Selbstheilungskräfte fördern

PRP-Behandlung: Was bringt die Eigenbluttherapie?

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Die PRP-Behandlung soll durch das Verabreichen von Blutplasma die Selbstheilungsprozesse aktivieren. Sowohl in der Sportmedizin als auch in der Schönheitsmedizin kommt die Eigenbluttherapie zum Einsatz. Doch was genau verbirgt sich dahinter?

PRP-Behandlung • Was bringt die Eigenbluttherapie?
© Getty Images/Oleksandra Polishchuk

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist eine PRP-Behandlung?

PRP ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Platelet-rich Plasma“. Auf Deutsch übersetzt bedeutet das „plättchenreiches Plasma“. Es handelt sich dabei um hochkonzentrierte Thrombozyten (Blutplättchen), die reich an Wachstumsfaktoren sowie an entzündungshemmenden und regenerativen Botenstoffen sind. Normalerweise spielen die im Blut enthaltenen Thrombozyten bei der natürlichen Wundheilung des Körpers eine große Rolle.

Bei einer PRP-Behandlung geht es darum, sich die positiven Eigenschaften der Thrombozyten zunutze zu machen. Dazu wird Blut aus einer Armvene entnommen und in einem speziellen Verfahren aufbereitet, um das plättchenreiche Plasma zu extrahieren. Anschließend wird das thrombozytenhaltige Plasma an der gewünschten Stelle in den Körper injiziert. Daher stammt auch der Name Eigenbluttherapie. Durch die Verabreichung des Plasmas sollen an dieser gezielten Stelle die Selbstheilungskräfte des Körpers angekurbelt und der Heilungsprozess gefördert werden.

Anwendungsgebiete der PRP-Behandlung

Es gibt verschiedene Anwendungsgebiete, bei denen eine Eigenbluttherapie zum Einsatz kommen kann. Diese sind zum Beispiel:

Wie läuft eine PRP-Behandlung ab?

Der konkrete Ablauf einer Eigenblutbehandlung richtet sich nach dem Anwendungsgebiet. Generell werden bei der PRP-Therapie folgende Schritte ausgeführt:

  1. Blutabnahme: Eine geringe Menge Blut von wenigen Millilitern wird aus einer Vene in der Armbeuge abgenommen. Bestimmte blutverdünnende Medikamente wie Acetylsalicylsäure dürfen vor der PRP-Behandlung gegebenenfalls nicht mehr eingenommen werden. Jedoch sollten die Medikamente keinesfalls eigenständig abgesetzt, sondern das genaue Vorgehen vorher ärztlich abgesprochen werden.

  2. Aufbereitung: Direkt im Anschluss findet in der ärztlichen Praxis die Aufbereitung des Blutes statt. Mithilfe der Zentrifugation (medizinisches Trennverfahren) wird das Plasma aus dem Vollblut gewonnen. Wie viele Thrombozyten im Endprodukt enthalten sind, hängt vom Herstellungs- und Zentrifugationsverfahren ab und kann sich daher unterscheiden. Die Herstellung von PRP unterliegt den Bestimmungen des Arzneimittel- und Transfusionsgesetzes.

  3. Injektion: Nachdem das plättchenreiche Plasma vorliegt, wird es mit einer dünnen Nadel genau an der Stelle injiziert, an der es wirken soll. Dies können Gelenke, Sehnen, Muskeln, Bänder oder auch die Kopfhaut sein.

  4. Wiederholung: Das Prozedere wird in bestimmten Abständen wiederholt. Wie viele Behandlungen durchgeführt und welche Abstände eingehalten werden sollen, richtet sich nach dem Anwendungsgebiet und dem individuellen Fall. Auch Auffrischungsbehandlungen können im individuellen Fall notwendig sein.

Die PRP-Behandlung wird ambulant durchgeführt und nimmt je nach Praxis in etwa eine Stunde Zeit in Anspruch. In der Regel ist die Behandlung nicht schmerzhaft.


Lohnt sich eine PRP-Behandlung?

Es gibt zwar schon einige Studien zur PRP-Behandlung, doch groß angelegte Untersuchungen fehlen aktuell noch. Daher kann die Wirkung der PRP-Behandlung auf allen Anwendungsgebieten nicht abschließend beurteilt und eine generelle Empfehlung der Fachgesellschaften ausgesprochen werden. In der klinischen Praxis konnten aber zum Teil gute Ergebnisse beobachtet werden, weshalb sich die Eigenbluttherapie als gängiges Verfahren etabliert hat. Ob eine PRP-Behandlung im individuellen Fall zielführend ist, sollte vorab in einer ärztlichen Beratung geklärt werden.

Haarwachstum anregen mit PRP-Behandlung

Bei einem anlagebedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie) kommt eine PRP-Behandlung möglicherweise infrage. Diese Art von Haarausfall ist sehr häufig und auf eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel auf die aktive Form von Testosteron (Dihydrotestosteron) zurückzuführen. An den Stellen, die vom Haarausfall betroffen sind, wird das konzentrierte Plasma mit einer Nadel direkt in die Kopfhaut injiziert. Bei Männern sind das meist die Geheimratsecken, bei Frauen das lichter werdende Haar am Mittelscheitel. Die Eigenbluttherapie soll das Haarwachstum fördern, indem die Thrombozyten die Regeneration der Haarfollikel anregen. Die PRP-Behandlung kann auch mit einer Eigenhaartransplantation kombiniert werden. Das gewünschte Ergebnis ist nicht sofort sichtbar.

