Häufigste Kopfschmerzform

Spannungskopfschmerz

Der dumpfe drückende Spannungskopfschmerz wird meistens beidseitig empfunden, oft wie eine Haube. Seine Ursache ist unbekannt. Neben Medikamenten gibt es Hausmittel und Verhaltensänderungen, die helfen können.

Mann und Frau haben Kopfschmerzen
Häufig führen Verspannungen im Nacken zum Spannungskopfschmerz.
© iStock.com/Deagreez

Als dumpf und drückend wird der Spannungskopfschmerz beschrieben. Meist tritt er beidseitig auf und kann in der Stirn, im Hinterhaupt oder auch wie eine Haube empfunden werden. Üblicherweise halten die Beschwerden 30 Minuten bis zu sieben Tagen an. Der Schmerz ist eher mittelmäßig ausgeprägt oder sogar leichterer Natur. Bei Anstrengung verstärkt sich der Schmerz kaum oder gar nicht. Die Patienten können ihrer gewohnten Beschäftigung nachgehen. Im Gegensatz dazu wird bei Migräne der Schmerz bei körperlicher Anstrengung stärker und die Betroffenen können ihrem Alltag nicht nachgehen.

Namensgebend war die Vermutung, eine erhöhte Anspannung der Nackenmuskulatur sei die Ursache vom Spannungskopfschmerz. Heute wissen wir, dass höchstens die Hälfte der Patienten eine erhöhte Muskelspannung zeigt. Ob diese nun Ursache oder Folge des Kopfschmerzes ist, blieb bislang ungeklärt.

Viele Menschen leiden sporadisch am Spannungskopfschmerz. Treten die Beschwerden öfter auf, so werden je nach Häufigkeit der Beschwerden zwei Verlaufsformen unterschieden, der episodische und der chronische Spannungskopfschmerz.

Tipps und Hausmittel gegen Kopfschmerzen

Spannungskopfschmerz: Symptome

Der Spannungskopfschmerz ist von leichter bis mittelschwerer Intensität. Er tritt immer beidseitig auf. Nur gelegentlich kommt es zu Begleitsymptomen.

Typische Beschwerden

  • Der Spannungskopfschmerz wird als dumpf und drückend beschrieben, selten klopfend

  • Immer wird er beidseitig empfunden, meistens im Bereich der Stirn oder im Hinterkopf

  • Manche Patienten berichten vom Gefühl einer drückenden Haube

  • Der Schmerz ist leicht bis mittelschwer und auch während der Schmerzphasen können die Patienten meistens ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen

  • Bei körperlicher Aktivität verstärkt sich der Schmerz kaum

  • Eine Schmerzphase hält zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen an

Bildhaft wird der Spannungskopfschmerz oft als "Band um den Kopf" beschrieben. Häufig ist es schwer, ihn zu lokalisieren. Manche Patienten leiden zusätzlich unter einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit der Kopfmuskulatur: der Druck auf Nacken-, Stirn- und Kaumuskeln wird als sehr unangenehm empfunden. Ohne Behandlung dauert ein Anfall in der Regel zwischen einer halben Stunde und sieben Tagen.

Im Unterschied zur Migräne verstärkt sich der Spannungskopfschmerz nicht bei körperlicher Belastung, sondern verbessert sich gelegentlich sogar. Der normale Tagesablauf eines Betroffenen ist zwar gestört, aber durchaus möglich. Auch die für Migräne typischen Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen sind nicht vorhanden, manche Patienten sind jedoch licht- und lärmempfindlich.

Zwei Formen von Spannungskopfschmerzen

  1. Ein sogenannter episodischer Spannungskopfschmerz äußert sich mit mindestens zehn Schmerzepisoden im Jahr, die insgesamt weniger als sechs Monate (180 Tage) dauern.

  2. Viel seltener (nur circa 3 Prozent der Fälle) ist der chronische Spannungskopfschmerz, bei dem die Betroffenen über mehr als sechs Monate hinweg mindestens an 15 Tagen pro Monat an Kopfschmerzen leiden. Im Unterschied zum episodischen gibt es beim chronischen Spannungskopfschmerz keine feste Attackendauer. Der Kopfschmerz kann entweder fortwährend oder zeitlich begrenzt bestehen. Zudem kann beim chronischen Spannungskopfschmerz in Einzelfällen Übelkeit auftreten, die jedoch ohne Erbrechen besteht.

