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Follikelstimulierendes Hormon – FSH

Das follikelstimulierende Hormon ist ein Sexualhormon, das bei Männern und Frauen gleichermaßen vorkommt. Im Vorderlappen der (Adeno-)Hypophyse im Gehirn gebildet, sorgt es bei Frauen für die Reifung der Eibläschen im Eierstock und regt beim Mann die Spermienbildung an. Ein erhöhter Wert deutet bei Frauen auf den Beginn der Wechseljahre hin, bei Männern auf eine Unterfunktion der Hoden.

Anforderungsschein für Labor zum Hormonstatus testen
Der Hormonspiegel wird über eine Blutprobe ermittelt. Dabei können die Werte von Östradiol, FSH, LH, Progesteron, Prolaktin und Testosteron ermittelt werden.

Das Follikelstimulierende Hormon (FSH), auch als Follitropin bezeichnet, ist ein ein so genanntes Gonadotropin, was bedeutet, dass es direkt auf die Geschlechtsdrüsen einwirkt. Es kommt bei beiden Geschlechtern vor und wird jeweils in der Adenohypophyse, dem vorderen Lappen der Hirnanhangsdrüse (Glandula pituitaria) gebildet. Anschließend wird das FSH ins Blut abgegeben, damit es zu den Geschlechtsorganen transportiert werden kann. Die Menge an freigesetztem FSH wird im Hypothalamus – einem Abschnitt des Zwischenhirns – über ein weiteres Hormon, das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH), geregelt.

Normalwerte für FSH bei Frauen, Männern und Kindern

Bei den Referenzwerten für FSH sollte beachtet werden, dass sich diese je nach Literatur und von Labor zu Labor geringfügig unterscheiden. Ein Laborergebnis sollte immer von dem behandelnden Arzt ausgewertet und beurteilt werden.

(Einheiten: IE/L = internationale Einheiten pro Liter; ng/l = Nanogramm pro Liter; µg/l = Mikrogramm pro Liter)

Kinder

Referenzbereich in IE/ml

5. Lebenstag

0,2 - 4,6

2. Lebenmonat - 3. Lebensjahr

1,4 - 9,2

4. - 6. Lebensjahr

0,4 - 6,6

7. - 9. Lebensjahr

0,4 - 5,0

10. - 11. Lebensjahr

0,4 - 6,6

12. - 18. Lebensjahr

1,4 - 9,2

Frauen

Referenzbereich in IE/ml

Follikelphase

2,5 - 10,2 (11- 20 im Urin)

Eisprung

3,1 - 28,9

Lutealphase

1,5 - 9,1

Schwangerschaft

< 0,3

unter oraler Antikonzeption (Pille)

< 4,9

Menopause

20 -100 (10 - 87 im Urin)

Postmenopause

23,9 - 116

Männer

Referenzbereich in IE/ml

nach der Pubertät

1,5 - 18

 

Wirkung und Funktion von FSH bei Frauen

Bei Frauen wirkt FSH auf die Eierstöcke (Ovarien) und lässt dort die Eibläschen zu voll funktionsfähigen Eizellen heranreifen bis hin zum Eisprung. Im Zusammenspiel mit dem luteinisierenden Hormon (LH) regt FSH die Östrogen- und Progesteronproduktion in den Eierstöcken an. Zwischen ihnen besteht eine entgegengesetzte Wechselwirkung: Kreisen viel Östrogen und Progesteron im Blutkreislauf, schüttet die Hirnanhangsdrüse weniger FSH aus. Sinkt der Spiegel an Östrogen und Progesteron, steigt die FSH-Ausschüttung wieder.

In den Wechseljahren verlieren die Eierstöcke allmählich ihre Fähigkeit Östrogen und Progesteron zu produzieren. Dem versucht der Körper mit einer erhöhten Ausschüttung des FSH entgegenzuwirken und die Eierstöcke zur weiteren körpereigenen Herstellung der beiden Sexualhormone anzutreiben. Dies wirkt sich auf die Steuerung des Menstruationszyklus aus, der dadurch unregelmäßiger wird oder ausbleiben kann, bis hin zur Menopause, also der letzten Regelblutung. Der Körper hält den FSH-Spiegel danach noch für mehre Jahre hoch, akzeptiert aber dann schließlich doch die fehlende Rückantwort aus den Eierstöcken und fährt dann die FSH-Menge im Blut auf ein Maß leicht oberhalb der Phase vor den Wechseljahren zurück.

FSH dient als zuverlässiger Marker für den Fortschritt der Wechseljahre und zur Vorhersage der letzten Regelblutung und dem damit verbunden Eintritt der Menopause.

