Nahrungsmittelunverträglichkeit

Laktoseintoleranz

Milchzuckerunverträglichkeit (Laktosemalabsorption)

Unter Laktoseintoleranz oder Milchzuckerunverträglichkeit leiden Menschen, die den in Milch vorkommenden Zucker Laktose nicht aufspalten können, weil ihnen ein Enzym dazu fehlt - die Laktase.

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Laktoseintoleranz zählt zu den häufigsten Lebensmittelunverträglichkeiten. Nach dem Milchkonsum plagen Betroffene Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.
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Menschen mit einer Laktoseintoleranz oder Milchzuckerunverträglichkeit bilden mit zunehmendem Lebensalter keine oder zu wenig von dem Enzym Laktase, so dass der Milchzucker gar nicht oder nur verzögert abgebaut wird. Die Laktose gelangt ungespalten in den Dickdarm, wo Bakterien sie unter Gasbildung vergären.

Bei der Laktase handelt es sich um ein Enzym, das im Dünndarm aller gesunden Säuglinge vorkommt. Die Laktase spaltet den Milchzucker in Galaktose und Glukose (Traubenzucker) auf. Diese Zuckerarten werden anschließend über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen.

13 fiese Laktosefallen

 

Symptome der Laktoseintoleranz reichen von Blähungen bis Depression

Symptome, die aus der Laktoseintoleranz folgen, sind dementsprechend Blähungen, Bauchschmerzen und -krämpfe, Durchfall und Übelkeit. Aber auch unspezifische Anzeichen wie anhaltende Müdigkeit, depressive Verstimmung oder Konzentrationsstörungen können bei einer Milchzuckerunverträglichkeit auftreten.

Schätzungen zufolge leidet nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung an mehr oder weniger ausgeprägtem Laktasemangel. Von einer Laktoseintoleranz sprechen Experten aber nur, wenn der Enzymmangel zu den obigen Symptomen führt. Ansonsten handelt es sich um eine sogenannte Malabsorption.

Laktoseintoleranz in Asien und Afrika die Regel, bei uns die Ausnahme

In Deutschland weisen etwa 15 Prozent der Menschen eine Laktoseintoleranz auf, während in Ländern in Schwarzafrika bis zu 90 Prozent der Menschen keine Milchzucker vertragen In asiatischen Ländern sind ebenfalls zwischen 80 und 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von Laktoseintoleranz betroffen. Ursächlich ist meist ein genetischer Enzymmangel, seltener eine angeborene Erbkrankheit oder auslösende Erkrankungen zum Beispiel des Darms.

Laktoseintoleranz: Diese Ursachen stecken hinter der Unverträglichkeit

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Wo Milchwirtschaft verbreitet ist, leiden nur wenige Menschen an Laktoseintoleranz.
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Die Ursache der Laktoseintoleranz ist ein Mangel am Enzym Laktase. Dadurch sind die Aufspaltung des Milchzuckers und die anschließende Aufnahme in die Blutbahn nicht möglich. Der Milchzucker verbleibt im Darm und wird dort von Bakterien zu Milchsäure und Gasen abgebaut. Nach dem Auslöser der Laktoseintoleranz werden drei Formen unterschieden:

Laktoseintoleranz bei traditioneller Milchwirtschaft selten

  • Bei dem primären oder natürlichen Laktase-Mangel ist der erwachsene Körper genetisch nicht in der Lage, ausreichend Laktase für die Milchzuckerverdauung zu bilden. Denn die Baupläne für alle Enzyme des Körpers sind im Erbugt, der DNA, festgeschrieben. Der Schwund an Laktase mit steigendem Lebensalter betrifft einen Großteil der Menschheit und ist keine Krankheit. In den meisten Fällen wird die Laktase nach dem Säuglingsalter schlichtweg nicht mehr benötigt, nur Kulturen mit Milchwirtschaft leiden unter dem Enzymmangel und den Symptomen der Laktoseintoleranz. Weltweit haben nur wenige Völker die Fähigkeit entwickelt, Laktase auch im Erwachsenenalter zu verdauen (Laktasepersistenz) und so neben der Muttermilch später auch Kuhmilch und andere Milchprodukte zu vertragen. Alle anderen Menschen entwickeln mit den Jahren eine immer stärker werdende Unverträglichkeit. Die Ursache hierfür ist eine Mutation auf dem zweiten Chromosom.

  • Die angeborene Laktoseintoleranz betrifft Säuglinge, zu erkennen ist sie meist am Durchfall in den ersten Lebenstagen. Anders als die natürliche Laktoseintoleranz wird sie nicht im Lauf der Zeit schlimmer, sondern von Anfang an lösen kleinste Laktosemengen schwere Symptome aus. Die angeborene Laktoseintoleranz beruht als Erbkrankheit auf einem Gendefekt.

