Experten-Interview

Repellent: Wie die Mücken-Tarnkappe wirkt

Ob während lauer Sommerabende am See, beim Grillen oder im Urlaub: Myriaden von Mücken lauern auf uns. Wie man die Blutsauger mit einem Verwirrstoff auf Abstand hält und wie Sie schon kleine Kinder vor juckenden Stichen schützen können, verrät Professor Josef Peter Guggenbichler im Interview.

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Mit den Tipps des Experten entgehen Sie dem großen Mückenangriff im Sommer.
© iStock.com/mycteria

Wir sprachen mit dem Erlanger Kinderarzt Professor Josef Peter Guggenbichler über neue Gefahren durch Insektenstiche und über neue Insektensprays, die eine Tarnkappe gegen Blutsauger errichten sollen.

Wieso finden uns Mücken eigentlich überall?

J. P. G.: Weil die ein äußerst ausgeklügeltes Suchsystem besitzen. Dank eines perfekten, auf menschliche Gerüche und feinste Temperaturunterschiede geeichten Suchsystems, wissen die Tiere ganz genau, welcher Mensch sich besonders "eignet" und verfolgen ihn teilweise über große Entfernungen. Das geht so weit, dass winzigste Temperaturunterschiede des Opferblutes über Gestochen- oder Verschontwerden entscheiden.

  • Mücken können gefährliche Krankheiten übertragen. Dieses Spray schützt Sie und Ihre Lieben bis zu sieben Stunden lang!

Wie lange kann eine Stechmücke von einer Blutmahlzeit leben?

J. P. G.: Da sitzen Sie einem weit verbreiteten Irrtum auf. Ernähren wollen sich die blutsaugenden Mücken gar nicht von Ihrem Blut. Die Proteine aus unserem "Lebenssaft" brauchen die Tiere ausschließlich zur Produktion von Eiern. Und daraus folgt: Stechen wollen nur die Weibchen der jeweiligen Gattungen.

Nun sind Mückenstiche ja eine uralte Plage. Seit einigen Jahren aber häufen sich die Probleme damit. Warum?

J. P. G.: Nun, es gibt zwei relativ neue Problemfelder. Einmal reagieren immer mehr Menschen allergisch auf die Injektion des Mückenspeichels. Diesen Speichel verabreichen die Tiere während des Saugvorgangs, damit das aufgenommene Opferblut nicht gerinnt. Durch bisher ungeklärte Zusammenhänge vergehen die normalen, lokalen Schwellungen bei so gefährdeten Menschen nicht wieder, sondern schwellen immer weiter an und entzünden sich vielfach im Laufe der folgenden Tage durch intensives Kratzen und Verunreinigen. Sind es zu viele Stiche, können Allergiker sogar in einen Kreislaufschock geraten.

Und das zweite Problem?

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Professor Josef Peter Guggenbichler

J. P. G.: Hängt mit den immer milder werdenden mitteleuropäischen Wintern zusammen. Hierdurch kommen neuerdings auch ursprünglich exotische Tiere hierher und mit ihnen das Problem der Verbreitung schwerwiegender Krankheiten. So überträgt zum Beispiel die Anopheles-Stechmücke die tropische Malaria, die schwarz-weiß gestreifte Tigermücke unter anderem das Dengue-Fieber. Und leider werden auch in Europa jetzt immer häufiger solche und ähnliche Infektionen durch Mückenstiche gemeldet. So werden aktuell auch in Deutschland Funde besagter Tigermücken registriert – mitsamt den für diese Mückenart typischen Krankheiten.

Stechmücken sind die einen Blutsauger, Zecken die anderen. Und deren Gefahr ist altbekannt...

J. P. G.: Ja, das stimmt. Zecken gehen übrigens völlig anders mit dem Blut ihrer Opfer um. Diese spezielle Art von Spinnentieren verwendet das aufgenommene Blut im Gegensatz zu den Stechmücken wirklich zur Ernährung. Statt wie Stechmücken für nur wenige Sekunden bis Minuten beißt sich eine Zecke teilweise tagelang an ihren Opfern – ob Mensch oder Tier – fest. Auch bei Zecken ist nicht der Stich beziehungsweise Biss selbst das Problem, sondern die dadurch häufig übertragenen Erreger.

Denn immer mehr der Tiere sind inzwischen mit Viren oder Bakterien verseucht und Verursacher von Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME, eine durch Viren ausgelöste Form der Hirnhautentzündung) oder der sehr schwer zu diagnostizierenden, durch Bakterien verursachten Borreliose. Zudem gibt es auch die von Zecken übertragenen Ehrlichien. Fieber, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen sind die Leitsymptome, Übelkeit oder Komplikationen durch Superinfektion mit anderen Bakterien kommen ebenso vor.

Da liegt die Frage nahe: Was tun gegen Blutsauger? Ein neues Spray zur Mücken- und Zeckenabwehr (zum Beispiel Soventol PROTECT, in der Apotheke) verspricht, durch Verwendung des Naturstoffs PMD aus dem ätherischen Öl der Hochblätter des Eucalyptus citriodora nach Anwendung auf den behandelten Körperbereichen eine Art "Tarnkappe" auszubreiten. Kann das funktionieren?

J. P. G.: Durchaus, da hat sich jemand was dabei gedacht. Durch PMD zerstört das Abwehrspray jene verräterische, von Menschen ausgedünstete Geruchsspur, mit deren Hilfe Blutsauger üblicherweise die Nähe eines potentiellen Opfers feststellen. Das kann wirklich zu einer weitestgehenden Unsichtbarkeit führen, die Blutsauger finden ihr Opfer nicht mehr. Was ich für sehr innovativ halte: Gegenüber den meisten herkömmlichen Repellents zeichnen sich bestimmte Anti-Mückensprays durch Wasserbeständigkeit und einen angenehmen Geruch aus. Denn was hilft ein Repellent, wenn es nach Schwitzen oder Wasserkontakt nicht mehr da ist? Und noch etwas finde ich bemerkenswert: Das Spray kann sogar von Kindern ab einem Jahr angewendet werden.

Es gibt zwei unterschiedliche Versionen des Sprays im Handel. Warum?

J. P. G.: Einfach weil Stechmücken und Zecken ihre Opfer auf voneinander abweichende Weise orten. Aber das sind eigentlich nur Unterschiede in der Wirkungsdauer der Sprays. Einmal wird ein bis zu siebenstündiger Schutz vor heimischen und tropischen Mücken – auch vor der Tigermücke – hergestellt. Die zweite Spraysorte schützt bis zu sechs Stunden gegen Zecken.

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Also ein neues Mückenschutz-Produkt für die Urlaubs- und Hausapotheke?

J. P. G.: Auf jeden Fall. Denn die Sprays können problemlos auch mehrmals am Tag angewendet werden und kombinieren eine problemlose Anwendung mit Wirksamkeit und Verträglichkeit. Frühjahr, Sommer und Urlaub werden so endlich wieder genießbar und die Blutsauger müssen woanders saugen.

PFLICHTTEXT

Soventol PROTECT: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Stand: September 2015. MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Kuhloweg 37, 58638 Iserlohn.

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