Wann wird der FSH-Wert untersucht?

Bei Erkrankungen, deren Ursache eine Sexualhormonstörung sein könnte, wird der FSH-Wert ermittelt. Die sind beispielsweise:

  • Entwicklungsstörungen in der Pubertät, insbesondere der Geschlechtsreife
  • unregelmäßige oder dauerhaft ausbleibende Regelblutung
  • Unfruchtbarkeit
  • Unterfunktion der Eierstöcke

Wann ist der FSH-Wert bei Frauen niedrig?

Ein erniedrigter FSH-Wert ist nicht mit einer Fehlfunktion der Geschlechtsorgane verbunden, sondern gibt Hinweise auf eine Störung am Syntheseort des Hormons im Gehirn. Mögliche Ursachen sind:

  • Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)
  • Funktionsstörungen im Bereich des Hypothalamus (Abschnitt des Zwischenhirns)
  • Tumore im Bereich der Hypophyse
  • Magersucht
  • Stress

Wann ist der FSH-Wert bei Frauen zu hoch?

Erhöhte FSH-Wert lassen meist auf eine Fehlfunktion an den Geschlechtsorganen schließen, da die erhöhte FSH-Ausschüttung einen Hormonmangel in den Geschlechtsdrüsen kompensieren soll. Sie können aber auch durch den Menstruationszyklus bedingt und dementsprechend normal und harmlos sein. Häufige Ursachen für einen hohen FSH-Wert sind:

  • Zeitraum vor dem Eisprung (Physiologisch eher unbedenklich)
  • Zysten an den Eierstöcken (Polyzystischen Ovarien)
  • Unterfunktion der Eierstöcke (nach einseitiger operativer Entnahme oder mit Einsetzen der Wechseljahren
  • Funktionsverlust der Eierstöcke (nach beidseitiger Entnahme oder in der Menopause)

Wirkung und Funktion von FSH bei Männern

FSH steuert beim Mann die Spermienbildung (Spermatogenese). Bei Störungen der Samenreifung oder Entwicklungsstörungen in der Pubertät wird der FSH-Wert ermittelt.

Wann ist der FSH-Wert bei Männern niedrig?

Hypophyse im Saggitalschnitt
Die Hirnanhangsdrüse (Adenohypophyse) besteht anatomisch aus Vorder-, Zwischen- und Hinterlappen. FSH wird im Vorderlappen hergestellt.
iStock

Ein niedriger FSH-Wert beim Mann kann durch einen genetischen Defekt seit Geburt bedingt sein oder durch eine Schädigung im Gehirn, etwa durch einen Schlaganfall, im Bereich des Zwischenhirns ausgelöst werden. Dies führt zu:

  • Unterfunktion der Keimdrüsen (sekundärer hypogonadotroper Hypogonadismus, etwa das Kallmann-Syndrom)
  • Störungen im Bereich von Hypothalamus (Abschnitt des Zwischenhirns) oder Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)

Wann ist der FSH-Wert bei Männern hoch?

Auch bei erhöhten FSH-Werten können genetische Ursachen in Frage kommen. Hohe Werte sprechen aber in der Regel für eine Schädigung an den Hoden. Dies führt zu:

  • Unterfunktion der Keimdrüsen, trotz ausreichender Stimulation (primärer hypergonadotroper Hypogonadismus, etwa das Klinefelter-Syndrom)
  • Schäden an den Tubuluszellen im Hoden, etwa nach Entzündung oder durch Trauma

Die Symptome eines FSH-Mangels und deren Therapie

Ist ein FSH-Mangel genetisch bedingt und besteht seit der Geburt, kommt es zu Entwicklungsverzögerungen und -störungen mit den offensichtlichen Symptomen der Erkrankungen wie Klinefelter- oder Kallmann-Syndrom. Tritt der FSH-Magel erst verpätet auf, ist das Hautpsymptom eine dauerfhaft bestehende Unfruchtbarkeit, da bei der Frau die Eizellen und beim Mann die Spermien nicht reifen können.

Liegt die Ursache für den Magel in der Hypophyse und damit in der fehlenden Synthese von FSH, kann das Hormon chemisch hergestellt und mittels Injektion in die Blutbahn ersetzt werden. Die genau Dosierung erfordert viel Erfahrung, da zu Hohe Dosen sich negativ auf andere Hormone im Körper auswirken können oder bei Frauen zu einer gesteigerten Eizellenreifung führen und beim Eisprung gleich mehrere fruchtbare Eizellen zur Verfügung stehen. Dies kann dann zu Mehrlingsschwangerschaften führen.

Autor:
Letzte Aktualisierung:27. Mai 2016

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