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Der Spannungskopfschmerz geht nur selten mit zusätzlichen Beschwerden einher. Appetitlosigkeit, leichte Übelkeit und gelegentlich Lärm- sowie Lichtscheu kommen vor. Durch die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln und zusätzlich Koffein, Kodein oder Schlafmitteln kann sich ein Spannungskopfschmerz zum Dauerkopfschmerz entwickeln.

Spannungskopfschmerz: Ursachen

Die Bezeichnung "Spannungskopfschmerz" wurde erst 1988 von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft eingeführt. Es gibt keine schlüssige Theorie zur Ursache dieser Kopfschmerzerkrankung. Zu den Ursachen und Auslösern des Spannungskopfschmerzes gibt es bisher nur Vermutungen. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind verschiedene Faktoren an seinem Entstehen beteiligt. Daher sollte nicht ausschließlich eine einzelne Ursache verantwortlich gemacht und behandelt werden. Dies gilt vor allem für massive Eingriffe, wie kieferchirurgische Korrekturen des Zahnapparates.

Muskelverspannungen und niedrige Schmerzschwelle

Ursprünglich galten Muskelverspannungen als einzige Ursache für Spannungskopfschmerzen. Mit den heute zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden weisen jedoch nur noch etwa 50 Prozent der Betroffenen eine erhöhte Spannung in der Hals, Nacken- oder Rückenmuskulatur auf. Unklar ist, ob die Verspannungen Ursache oder Folge des Spannungskopfschmerzes ist.

Als Schmerzschwelle gilt die Stärke eines Reizes, ab dem dieser als Schmerz empfunden wird. Jeder Mensch hat eine individuelle Schmerzschwelle, die sich durch verschiedene Faktoren, darunter zum Beispiel Stress, verändern kann. Möglicherweise ist die Schwelle beim chronischen Spannungskopfschmerz herabgesetzt, sodass bereits leichte Reize die Schmerzen auslösen können.

Psychische Ursachen von Spannungskopfschmerz

Manche Menschen entwickeln einen Spannungskopfschmerz bei seelischen Belastungen, sodass Angst, Stress oder depressive Erkrankungen an der Entstehung des Schmerzes beteiligt sein könnten. Die körpereigenen Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin sind an der Regulation der Schmerzwahrnehmung beteiligt. Daher könnte eine Störung im Haushalt dieser Stoffe den Spannungskopfschmerz begünstigen.

Überraschende Auslöser von Kopfschmerzen

Spannungskopfschmerz: Diagnose

Der Arzt befragt den Patienten bei Spannungskopfschmerz zuerst im Rahmen der Anamnese und untersucht ihn dann körperlich. Wenn er keine Hinweise auf neurologische Störungen findet, so kann er auf weitere Untersuchungen verzichten. Treten zusätzliche Symptome wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungen oder Krampfanfälle auf, werden vom Arzt bildgebende Untersuchungen des Gehirns und der Gefäße veranlasst. Auch zum Ausschluss eines Hirntumors hilft die bildliche Darstellung des Gehirns.

Bildgebende Verfahren bei Spannungskopfschmerzen

Die Computertomographie (Craniale Computertomographie, CT) und die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) liefern schichtweise Aufnahmen von Schädel und Gehirn. Vor allem bei älteren Menschen, deren Kopfschmerzen neu entstanden sind, werden die bildgebenden Verfahren eingesetzt. Mithilfe von CT und MRT kann der Arzt mit großer Sicherheit sagen, ob ein Tumor vorliegt oder nicht.

Neurologische Symptome können auch Vorboten eines Schlaganfalls sein, daher kommt auch die Dopplersonographie infrage. Mit dieser Art der Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Durchblutung der großen Schlagadern an Hals oder Kopf messen. Dabei werden die gemessenen Signale als Töne aufgezeichnet und in ein Bild umgewandelt.

Spannungskopfschmerz: Therapie

Bei Spannungskopfschmerzen sollte man nicht nur zu Schmerzmitteln greifen. Methoden ohne Medikamente und allgemeine Maßnahmen ergänzen die Behandlung. Manchmal werden Medikamente sogar überflüssig.