  • Die sekundäre Form der Laktoseintoleranz ist durch andere Krankheiten bedingt. Beispielsweise können chronische Darmkrankheiten wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Zöliakie (Sprue) die Darmschleimhaut so schädigen, dass in der Folge nicht mehr ausreichend Laktase gebildet wird. Risikofaktoren für eine sekundäre Laktoseintoleranz sind desweiteren Alkoholsucht, Mangelernährung, eine Gastroenteritis sowie Chemo- oder Strahlentherapie.

Laktoseintoleranz: Welche Symptome sie verraten

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Typisches Symptom einer Laktoseintoleranz sind vor allem Verdauungsprobleme.
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Durch den Verbleib des Milchzuckers im Darm und die daraus folgende vermehrte Bildung von Gasen kommt es zu den typischen Symptomen der Laktoseintoleranz: Unmittelbar bis eine Stunde nach dem Genuss von Milch oder Milchprodukten wie Joghurt, Butter oder Sahne kommt es zu Beschwerden wie

  • Völlegefühl,
  • Blähungen,
  • Blähbauch und
  • Schmerzen sowie
  • lauten Verdauungsgeräuschen,
  • Durchfall oder
  • Übelkeit.

Je nach Menge der aufgenommenen Milch und Schweregrad des Laktasemangels sind diese Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt. Manche Patienten mit Laktoseintoleranz zeigen darüber hinaus unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit oder Schwindel. Andere Betroffene fühlen sich nach dem Milchkonsum unkonzentriert und müde.

Laktoseintoleranz bei Neugeborenen kann tödlich verlaufen

Die angeborene Form der Laktoseintoleranz kann sich sofort in den ersten Lebenstagen des Säuglings bemerkbar machen. Auch die Muttermilch kann in diesen Fällen nicht verarbeitet werden. Es drohen Austrocknung des Babys und schwere Hirnschäden, wenn die Diagnose und eine entsprechende Behandlung zu spät eingeleitet werden. In weniger schweren Fällen der Laktoseintoleranz entwickeln sich die Symptome allmählich in den ersten Lebenstagen oder -wochen.

Laktoseintoleranz-Test: So läuft die Diagnose ab

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Mit Blut- und Atemtests kann die Laktoseintoleranz zweifelsfrei diagnostiziert werden
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Besteht der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz, kommen unterschiedliche Untersuchungen zum Einsatz. Beim Selbsttest sollte der Betroffene mindestens zwei Wochen lang vollständig auf Milch und Milchprodukte verzichten und so herausfinden, ob sich die Beschwerden bessern. Umgekehrt kann auf nüchternen Magen ein Glas Milch getrunken werden. Treten kurz danach typische Beschwerden wie Durchfall auf, wird die Diagnose Laktoseintoleranz wahrscheinlich. Allerdings ist sie durch diese unspezifischen Tests nicht zweifelsfrei festzustellen.

Blut- und Atemtests zur Diagnose von Laktoseintoleranz

Soll der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz bestätigt werden, können beim Hausarzt oder beim Gastroenterologen ein Laktose-Toleranztest und ein sogenannter H2-Atemtest durchgeführt werden. Häufig führt der Arzt beide Tests zusammen durch. Hierbei muss der Patient innerhalb von fünf Minuten 50 Gramm gelösten Milchzucker auf nüchternen Magen trinken. Vor dem Test sowie eine und zwei Stunden danach erfolgen Blutabnahmen, um den Zuckergehalt im Blut zu messen. Steigt der Gehalt nicht oder nur gering an, spricht dies dafür, dass der Milchzucker im Darm nicht verarbeitet werden konnte und somit eine Laktoseintoleranz vorliegt.

Der Atemtest beruht darauf, dass bei einer Laktoseintoleranz der Milchzucker im Darm in Milchsäure und Gase wie Wasserstoff (H2) umgewandelt wird. Der Wasserstoff wird über die Darmschleimhaut in die Blutbahn aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. Übersteigt das ausgeatmete H2 einen bestimmten Wert, kann dies gemessen werden. Das gilt als sichere Diagnose der Milchzucker-Unverträglichkeit.

Ursache für Laktoseintoleranz liegt in den Genen

Beim Gentest auf Laktoseintoleranz kann mithilfe einer Probe der Mundschleimhaut oder einer kleinen Menge Blut untersucht werden, ob ein genetischer Defekt der Laktase vorliegt, also des Enzyms, das für den Abbau des Milchzuckers zuständig ist. Während der Gentest nur in seltenen Fällen durchgeführt wird, werden die Kosten für den Laktose-Toleranztest und den H2-Atemtest von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz besteht.

Laktoseintoleranz: Welche Therapie kommt infrage?

