Effektiv, aber nicht frei von Nebenwirkungen

Tamoxifen: Klassiker der Antihormontherapie bei Brustkrebs

Brustkrebs ist oft hormonrezeptorpositiv: Der Tumor trägt Rezeptoren, die durch Hormone wie Östrogen Wachstumssignale aussenden. Tamoxifen ist ein hormoneller Wirkstoff, der diesen Rezeptor besetzen und so das Tumorwachstum stoppen kann. Es gilt als Klassiker der Hormontherapie, die genau genommen als Antihormontherapie bezeichnet wird.

Tamoxifen Brustkrebstherapie
Viele Frauen sehnen das Ende der Therapie mit Tamoxifen herbei. Doch manchmal lohnt sich eine Verlängerung.
© iStock.com/electravk

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen kann das Wachstum bestimmter Tumoren bei Brustkrebs fördern. Nämlich dann, wenn die Tumoren Andockstellen (Rezeptoren) für Östrogen besitzen. Dabei handelt es sich um hormonrezeptorpositive Tumoren, die bei etwa 70 Prozent der Frauen mit Brustkrebs vorhanden sind. Tamoxifen kann das Tumorwachstum bei Brustkrebs hemmen, weil es als Antiöstrogen wirkt: Der Wirkstoff bindet sich wie das weibliche Geschlechtshormon an den Östrogenrezeptor und blockiert ihn. Dadurch kann Östrogen nicht mehr ankoppeln und wirken. Im Gegensatz zu Östrogen stimuliert Tamoxifen jedoch nicht die Zellteilung des Tumors – er kann also nicht mehr wachsen.

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Einnahme von Tamoxifen

Tamoxifen ist rezeptpflichtig und wird entweder zur unterstützenden Behandlung eines Mammakarzinoms oder dessen Tochtergeschwülsten (Metastasen) eingesetzt. Die Dosierung erfolgt in Absprache mit dem Arzt. In der Regel werden täglich 20 bis 40 Milligramm Tamoxifen in Tablettenform eingenommen. Wann die Einnahme erfolgt, ist egal, solange es immer etwa zur gleichen Uhrzeit ist. Betroffene Frauen sollten den Zeitpunkt danach wählen, wann sie es am besten einbauen können, ohne die Einnahme zu vergessen.

Studien haben außerdem gezeigt, dass Tamoxifen das Risiko für das Wiederauftreten der Krankheit (Rezidiv) reduzieren kann. Neoadjuvant (vor der Entfernung des Tumors durch eine Operation) kann Tamoxifen zu einer deutlichen Verkleinerung des Tumors führen und dadurch unter Umständen einen brusterhaltenden Eingriff zulassen, wo vorher nur eine Mastektomie (Brustentfernung) möglich gewesen wäre.

Nebenwirkungen von Tamoxifen

Tamoxifen ist im Allgemeinen besser verträglich als eine Chemotherapie, dennoch können Nebenwirkungen auftreten. Die Östrogenwirkung wird nicht nur im Tumor, sondern auch in anderen Geweben unterdrückt. So kommt es zu ähnlichen Beschwerden wie sie durch den Östrogenmangel während der Wechseljahre üblich sind:

Daneben kann es vor allem bei älteren Frauen als Nebenwirkung unter Tamoxifen zu Eintrübungen der Augenlinse (Grauer Star) kommen.

Manchmal treten im Rahmen einer Therapie mit Tamoxifen Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut auf, die mitunter bösartig sein können. Während des gesamten Zeitraums der Tamoxifen-Einnahme sollte die Schleimhaut des Gebärmutterhalses daher regelmäßig durch Ultraschalluntersuchungen und Abstriche vom Frauenarzt kontrolliert werden.

Scheidentrockenheit als Nebenwirkung: Was tun?

Um die als Nebenwirkung von Tamoxifen auftretende Scheidentrockenheit zu lindern, sollte während der Behandlung mit Tamoxifen keinesfalls auf östrogenhaltige Salben zurückgegriffen werden, da die krebsbekämpfende Wirkung der Hormontherapie dann abgeschwächt würde. Sicher hingegen ist die Anwendung spezieller Gleitmittel auf Wasserbasis. Sie können die Befeuchtung der Scheide verbessern und die Gleitfähigkeit beim Geschlechtsverkehr wiederherstellen.

Behandlungszeit von Tamoxifen

Tamoxifen sollte über einen Zeitraum von fünf Jahren eingenommen werden. Eine längere Behandlungszeit, nämlich über zehn Jahre wird derzeit nur bestimmten Frauen empfohlen, für die Vorteile einer längeren Behandlungsdauer nachgewiesen wurden. Das betrifft Frauen mit hohem Rückfallrisiko durch einen großen Tumor, befallene Lymphknoten und/oder junges Erkrankungsalter.

Nach dem Absetzen des Medikaments steigt allerdings das Risiko für ein erneutes Auftreten von Brustkrebs an. Die Hälfte der Rückfälle tritt dabei erst nach den ersten fünf Jahren auf.

Aromatasehemmer nach Tamoxifen: Rezidivrate sinkt weiter

Studienergebnisse zeigten, dass nach der fünfjährigen Behandlung mit Tamoxifen der Einsatz eines Aromatasehemmers für drei bis fünf Jahre sinnvoll ist. Dieser unterscheidet sich in seinem Wirkmechanismus vom Tamoxifen, das die Wirkung von Östrogenen in der Brust unterbindet. Aromatasehemmer verhindern durch Blockieren eines bestimmten Enzyms die Umwandlung der Vorstufen von Östrogen in das aktive Hormon. Dadurch treten weniger Rückfälle in der ursprünglich erkrankten Brust auf, ebenso weniger Metastasen in anderen Organen und weniger Fälle von Brustkrebs in der anderen Brust.

Studien der vergangenen Jahre zeigten außerdem, dass die antihormonelle Therapie mit Aromatasehemmstoffen bei Frauen nach den Wechseljahren sogar wirksamer als Tamoxifen sein kann. So verringern Aromatasehemmer den Untersuchungsergebnissen zufolge das Rückfallrisiko stärker als der alleinige Tamoxifeneinsatz – sowohl als Einzeltherapie als auch nach einer Behandlung mit Tamoxifen. So raten Experten besonders bei Frauen mit hoher Rezidivgefahr zu einer adjuvanten (unterstützenden) Therapie mit beiden Wirkstoffen, die hintereinander, nicht gleichzeitig eingesetzt werden sollten. Die Wirkung von Aromatasehemmern wurde bisher allerdings nicht bei Frauen vor den Wechseljahren beobachtet und kommt für sie als antihormonelle Therapie daher nicht infrage.

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