Wann man zusätzlich verhüten sollte

Pille vergessen – was tun?

Die Pille gilt als sehr sicheres Verhütungsmittel. Allerdings nur, wenn es nicht zu Einnahmefehlern kommt. Die häufigste Ursache für das Versagen der beliebten Methode ist, dass Frauen die Pille vergessen. Ab wann kein ausreichender Schutz vor einer Schwangerschaft mehr besteht und auf welche Alternativen Sie zurückgreifen können.

Frau sitzt besorgt auf dem Bett
Pille vergessen? Je nachdem, ob das in der ersten, zweiten oder dritten Woche passiert, geht man unterschiedlich vor.
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Trotz Pille schwanger: Für viele Frauen unvorstellbares Pech. Meist sind allerdings Fehler bei der Einnahme schuld, dass die Antibabypille ihren Verhütungsschutz verliert, etwa bei Erbrechen und Durchfall, durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – oder schlicht, weil die Pille vergessen oder zu spät genommen wurde.

Wie lange sich die Einnahme verzögern darf, ist stark abhängig von der Art des Präparats.

Alternativen zur Pille

Kombinationspräparate: Pille vergessen? Bis zu 12 Stunden kein Problem

Kombinationspräparate, zu denen auch die beliebten Mikropille gehört, bestehen aus einem Östrogen und einem Gestagen. Bei diesen Präparaten nimmt die Frau 21 Tage lang hormonhaltige Dragees ein. Im Anschluss erfolgt eine Pillenpause von sieben Tagen. Bei einigen Pillen ist die hormonfreie Phase heute jedoch auch verkürzt und bei manchen Präparaten werden auch in der hormonfreien Phase weiterhin – dann hormonfreie – Dragees eingenommen. Der so beibehaltene Rhythmus soll verhindern, dass die Einnahme der Pille vergessen wird.*

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Wird die Pille regelgerecht angewendet, besteht bereits ab dem ersten Tag der Einnahme ein sicherer Schutz vor einer Schwangerschaft. Regelgerecht bedeutet, dass möglichst alle 24 Stunden ein Dragee eingenommen wird und auch der Zeitraum der vorgegebenen Pillenpause (bei herkömmlichen Präparaten sieben Tage) nicht überschritten werden darf.

Wird die Pille morgens einmal vergessen und stattdessen erst abends eingenommen oder umgedreht, ist das noch kein Grund zur Sorge. Bei Kombinationspräparaten ist bei einer Verschiebung der Einnahme um weniger als zwölf Stunden die verhütende Wirkung noch nicht außer Kraft gesetzt. Sollte sich die Einnahme der Pille jedoch um mehr als zwölf Stunden verzögert haben, gilt das als Einnahmefehler, der unter Umständen eine unerwünschte Schwangerschaft zur Folge haben kann.

Wird die Minipille vergessen, besteht größeres Risiko

Im Vergleich zur Mikropille ist das Vergessen der klassischen Minipille, die lediglich das Gestagen Levonorgestrel in niedriger Dosierung enthält, mit einem größeren Risiko behaftet. Bereits wenn der übliche Einnahmezeitpunkt um mehr als drei Stunden überschritten wird, ist nicht mehr von einer sicheren verhütenden Wirkung auszugehen. In diesen Fällen sollten unter Fortsetzung der Einnahme zusätzlich für einen Zeitraum von sieben Tagen Kondome zum Einsatz kommen.

Vergessen der Neuen Minipille erst nach 12 Stunden kritisch

Anders verhält es sich bei verzögerter Anwendung der sogenannten Neuen Minipille. Das wesentlich höher dosierte desogestrelhaltige Gestagenpräparat gestattet mehr Spielraum bei der Einnahme. Die zusätzlichen Maßnahmen müssen hier – wie auch bei der klassischen Mikropille – erst nach mehr als zwölfstündig verzögerter Einnahme erfolgen.

Elf vermeidbare Verhütungspannen

Was tun, wenn die Pille vergessen wurde?

Was zu tun ist, wenn die Einnahme der Pille vergessen wurde, hängt vom Zeitpunkt des Einnahmefehlers im Zyklus ab.

1. Woche

Ist der Einnahmefehler in der ersten Einnahmewoche nach der Pillenpause erfolgt, sollte die Einnahme der Pille schnellstmöglich fortgesetzt werden, wobei auch vergessene Dragees zu berücksichtigen sind. Am Folgetag muss die Frau also zwei Dragees einnehmen. Bei Geschlechtsverkehr in den nachfolgenden sieben Tagen ist zusätzlich ein Kondom zu verwenden.

Eine Schwangerschaft ist zu diesem Zeitpunkt jedoch auch dann möglich, wenn in der Woche vor dem Einnahmefehler Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. In diesen Fällen ist die Pille danach eine Option, die – bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsakt eingenommen – eine Schwangerschaft verhindern kann.

