Diabetische Nephropathie

Folgeerkrankungen bei Diabetes: Nieren

Sind die Blutzuckerwerte über lange Zeit erhöht, schädigt dies die kleinen Gefäße der Nieren. Die Filtrierleistung und damit die Funktion der Nieren sind durch den Diabetes eingeschränkt und müssen langfristig von der Dialysemaschine übernommen werden – die Folge ist eine Nephropathie.

Diabetes_Nieren
Pro Jahr werden etwa 8000 Diabetes Patienten dialysepflichtig.
(c) Getty Images/Hemera

Die folgenschwere Komplikation einer diabetischen Nephropathie, wie Mediziner die zunehmenden Funktionseinbußen der Nieren aufgrund erhöhter Blutzuckerwerte bei Diabetes nennen, beginnt schleichend. Neben einer schlechten Blutzuckereinstellung und der Krankheitsdauer des Diabetes mellitus begünstigen hoher Blutdruck (Hypertonie), Rauchen, hohe Blutfettwerte und eine Protein-lastige Ernährung das Auftreten der diabetischen Nephropathie. Fünf bis 15 Jahre nach Diagnose der Zuckerkrankheit finden sich bei jedem dritten Diabetiker unterschiedlich stark ausgeprägte Zeichen einer diabetischen Nephropathie. Sie verläuft anfänglich vom Patienten unbemerkt. Erst bei fortgeschrittener Nierenschädigung treten Symptome in Form von schäumendem Urin (durch den Eiweißgehalt des Urins), Ödemen und Gewichtszunahme auf. Mit Beginn des Nierenversagens kommen Juckreiz, Leistungsschwäche, Anämie, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerz hinzu.

Regelmäßige Funktionsprüfung der Nieren empfohlen

Auch wenn die auf Diabetes beruhende Nephropathie zu Beginn oft ohne spürbare Beschwerden verläuft, kann sie rechtzeitig über die Ausscheidung von bestimmten Eiweißen über die Nieren im Urin (Albuminurie) diagnostiziert werden. Der Nachweis erfolgt schnell und einfach mit speziellen Teststeifen im Morgenurin, manchmal auch im Sammelurin über 24 Stunden. Beträgt die Proteinkonzentration in zwei von drei Proben innerhalb von zwei bis vier Woche mehr als 20 Milligramm pro Liter (mg/l) im Morgenurin oder 30 mg/l im 24-Stunden-Urin ist die Diagnose Albuminurie, früher auch Mikroalbuminurie genannt, so gut wie sicher. Mit Fortschreiten der Krankheit ist immer mehr Protein im Urin nachweisbar. Im Stadium der Makroalbuminurie sind es mehr als 200 mg/l im Morgenurin und mehr als 300 mg/l im 24-Stunden-Urin. Soweit sollte es aber gar nicht erst kommen. Vielmehr sollte durch regelmäßige Testung auf Protein im Urin alle drei bis sechs Monate rechtzeitig die Gefahr einer Nephropathie erkannt und gegengesteuert werden. Bei Typ-2 Diabetes wird dies ab Diagnosestellung empfohlen, denn meist besteht die Nieren-Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits mehrere Jahre. Bei Typ-1 Diabetikern sollten die Teststreifen erstmals nach fünf Jahren eingesetzt werden.

Nieren-Probleme bei Diabetes – geeignete Maßnahmen

Ist der Nachweis einer Nephropathie mit  Albuminurie erbracht und sind andere Nieren-Erkrankungen ausgeschlossen, erfordert dies eine umgehende Intensivierung nicht nur der Diabetes-Therapie. Außerdem müssen Blutdruck und Blutfette (LDL-Cholesterin) streng eingestellt, Gewicht- und Eiweißzufuhr reduziert sowie Zigaretten abgeschworen werden. Darüber hinaus sollten gegebenenfalls ein Blutmangel (Anämie), eine Störung des Phosphat-Kalzium-Stoffwechsels und die erhöhte Blutgerinnungsneigung behandelt werden. Meist muss auch die Medikation an die veränderte Nierenfunktion angepasst werden. Geschieht all dies nicht, droht etwa jedem dritten Patienten ein Nierenversagen und damit die Dialyse (Einsatz der künstlichen Nieren). Pro Jahr werden in Deutschland circa 8000 Diabetiker neu dialysepflichtig. Eine durch Diabetes verursachte Nephropathie ist die häufigste Ursache für die Notwendigkeit der regelmäßigen Blutwäsche. Eine Albuminurie gilt darüber hinaus als Risikofaktor für andere Gefäßkomplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Gefährdet sind aber auch die kleinen Gefäße der Augen und Beine. Daher sollten der Augenhintergrund vom Augenarzt und der Fußstatus (Stimmgabeltest*) durch den Hausarzt überprüft werden.

 

 

Stimmgabeltest: Durch einen Diabetes können die Nervenzellen in den Beinen (periphere Nerven) unterversorgt sein. Die Beine fühlen sich taub an. Da der Patient dies meist erst spät bemerkt, prüft der Arzt regelmäßig mit dem Stimmgabeltest, ob der Patient die Vibration noch wahrnimmt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2012
Quellen: Praxis-Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, Hrsg.:M. Kellerer, T. Danne im Auftrag der DDG; Hasslacher C. et al.: Diabetische Nephropathie, Diabetologie 2009; 4: S127–S130 Alexander K. et al.: Thiemes Innere Medizin TIM, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2005

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