Operation bei Morbus Parkinson

Hirnschrittmacher kann Parkinson-Kranken helfen

Welt-Parkinson-Tag: Frühzeitige Neurostimulation hebt die Lebensqualität, hat aber Nebenwirkungen

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Die Neurostimulation mit einem Hirnschrittmacher kann Parkinson-Patienten das Leben erleichtern.
(c) Thomas Northcut

Eine Tiefe Hirnstimulation (THS) kann die Lebensqualität von Parkinson-Patienten schon in einem frühen Stadium deutlich verbessern. Das ist das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie. Bisher wird die THS in der Regel erst im Spätstadium der Erkrankung eingesetzt.

Zur Therapie des Morbus Parkinson gilt die operative Behandlungsmethode der Tiefen Hirnstimulation (THS) oder Neurostimulation als Option, wenn Medikamente nicht mehr anschlagen. Entsprechend sind die Patienten, die sich für die umgangssprachlich Hirnschrittmacher genannte Behandlungsmethode entscheiden, meist über 60 Jahre alt und leben bereits mehr als zehn Jahre mit der Erkrankung.

Neurostimulation zusätzlich zu Medikamenten gegen Parkinson

Dabei wäre ein früherer Einsatz der Methode durchaus sinnvoll, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Sie stützt sich auf eine kürzlich veröffentlichte Studie, an der neun deutsche und acht französische Universitätskliniken beteiligt waren. Untersucht wurde der Behandlungserfolg der THS bei Patienten, die noch gut auf die medikamentöse Behandlung ansprechen.

Parkinson: Bessere Lebensqualität durch frühzeitige Neurostimulation
Bei der Neurostimulation werden zwei Elektroden bis zum Nucleus subthalamicus eingeführt, der dadurch elektrisch stimuliert werden kann.
Universitätsmedizin Kiel

Insgesamt 251 Patienten mit einem Durchschnittsalter vom 52 Jahren und einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von 7,5 Jahren nahmen an der Studie teil. Alle wurden medikamentös behandelt. 124 Patienten wurden zusätzlich Elektroden in den Gehirnbereich des Nucleus subthalamicus eingesetzt, der dadurch elektrisch stimuliert werden kann. Die Steuerung erfolgt über einen unter dem Schlüsselbein implantierten Regler.

Beeinträchtigungen mit Fragebogen abgeschätzt

Bei den Patienten, die sich der operativen Behandlung unterzogen hatten, besserte sich die Lebensqualität, ein Hauptkriterium der Studie, gegenüber den nur medikamentös behandelten Parkinson-Kranken deutlich. Gemessen wird die Lebensqualität anhand des "Parkinson‘s Disease Questionnaire" (PDQ-39), einem Fragebogen mit insgesamt 39 Fragen, der alle von Parkinson beeinträchtigten Lebensbereiche abdeckt: ob Mobilität, Aktivitäten des täglichen Lebens oder emotionales Wohlbefinden.

Auf einer Skala von 0 bis 100, wobei ein niedriger Wert für eine bessere Lebensqualität steht, verbesserten sich die Werte unter der THS-Behandlung von 30,2 auf 22,4 Punkte in dem Untersuchungszeitraum von zwei Jahren, während sich der Wert bei der nur medikamentös behandelten Gruppe um 0,2 Punkte verschlechterte.

Deutliche Mobilitäts-Verbesserung durch THS

Auch hinsichtlich der sozialen Anpassungsfähigkeit und der Aktivitäten des täglichen Lebens schnitt die THS-Gruppe besser ab. Besonders groß war der Behandlungserfolg, was die Mobilität angeht: Hier verzeichneten die Patienten mit Neurostimulation eine durchschnittliche Verbesserung um 53 Prozent,  während bei den nur medikamentös behandelten Patienten kaum Besserung eintrat. Nützlich wirkte sich die Neurostimulation auch auf den Medikamentenverbrauch aus: Die tägliche L-Dopa-Äquivalenzdosis reduzierte sich um 39 Prozent, ohne THS nahm sie im Untersuchungszeitraum um 21 Prozent zu. Keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen fanden die Forscher in den kognitiven Fähigkeiten der Probanden und deren Apathie.

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Professor Günther Deuschl, Ärztlicher Direktor der Kieler Universitätsklinik für Neurologie, erwartet nun Änderungen der Leitlinien zur Parkinson-Therapie.

Für eine frühere Anwendung der Neurostimulation spricht auch die Tatsache, dass abgesehen von einer störenden Narbe in einem Fall keinem der Operierten Schäden im Zusammenhang mit der OP zurückblieben. In früheren Studien mit älteren Patienten sei es dagegen häufiger operationsbedingt zu schweren Problemen gekommen, berichtet Professor Günther Deuschl, Direktor der Kieler Universitätsklinik für Neurologie und einer der beiden Hauptautoren der deutsch-französischen Studie. Die jüngeren Patienten vertrügen die Operation besser, ist seine Beobachtung.

