Wirkstoff zur ADHS-Behandlung

Ritalin und Medikinet: Wirkung und Nebenwirkungen der ADHS-Medikamente

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Zur Behandlung von ADHS werden Medikamente wie Ritalin und Medikinet mit dem Wirkstoff Methylphenidat eingesetzt. Diese sollen beruhigen und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit von Betroffenen fördern. Wie genau wirken sie und welche Nebenwirkungen können auftreten?

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© Getty Images/Milko (Symbolbild)

Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Ritalin und Medikinet? Beide Medikamente enthalten den gleichen Wirkstoff. Es gibt aber Unterschiede bezüglich der Bioverfügbarkeit, also dem Ausmaß und der Geschwindigkeit, mit der der Wirkstoff in den Blutkreislauf gelangt. Zudem sollte Medikinet® retard mit oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden, um eine ausreichend verlängerte Wirkung zu erzielen. Ritalin® LA kann auch ohne Nahrung eingenommen werden.

Wie wirkt Methylphenidat ohne ADHS? Bei Menschen ohne ADHS können Medikamente wie Ritalin oder Medikinet andere Effekte haben. Sie wirken meist euphorisierend, wobei vor allem bei hohen Dosen schnell eine Toleranz entsteht, und die Wirkung nachlässt.

Im Überblick:

ADHS: Typische Symptome bei Erwachsenen

Was sind Ritalin und Medikinet?

Ritalin und Medikinet sind Medikamente, deren Hauptwirkstoff Methylphenidat ist. Dieser zählt zu der Gruppe der Amphetamine. Ritalin und Medikinet werden vor allem zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verschrieben.

Schätzungen zufolge sind etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen, wobei die Erkrankung etwa viermal häufiger bei Jungen als bei Mädchen diagnostiziert wird. Bei etwa 60 Prozent der Betroffenen bleiben die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Von 1993 bis 2001 ist die Zahl der Verordnungen von Methylphenidat um das 20-fache gestiegen. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland insgesamt 57,5 Millionen Tagesdosen Methylphenidat verschrieben.

Vorgeschichte:

Der Pharmazeut Leandro Panizzon, der Methylphenidat in den 1940er Jahren erstmals synthetisierte, testete jede von ihm neu entwickelte Substanz an sich selbst und seiner Ehefrau Rita. Diese soll von Methylphenidat so begeistert gewesen sein, dass als Handelsname Ritalin gewählt wurde.

Neben Ritalin und Medikinet ist Methylphenidat mittlerweile auch unter den Handelsnamen Concerta und Kinecteen sowie diversen Generika erhältlich.

Wie wirkt Methylphenidat bei ADHS?

Bei Menschen mit ADHS besteht ein Mangel an Dopamin im Gehirn. Das erklärt zum Beispiel, wieso sie oft ein verstärktes Verlangen nach Aktivitäten haben, bei denen Dopamin freigesetzt wird. Dieser Botenstoff (Neurotransmitter) ist für die Regulation von Aufmerksamkeit, Motivation, Belohnung und Impulskontrolle wichtig.

Methylphenidat stimuliert die dopaminhaltigen Nervenverbindungen, sodass die Informationsverarbeitung zwischen den Zellen wieder hergestellt werden kann. Das erhöht die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin, was zu einer verbesserten Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit führt. Gleichzeitig aktiviert Methylphenidat das zentrale Nervensystem. Es kommt zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit und einer Steigerung der Wachheit.

Bei der Schlafkrankheit (Narkolepsie) kommt Methylphenidat zur Bekämpfung der Tagesmüdigkeit zum Einsatz.

Wie lange wirkt Methylphenidat?

Die Wirkung von Methylphenidat setzt etwa innerhalb von 20 Minuten ein und erreicht nach zirka zwei Stunden die höchste Konzentration im Blut. Die normale Wirkdauer von Methylphenidat beträgt lediglich drei bis vier Stunden, was eine mehrmalige Gabe über den Tag verteilt notwendig macht.

In der Praxis haben sich inzwischen Retardpräparate durchgesetzt, die den Wirkstoff verzögert freigeben. Sie sind sowohl für Kinder als auch für Jugendliche und Erwachsene geeignet und haben eine Gesamtwirkdauer von etwa acht Stunden.

Typische Symptome bei ADHS

Behandlung von ADHS mit Ritalin oder Medikinet

In Deutschland werden Arzneimittel wie Ritalin oder Medikinet mit Methylphenidat in der Regel erst dann verabreicht,

  • wenn die ADHS-Symptomatik stark ausgeprägt ist,

  • andere Behandlungsmaßnahmen wie Elterntraining oder Verhaltenstherapie keine ausreichende Besserung erzielen und

  • die Beschwerden die schulischen Leistungen, die Freizeitaktivitäten oder das soziale Miteinander von Kindern oder Jugendlichen erheblich beeinträchtigen.

