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Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Mit dem oralen Glukosetoleranztest (oGTT) kann die Fähigkeit des Körpers, Zucker zu verarbeiten, überprüft werden. Der Test wird vor allem zur Frühdiagnose von Diabetes mellitus eingesetzt.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
Acht bis zwölf Stunden vor dem oGTT und während des Tests sind Kaffee und Zigaretten tabu.
(c) Ryan McVay

Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) ist im Prinzip ein Zuckerbelastungstest, für welchen eine zuckerhaltige Lösung getrunken wird. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel sprunghaft an. Durch Blutzuckeruntersuchungen in den folgenden zwei Stunden wird überprüft, wie schnell der Körper den Zucker verarbeiten kann und der Blutzuckerspiegel sich wieder normalisiert. Von der Norm abweichende Werte weisen auf Frühformen eines Diabetes hin oder können die Diagnose dieser Stoffwechselerkrankung sichern.

Glukose gelangt direkt ins Blut

Glukose gehört zu den Kohlehydraten und ist ein sogenannter Einfachzucker, der im Gegensatz zu anderen  Arten von Kohlenhydraten ohne weitere Aufspaltung direkt vom Darm in das Blut gelangt. Daher führt die Einnahme von Glukose schnell zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Bei einem Stoffwechselgesunden werden jetzt Mechanismen zum Abbau des Blutzuckers ausgelöst, sodass die Blutzuckerkonzentration sich nach gewisser Zeit wieder auf normale Werte einpendelt. Funktionieren diese Mechanismen beispielsweise aufgrund einer Insulinresistenz oder einer Diabeteserkrankung nicht richtig, bleibt der Blutzuckerspiegel über längere Zeit hinweg erhöht.

Zu einem oGTT wird Ihr Arzt – in der Regel der Hausarzt – Ihnen vor allem raten bei Verdacht auf eine Diabeteserkrankung, wenn beispielsweise bei einer Nüchtern-Blutuntersuchung ein erhöhter Blutzuckerwert festgestellt wurde, oder um einen Schwangerschafts- oder, medizinisch ausgedrückt, einen Gestationsdiabetes auszuschließen, sowie bei entsprechenden Risikofaktoren wie Adipositas, Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen oder eine familiäre Vorbelastung. Die Amerikanische Diabetesgesellschaft (American Diabetes Association, ADA) empfiehlt den oGTT prophylaktisch für alle über 45-Jährigen, um Zuckererkrankungen möglichst früh aufzudecken.

Menstruation verfälscht oGTT-Ergebnis

Im Vorfeld des oGTT gilt es einiges zu beachten. Dies beginnt mit der Terminplanung für den oGTT: Akute Erkrankungen sollten mindestens 32 Wochen vor dem Test auskuriert sein, und Frauen müssen beachten, dass drei Tage vor, während und drei Tage nach der Menstruation kein oGTT gemacht werden sollte.

Mindestens drei Tage vor dem Test ist eine kohlenhydratreiche Kost von etwa 200 Gramm (150 bis 250 Gramm) Kohlenhydraten pro Tag Pflicht, um ein aussagekräftiges Testergebnis zu erhalten.

Bestimmte Medikamente, beispielsweise aus der Gruppe oraler Antidiabetika, bestimmte Schmerzmittel oder hormonelle Verhütungsmittel müssen drei Tage vor dem Test in Absprache mit dem Arzt abgesetzt oder ihre Einnahme protokolliert werden, da sie das Testergebnis beeinflussen können. Am besten nennen Sie Ihrem Arzt alle Medikamente, die Sie einnehmen, und besprechen mit Ihm, wie Sie diesbezüglich verfahren sollen.

Durchführung des oralen Glukosetoleranztests

Mindestens acht bis zwölf Stunden vor dem Test gilt Kaffee- und Rauchverbot, auch sollten Sie sich dann nicht mehr besonders körperlich anstrengen. Auf Nahrung und Alkohol sollten Sie mindestens zehn bis maximal 16 Stunden vor der Testung verzichten. Nur Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt.

Für den oralen Glukosetoleranztest werden Sie in der Regel morgens zwischen 8 und 9 Uhr in die Arztpraxis einbestellt. Zunächst wird man Ihnen Blut entnehmen – für Labortests üblicherweise aus einer Armvene – , um den Nüchtern-Blutzuckerwert zu bestimmen.

Danach trinken Sie 75 Gramm Glukose, aufgelöst in 250 bis 300 Milliliter Wasser innerhalb von fünf Minuten. Für Kinder ist der Glukoseanteil in der Lösung niedriger, er richtet sich nach dem Körpergewicht, wobei 75 Gramm die Obergrenze ist. Nach zwei Stunden wird erneut Blut für einen weiteren Blutzuckertest entnommen. Zu beachten ist, dass während der gesamten Dauer des Tests nicht gegessen, getrunken oder geraucht werden darf.

Normale und erhöhte Werte beim Glukosetoleranztest

Der Blutzuckergehalt wird entweder in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben.

Die Tabelle zeigt Normalwerte und erhöhte Werte für den oGTT:

  Normale Werte erhöhte Werte stark erhöhte Werte
Nüchtern-Wert

unter 100 mg/dl bzw.

unter 5,6 mmol/l

100 bis 125 mg/dl bzw.

5,6 bis 6,9 mmol/l

über 125 mg/dl bzw.

über 6,9 mmol/l

Zwei-Stunden-Wert

unter 140 mg/dl bzw.

unter 7,8 mmol/l

140 bis 199 mg/dl bzw.

7,8 bis 11,0 mmol/l

über 199 mg/dl bzw.

über 11,0 mmol/l

Erhöhte Werte deuten auf eine gestörte Glukosetoleranz hin, was bedeutet, dass Ihr Körper Zucker nicht so gut verwertet, wie er es sollte. Sie ist in der Regel  eine Vorstufe für eine Diabeteserkrankung.

Noch höhere Werte sind typisch für einen bereits bestehenden Diabetes.

oGTT-Werte bei Schwangerschaft

Bei einem Test auf Schwangerschaftsdiabetes wird zusätzlich nach 60 Minuten der Blutzuckerwert bestimmt. Für Schwangere gelten dabei etwas andere Werte:

  Normale Werte
Nüchtern unter 95 mg/dl  (5,0 mmol/l)
nach einer Stunde unter 180 mg/dl (10 mmol/l)
nach zwei Stunden unter 155 mg/dl (8,6 mmol/l)

Werden zwei der Grenzwerte erreicht oder überschritten, deutet dies auf einen Schwangerschaftsdiabetes hin, wird nur einer erreicht oder überschritten, ist von einer gestörten Glukosetoleranz auszugehen.

Wann kein oGTT durchgeführt werden sollte

Der oGTT ist ein einfacher und ungefährlicher Test, wenn die Kontraindikationen beachtet werden, also Voraussetzungen, unter denen von einem oGTT abgesehen werden sollte. Dies ist zum Beispiel bei einem bereits diagnostizierten Diabetes der Fall oder wenn Erkrankungen vorliegen, die mit einer gestörten Glukoseverwertung einhergehen. Hier sind unter anderem Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Lebererkrankungen wie Leberzirrhose oder Hepatitis zu nennen.

Auch ein Nüchtern-Blutzuckerwert von über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder ein zufällig gemessener Wert von über 200 mg/dl (11,0 mmol/l) spricht gegen einen oGTT.

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