Monitoring auf suizidale Tendenzen notwendig

Vergleicht man nicht operationsbedingte negative Ereignisse in beiden Patientengruppen, zeigen sich keine großen Unterschiede. In mehreren Bereichen hat die Gruppe der neurostimulierten Patienten bessere Werte, etwa bei Schlafstörungen, Störungen der Bewegungsabläufe sowie Psychosen und Halluzinationen. Möglicherweise sind Patienten mit einer THS jedoch stärker suizidgefährdet: So kam es bei den Patienten mit Hirnschrittmacher zu zwei Suiziden und zwei weiteren Suizidversuchen, in der Kontrollgruppe zu einem Suizid und ebenfalls zwei weiteren Suizidversuchen.

Das muss jedoch nicht unbedingt mit der operativen Behandlungsmethode zusammenhängen, wie Deuschl erklärt. Es könnte daran liegen, dass Patienten, die sich für eine Neurostimulation entscheiden, generell risikobereiter sind und einen größeren Leidensdruck haben. „In jedem Fall ist daher bei der Neurostimulation ein engmaschiges Monitoring auf suizidale Tendenzen notwendig“, sagt Deuschl.

Insgesamt erwartet der Neurowissenschaftler, dass die Studienergebnisse die Therapie von Parkinson maßgeblich beeinflussen wird: „Diese Daten werden wahrscheinlich die Leitlinien zur Behandlung der Krankheit verändern, so dass die Neurostimulation schon viel früher bei Morbus Parkinson genutzt werden kann und deutlich mehr Parkinson-Patienten diese Therapieoption erhalten“, glaubt er. Eine neuere Studie ergab zudem, dass die neue Generation aufladbarer Hirnschrittmacher bessere Ergebnisse erzielt.

Diese Promis leiden an Parkinson
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  • Udo_Lattek cc.jpg
    Udo Lattek

    Udo Lattek war Meistertrainer (FC Bayern und Borussia Mönchengladbach), außerdem Fernseh-Experte. Jetzt wurde bekannt, dass der 78-Jährige schwer an der Nervenkrankheit Parkinson erkrankt ist und derzeit im Rollstuhl sitzt. Mit dieser Diagnose ist Lattek selbst unter Prominente

    Wikimedia Creative Commons lizenziert unter CC BY 3.0

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    Udo Lattek

    Udo Lattek 2004 in der Sport1-Sendung Doppelpass

    SPORT1

  • MuhammadAliundRonaldReagan CC BY 3.0.jpg
    Muhammad Ali

    Boxlegende Muhammad Ali (hier mit Ex-US-Präsident Ronald Reagan) erhielt die Diagnose Parkinson im Jahr 1984 - aus dieser Zeit stammt auch unser Bild. Mittlerweile ist die Nervenkrankheit bei dem vielfachen Weltmeister weit fortgeschritten.

    Wikimedia Creative Commons lizenziert unter CC BY 3.0

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    Johannes Paul II.

    Papst Johannes Paul II. (auf dem Foto ebenfalls neben Ronald Reagan) hatte in den letzten Jahren seines Pontifikats Probleme mit dem Sprechen und Gehen - auch eine Begleiterscheinung der Parkinsonschen Krankheit, bei der schrittweise und unumkehrbar Nervenzellen absterben. Reagan selbst traf übrigens eine andere Diagnose schwer - er litt an Alzheimer.

    Wikimedia Creative Commons lizenziert unter CC BY 3.0

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    Michael J. Fox

    Der Schauspieler Michael J. Fox leidet seit über 13 Jahren an Parkinson. Er erkrankte relativ jung an dem Nervenleiden und gründete in der Folge eine Stiftung, die sich der Parkinsonforschung widmet.

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    Peter Hofmann

    Der mittlerweile verstorbene Star-Tenor Peter Hofmann entdeckte 1994 erste Parkinson-Symptome. 2000 gab er der Krankheit wegen seine Karriere auf. Auch er unterstützte mit einem eigenen Forschungsprojekt den Kampf gegen die Nervenkrankheit und die Entwicklung neuer Medikamente.

    Wikimedia Creative Commons lizenziert unter CC BY 3.0

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    Ozzy Osbourne

    Offensiv ging mit seiner Krankheit auch Schock- und Fernsehrocker Ozzy Osbourne um: Er machte sie kurzerhand in einer Episode seiner Reality Show öffentlich. Dabei handelte es sich gar nicht um Parkinson, sondern um ein anderes, erbliches Nervenleiden, das seine Hände zittern ließ und Sprachstörungen verursachte.

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    Ottfried Fischer

    Der bayerische Kabarettist ging 2008 mit seiner Parkinson-Krankheit an die Öffentlichkeit, 2012 verkündete er deshalb das Aus für seine Show Ottis Schlachthof.

    U.S Navy

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    Leonid Breschnew

    Der frühere Staatschef der Sowjetunion, Leonid Breschnew, hatte in den letzten Jahren seines Lebens vermehrt mit Gangunsicherheit durch Parkinson zu kämpfen.

    Ollie Atkins / Wikimedia Creative Commons lizenziert unter CC BY 3.0

Autor: / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 11. April 2014

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