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Harnstoff

Harnstoff ist das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels, der in der Leber stattfindet. Ausgeschieden wird er hauptsächlich mit dem Urin. Bei einseitiger Ernährung kann sich die Harnstoffkonzentration nach oben oder nach unten verschieben.

Schematische Darstellung der Nieren
Über die Nieren wird Harnstoff aus dem Blut gefiltert. Hohe Harnstoffwerte können ein Zeichen dafür sein, dass das Organ nicht richtig arbeitet.
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Harnstoff (auch: Urea) entsteht im Organismus durch den Abbau von Eiweißen. In der Leber wird der Stickstoff aus den Aminosäuren zunächst in Ammoniak umgewandelt, mit Kohlendioxid verbindet sich dieses zu Harnstoff.  Die Nieren filtern das Endprodukt schließlich aus dem Blut, über den Urin wird er ausgeschieden.  Ist der Harnstoff im Blut erhöht, kann das ein Anzeichen für eine gestörte Nierenfunktion sein.

Die Höhe des Harnstoffspiegels hängt stark von der Nahrung ab, die wir zu uns nehmen, eine eiweißreiche Kost erhöht den Wert. Die Substanz ist ungiftig und nicht zu verwechseln mit der Harnsäure.

Wann bestimmt der Arzt der Harnstoff-Wert?

Der Harnstoff-Laborwert gibt Auskunft über die Nierenfunktion und den Eiweißstoffwechsel. Jedoch ist er kein zuverlässiger Parameter für die Konzentration des Harnstoffs, da die Bestimmung bei einer vermehrten Eiweißaufnahme über die Nahrung auch bei einer gesunden Niere einen erhöhten Wert anzeigt. Daher werden zur Überprüfung zusätzlich das Kreatinin und der Harnsäure-Wert gemessen.

Der Harnstoff-Wert gehört zu den Blutwerten, die nicht routinemäßig (zum Beispiel im Rahmen des kleinen oder großen Blutbilds) untersucht werden – es sei denn, es liegen Vorerkrankungen wie Diabetes vor. Er dient dem Arzt außerdem als Kontrollwert, um den Therapieerfolg bei Nierenerkrankungen einzuschätzen.

Wie wird der Harnstoff-Wert bestimmt?

Die Harnstoffkonzentration wird im Serum oder Blutplasma bestimmt. Messbar ist der Laborwert auch im 24-Stunden-Urin.

Wann ist der Harnstoff-Wert im normalen Bereich?

Bei Männern und Frauen liegt der Normalwert zwischen zehn und 50 Milligramm pro Deziliter (mg/dl).

Was können Ursachen für einen zu hohen Harnstoff-Wert sein?

Wenn sich ein Patient zu eiweißlastig ernährt (etwa im Rahmen von Krafttraining zum Muskelaufbau), zeigen sich im Blutbild erhöhte Harnstoff-Werte. Auch bei Störungen der Nierenfunktion und Nierenversagen und bei Dehydration des Körpers ist der Wert erhöht, ebenso bei Durchfall und Erbrechen.

Bei großen Verletzungen, Verbrennungen, Blutungen und nach Verletzungen baut der Körper viel Eiweiß ab – erhöhte Harnstoff-Werte können die Folge sein. Daneben kommen starkes Fieber und Krebserkrankungen als Ursache für einen zu hohen Harnstoff-Wert in Betracht.

Was können Ursachen für einen zu niedrigen Harnstoff-Wert sein?

Ist der Harnstoff-Wert zu niedrig, können eine Lebererkrankung oder ein Eiweißmangel die Ursache sein. Zu geringe Werte deuten auch auf eine Stoffwechselkrankheit oder Unterernährung hin. In der Schwangerschaft kann es zu niedrigen Harnstoff-Werten kommen, ohne dass eine klinische Ursache dahintersteckt.

Harnstoff-Cremes haben keinen Einfluss auf Blutwert

Bestimmte Hauterkrankungen (zum Beispiel Psoriasis) und trockene Haut werden häufig mit Cremes oder Salben mit Urea behandelt, weil der Stoff viel Wasser binden kann. In Kosmetika wird er als Feuchthaltemittel eingesetzt, bei Nagelpilz wird Harnstoff in hoher Konzentration zusammen mit einem Antipilzmittel zur Therapie eingesetzt. Die Anwendung dieser Präparate hat jedoch keinen Einfluss auf den Harnstoff-Wert im Blut.

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 29. September 2015
Durch: es
Quellen: Dr. C. Schottdorf-Timm/Prof. Dr. V. Maier: GU-Kompass Laborwerte, Gräfe Unzer 2015

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