Spannungskopfschmerz behandeln – ohne Medikamente

Auch ohne Medikamente kann man einiges gegen den Spannungskopfschmerz unternehmen. Die geeignete Gestaltung von Lebensumständen und Alltag liegt in Ihrer Hand. Entspannungstechniken können helfen, auf Medikamente zu verzichten.

  • Entspannung: Regelmäßige Pausen, vor allem bei der Arbeit am Bildschirm oder beim Autofahren und Bewegung an der frischen Luft. Manchmal hilft auch die Massage von Schläfen oder Stirn mit Pfefferminzöl. Gezielte Entspannungstechniken oder ein Training zur Stressbewältigung können ebenfalls helfen.

  • Alkohol, Nikotin und Medikamente: Nicht Rauchen und wenig Alkohol trinken. Der übermäßige Gebrauch von Schmerzmitteln kann wiederum zum Schmerzmittelkopfschmerz führen – in diesem Fall ist ein Arztbesuch angezeigt.

  • Biofeedback: Bei diesem Verfahren werden Körpervorgänge gemessen und dem Patienten gemeldet. Er soll lernen, diese Vorgänge zu steuern. Biofeedback kommt bei erhöhter Spannung der Muskulatur von Kopf und Hals zum Einsatz. Ein Fühler misst die Muskelspannung. Der Patient empfängt optische oder akustische Signale. Er lernt so, sich auch in Stresssituationen rasch zu entspannen.

  • Muskelentspannung nach Jacobson: Dabei werden Spannung und Entspannung von Muskelgruppen geübt. Die Anspannung soll die Muskeln bewusst machen und die anschließende Entspannung fördern. Man braucht kein Gerät und kann alleine nach Anleitung oder in einer Gruppe trainieren.

  • Stressbewältigungstraining: Dabei handelt es sich um ein Verfahren der Verhaltenstherapie. Es hilft den Patienten, als Stress empfundene Situationen früh zu erkennen und die eigene Position zu stärken. Belastende Situationen werden analysiert. Das Training umfasst auch Rollenspiele, Übungen zur Selbstsicherheit und zum bewussten Genießen mit den Sinnen.

  • TENS: Dahinter verbirgt sich die transkutane elektrische Nervenstimulation. Die Nerven im Schmerzgebiet werden dabei über Hautelektroden mit elektrischen Impulsen gereizt. Die Reize hemmen die Schmerzleitung und sollen als angenehm empfunden werden. Der Patient kann das kleine Gerät an seiner Kleidung befestigen.

Fünf Hausmittel gegen Kopfschmerzen

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Behandlung mit Medikamenten

Bei der Behandlung vom episodischen Spannungskopfschmerz sollten nur einfache Schmerzmittel zum Einsatz kommen. Höchstens an zehn Tagen pro Monat sollten Patienten zu Schmerzmitteln greifen – und immer nur in Rücksprache mit einem Arzt.

Medikamente zur Behandlung des episodischen Spannungskopfschmerzes:

In der medikamentösen Therapie des chronischen Spannungskopfschmerzes gelten tri- und tetrazyklische Antidepressiva als Goldstandard. Die Datenlage ist insbesondere für Amitriptylin und die eng verwandte Substanz Amitriptylinoxid gut. Die Behandlung sollte dennoch nur in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Medikamente der ersten Wahl bei chronischem Spannungskopfschmerz:

  • Amitriptylin:25-150 mg pro Tag
  • Doxepin: 25-150 mg pro Tag
  • Maprotilin
  • Imipramim: 30-150 mg pro Tag
  • Clomipramin: 25-150 mg pro Tag
  • Mianserin: 30-90 mg pro Tag

Entzug von Medikamenten

Es gibt eine wachsende Zahl von Patienten, die täglich oder beinahe täglich Medikamente einnehmen. Meistens handelt es sich nicht nur um reine Schmerzmittel, sondern Schlaf- und um Beruhigungsmittel, denen zusätzlich Kodein oder Koffein zugesetzt ist. Die dauerhafte Therapie kann zum sogenannten medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz führen. Am Anfang der Behandlung steht dann immer der Entzug.

