Datenlage

Homöopathie: Was besagen Studien zur Wirksamkeit?

Viele Patienten sind überzeugt: Homöopathische Mittel helfen. Trotz zufriedener Verwender hat es die Homöopathie nicht leicht – muss sie doch ihre Wirksamkeit auch wissenschaftlich unter Beweis stellen. Und zwar unter Bedingungen, die ihrem Wirkprinzip höchstens eingeschränkt gerecht werden.

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Manche Methoden der evidenzbasierten Medizin werden dem Wirkprinzip der Homöopathie nur schwer gerecht.
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Für Anwender von homöopathischen Arzneimitteln liegen deren Vorteile längst auf der Hand: Sie sind sehr gut verträglich, haben keine bekannten Nebenwirkungen und können daher sogar bei Kleinkindern, chronisch kranken, älteren sowie geschwächten Menschen oder gar Haustieren eingesetzt werden.

Oft geht es diesen Patienten nicht um ein "Entweder-Oder" zwischen homöopathischen Wirkstoffen und anderen Medikamenten: Vielmehr kann die Homöopathie eine konventionell-medizinische Behandlung unterstützen. So berichtet Allgemeinmediziner Markus Wiesenauer, der sich auf Homöopathie spezialisiert hat: "In meiner hausärztlichen Praxis behandle ich mehr als die Hälfte meiner Patienten ausschließlich homöopathisch. Die übrigen kann ich homöopathisch unterstützen, so dass die notwendigen konventionellen, chemisch-synthetischen Medikamente häufig reduziert werden können."

Obwohl sich in der Praxis immer wieder bestätigt, dass Patienten mit ihr geholfen wird, hat es die Homöopathie schwer. Denn während konventionelle Medikamente sich nach reiflicher Forschung erst in der Praxis beweisen müssen, liegt der Fall bei homöopathischen Arzneimittel genau umgekehrt: Sie werden bereits seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt, bleiben aber den wissenschaftlichen Beweis dafür schuldig – angeblich. Denn Kritiker betonen zwar, dass sich die Wirksamkeit homöopathischer Mittel nicht nachweisen lasse oder aber auf dem Placebo-Effekt basiere. Doch das ist grob vereinfacht.

Homöopathie: Welche Rolle spielt der Placebo-Effekt?

In einer Meta-Analyse (Übersichtsstudie), die 2014 in der Fachzeitschrift "Systematic Reviews" veröffentlicht wurde, wurden 32 placebokontrollierte Studien zum Thema Wirksamkeit homöopathischer Mittel überprüft. Davon entsprachen 22 Studien den strengen Standards der evidenzbasierten Medizin, drei erfüllten die höchsten Qualitätskriterien.

Der Wissenschaftler Robert T. Mathie und seine Kollegen entdeckten, dass die Homöopathie gegenüber dem Placebo statistisch signifikant überlegen war. "Dieses Ergebnis weist darauf hin, dass eine Therapie mit individuell ausgewählten homöopathischen Arzneimitteln wahrscheinlich spezifische Effekte hat", sagt Jens Behnke von der Carstens-Stiftung, die sich für mehr Forschung auf dem Gebiet der Naturheilkunde und Homöopathie einsetzt. Restzweifel bleiben, weil die geringe Anzahl der qualitativ hochwertigen Studien keine definitive Aussage zulässt.

Homöopathie: Wichtige Mittel und ihre Wirkung

Gängige Studienmodelle werden Homöopathie nicht gerecht

Doppelblinde, placebokontrollierte Studien, wie sie in der oben genannten Meta-Analyse verwendet wurden, sind laut Behnke der Goldstandard der klinischen Forschung. Dabei nimmt eine Gruppe von Probanden den zu untersuchenden Arzneistoff ein, während eine weitere Gruppe Placebos erhält. Weder Teilnehmer noch Behandler wissen, wer zu welcher Gruppe gehört (doppelblind).

Für einen Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie sind die Methoden evidenzbasierter Medizin allerdings nicht uneingeschränkt geeignet. Schließlich wird die Wahl homöopathischer Arzneimittel in der alltäglichen Praxis nach dem Individuum ausgerichtet. "Dies führt dazu, dass ein Gastritis-Patient möglicherweise Nux vomica braucht, ein anderer aber ein ganz anderes Mittel", erklärt Behnke. Das komme ganz auf die individuellen Beschwerden (in der Homöopathie auch Leitsymptome genannt) an. Studien, die diese Individualisierung nicht berücksichtigten, brächten daher mutmaßlich schlechtere Ergebnisse für die Homöopathie.

Vor allem chronisch Kranke profitieren von homöopathischer Behandlung

Anders ist das bei Studien aus der Versorgungsforschung (Beobachtungs- oder Kohortenstudien), die eine homöopathische Behandlung unter realistischen Alltagsbedingungen untersuchen. Dabei wird das komplette Therapieverfahren, wie es in der Homöopathie gängig ist, berücksichtigt: Gespräch, Untersuchung, Arzneimittel.

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Eine Beobachtungsstudie an der Berliner Charité, die 2008 in der britischen Fachzeitschrift BMC Public Health veröffentlicht wurde, zeigte: Bei knapp 4.000 Patienten mit chronischen Krankheiten (etwa Kopfschmerzen, Migräne, Bluthochdruck) besserten sich die Beschwerden nach drei Monaten um fast die Hälfte. Die Wissenschaftlerin Claudia Witt und ihr Team stellten außerdem fest, dass sich in 25 Prozent der Fälle nach zwei Jahren sogar eine vollständige Heilung einstellte.

Inwiefern homöopathische Arzneimittel für die Besserung der Beschwerden verantwortlich sind, kann durch Studien aus der Versorgungsforschung allerdings nicht abschließend geklärt werden, da die Ergebnisse von anderen Faktoren wie dem allgemeinen Lebensstil oder Begleittherapien beeinflusst werden können.

Weitere Beobachtungs- und Kohortenstudien geben jedoch zusätzliche Hinweise: Die homöopathische Behandlung erzielte jeweils ähnlich gute Ergebnisse wie konventionelle Therapien, verursachte dabei aber geringere Kosten und weniger Nebenwirkungen.

Potenzierung in der Homöopathie: Verdünnt heißt nicht unwirksam

Wie kann es aber sein, dass Wirkstoffe in analytisch kaum nachweisbarer Konzentration Krankheiten lindern können? Dass es funktioniert, stellen auch konventionelle Medikamente unter Beweis: So wird beispielsweise Weißdorn in minimaler Dosierung in der Herzmedizin verwendet.

Zwar deckt es sich nicht mit den gängigen pharmakologischen Prinzipien, dass auch homöopathische Verdünnungen eine Wirkung entfalten können – wohl aber mit der Grundlagenforschung: Behnke führt an, in über 1.600 Experimenten habe sich gezeigt, dass auch Strahlendetektoren, Kristalle, Mikroorganismen oder Frösche auf ultramolekulare Verdünnungen reagieren. Daraus lasse sich schließen, "dass der Wirkmechanismus homöopathischer Arzneimittel ein anderer sein muss als derjenige konventioneller." Behnke bezeichnet es als unwissenschaftlich, solche Erkenntnisse zu ignorieren – nur weil sie sich nicht mit liebgewonnenen konventionellen Theorien erklären ließen.

Homöopathie: 15 häufige Beschwerden und welches Mittel hilft!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. Juli 2016
Quellen: Markus Wiesenauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie-Spezialist; Jens Behnke, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Carstens-Stiftung; Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom): "Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie", 2016

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