Eingeengter Nerv

Karpaltunnelsyndrom (KTS): Nerven der Hand unter Druck

Das Karpaltunnelsyndrom verursacht schmerzhaftes Kribbeln und Einschlafen der Hände. Ursache ist, dass das Gewebe im Handwurzelkanal anschwillt und den dort verlaufenden Nerv immer stärker unter Druck setzt. Am Karpaltunnelsyndrom erkranken Frauen weit häufiger als Männer. Je früher Ärzte den gequetschten Nerv entlasten, desto günstiger stehen die Heilungschancen. Am besten gelingt dies, wenn die Hand ruhiggestellt wird, manchmal aber auch erst durch eine Operation.

Karpaltunnelsyndrom
Vom Karpaltunnelsyndrom sind oft beide Handgelenke betroffen.
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Zähneputzen, telefonieren, ein Brot streichen, tippen – während wir wach sind, haben unsere Hände pausenlos zu tun. Wenn jede Bewegung schmerzt, die Hände nachts taub werden, einschlafen und kribbeln, kann das Karpaltunnelsyndrom (KTS) schuld sein. Es entsteht, wenn das Gewebe im Handwurzelkanal anschwillt. Dann engt es den Medianusnerv ein, der an der Innenseite des Handgelenks durch den Karpaltunnel verläuft. Dieser Nerv versorgt verschiedene Bereiche der Hand mit Nervenimpulsen. Wird er abgedrückt, sind Schmerzen, Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle die Folge. Betroffene verspüren sie meist in den Daumenballen und jenen Fingern, für die der Medianusnerv zuständig ist, nämlich die Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

Frauen erkranken etwa dreimal so oft wie Männer. Meist entwickelt sich das Problem zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Oft zeigt es sich gleich an beiden Handgelenken. Wer viel und schwer mit den Händen arbeitet, besitzt ein höheres Risiko. Es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie häufig das Leiden tatsächlich vorkommt. Ärzte schätzen aber, dass etwa drei von 1.000 Menschen jährlich neu daran erkranken. Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung geben an, leichte Symptome zu verspüren.

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Karpaltunnelsyndrom: Diese Symptome sind typisch

Das Problem macht sich anfangs durch Schmerzen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle in den Daumen, Zeige- und Mittelfingern bemerkbar, die meist nachts auftreten. Betroffene beschreiben ein Gefühl, als würden ihre Hände einschlafen. Im Anfangsstadium bessern sich die Symptome noch, wenn sie das Handgelenk ausschütteln. Später setzen die Schmerzen, Taubheits- und Kribbelgefühle auch tagsüber bei bestimmten Tätigkeiten ein, dazu gehören Radfahren oder Handarbeiten wie Stricken, die das Handgelenk beanspruchen.

Lähmungen als Spätsymptom

Gerät der Nerv immer weiter unter Druck, treten Missempfindungen auf, die Betroffene als „elektrische Schläge“ beschreiben. Dazu kommen Schmerzen, die nicht mehr nur lokal sind, sondern in andere Bereiche ausstrahlen. Schreitet das Karpaltunnelsyndrom weiter fort, sind sogar Lähmungserscheinungen bestimmter Daumenmuskeln (Daumenballen) möglich. Auch die Haut kann sich verändern.

Welche Ursachen für das Karpaltunnelsyndrom infrage kommen

Der Karpaltunnel ist eine kleine Röhre, die im Bereich der Handwurzel an der Innenseite der Handgelenke liegt. In diesem Tunnel verlaufen der Medianusnerv (Mittelnerv) und die Sehnen der langen Fingerbeugemuskulatur. Knochen und Bindegewebe, das sogenannte Karpalband (Retinaculum), begrenzen den Karpaltunnel von außen. Der Medianusnerv steuert die Empfindlichkeit und Beweglichkeit bestimmter Handbereiche (Daumenballen) und einiger Finger.

Engt geschwollenes Gewebe den Nerv ein und übt damit Druck auf ihn aus, verspüren Betroffene Schmerzen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle. Zudem bilden sich Wasseransammlungen (Ödeme) und im Nerv selbst beginnt ein chemischer Umbauprozess. Auch die Muskeln im Daumenballen können sich zurückbilden (Muskelatrophie), weil der "abgequetschte" Medianusnerv sie nicht mehr ausreichend versorgt.

Verursacher sind meist andere Krankheiten

Ärzte vermuten, dass übermäßige oder falsche Belastungen der Hände das Leiden auslösen. Schuld sind eintönige Tätigkeiten, die die Hände stark fordern, oder anhaltend starker Druck auf das Handgelenk. Häufige Ursachen sind außerdem bestehende Grunderkrankungen, die mit entzündlichen Prozessen in den Gelenken einhergehen, zum Beispiel die rheumatoide Arthritis.