2. Woche

Wird die Pille in der zweiten Einnahmewoche vergessen, ist eine verhütende Wirkung in der Regel trotzdem gegeben, vorausgesetzt die Einnahme wird schnellstmöglich nachgeholt (gegebenenfalls müssen zwei Tabletten an einem Tag genommen werden).

Eine Ausnahme bilden hier die sogenannten Sequenz- oder mehrstufigen Präparate, bei denen die Dragees in der ersten Einnahmehälfte lediglich ein Östrogen enthalten, sodass sich hier keine zusätzliche lokale Schutzwirkung des Gestagens in der Gebärmutter entfalten kann. Bei Einnahmefehlern mit Sequenzpräparaten muss die Frau daher über den gesamten Zyklus hinweg zusätzlich mit Kondomen verhüten, um vor einer Schwangerschaft geschützt zu sein.

3. Woche

Wird die Pille in der dritten Einnahmewoche an einem oder mehreren Tagen vergessen, besteht die Gefahr einer Schwangerschaft. Hier lässt sich jedoch durch eine Änderung des Einnahmeschemas die empfängnisverhütende Wirkung erhalten, ohne dass zusätzlich andere Verhütungsmittel wie Kondome nötig sind. Die Empfehlungen lauten, entweder die Packung bis zum Ende einzunehmen und dann ohne Pillenpause mit der nächsten Packung fortzufahren oder sofort mit der Pillenpause zu beginnen (maximal sieben Tage, Tag des Einnahmefehlers zählt mit) und danach mit der Einnahme der neuen Packung fortzufahren.

Wird dies nicht beachtet und die Pille nach dem Einnahmefehler wie üblich weiter eingenommen, muss auch während der Pillenpause und über die ersten sieben Tage des neuen Einnahmezyklus hinweg zusätzlich mit einer Barrieremethode (zum Beispiel Kondom oder Diaphragma) verhütet werden, damit Schutz vor einer Schwangerschaft besteht.

Mythen übers Verhüten

Pille vergessen: Maßnahmen auf einen Blick

  • Beim Arzt nachfragen: Da sich Einnahmefehler bei den einzelnen Präparaten teils unterschiedlich definieren und teils auch unterschiedliche Einnahmeregeln bestehen, ist es wichtig, bei Verordnung den Arzt noch einmal nach den Besonderheiten der Pille und dem Vorgehen bei möglichem Vergessen zu fragen.

  • Zusätzlich verhüten: Im Zweifelsfall oder wenn mehrere Dragees vergessen wurden, sollte bis nach der ersten Woche im Folgezyklus immer mit einer Barrieremethode (Kondom oder Diaphragma) zusätzlich verhütet werden.

  • Pille danach: Erfolgte vor oder um den Zeitpunkt des Einnahmefehlers herum Geschlechtsverkehr, kann man auf die Pille danach zurückgreifen. Die Einnahme sollte zeitnah erfolgen, da diese Art der Notfallverhütung nur bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr greift.

  • Schwangerschaftstest: Bleibt Ihre Blutung aus nachdem Sie die Pille vergessen haben oder ist sie ungewöhnlich schwach, kann das (muss aber nicht) ein Zeichen für eine Schwangerschaft sein. In diesem Fall schafft ein Schwangerschaftstest sowie ein Besuch beim Frauenarzt Klarheit.

*Vorsicht: Für einige Präparate können auch andere Definitionen für Einnahmefehler sowie andere Maßnahmen im Vergessensfall gelten. Bitte daher immer die Packungsbeilage lesen und gegebenenfalls den Frauenarzt fragen.

 

Selbsttest
Welches Verhütungsmittel passt zu mir?

Verhütung ist eine höchst individuelle Sache und kommt stark auf die eigenen Vorlieben, den Charakter und die Lebensumstände an. Dieser Test kann daher nur als grobe Einschätzung dienen, welches Verhütungsmittel für Sie geeignet sein könnte. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, bewerten Sie am besten mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin und gegebenenfalls Ihrem Partner.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 02. April 2018
Letzte Änderung durch: Silke Stadler

Quellen: pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband: Pille vergessen – Empfehlungen zum weiteren Vorgehen. In: Familienplanungsrundbrief Ausgabe Juni 2008, Nr. 2. Online im Internet: URL: http://www.profamilia.de/getpic/6449.pdf (Stand 16. 11.2010); Prof. Dr. med. Füeßl, H. S.: Pille danach hilft jetzt länger danach. In MMW - Fortschritte der Medizin, Nr. 41 / 2010 (152. Jg.), S.30-31; Grüne, B.; Gröger, S.: Hormonale Methoden der Empfängnisverhütung. In: Diedrich, K.; Holzgreve, W.; Jonat, W.; Schultze-Mosgau A., Schneider, K.-T. M. und Weiss J. M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer 2007, S. 140 - 141

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