Sprunggelenksdistorsion

Sprunggelenk: Bänderriss oder -dehnung behandeln

Bänderrisse, -dehnungen oder Zerrungen am oberen Sprunggelenk zählen mit zu den häufigsten Verletzungen des Körpers. Ursache ist meist Umknicken, zum Beispiel beim Sport.

Verletzung am Sprunggelenk
Die Verletzungen des oberen Sprunggelenks zählen zu den häufigsten Verletzungen des Körpers und passieren meist beim Sport.
(c) Stockbyte

Das Sprunggelenk ermöglicht Fußbewegungen gegenüber dem Unterschenkel. Es wird unterteilt in das obere und das untere Sprunggelenk. Die Verletzungen des oberen Sprunggelenks zählen zu den häufigsten und passieren häufig beim Sport. Durch die großen Kräfte und Hebel, die auf das relativ kleine Gelenk wirken, bedarf es einiger Bänder zur Unterstützung und zur Stabilität, welche je nach Einwirkung dann auch in Mitleidenschaft gezogen werden können, was zu Bandverletzungen des Sprunggelenks führt.

Fußballverletzungen

Knickt der Fuß nach innen um, bezeichnet man dies als Supinationstrauma. Dabei sind die Außenbänder betroffen. Knickt der Fuß nach außen, spricht man von einem Pronationstrauma und die Gewalteinwirkung betrifft die Innenseite (Innenband).

Bänderdehnung ist häufigste Sprunggelenksverletzung

Geht solch ein Umknicken glimpflich aus, kommt man als Betroffener mit einer Bänderdehnung oder einem Bandanriss (Teilruptur) davon. Eine Bänderdehnung wird auch Verstauchung (Distorsion) bezeichnet und ist mit fast drei Viertel aller Sprunggelenksverletzungen die häufigste. Diese werden in der Regel nicht operiert. Reißen mehrere Bänder, wird die Verletzung gegebenenfalls operiert. Dies muss jedoch nicht unbedingt nötig sein. Mehrere Bänderdehnungen, wie sie manche Sportler in ihrer aktiven Zeit erleben, können langfristig zu einer Instabilität des Sprunggelenkes führen.

Wird bei massivem Umknicken die Sprunggelenksgabel, die aus Schien- und Wadenbein besteht, durch das Sprungbein (Talus) auseinandergedrückt, kann ein sogenannter Syndesmoseriss entstehen. Die Syndesmose ist ein Band, welches Schien- und Wadenbein miteinander fixiert und schon bei einem Riss (Ruptur) von mehr als zwei Millimetern kann später eine Sprunggelenksarthrose entstehen. Ein Syndesmoseriss kommt meistens in Kombination mit einem Knochenbruch vor.

Grundsätzlich ist bei Bandverletzungen die Knöchelaußenseite viel öfter betroffen als die Innenseite. Bänder können längs oder quer zu ihrem Verlauf reißen oder gar mitsamt der knöchernen Ansatzstelle aus dem Knochen ausreißen. Glatte Risse quer durch das Band kommen nur selten vor.

Daran erkennt man eine Verletzung des Sprunggelenks

Direkt nach einer Bandverletzung des Sprunggelenks kommt es zu einer Schwellung des betroffenen Bereichs, ebenso ist dieser Druck schmerzhaft im Bereich der Bandansätze.

Tritt die Schwellung sehr schnell und punktartig auf, liegt es nahe, dass auch die Sprunggelenkkapsel Schaden genommen hat. Unmittelbar nach dem Trauma ist die Gehfähigkeit deutlich reduziert oder gar aufgehoben.

Die häufigsten Ursachen für Bänderriss oder Bänderdehnung

Die Ursache von Bandverletzungen (Zerrung, Dehnung, Zerreißung) sind in der Regel Zugbelastungen, die die Festigkeit des Bandes überschreiten. Sie entstehen zumeist durch Unfälle beim Sport, im Verkehr oder durch unachtsame Bewegungen, bei denen es zu Überstreckungen oder Überbeugungen in Gelenken kommt.

Knochenbrüche in Gelenknähe sind eine weitere häufige Ursache von Bandverletzungen. Einerseits können hierbei scharfkantige Knochenfragmente zu Schädigungen von Bändern führen. Andererseits kann das Gelenk beim Unfall ausgerenkt werden (Luxation), was automatisch eine Verletzung der Gelenk stabilisierenden Bänder bedeutet.

Entsprechend der Funktion der einzelnen Bänder gibt es in vielen Fällen typische Verletzungsabläufe, die den Arzt bereits auf Grundlage des Unfallhergangs bestimmte Verletzungsmuster vermuten lassen.

Bänder sind außerordentlich fest. Üblicherweise kommt es daher ausschließlich nach starken Krafteinwirkungen zu Bandverletzungen. Sind Bänder zum Beispiel durch Stoffwechselstörungen oder frühere Verletzungen vorgeschädigt, kann es auch bei normaler Belastung zu Schäden kommen. Verbreitet sind etwa Kalkeinlagerungen im Bandapparat, deren Ursache zumeist unbekannt ist. Auch längerfristiger Vitamin-D-Mangel kann die Festigkeit von Bändern herabsetzen.

