Joggerschienbein behandeln

Schienbeinkantensyndrom nach dem Joggen: Was hilft?

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Schmerzen, die plötzlich entlang des Schienbeins auftreten, können auf ein Schienbeinkantensyndrom hindeuten. Die auch als „Joggerschienbein“ bezeichneten Beschwerden zählen zu den häufigsten Sportverletzungen im Laufsport. Lesen Sie hier, was die Ursachen sind und wie Sie die Schmerzen lindern.

schienbeinkantensyndrom
© Getty Images/theerani lerdsri

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Was ist ein Schienbeinkantensyndrom?

Das Schienbeinkantensyndrom ist ein Überlastungssyndrom, von dem besonders Läufer*innen betroffen sind. Synonym werden auch die Begriffe Shin-Splint-Syndrom, Shin Splints, Tibiakantensyndrom oder tibiales Stress-Syndrom verwendet. Es entsteht aufgrund muskulärer Überbelastungen beim Sport, die zur Reizung und Entzündung der Knochenhaut führen. Als Folge kommt es zu Schmerzen an der inneren oder äußeren Schienbeinkante. Medizinisch werden zwei Formen des Schienbeinkantensyndroms unterschieden:

  • Inneres Schienbeinkantensyndrom (mediales Tibiakantensyndrom): Ist die häufigere Form des Shin-Splint-Syndroms und entsteht aufgrund einer Überlastung des hinteren Schienbeinmuskels (Musculus tibialis posterior). Schmerzen treten hierbei vor allem im unteren bis mittleren Abschnitt an der Innenseite des Schienbeins auf.

  • Äußeres Schienbeinkantensyndrom (laterales Tibiakantensyndrom): Davon spricht man, wenn die Schmerzen eher im oberen bis mittleren Bereich an der Außenseite des Schienbeins auftreten. Es kommt seltener vor als das innere Schienbeinkantensyndrom und entsteht aufgrund der Überlastung des vorderen Schienbeinmuskels (Musculus tibialis anterior).

Das Schienbeinkantensyndrom zählt zu den häufigsten Sportverletzungen, vor allem im Laufsport. Etwa jede*r 12. Läufer*in soll diese Beschwerden schon einmal erlebt haben – Profis wie Einsteiger. Aber auch in anderen Sportarten wie Leichtathletik, Bergwandern, Nordic Walking, Fußball oder Tanzen kann es zu einem Shin-Splint-Syndrom kommen.

Ist ein Schienbeinkantensyndrom gefährlich?

Shin Splints sind lästig, weil das für Sportler*innen meistens eine Sportpause bedeutet. Die Entzündung ist allerdings ungefährlich und klingt von allein wieder ab, wenn man sich schont. Die Symptome des Schienbeinkantensyndroms können aber denen einer Stressfraktur ähneln. Um das oder andere Verletzungen auszuschließen, kann es deshalb sinnvoll sein, die Beschwerden medizinisch abklären zu lassen. Das gilt besonders bei starken, pochenden oder ausstrahlenden Schmerzen im Bein oder Fuß.

Ursachen für das Schienbeinkantensyndrom

Der Ansatz der Schienbeinmuskulatur sowie die Bänder und Sehnen sind mit der Knochenhaut verwachsen. Wird der innere oder äußere Schienbeinmuskel übermäßig belastet, weil zum Beispiel nach einer längeren Trainingspause plötzlich intensiv trainiert wird, dann beansprucht das die Knochenhaut mehr als üblich. Das kann zu Reizungen der Knochenhaut führen und ein Schienbeinkantensyndrom fördern. Neben sportlichen Übermut gibt es aber noch eine Vielzahl anderer Ursachen, die die Muskulatur im Schienbein übermäßig fordern und die Knochenhaut reizen können:

  • Sportliche Überlastung, vor allem bei schlechter körperlicher Verfassung oder nach einer längeren Trainingspause
  • Überbelastung aufgrund abrupter Steigerung des Trainingspensums, der Laufgeschwindigkeit oder einem zu hohen Kilometerumfang
  • Übergewicht
  • Fußfehlstellungen
  • Fehlende Stabilität und Dämpfung durch abgenutzte Sportschuhe
  • Laufschuhe und Laufuntergrund sind nicht aufeinander abgestimmt
  • Falsche sportartspezifische Technik
  • Muskuläre Dysbalancen in Hüfte, Unterschenkel und Füßen
  • Fehlende Regeneration zwischen den Trainingseinheiten

Auch das Geschlecht gilt als Risikofaktor für das Überlastungssyndrom. Frauen sollen häufiger betroffen sein als Männer.


Symptome beim Schienbeinkantensyndrom

Typische Beschwerden für das Schienbeinkantensyndrom sind:

  • Stechende oder dumpfe Schmerzen entlang der Schienbeinkante
  • Starke Schmerz- und Druckempfindlichkeit des Schienbeins

Dabei treten die Beschwerden immer schleichend auf. Häufig beginnt es mit einem leichten Ziehen am Schienbein während des Trainings, welches danach wieder abklingt. In den folgenden Trainingseinheiten können die Schmerzen zunehmend stärker werden. Im fortgeschrittenen Stadium sogar so heftig, dass die Belastung oder ein Weiterlaufen nicht mehr möglich ist und abgebrochen werden muss. Die Schmerzen können dann sogar im Ruhezustand auftreten. Zusätzlich kann auch eine leichte Schwellung an der Schienbeinkante entstehen.