Die Entzugserscheinungen halten drei bis vier Tage an. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufstörungen, rascher Herzschlag, Unruhe und Schlafstörungen können auftreten. Auf jeden Fall muss der Entzug unter ärztlicher Kontrolle stattfinden. In manchen Fällen kann der Patient sogar zuhause bleiben.

Spannungskopfschmerz: Vorbeugen

Ratsam ist für Menschen mit Spannungskopfschmerzen Entspannung und körperliche Aktivität. Bewährt haben sich folgende Tipps:

  • Entspannung: Einige depressionslösende Medikamente werden auch zur Prophylaxe von Spannungskopfschmerz eingesetzt. Diese Arzneimittel machen nicht süchtig.

  • Wenn Sie unter Stress stehen, stellen Sie sich ans geöffnete Fenster, atmen tief durch und machen einfach Pause. Lassen Sie Ihren Kopf nach vorne und auf die Seiten fallen und dehnen Sie Ihre Nackenmuskulatur. Beschreiben Sie Kreise mit Ihrem Schultergelenk. Schließen Sie die Augen und entspannen Sie.

  • Achten Sie auf eine bequeme Haltung und genügend Licht am Arbeitsplatz. Wenn Sie im Sitzen arbeiten, dann wechseln Sie öfter die Position oder stehen Sie auf und gehen umher.

  • Gönnen Sie sich viel frische Luft und eine gute Matratze.

  • Treiben Sie regelmäßig Sport. Drei- bis viermal die Woche 20 bis 30 Minuten Joggen, Schwimmen oder Radfahren sind gut für Kondition und Entspannung. Beim Training darf Ihre Pulsfrequenz 180 Schläge pro Minute minus Ihr Lebensalter nicht übersteigen. Wer über 35 Jahre alt ist und vorher keinen Sport betrieben hat, sollte sich vorher vom Arzt untersuchen lassen.

  • Rauchen Sie nicht und trinken Sie wenig Alkohol.

Akupunktur gegen Spannungskopfschmerz

Bei dieser alten chinesischen Behandlungsmethode werden feine Nadeln in bestimmte Punkte der Haut eingestochen. Sie sollen so die körpereigene Schmerzhemmung aktivieren. Beim Spannungskopfschmerz wird immer wieder von einer vorbeugenden Wirkung der Akupunktur berichtet. In manchen Regionen unterhält die Kassenärztliche Vereinigung eine Informationsstelle, bei der man Namen und Adressen von ärztlichen Akupunkteuren erfragen kann. Auch die Deutsche Gesellschaft für Akupunktur stellt Informationen zur Verfügung.

Spannungskopfschmerz vorbeugen mit Medikamenten

Besteht der Spannungskopfschmerz länger als drei Monate, so ist eine medikamentöse Prophylaxe möglich. Vorausgesetzt, er tritt öfter als an zehn Tagen pro Monat auf und hält dann mindestens einen halben Tag lang an. Vorher muss aber ein medikamteninduzierter Dauerkopfschmerz ausgeschlossen werden.

Medikamente zur Vorbeugung sind beispielsweise: Amitriptylin, Imipramin oder Clomipramin. Die Medikamente sind verschreibungspflichtig. Die Behandlung sollte unbedingt durch einen Arzt betreut werden. Alle Medikamente gehören zur Klasse der trizyklischen Antidepressiva. Namensgebend ist ihre Grundstruktur, die aus drei Ringen besteht. Sie ändern die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn, wie zum Beispiel Serotonin oder Noradrenalin. So können sie nicht nur Depressionen lösen, sondern das Schmerzempfinden beeinflussen. Zur Schmerzbekämpfung genügt eine niedrigere Dosis als zur Behandlung einer Depression.

Als Nebenwirkungen können Mundtrockenheit, Kreislaufstörungen und Probleme beim Wasserlassen auftreten. Amitriptylin und Doxepin wirken zudem beruhigend, Imipramin und Clomipramin eher anregend. Die Nebenwirkungen setzen sofort ein. Ob das Medikament die erwünschte schmerzstillende Wirkung zeigt, kann man aber frühestens nach zwei Wochen beurteilen.

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