Daneben können Verletzungen des Handgelenks das Syndrom auslösen. Dazu gehören ein Bruch oder entzündete und geschwollene Sehnenscheiden, die einen Engpass für den Nerv bedeuten. Zusätzlich spielen Gicht, hormonelle Veränderungen, genetische Defekte oder Tumoren innerhalb des Wurzelkanals eine Rolle, die den Medianusnerv einengen. In vielen Fällen finden Ärzte aber keine Ursache für die Beschwerden.

Karpaltunnelsyndrom: So läuft die Diagnose ab

Hinter Beschwerden in Hand und Fingern kann eine Vielzahl von Erkrankungen stecken. Deshalb ist die Diagnostik manchmal sehr umfangreich. Zunächst gilt es, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen. Dazu gehören eine Durchblutungsstörung im Arm sowie die Schädigung zahlreicher Nerven (Polyneuropathie) oder der Halswirbelsäule.

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Mittels Neurographie prüft der Arzt den Zustand, die Funktionsfähigkeit und Leitungsgeschwindigkeit des Medianusnerven. Die Untersuchung liefert konkrete Hinweise auf das Karpaltunnelsyndrom, wenn ein bestimmter Wert der Leitgeschwindigkeit unterschritten wird. Dieser zeigt, dass der Nerv nicht intakt ist. Die Elektromyographie kann die Diagnose untermauern. Sie misst die elektrische Spannung in einem Muskel. Hat sich die Muskulatur am Daumenballen schon zurückgebildet, ist das Karpaltunnelsyndrom auch gut optisch erkennbar.

Karpaltunnelsyndrom behandeln: Von Ruhigstellung bis OP

Im frühen Stadium therapieren spezielle Schienen (Orthesen), die das Handgelenk ruhigstellen, das Leiden. Das entzündungshemmende Medikament Kortison erhalten Patienten als Tabletten oder Spritzen lokal in den schmerzenden Handbereich.

Wann ist eine Operation ratsam?

Bessern diese Therapien die Beschwerden nicht, ist eventuell eine Operation empfehlenswert. Dabei durchtrennt der Operateur den ringförmigen Bandapparat vollständig (Retinaculum-Spaltung) und entlastet so den Nerv. Die Operation lässt sich offen von außen mit einem größeren Schnitt oder endoskopisch (minimal-invasiv) mit wenigen kleinen Schnitten durchführen. Chirurgen operieren oft ambulant, so dass ein stationärer Aufenthalt nicht notwendig ist. Der Arzt legt einen Verband und in manchen Fällen zusätzlich eine Schiene an, um das Handgelenk ruhigzustellen. Der Patient kann direkt nach dem Eingriff nach Hause gehen.

Während der Wundheilung erfolgt eine regelmäßige Kältebehandlung. Manche Patienten nehmen vorübergehend Schmerzmittel ein. Eine Physiotherapie hilft, die betroffene Hand wieder funktionsfähig und beweglicher zu machen. Meist ist die operierte Hand nach einigen Wochen wieder voll einsatzfähig.

Eine frühe Behandlung begünstigt den Verlauf des Syndroms

Je früher Ärzte ein Karpaltunnelsyndrom erkennen und behandeln, desto günstiger ist der Verlauf. Erfahrungsgemäß verschlechtert sich die Prognose, wenn die Beschwerden drei Jahre und länger bestehen. Nach einer Operation können sich Narbenschmerzen entwickeln, die jedoch nach etwa sechs Monaten abklingen. Ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung die Ursache, kann das Problem selbst nach einer Operation wieder auftreten. Dann ist ein erneuter Eingriff nötig.

Wie kann man dem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen?

Aufgrund der vielfältigen Ursachen ist es kaum möglich, wirksam und gezielt vorzusorgen. Hilfreich ist es, Stellungen des Handgelenks zu vermeiden, die mit einer Druckbelastung des Medianusnerven verbunden sind. Dauerhafte Kompressionen des Handgelenks begünstigen das Leiden.

Diese Tipps können außerdem helfen, ein KTS gar nicht erst entstehen zu lassen:

  • Während der Arbeit am PC oder Laptop ist es sinnvoll, dass Hände, Handgelenke und Arme eine Linie bilden.

  • ergonomisches Büro: Auflagen für die Gelenke oder geteilte Tastaturen sorgen dafür, dass die Hände in der richtigen Position bleiben.

  • Wer viel am Computer schreibt, sollte öfter eine Pause einlegen.

  • Häufiger Hände und Handgelenke ausschütteln – das lockert die Muskulatur.

  • Öfters Gymnastik mit Händen und Fingern ausführen, um sie beweglich zu halten.

  • In der Freizeit Tätigkeiten einschränken, die für die Handgelenke eine Belastung darstellen, zum Beispiel Stricken.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. November 2017
Durch: sist
Quellen: S3 Leitlinie "Karpaltunnelsyndrom: Diagnostik und Therapie", Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie, Neurochirurgie, Neurologie und Orthopädie, Stand: 6/2012; Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), https://www.gesundheitsinformation.de/ (Abruf: 22.5.2017); Cotta, H. Heipertz, W. Hüter-Becker, A. Rompe, G.; Krankengymnastik Band 5: Orthopädie, Thieme; Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter

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