Früherkennung für Männer

Streit um Prostata-Biopsie zur Krebsvorsorge

Prostatakrebs ist bei Deutschlands Männern der häufigste bösartige Tumor - und die dritthäufigste Todesursache durch Krebs. Doch bei Vorsorge und Früherkennung kneifen viele Herren. Das will ein Flensburger Urologie-Professor ändern.

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Male genitals anatomy posterior view
Getty Images/iStockphoto

Schuld daran, dass viele Männer schon beim Wort "Prostatakrebsvorsorge" schaudern, ist nicht nur die Angst vor unangenehmen Untersuchungen. Auch die Methoden der Früherkennung von Tumoren der Vorsteherdrüse sind immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen.

So sorgt etwa der Tumormarker für manche Verwirrung, weil er eben nicht nur gefährliche Entwicklungen anzeigt, sondern daneben auch harmlose Tumore der Prostata outet - und damit unnötige Ängste schürt und überflüssige Behandlungen zur Folge hat.

Denn entscheidet sich der Mann neben der Tastuntersuchung für die PSA-Wert-Bestimmung und ist dieser Entzündungswert zu hoch, dann werden vorsichtshalber Gewebeproben aus der Prostata entnommen - derzeit zehn bis zwölf pro Check.

Neue Ultraschall-Technik für weniger Einstiche in die Prostata

Der Flensburger Urologe Professor Tillmann Loch wirbt nun für ein Ultraschall-Verfahren, das die Zahl dieser Biopsien deutlich verringern könnte. Doch die Urologen-Fachgesellschaft zieht nicht mit, weil größere Studien zur Ultraschallanalyse bei der Prostatakrebsvorsorge fehlen.

Dabei sieht es aus Sicht von Tillmann Loch ganz einfach aus: "Es geht darum, verdächtige Areale einzugrenzen und Gewebeproben deutlich gezielter zu entnehmen als bisher." Dazu gleichen Loch und Kollegen die Ultraschallaufnahmen mit einer großen Datenbank von Prostatakrebs-Fällen ab - und markieren so diejenigen Areale, die Gefahren bergen könnten.

Kritiker wollen an bisheriger Prostata-Biopsie festhalten

Nur sechs statt bis zu zwölf Biopsie-Einstiche seien dann nötig, sagt Loch. Das spare auch viel Geld. Mehr als hundert Praxen arbeiten in Deutschland bereits mit dem "C-Trus/Anna" genannten Verfahren. Lochs Team hat zwar schon Tausende Ultraschallbilder untersucht, aber bislang erst die von 60 Patienten in einer Studie ausgewertet.

Professor Lothar Weißbach, Vorstand der Stiftung Männergesundheit und früherer Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, hält das für zu wenig. "Prostatakrebs ist ein ubiquitärer Krebs - er kommt überall in der Prostata vor", sagt er. Der Urologe hält es bei der derzeitigen Datenlage für geboten, weiterhin zwölf Biopsien pro Check durchzuführen.

Therapiemöglichkeiten zwischen Beobachtung und Operation

Werden die Mediziner bei der Prostatakrebsvorsorge fündig, stellt sich die Frage nach der richtigen Behandlung: Denn zumeist werden die extrem langsam wachsenden Tumoren in einem frühen, lokal begrenzten Stadium erkannt. Dann sind mehrere Therapiemethoden denkbar - das Spektrum reicht von engmaschiger Beobachtung über Hormongabe, Bestrahlung bis zur operativen Entfernung der Prostata.

Aktive Überwachung soll Zahl der Eingriffe senken

"Derzeit dominiert die Operation als Methode der Wahl überwältigend, aber das wird sich ändern", ist Weißbach überzeugt. Er ist ein Verfechter der aktiven Überwachung des Prostatatumors. Das heißt: PSA-Wert, Tastbefund und gegebenenfalls Biopsien im vierteljährlichen Rhythmus.

Wie Sport Männern zu langem Leben verhilft

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. Februar 2016

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Prostatabeschwerden
    Vergrößerte Prostata
    21.03.2014 | 18:52 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich war heute beim Urologen wo festgestellt wurde dass sich...   mehr...

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