Diagnose und Behandlung des Schienbeinkantensyndroms

Anlaufstelle bei Schienbeinschmerzen ist die Hausarztpraxis, Sportarztpraxis oder Orthopädie. Der*die Arzt*Ärtzin stellt dann anhand der Symptome sowie der Vorgeschichte die Diagnose. Um andere Verletzungen wie einen Stressfraktur auszuschließen, werden gegebenenfalls noch Röntgenaufnahmen angefertigt.

Ziel der nachfolgenden Behandlung ist es, die Entzündung einzudämmen und die akuten Symptome zu lindern. Wichtigste Maßnahme ist hierbei die Entlastung des betroffenen Beins. Des Weiteren können Antirheumatika verordnet werden, um den Schmerz zu lindern. Ebenso kann das schmerzende Schienbein mit ketoprofen- oder ibuprofenhaltigem Gel behandelt werden.

Um ein erneutes Auftreten der Schienbeinschmerzen in Zukunft auszuschließen, werden unter Umständen auch weitere Untersuchungen durchgeführt, um die genaue Ursache für das Schienbeinkantensyndrom herauszufinden. So lassen sich zum Beispiel Fußfehlstellungen wie ein verstärktes Einknicken mit einer Laufanalyse erkennen. Orthopädische Einlagen oder Orthesen helfen dann gezielt, Fehlbelastungen des Beins oder Fußes zu korrigieren.

Das können Sie selbst bei einem Shin-Splint-Syndrom tun

Wurde ein Schienbeinkantensyndrom diagnostiziert, sollten Sie das betroffene Bein schonen. Das bedeutet in der Regel erst einmal das Aus für das normale Sportprogramm – auch wenn ein Wettkampf ansteht. Bei leichten Beschwerden reicht es häufig aus, die Sportintensität zu reduzieren. Bei starken Beschwerden wird empfohlen, komplett auf Sport zu verzichten. Zusätzlich können die folgenden Maßnahmen helfen:

  • Während der akuten Phase die gereizte Stelle kühlen, zum Beispiel mit Kältepacks
  • Nächtliche Verbände mit entzündungslindernden oder schmerzstillenden Salben
  • Dehn- und Kräftigungsübungen für Füße und Beine, wenn die Schmerzen langsam nachlassen

Wann darf man wieder laufen oder trainieren?

Die Entzündung sollte vollständig auskurieren. Trainieren Sie erst wieder, wenn Sie komplett schmerzfrei sind – sowohl beim normalen Gehen als auch unter leichter Belastung beim schnellen Gehen. Möchten Sie Ihre Ausdauer während der Sportpause aufrecht halten, dann wechseln Sie alternativ auf schienbeinschonenden Sportarten, wie Fahrrad fahren oder Schwimmen.

Shin Splints vorbeugen

Wird der Auslöser für das Shin-Splint-Syndrom nicht erkannt, kann es immer wieder auftreten und sogar zu chronischen Beschwerden führen. Betroffene sollten deshalb nach der Ursache forschen und diese beheben, zum Beispiel:

  • Trainingsplan und Trainingsintensität überprüfen und an die körperliche Konstitution und Leistungsfähigkeit anpassen. Empfohlen wird eine Steigerung der Belastung um maximal zehn Prozent zur Vorwoche.

  • Laufstil oder Sporttechnik analysieren lassen und mögliche Fehler ausbessern.

  • Laufschuhe überprüfen, alte Schuhe erneuern beziehungsweise das Schuhwerk auf den Trainingsuntergrund abstimmen. Eine Beratung und eine Laufbandanalyse in einem Sportfachgeschäft helfen dabei, den passenden Schuh für den Fuß, den Laufstil, den Trainingsuntergrund und die Trainingsziele zu finden.

  • Muskuläre Dysbalancen ausgleichen. Sie sind oft die Folge von Sportarten mit einer einseitigen Belastung wie Laufen. Um diesen entgegenzuwirken, sollten gezielten Kräftigungs- und Stabilisationsübungen ins Trainingsprogramm eingebaut werden.

Weitere wichtige vorbeugende Maßnahmen, die jedes Training ergänzen sollten, sind:

  • Aufwärmen: Eine Aufwärmphase gehört vor jede Sporteinheit. Aufwärmübungen bereiten Muskulatur, Sehnen und Bänder auf die Belastung vor und steigern die Durchblutung. Das verbessert die Koordination der Muskeln und beugt Verletzungen vor.

  • Dehnen: Dehnübungen wirken Muskelverkürzungen entgegen. Sie helfen damit gezielt Beschwerden zu vermeiden, die durch einseitige Belastungen beim Sport entstehen können.

  • Regeneration: Sport verlangt Muskulatur, Sehnen und Bänder viel ab. Muskeln und Co. müssen sich erholen, um belastbarer zu werden. Zwei bis drei Tage sind optimal – für die beanspruchten Muskelgruppen. Wer jeden Tag aktiv sein will, kann allerdings die Trainingslücken mit Sportarten füllen, die andere Muskelpartien beanspruchen.

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