Effektiv, aber nicht frei von Nebenwirkungen

Tamoxifen: Gefährlicher Lieferengpass für Krebsmedikament

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Brustkrebs ist oft hormonrezeptorpositiv: Der Tumor trägt Rezeptoren, die durch Hormone wie Östrogen Wachstumssignale aussenden. Tamoxifen ist ein hormoneller Wirkstoff, der diesen Rezeptor besetzen und so das Tumorwachstum stoppen kann. Er gilt als Klassiker der Hormontherapie, die genau genommen als Antihormontherapie bezeichnet wird.

Tamoxifen: Wirkung bei Brustkrebs
© Getty Images/Guido Mieth

Tamoxifen ist ein wichtiges Medikament zur Behandlung von Brustkrebs. Erkrankte Personen müssen das Medikament über einen langen Zeitraum einnehmen. Es schützt zum einen vor weiterem Tumorwachstum, zum anderen kann es nach der Behandlung das Risiko einer Neuerkrankung (Rezidiv) reduzieren. Wichtig ist, dass das Medikament zuverlässig eingenommen wird, da sonst die Wirkung vermindert ist.

Derzeit gibt es allerdings Lieferengpässe: Werden die Probleme nicht gelöst, droht ein Versorgungsmangel mit dem gut wirksamen Krebsmedikament. Eine vergleichbar wirksame und nebenwirkungsarme Alternative zu dem Arzneimittel gibt es momentan nicht. Um die Versorgung trotz Lieferproblemen sicherzustellen, dürfen Apotheken derzeit tamoxifenhaltige Präparate aus dem Ausland importieren, auch wenn sie in Deutschland nicht zugelassen sind.

Grund für die Lieferschwierigkeit ist, dass ehemalige Anbieter aus Profitgründen die Herstellung eingestellt haben: Die Produktion des lebenswichtigen Krebsmedikaments ist nicht mehr rentabel.

Artikelinhalte im Überblick:

Tipps zum Wohlfühlen trotz Brustkrebs

Wirkung auf hormonrezeptorpositive Tumoren

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen kann das Wachstum bestimmter Tumoren bei Brustkrebs fördern. Nämlich dann, wenn die Tumoren Andockstellen (Rezeptoren) für Östrogen (auch Estrogen) besitzen. Dabei handelt es sich um hormonrezeptorpositive Tumoren, die bei etwa 70 Prozent der Frauen mit Brustkrebs vorhanden sind. Tamoxifen gehört zu den selektiven Estrogenrezeptormodulatoren (SERM), das Arzneimittel kann das Tumorwachstum bei Brustkrebs hemmen, weil es als Antiöstrogen wirkt: Der Wirkstoff bindet sich wie das weibliche Geschlechtshormon an den Östrogenrezeptor und blockiert ihn. Dadurch kann Östrogen nicht mehr ankoppeln und wirken. Im Gegensatz zu Östrogen stimuliert Tamoxifen jedoch nicht die Zellteilung des Tumors – er kann also nicht mehr wachsen.

Einnahme von Tamoxifen

Tamoxifen ist rezeptpflichtig und wird entweder zur unterstützenden Behandlung eines Mammakarzinoms oder dessen Tochtergeschwülsten (Metastasen) eingesetzt. Die Dosierung erfolgt in ärztlicher Absprache. In der Regel werden täglich 20 bis 40 Milligramm Tamoxifen als Tablette eingenommen. Die Einnahme des Präparats sollte immer zur gleichen Uhrzeit erfolgen, ob morgens oder abends können Krebs-Patient*innen selbst entscheiden. Betroffene sollten den Zeitpunkt danach wählen, wann sie es am besten in ihren Alltag einbauen können, ohne die Einnahme zu vergessen.

Studien haben außerdem gezeigt, dass Tamoxifen das Risiko für das Wiederauftreten der Krankheit reduzieren kann. Vor der Entfernung des Tumors durch eine Operation (neoadjuvant) kann Tamoxifen zu einer deutlichen Verkleinerung des Tumors führen und dadurch unter Umständen einen brusterhaltenden Eingriff zulassen, wo vorher nur eine Mastektomie (Brustentfernung) möglich gewesen wäre.