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Laktasehaltige Medikamente gegen Laktoseintoleranz gibt es in Tabletten- oder Kapselform.
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Die symptomatische Therapie der Laktoseintoleranz besteht darin, Milch und laktosehaltige Milchprodukte zu meiden. Auch bei Lebensmitteln wie beispielsweise Fleisch- und Wurstwaren sollten Betroffene darauf achten, dass sie Laktose enthalten können, ebenso wie viele Medikamente (siehe Bildergalerie mit Laktosefallen am Ende des Artikels).

Menschen mit sekundärer oder natürlicher Laktoseintoleranz können mit Laktase-Tabletten den unangenehmen Symptomen der Unverträglichkeit gegensteuern. Das Enzym Laktase wird dabei immer vor milchhaltigen Mahlzeiten eingenommen. Die Tabletten sind rezeptfrei in Apotheken und Drogerien zu haben.

Dosierung der Laktasetabletten hängt von vielen Faktoren ab

Allerdings ist die Dosierung des Medikaments entsprechend der Ausprägung der Laktoseintoleranz individuell sehr unterschiedlich und damit schwierig. Jeder Betroffene muss für sich selbst herausfinden, wie viele Laktase-Tabletten er vor welcher Mahlzeit braucht. Im Lauf der Laktoseintoleranz kann die Dosierung außerdem entsprechend der Intensität der Symptome steigen. Noch dazu enthalten Präparate unterschiedlicher Hersteller ganz verschiedene Laktasemengen.

Viele Betroffene vertragen aber geringe Mengen Laktose, weil das Enzym Laktase noch unvollständig arbeitet. Dann genügt meist eine laktosearme Ernährung mit acht bis maximal zehn Gramm Laktose pro Tag. Wer die strengere laktosefreie Diät einhalten muss, darf täglich höchstens ein Gramm Milchzucker zu sich nehmen.

Laktoseintoleranz: Verlauf

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Die allermeisten Babys vertragen Milchzucker, mit den Jahren nimmt die Toleranz aber häufig ab.
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Die Laktoseintoleranz ist nicht heilbar. Die Betroffenen der häufigsten Form, der primären Unverträglichkeit, können aber völlig normal leben, wenn sie nach der Diagnose Laktose meiden oder das fehlende Enzym Laktase über Tabletten zuführen.

Alternativen beispielsweise aus Soja ersetzen die Milch, außerdem gibt es speziell hergestellte Produkte für die vielen Menschen, die keine Laktose vertragen. Die meisten gereiften (Hart-)Käsesorten sind von Natur aus laktosefrei und deswegen auch für Menschen mit Laktoseintoleranz zu genießen.

Angeborene Laktoseintoleranz muss schnell diagnostiziert werden

Lediglich die angeborene, absolute Form der Laktoseintoleranz kann lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht sehr schnell diagnostiziert wird. Die erkrankten Säuglinge sind schon durch kleinste Mengen Milchzucker gefährdet.

Bei der sekundären Form, die etwa durch verschiedene entzündliche Darmerkrankungen entsteht, drohen den Betroffenen jedoch Mängel verschiedener Vitalstoffe wie Eisen, Kalzium oder diversen Vitaminen. Sie kann jedoch zusammen mit der zugrunde liegenden Erkrankung behandelt werden.

Laktoseintoleranz: Lässt sich der Unverträglichkeit vorbeugen?

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Fast alle Babys vertragen ohne Probleme große Mengen von Laktose.
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In den meisten Fällen ist eine Milchzuckerunveträglichkeit genetisch bedingt, der Laktoseintoleranz vorbeugen ist folglich nicht möglich. Eltern wird jedoch empfohlen, einen Säugling in den ersten Lebensmonaten nicht mit Produkten aus Kuhmilch zu füttern.

Laktose aus dem Weg gehen oder Laktase-Tabletten einnehmen

Später können Betroffene auf laktosefreie Produkte ausweichen, die speziell hergestellt und gekennzeichnet sind. Viele Käsesorten enthalten durch den Reifungsprozess ohnehin keine Laktose.

Alternativ können Menschen mit Laktoseintoleranz vor dem Essen auf Tabletten zurückgreifen, die Laktase enthalten. Sie ermöglicht die Aufspaltung des enthaltenen Milchzuckers im Körper und beugt so den Symptomen der Laktoseintoleranz vor.

Vorsicht, Laktosefallen!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. April 2015
Quellen: Gesenhues, S., Ziesché, R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2003 Mader, F.H., Weißgerber H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003 Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Bauchschmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/004 (Stand: April 2002) Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004 Lückenrath, E., Müller, S.-D.: Diätetik und Ernährungsberatung - das Praxisbuch. Haug Verlag, Stuttgart 2011

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