Wer sich für die Eigenbluttherapie bei Haarverlust entscheidet, muss nicht mit Einschränkungen im Alltag rechnen. Auch das Haarewaschen ist schon nach kurzer Zeit – je nach ärztlicher Anweisung – wieder möglich.

Da die Studienlage zur PRP-Behandlung bei Haarausfall bisher noch gering ist, gibt es keine generelle Empfehlung für die Therapie. Im individuellen Fall kann die Behandlung aber sinnvoll sein. Deshalb sollte in einem ärztlichen Gespräch geklärt werden, ob durch PRP Erfolge zu erwarten sind oder nicht.

PRP-Behandlung: Vampir Lifting zur Hautverjüngung

Auch in der ästhetischen Medizin ist die PRP-Behandlung bereits eine gängige Methode zur Faltenbehandlung und zur Verbesserung des Hautbilds im Gesicht, am Hals, Dekolleté oder an den Handrücken. Hier wird sie aufgrund des verabreichten Eigenbluts auch „Vampir Lifting“ genannt. Durch die Thrombozytengabe soll die Kollagenproduktion angeregt werden und erschlafftes Gewebe straffer, voller und frischer erscheinen. Die PRP-Behandlung wird auch mit anderen Verfahren wie Needling kombiniert. Im Schönheitsbereich kommt die Eigenbluttherapie außerdem zur Behandlung von Narben oder Dehnungsstreifen zum Einsatz.

Auf Wunsch wird die Haut vorab durch das Auftragen einer Betäubungscreme örtlich betäubt und ist somit weniger schmerzempfindlich. Im Anschluss müssen eventuell einige Hinweise beachtet werden – zum Beispiel das kurzzeitige Aussetzen von Saunabesuchen oder schweißtreibendem Sport. Es dauert einige Tage bis Wochen, bis das Ergebnis sichtbar ist.

Bisher fehlen auch zum Vampir Lifting noch groß angelegte Studien, sodass es keine generelle Empfehlung geben kann. Möglicherweise stellt die Eigenbluttherapie eine Alternative zu anderen Verfahren dar – zum Beispiel zum operativen Eingriff bei überschüssiger, faltiger Haut am Unterlid. Ob die Injektionen eine Möglichkeit bieten, sollte in einer ärztlichen Beratung individuell geklärt werden.

PRP-Behandlung bei Arthrose

Die Eigenbluttherapie kann bei Arthrose zum Einsatz kommen, um Schmerzen zu lindern und die Funktion der Gelenke zu verbessern. Sie wird vor allem in den Anfangsstadien durchgeführt und kommt zum Beispiel infrage, wenn andere Aufbaupräparate keine Wirkung zeigen oder kein Kortison verabreicht werden kann. Die Injektionen können mithilfe eines Ultraschallgeräts durchgeführt werden, um die Einstichstelle exakt zu lokalisieren.

Um die Wirksamkeit von PRP bei Hüftarthrose beurteilen zu können, liegen noch keine ausreichenden Studien vor. Bei Kniearthrose zeigen Untersuchungen, dass eine PRP-Behandlung eine geringfügig bessere Wirkung als die Verabreichung von Hyaluronsäure hat. Für eine generelle Empfehlung reicht die Studienlage aber aktuell ebenfalls nicht aus, deshalb sollte der Nutzen im individuellen Fall ärztlich abgeklärt werden.

Eigenbluttherapie bei Sportverletzungen

Ob Sehnenreizungen wie der Tennisarm, typische Überlastungserscheinungen wie das Runners Knee, Muskel- oder Bandverletzungen wie Kreuzbandriss oder eine Achillessehnenverletzung: In der Sportmedizin ist die PRP-Behandlung ebenfalls etabliert – häufig auch in Kombination mit speziellen Übungen oder einer Stoßwellentherapie. Dadurch sollen Schmerzen verringert und die Regeneration gefördert werden.

Vor allem im Profisportbereich wird die Eigenbluttherapie zur Heilung von Sportverletzungen bereits angewandt. Entscheidend für die Sinnhaftigkeit ist auch hier der individuelle Fall, denn genügend breite Studien zum Einsatz der PRP-Behandlung gibt es in diesem Bereich bislang ebenfalls noch nicht.

PRP-Behandlung: Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die PRP-Behandlung gilt als risikoarmes Verfahren. Von allergischen Reaktionen wird nicht ausgegangen, da es sich bei der verabreichten Substanz um Eigenblut handelt. An der Einstichstelle können Schwellungen, Rötungen und Blutergüsse auftreten, die nach einigen Tagen wieder verschwinden. Andere Nebenwirkungen können aufgrund der bisher fehlenden groß angelegten Studien nicht vollkommen ausgeschlossen werden.

Bei vorliegenden Bluterkrankungen oder in der Schwangerschaft wird eine PRP-Behandlung nicht durchgeführt.

Wie viel kostet eine PRP-Behandlung?

Bei einer PRP-Behandlung handelt es sich um eine Selbstzahlerleistung. Die Kosten werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Der Preis für eine Sitzung schwankt je nach Anbieter und Anwendungsgebiet stark: Mit Kosten zwischen 200 Euro und 900 Euro ist je nach Art und Umfang zu rechnen. Da die PRP-Behandlung unter Umständen eine kostspielige Therapie ist, sollte vorab eine ausführliche Beratung erfolgen, in der auch die Kosten transparent vermittelt werden.

Faltenbehandlung: Welche Möglichkeiten gibt es?
Beratender Experte
Frau Dr. med. Annette Hortling

Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie

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