Oberes Sprunggelenk ist verletzungsanfällig

Die Form des Sprungbeinknochens bedingt, dass die Bänder des oberen Sprunggelenks besonders bei Streckung und gleichzeitiger Innen- beziehungsweise Außendrehung des Fußes starken Kräften ausgesetzt und damit verletzungsanfällig sind.

Neben den Stop-and-go-Sportarten können auch alltägliche Bewegungen zu Bandverletzungen führen. So bedingen hohe Absätze eine generelle Streckstellung des Fußes. Knickt der Fuß in dieser Position seitlich weg, kann es daher leicht zu Verletzungen von Innen- oder Außenband kommen. Ebenso können Bandverletzungen auftreten, wenn der Fuß seitlich von einer Kante abrutscht, etwa vom Bürgersteig. Plateausohlen stellen in diesem Sinne eine ständig mitgeführte Bürgersteigkante dar.

Untersuchungen zur Diagnose von Bandverletzungen

Aus der Krankengeschichte erfragt der Arzt, ob beim Patienten eine bekannte Bandinstabilität im Sprunggelenk besteht. Diese ist nicht selten. Oft entsteht sie durch wiederholte Dehnungen im Sprunggelenk oder schlecht ausgeheilte ältere Bandverletzungen.

Bei der Tastuntersuchung versucht der Arzt, den Verlauf der Bänder zu ertasten, um so auf mögliche Rissverletzungen zu schließen. Weiterhin testet er, ob sich der Fuß seitlich untypisch weit abknicken lässt und ob sich der Fuß im oberen Sprunggelenk nach vorne oder hinten verschieben lässt (Schubladentest). Unter Umständen kann die Prüfung der Beweglichkeit des Gelenks bei gleichzeitiger Ultraschalluntersuchung vorgenommen werden. MRT und CT kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Die Spiegelung des oberen Sprunggelenks kann erforderlich sein, um zu überprüfen, ob auch die Bindegewebeverbindung der beiden Unterschenkelknochen (Syndesmose) von der Verletzung betroffen ist.

Selbst bei Bänderriss am Sprunggelenk muss nicht immer operiert werden

Die medizinische Erstversorgung bei Bandverletzungen des Sprunggelenks beinhaltet ein Hochlagern des betroffenen Fußes beziehungsweise Beins in Verbindung mit ständiger Kühlung des geschädigten Bereichs. Eine Bandage kann der Schwellung entgegenwirken.

Häufig wird eine Bandverletzung konservativ behandelt, also ohne Operation. Studien belegen, dass nach Operation der Außenbänder langfristig die gleiche Stabilität entsteht wie bei konservativer Versorgung. Der Unterschied besteht in der längeren Rehabilitationszeit, die eine operativ versorgte Bandverletzung mit sich bringt und natürlich die grundsätzlichen Risiken eines operativen Eingriffs gegenüber einer konservativen Versorgung.

Bei einer Operation werden die gerissenen Bänder wieder vernäht. Konservativ wird das Sprunggelenk mit einer Schiene (Orthese) versorgt, die ein Umknicken während der Heilungsphase verhindert und die Bänder während dieser Zeit entlastet. Auch nach einer Operation wird für etwa sechs Wochen eine Schiene getragen. Nach konservativer Behandlung eines Bänderrisses ist Sport oft wieder bereits nach zwei Monaten möglich, nach Operation etwas später.

Selbst bei einem Riss aller drei Außenbänder muss nicht unbedingt operiert werden, bei Personen, die sehr sportlich sind, wird manchmal operiert. Ein gerissenes Innenband muss nur dann operiert werden, wenn einer der Bandfetzen in den Gelenkspalt gelangt, ansonsten ist auch hier eine konservative Versorgung angezeigt. Nach zwölf Wochen sollte das betroffene Sprunggelenk wieder voll belastbar sein.

Verlauf und Heilung von Bandverletzungen am Sprunggelenk

Bandverletzungen des Sprunggelenks sind in der Regel nach etwa zwölf Wochen vollständig ausgeheilt. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, mit starken Belastungen durch Sport etwas länger zu warten.

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, mit starken Belastungen durch Sport etwas länger zu warten.

Bänderriss und Co. durch gute Schuhe vorbeugen

Aufgrund des traumatischen Ursprungs kann man Bandverletzungen des Sprunggelenks nur bedingt vorbeugen. Schuhe, die über die Knöchel reichen, bieten dem Sprunggelenk mehr Schutz bei Aktivitäten, die ein erhöhtes Risiko mitbringen. Sportler, die schon durch frühere Verletzungen vorbelastet sind, können die Sprunggelenke mittels Tape-Verband unterstützen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2017
Durch: Lifeline
Quellen: Niethard, F. , Pfeil, J.:Orthopädie. Thieme Verlag, Stuttgart 2005 Weineck, J.: Sportanatomie, PERIMED-spitta Verl.-Ges., Balingen 1995

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