Neue Wirkstoffgruppen

Was sind Biologika, Biologicals oder Biologics?

Biologika, auch Biologicals oder Biologics genannt, sind biotechnologisch hergestellte Eiweiße, die körpereigenen Substanzen sehr ähnlich sind. Biologika sind daher in der Lage, verschiedene Regulationsmechanismen unseres Körpers gezielt zu beeinflussen.

Was sind Biologika, Biologicals oder Biologics?
Biologika sind biotechnologisch hergestellte Eiweiße.
Getty Images/Hemera

Je nach Erkrankung werden Biologika zur hemmenden oder fördernden Regulation von Vorgängen des Abwehrsystems entwickelt und eingesetzt. Krankheitserscheinungen und Spätfolgen der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis können deshalb mithilfe von Biologika spürbar gemindert oder sogar gestoppt werden. Weitere Einsatzfelder dieser neueren Wirkstoffe sind u. a. Darm- und Krebserkrankungen.

Da Eiweiße im Magen-Darm-Trakt zerstört werden, können Biologika nicht in Tablettenform verabreicht werden. Sie werden daher per Infusion direkt ins Blutsystem oder als Spritze unter die Haut (subkutane Injektion) ins Unterhautgewebe gegeben. Hier können sie unzerstört vollständig aufgenommen werden. Die subkutane Injektion ist durch den Patienten selbstständig durchführbar. Die Infusionen werden hingegen in der Arztpraxis unter ärztlicher Aufsicht verabreicht.

Biologika sind eine moderne Therapieform, die eine wirksame Ergänzung des therapeutischen Spektrums darstellt. Der Einsatz dieser Medikamentengruppe ist durch Fachinformationen und Therapieleitlinien geregelt.

Wie wirken Biologika?

Am Beispiel der so genannten TNF-alpha-Blocker kann die Idee, die hinter der Entwicklung von Biologika steht, eindrücklich verdeutlicht werden: Im Mittelpunkt der entzündlichen Immunantwort bei Erkrankungen wie der Psoriasis stehen u. a. die körpereigenen Botenstoffe Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) und Interleukin 1 (IL-1). Produziert wird TNF-alpha vorwiegend von "Fresszellen" (Makrophagen) genannten Zellen des Abwehrsystems. Bei diesen Zellen handelt es sich um einen Bestandteil des angeborenen Immunsystems, der bei unterschiedlichsten Abwehrvorgängen eine wichtige Rolle spielt. Die Wirkung von TNF-alpha selbst umfasst direkt oder indirekt beispielsweise:

  • die Aktivierung des Arachidon-Stoffwechsels
  • die Aktivierung von weiteren Zellen des Abwehrsystems (z. B. der T- und B-Lymphozyten)
  • das Anlocken von Immunzellen zum erkrankten Hautareal oder Gelenk
  • die Produktion von Sauerstoffradikalen in Fresszellen
  • die Förderung der Herstellung von knorpel- und Knochen abbauenden Enzymen
  • die Hemmung gelenkeigener Reparaturmechanismen durch Verminderung der von den Knorpelzellen ausgehenden Kollagenproduktion
  • die Steigerung von "Fressvorgängen" durch Granulozyten und Makrophagen

Körpereigene Botenstoffe unterliegen einem komplexen System von gegenseitiger Regulierung und Kontrolle. Auch TNF-alpha hat im menschlichen Körper mehrere Gegenspieler, beispielsweise das so genannte TNF-bindende Protein. Dieses komplizierte Gleichgewicht ist bei der Psoriasis ins Ungleichgewicht geraten. Fängt man nun durch nachgebaute Bindungsstellen (Rezeptoren) oder Antikörper überschüssiges TNF-alpha weg, können Entzündungsvorgänge wirksam gebremst werden.

Da bei der Psoriasis jedoch noch weitere "Mitspieler" (u. a. T-Lymphozyten, Interleukin-12 und Interleukin-23) bekannt sind, ergeben sich fortlaufend bislang ungenutzte Ansatzpunkte für moderne Therapieverfahren wie Biologika. In den letzten Jahren ist es deshalb zur Zulassung mehrerer neuartiger Medikamente gekommen, andere befinden sind noch im Zulassungsverfahren.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Mai 2009

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