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Impotenz: Millionen deutsche Männer sind betroffen

Aus ihren Daten ermittelten die amerikanischen Wissenschaftler, dass etwa 18 Millionen Männer im Alter zwischen 40 und 70 Jahren in den USA unter Erektionsstörungen leiden. Urologen aus Deutschland haben diese Berechnung auf die hiesigen Verhältnisse übertragen: Demnach sind hierzulande vier bis sechs Millionen aller Männer betroffen.

Impotenz
Impotenz betrifft viel mehr Männer als man glaubt.
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Um die Häufigkeit von Potenzproblemen bei Männern abschätzen zu können, waren Wissenschaftler lange Zeit auf eine Studie aus den 40er-Jahren angewiesen. Neuere, wissenschaftlich anerkannte Studien belegen, dass mit zunehmenden Alter und bestimmtenn chronische Erkrankungen das Risiko steigt, impotent zu werden.

Der Begriff "Impotenz" (= Unvermögen) wurde früher sehr häufig gebraucht. Wegen seines abwertenden Beiklangs wird er jedoch im medizinischem Sprachgebrauch kaum noch verwendet, Ärzte sprechen von erektiler Dysfunktion, Erektionsstörungen oder Erektionsproblemen. Alle Begriffe umschreiben das Unvermögen, Geschlechtsverkehr befriedigend auszuführen.

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Die "Massachusetts Male Aging Study" (MMAS-Studie) belegt das gesamte Ausmaß der Schwierigkeiten von Männern im Bett: In ihr hatten US-amerikanische Wissenschaftler knapp 1300 Männer zu Alter, Gesundheit und verschiedenen Aspekten der sexuellen Aktivität und Funktion befragt. Wie die Ergebnisse zeigten, gab immerhin die Hälfte der befragten 40- bis 70-Jährigen an, dass ihre Potenzfähigkeit zumindest gering gestört ist. Insgesamt wiesen 17 von 100 Männern eine geringe, 25 von 100 eine moderate und 10 von 100 eine komplette Impotenz auf.

Schon 20-Jährige haben Erektionsstörungen

Immer mehr jüngere Männer klagen nach Beobachtungen des Aachener Sexualberaters Volker van den Boom über Erektionsstörungen. In die Beratung kämen "vermehrt Männer von Anfang 20", die dieses sexuelle Problem hätten.

Die betroffenen Männer stammten in aller Regel aus Familien, die der Vater früh verlassen habe und wo die Mutter oft auch ohne neuen Partner habe, sagte van den Boom. Hier habe der Vater als Orientierung gefehlt, um "das Männliche" im eigenen Leben entwickeln zu können.

Eine Studie aus Italien  unterstreicht die Vermutung, wonach immer mehr jüngere Männer mit Impotenz zu kämpfen haben. Wissenschaftler der Universität Vita-Salute San Raffaele  befragten rund 440 Männer, die sich in einem Zeitraum von zwei Jahren wegen ED an eine Universitätsklinik gewandt hatten. Rund ein Viertel der Patienten mit erektiler Dysfunktion war jünger als 40 Jahre alt. Auffällig waren zwei Tatsachen:

  • Die Hälfte der Betroffenen hatte eine wesentlich stärker ausgeprägte ED als ihre älteren Geschlechtsgenossen.
  • Durchschnittlich wiesen die jüngeren Patienten zwar weniger Risikofaktoren für ED auf – sie waren also schlanker als die älteren ED-Patienten, hatten einen höheren Testosteronspiegel und weniger Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Zehn Prozent von ihnen hatten jedoch ein derartiges Grundleiden – und bei den meisten war das bis dahin noch nicht diagnostiziert worden.
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"Vaterlosigkeit" spielt eine zentrale Rolle

Die "Vaterlosigkeit als Kernpunkt des Ganzen" spiele grundsätzlich bei Erektionsstörungen eine herausragende Rolle: Bei nahezu allen der betroffenen Männer stehe ein despotischer Vater im Hintergrund, der die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit des Sohnes verhindert habe. So fehle denjenigen, die im Bett versagten, "eine stabile Identität als Mann".