Nebenwirkungen von Tamoxifen

Tamoxifen ist im Allgemeinen besser verträglich als eine Chemotherapie, dennoch können Nebenwirkungen auftreten. Die Östrogenwirkung wird nicht nur im Tumor, sondern auch in anderen Geweben unterdrückt. So kommt es bei Frauen zu ähnlichen Beschwerden wie sie durch den Östrogenmangel während der Wechseljahre üblich sind:

Daneben kann es vor allem bei älteren Frauen als Nebenwirkung unter Tamoxifen zu Eintrübungen der Augenlinse (Grauer Star) kommen.

Manchmal treten im Rahmen einer Therapie mit Tamoxifen Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut auf, die mitunter bösartig sein können. Während des gesamten Zeitraums der Tamoxifen-Einnahme sollte die Schleimhaut des Gebärmutterhalses daher regelmäßig durch Ultraschalluntersuchungen und Abstriche von der*dem Gynäkolog*in kontrolliert werden.

Scheidentrockenheit durch Tamoxifen: Was tun?

Um die durch die Einnahme von Tamoxifen auftretende Scheidentrockenheit zu lindern, sollte während der Behandlung mit Tamoxifen keinesfalls auf östrogenhaltige Salben zurückgegriffen werden, da die krebsbekämpfende Wirkung der Hormontherapie dann abgeschwächt wird. Sicher hingegen ist die Anwendung spezieller Gleitmittel auf Wasserbasis. Sie können die Befeuchtung der Scheide verbessern und die Gleitfähigkeit beim Geschlechtsverkehr wiederherstellen.

Nebenwirkungen beim Mann

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken und mit Tamoxifen behandelt werden. Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Schweißausbrüche sind auch bei ihnen möglich.


Wechselwirkungen mit Tamoxifen

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Tamoxifem und Antidepressiva aus der Gruppe der Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ist Vorsicht geboten, denn Medikamente wie Paroxetin können die Wirkung von Tamoxifen abschwächen. Zudem ist von der zeitgleichen Therapie mit Bupropion, Fluoxetin, Chinidin, Cinacalcet abzuraten.

Behandlungsdauer von Tamoxifen

Tamoxifen sollte über einen Zeitraum von fünf Jahren eingenommen werden. Eine längere Behandlungszeit, nämlich über zehn Jahre wird derzeit nur bestimmten Personen empfohlen, für die Vorteile einer längeren Behandlungsdauer nachgewiesen wurden. Das betrifft etwa Betroffene mit hohem Rückfallrisiko durch einen großen Tumor, befallene Lymphknoten und/oder ein junges Erkrankungsalter.

Nach dem Absetzen des Medikaments steigt allerdings das Risiko für ein erneutes Auftreten von Brustkrebs an. Die Hälfte der Rückfälle tritt dabei erst nach den ersten fünf Jahren auf.

Aromatasehemmer nach Tamoxifen: Rezidivrate sinkt weiter

Studienergebnisse zeigen, dass nach der fünfjährigen Behandlung mit Tamoxifen der Einsatz eines Aromatasehemmers für drei bis fünf Jahre sinnvoll ist. Dieser unterscheidet sich in seinem Wirkmechanismus von Tamoxifen, das die Wirkung von Östrogenen in der Brust unterbindet. Aromatasehemmer verhindern durch Blockieren eines bestimmten Enzyms die Umwandlung der Vorstufen von Östrogen in das aktive Hormon. Dadurch treten weniger Rückfälle in der ursprünglich erkrankten Brust auf, ebenso weniger Metastasen in anderen Organen und weniger Fälle von Brustkrebs in der anderen Brust.

Studien der vergangenen Jahre zeigen außerdem, dass die antihormonelle Therapie mit Aromatasehemmstoffen bei Frauen nach den Wechseljahren sogar wirksamer als Tamoxifen sein kann. So verringern Aromatasehemmer den Untersuchungsergebnissen zufolge das Rückfallrisiko stärker als der alleinige Tamoxifeneinsatz – sowohl als Einzeltherapie als auch nach einer Behandlung mit Tamoxifen. So raten Fachleute besonders bei Frauen mit hoher Rezidivgefahr zu einer adjuvanten (unterstützenden) Therapie mit beiden Wirkstoffen, die hintereinander, nicht gleichzeitig eingesetzt werden sollten. Die Wirkung von Aromatasehemmern wurde bisher allerdings nicht bei Frauen vor den Wechseljahren beobachtet und kommt für sie als antihormonelle Therapie daher nicht infrage. Auch Männern wird die Behandlung mit Aromatasehemmern nicht empfohlen.

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