  • zum ADHS-Test

    Wie Eltern erkennen, ob Hyperaktivität oder Unkonzentriertheit ihres Kindes ganz normal oder schon Anzeichen von ADHS sind.

Methylphenidat führt bei 70 bis 90 Prozent der Kinder mit ADHS zu einer deutlichen Verbesserung von Konzentration und Aufmerksamkeit. So ist eine normale Teilhabe im Schulunterricht wieder möglich. Auch sozial finden die Betroffenen häufig leichter wieder Anschluss.

Durch die Einnahme der Medikamente sind in einigen Fällen zudem verhaltenstherapeutische Maßnahmen besser durchführbar.

Wie werden Ritalin oder Medikinet eingenommen?

Medikamente mit Methylphenidat werden in der Regel erst ab sechs Jahren verschrieben. Nur in seltenen Fällen kann eine Therapie "Off-Label" erfolgen, wenn die Symptome trotz anderer Maßnahmen eine altersgerechte Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

  • Kinder und Jugendliche: Die Startdosis beträgt 5 Milligramm, ein- bis zweimal täglich. Diese kann nach ärztlicher Anweisung um 5 bis 10 Milligramm pro Woche erhöht werden, sollte aber die Tagesdosis von 60 Milligramm nicht überschreiten.

  • Erwachsene: Wurde die medikamentöse Therapie bereits im Kindesalter begonnen, wird die Dosierung meist beibehalten. Bei einer Neueinstellung wird ebenfalls mit einer Dosis von 5 Milligramm begonnen, die wöchentlich erhöht werden kann. Die empfohlene Tageshöchstdosis beträgt 80 Milligramm.

Methylphenidat nicht eigenmächtig absetzen

Die Einnahme von Ritalin und anderen Medikamenten mit dem Wirkstoff Methylphenidat sollte nicht eigenmächtig beendet werden. Andernfalls besteht die Gefahr von Absetzerscheinungen. Es können verstärkte Hyperaktivität und Gereiztheit bis hin zu depressiven Verstimmungen auftreten.

Nebenwirkungen von Ritalin und Medikinet

Der Einsatz von Ritalin und Medikinet sollte individuell sorgfältig abgewogen werden, da Nebenwirkungen auftreten können. Dazu zählen:

Zudem gibt es Hinweise, dass Methylphenidat den Blutdruck bei Patient*innen leicht erhöht, weshalb Puls und Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden sollten.

Fachleute kritisieren zudem, dass es bisher nicht ausreichend Erkenntnisse über unerwünschte Wirkungen bei Anwendung über einen längeren Zeitraum gibt. Auch gibt es keine Daten darüber, wie betroffene Kinder selbst ihre Lebensqualität bei Einnahme der Medikamente beurteilen.

Bei Dauertherapie sollte in Absprache mit dem*der Arzt*Ärztin einmal im Jahr ein Auslassversuch unternommen werden, um zu prüfen, ob das Präparat noch seine Wirkung erzielt.

Gegenanzeigen

Methylphenidat sollte nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden, da mögliche negative Auswirkungen auf das Un- beziehungsweise Neugeborene zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossen werden können.

Bestimmte Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolare Störung oder schwere Depression gelten als Kontraindikationen.

Missbräuchlicher Konsum von Ritalin und Medikinet

Der Wirkstoff Methylphenidat fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und ist deshalb nur mit einem Rezept in Apotheken erhältlich. Bei Menschen, die den Wirkstoff eigentlich nicht benötigen, kann dieser ganz anders wirken als bei ADHS-Patient*innen. Er soll beispielsweise Euphorie und Antrieb steigern.

Gerade aufgrund dieser anregenden Wirkung steigt der Anteil an Menschen, vor allem Studierenden, die ADHS-Medikamente missbräuchlich konsumieren – beispielsweise, um nächtelang lernen oder feiern zu können. In der Szene wird Ritalin daher auch als "Ersatz-Speed" bezeichnet.

Bei unsachgemäßer, zu hoher Dosierung können allerdings folgende Nebenwirkungen auftreten:

Ein besonderes Risiko besteht, wenn Ritalin gespritzt wird. Die löslichen Stoffe der Tabletten können kleine Blutgefäße verstopfen und die Lunge oder Netzhaut schädigen.

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