Tägliche Tipps für den Herbst (28)

Wildunfall: Lebende Tiere besser nicht anfassen

Wenn im Herbst die Dämmerung immer früher einsetzt, steigt die Gefahr, dass es auf Fahrten außerhalb der Ortschaft zum Zusammenstoß mit dämmerungs- und nachtaktiven Wildtieren kommt. Auf unbedachte eigenmächtige Rettungsaktionen sollten Sie bei verletzten Tieren aber besser verzichten.

Wildunfall: Verletzte Tiere besser nicht anfassen
Einfach liegen lassen sollte man vierbeinige Unfallopfer nicht. Tote Tiere sind zumindest von der Straße zu ziehen am besten mit Handschuhen.
©iStock.com/DirkRietschel

Im Verlauf des Oktobers werden die Tage merklich kürzer, besonders nach der Zeitumstellung. Die Folge: Autofahrten, etwa auf dem Weg zu oder von der Arbeit, finden jetzt in der Dämmerung oder Dunkelheit statt. Damit steigt die Gefahr von Wildunfällen, da die meisten vierbeinigen heimischen Waldbewohner dämmerungs- beziehungsweise nachaktiv sind. Zudem führen schlechte Sicht- und Straßenverhältnisse aufgrund des Herbstwetters mit Nebel, Nässe und erstem Bodenfrost dazu, dass Autofahrer Tiere beim Überqueren der Fahrbahn erst spät erkennen und der Bremsweg länger wird.

Langsam aber sicher ans Ziel

Natürlich sollten Sie Ihre Fahrweise anpassen und vorausschauend fahren, besonders wenn Sie Ihr Weg durch Waldstücke führt. "Wo die Straße durch wildreiche Wälder führt oder von diesen gesäumt wird, sollten 70 bis 80 Stundenkilometer das oberste Limit in der Dämmerung und zur Nachtzeit sein", rät der TÜV Süd in seinem Flyer "Wildunfälle: Beugen Sie vor – handeln Sie richtig".

Trotzdem ist der Zusammenstoß mit einem Wildtier, das plötzlich vor den Scheinwerfern auf der Fahrbahn auftaucht, manchmal nicht vermeidbar. In Deutschland werden jedes Jahr weit über 200.000 Wildunfälle gemeldet. Nicht immer verlaufen diese glimpflich: Laut Unfallstatistiken gehen rund 3.500 Verletzte und 30 Tote jährlich auf das Konto von Wildunfällen. Auch viele vierbeinigen Unfallopfer bezahlen den Zusammenstoß mit einem Auto mit dem Leben.

Verletzte Tiere können in Panik angreifen

Was tun, wenn das Tier tot auf der Fahrbahn liegt, was, wenn es noch lebt? Mancher Tierfreund mag dazu neigen, den Samariter zu spielen und das Tier an Ort und Stelle verarzten zu wollen. Ein verletztes Tier, insbesondere ein Wildtier zu berühren, kann jedoch böse oder zumindest unangenehme Folgen haben. Denn das verletzte Tier könnte in Panik zubeißen oder ausschlagen und damit seinem Helfer unter Umständen schwer verletzen. Eine Bissverletzung sollte man nie auf die leichte Schulter nehmen, warnt die Münchner Tierärztin Tina Hölscher. "Die Mundflora von Fleischfressern wie Füchse oder Marder hat eine Zusammensetzung, die bei Bissverletzungen schwere Infektionen hervorrufen kann", erklärt sie. "Deshalb sollte selbst bei kleinen, harmlos erscheinenden Bissverletzungen ein Arzt aufgesucht werden", rät sie.

Wildtiere oft mit Parasiten befallen

Generell ist bei jeder Form von Verletzung immer an den Schutz vor Tetanus zu denken, also auch bei Kratzern oder Wunden, die ein Klauenhieb verursacht hat. Außerdem sind eine Reihe parasitärer Erkrankungen beim Anfassen infizierter Tiere auf den Menschen übertragbar. "Hier sind vor allem Flöhe, Würmer oder Milben zu nennen", sagt Tierärztin Hölscher.

Die gefährlichste Zoonose - so werden auf den Menschen übertragbare Tierkrankheiten genannt -  ist die Tollwut, die glücklicherweise in Deutschland inzwischen weitgehend eingedämmt wurde, aber doch immer wieder aufflammen kann. Zwar gilt Deutschland seit 2008 als tollwutfrei. Das bezieht sich jedoch auf am Boden lebende Tiere. Der Infektiologe Tim Kümmerle von der Universitätsklinik Köln warnte im Frühjahr dieses Jahres in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift vor tollwutkranken Fledermäusen: Die tödliche Infektionskrankheit sei bei Fledermäusen in ganz Europa epidemisch. Ein weiterer Grund, die Versorgung verletzter Wildtiere Fachleuten zu überlassen und eine in die Windschutzscheibe geflogene Fledermaus besser nicht zu berühren.

Nach Wildunfall Polizei rufen

Das heißt keinesfalls, dass Sie angefahrene Wildtiere sich selbst überlassen sollen. "Das verbietet schon das Tierschutzgesetz", weist Hölscher auf rechtliche Aspekte hin.

Nach einem Zusammenprall mit Rehen, Wildschweinen oder anderen Waldbewohnern sollte man immer anhalten, die Warnblinkanlage einschalten und, sofern das Tier noch auf der Straße liegt, die Unfallstelle mit dem Warndreieck sichern. Egal, ob das Tier geflüchtet ist, tot oder verletzt auf der Straße liegt, ist immer die Polizei zu rufen, die dann den zuständigen Jäger informiert.

Kadaver nicht mit bloßer Hand berühren

Ist das angefahrene Tier tot, sollte man es möglichst von der Straße ziehen, um den nachfolgenden Verkehr nicht zu gefährden. Sich dazu Gummihandschuhe oder eine Plastiktüte über die Hände zu streifen, mindert die Gefahr einer Ansteckung mit möglichen Erkrankungen des Tieres. Lebt das Tier und ist verletzt, rät die Jägerschaft des Landkreises Stade e.V., sich bis zum Eintreffen des Jägers von ihm fern zu halten, um es nicht in Panik zu versetzen und es dadurch noch mehr leiden zu lassen. Flüchtet es verletzt, können Hinweise auf die Richtung, die es dabei eingeschlagen hat, dem Jäger die Verfolgung erleichtern, der dann versuchen wird, das Tier zu finden und von seinem Leiden zu erlösen.

Bei kleinen Tieren wie einem verletzten Igel gibt es noch eine weitere Möglichkeit zu helfen: "In München beispielsweise kann man sich in solchen Fällen auch an die Tierrettung wenden",  berichtet Tierärztin Hölscher. Auch örtliche Tierschutzvereinen könnten eventuell weiterhelfen.

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