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Die Betroffenen seien häufig "verschlossene, hölzerne Männer", die auf die Idee fixiert seien, ihr mangelndes Stehvermögen habe organische Gründe, meinte der Aachener Sexualtherapeut. "Ein Märchen" sei in seinen Augen die weit verbreitete Theorie, wonach Erektionsstörungen die Reaktion auf eine emanzipierte Partnerin seien.

Impotenz-Risiko steigt mit zunehmendem Alter

Darüber hinaus bestätigte die amerikanische Studie ältere Untersuchungen, nach denen der Verlust der Potenz stark altersabhängig ist. In der Altersspanne von 40 bis 70 Jahren stieg der Anteil der Männer mit kompletter Impotenz immerhin auf das Dreifache: von fünf auf 15 Prozent. Bei der moderaten Impotenz kam es im gleichen Zeitraum zu einer Verdopplung (von 17 auf 34 Prozent), die Häufigkeit der geringen Impotenz hingegen blieb konstant bei 17 Prozent. Von den 70-Jährigen hatte nur noch ein Drittel keinerlei Probleme im Bett.

Diese Altersabhängigkeit konnte auch in einer deutschen Studie im Jahr 2000 bestätigt werden. Im "Cologne Male Survey" hatte knapp ein Fünftel der männlichen Teilnehmer im Alter zwischen 30 und 80 Jahren Erektionsstörungen, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter schrittweise stieg.

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Chronische Erkrankungen erhöhen Risiko für Impotenz

Die Zahlen der MMAS-Studie belegen zudem, was man bereits auf Grund der Krankheitsentstehung vermuten kann: Da bei der Erektion der Blutfluss im Penis und die Weitergabe von Nervenimpulsen (zum Beispiel vom Gehirn zum Penis oder umgekehrt) eine wichtige Rolle spielt, könnte sie immer dann gestört sein, wenn die entsprechenden Körperfunktionen gestört sind, weil chronische Erkrankungen vorliegen. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Arteriosklerose, Nervenerkrankungen und erhöhte Blutfettwerte.

Tatsächlich waren in der MMAS-Studie Männer mit chronischen Erkrankungen deutlich stärker von der Impotenz betroffen als gesunde Teilnehmer. Wurden die ausgewerteten Daten bezüglich des Alters korrigiert (was aus statistischen Gründen notwendig ist), hatte in der Gesamtgruppe knapp ein Zehntel der Männer Erektionsstörungen (10 von 100). In der Gruppe der Diabetiker hingegen waren knapp 30 von 100, in der Gruppe mit Herzkrankheiten sogar knapp 40 von 100 und in der Gruppe mit Bluthochdruck 15 von 100 Männern betroffen. Auch dies ließ sich für Deutschland in der Kölner Studie bestätigen.

Impotenz betrifft mindestens sechs Millionen deutsche Männer

Aus ihren Daten ermittelten die amerikanischen Wissenschaftler, dass etwa 18 Millionen Männer im Alter zwischen 40 und 70 Jahren in den USA unter Erektionsstörungen leiden. Urologen aus Deutschland haben diese Berechnung auf die hiesigen Verhältnisse übertragen: Demnach sind hierzulande vier bis sechs Millionen aller Männer betroffen.

Nur wenige Männer gehen zum Arzt

Die Anzahl der Erkrankten, die zum Arzt gehen, ist vergleichsweise gering: Die deutschen Urologen nehmen aufgrund von weiteren Untersuchungen an, dass nur etwa ein Zehntel der Männer um die 50 Jahre mit Erektionsstörungen seine Probleme mit einem Arzt bespricht. Die Gründe dafür sind noch unbekannt. Möglicherweise ist die Männerkrankheit in den Arztpraxen weit unterschätzt oder den betroffenen Männern und ihren Partnerinnen gelingt es - insbesondere bei geringeren Störungen - sich mit der Situation zu arrangieren.

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Letzte Aktualisierung: 26. Juli 2017
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