol trinken.

  • Akupunktur: Dabei werden feine Nadeln in bestimmte Punkte der Haut gestochen, wodurch die körpereigene Schmerzhemmung aktiviert werden soll. Bei der kassenärztlichen Vereinigung oder der Deutschen Gesellschaft für Akupunktur können Namen und Adressen erfragt werden.

Wenn das Wetter Kopfschmerzen verursacht

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Spannungskopfschmerz vorbeugen mit Medikamenten

Besteht der Spannungskopfschmerz länger als drei Monate, ist eine medikamentöse Prophylaxe möglich. Vorausgesetzt, er tritt öfter als an zehn Tagen pro Monat auf und hält dann mindestens einen halben Tag lang an. Vorher muss aber ein medikamteninduzierter Dauerkopfschmerz ausgeschlossen werden.

Medikamente zur Vorbeugung sind beispielsweise: Amitriptylin, Imipramin oder Clomipramin. Die Medikamente sind verschreibungspflichtig. Die Behandlung sollte unbedingt durch einen Arzt betreut werden. Alle Medikamente gehören zur Klasse der trizyklischen Antidepressiva. Sie ändern die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn, wie zum Beispiel Serotonin oder Noradrenalin.

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