Nagelpilz – was ist das und was hilft?

Viele schämen sich dafür: Nagelpilz ist nach wie vor eine Infektion, über die keiner gern spricht, zumal die dadurch verfärbten Nägel nicht gerade schön anzuschauen sind. Nagelpilz ist jedoch sehr häufig: Zwischen zehn bis 30 Prozent der Menschen weltweit haben eine Onychomykose, wie Mediziner die Pilzinfektion nennen.

fußpilz nagelpilz
Nagelpilz befällt meist die Fußnägel. Im fortgeschrittenen Stadium löst sich die weiß-gelb verfärbte Nagelsubstanz auf und bröckelt.
iStock

"In vielen Fällen geht einer Nagelpilzerkrankung ein Fußpilz voraus", erklärt Lifeline-Experte Dr. Oliver Mainusch auf Nachfrage eines Users – "da es sich bei Hautpilzerkrankungen um Infektionskrankheiten handelt, sind diese ansteckend und können auf andere Körperbereiche, also auch die Nägel übertragen werden." Ein Nagelpilz muss aber nicht zwangsläufig durch eine Fußpilzerkrankung entstehen. "Ist der Nagel geschädigt, aufgeweicht oder in seinem Wachstum eingeschränkt und kommt es zur Ansteckung mit Pilzen, kann auch auf diese Weise der Nagelpilz entstehen", weiß der Experte.

Nagelpilz (Onychomykose) kann neben Zehennägeln ebenso an Fingernägeln auftreten und führt unbehandelt zur Zerstörung der Nagelplatte. Als Erreger werden am häufigsten Pilze der Spezies Trichophyton rubrum, Trichophyton mentagrophytes und Epidermophyton floccosum nachgewiesen. Die Veränderungen am Nagel können die Oberfläche der Nagelplatte oder tiefer liegende Strukturen des Nagelorgans betreffen. In diesem Fall kann es zu einer Störung des Nagelwachstums mit Bildung einer verdickten, bröckeligen Nagelplatte kommen. Es können aber ebenso andere Faden- oder Sprosspilze Auslöser sein. In seltenen Fällen sind auch Hefe- oder Schimmelpilzarten Nagelpilz-Erreger.

Die größten Mythen über Nagelpilz

 

Symptome: Mit diesen Bildern erkennen Sie Anzeichen von Nagelpilz

Obwohl verschiedene Erreger Nagelpilz auslösen können, sehen sie sich in Ihrer Ausprägung auf den Nägeln sehr ähnlich. Leider sind die einzelnen Kriterien gerade im Anfangsstadium nicht immer deutlich ausgeprägt. Wer weiß, worauf er achten muss, kann Nagelpilz aber frühzeitig erkennen. Häufigste Krankheitszeichen der Nägel bei einem Pilzbefall sind:

  • Glanzlose und matte Nägel: Der befallene Nagel wirkt stumpf und ausgetrocknet

  • Verfärbungen am Nagelrand: Die Farbveränderungen beginnen meist am Nagelrand und sind weiß bis gelb

  • Flecken im Nagel: Mitten in der Nagelplatte bilden sich weißliche, gelbe oder sogar grau-braune Flecken

  • Verdickungen der Nagelplatte: Der Nagel ist an den verfärbten Stellen erhaben

  • Brüchig, staubig, bröselig: Der Nagel löst sich in kleinste Stücke auf

Ausführliche Informationen und Bilder zu den Symptomen von Nagelpilz finden Sie hier.

Unsicher? Vergleichen Sie Ihre Nägel mit den Bildern unserer Fotostrecke zur Diagnose von Nagelpilz:

Nagelpilz erkennen

Nagelpilz entsteht meist aus einem Fußpilz

Ein Nagelpilz entsteht nicht über Nacht; Vorstufe ist meistens eine Fußpilzinfektion. Sie ist extrem weit verbreitet: Etwa ein Drittel aller Deutschen ist mindestens einmal im Leben davon betroffen. Fußpilz siedelt sich in erster Linie zwischen den Zehen an. In den engen Zehenzwischenräumen staut sich leicht die Feuchtigkeit und weicht die Haut auf. Das macht das Gewebe angreifbar und damit eine Infektion mit Hautpilzen überhaupt erst möglich. Ist die Haut hingegen trocken und gesund, hat der Erreger kaum eine Chance.

Immer mehr Menschen haben Nagelpilz

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts litten die Menschen nur sehr selten unter verpilzten Nägeln. Mittlerweile wird jede fünfte Veränderung des Nagels durch Pilzbefall hervorgerufen. Von 10.000 Patienten, die einen Allgemeinarzt oder einen Hautarzt aufgesucht haben, litt jeder fünfte Patient zwischen 18 und 65 Jahren unter einer Onychomykose, wie Mediziner den Nagelpilz nennen.

Jeder fünfte Erwachsene hat verpilzte Zehennägel und benötigt daher eine antimykotische Behandlung Experten warnen vor einer weiteren Ausbreitung des Nagelpilzes.

Das sind die Risikofaktoren für Nagelpilz

Bei intakter Haut und gesunden Nägeln kommt es selten zu Nagelpilz. Meistens gibt es triftige Gründe für einen Befall.

Pilze mögen es warm und feucht – in dieser Umgebung breitet sich der Haupterreger des Nagelpilzes, ein Dermatophyt, schnell aus. Kommen zum feuchtwarmen Milieu noch eine starke Belastung der Nägel, Durchblutungsstörungen oder auch genetische Faktoren hinzu, haben Nagelpilzerreger leichtes Spiel. Unpassendes Schuhwerk, Fußfehlstellungen oder das Tragen von nicht-atmungsaktiven Synthetikstoffen fördern die Ausbreitung von Pilzen zusätzlich.

Für bestimmte Personen steigt die Gefahr, sich mit Nagelpilz zu infizieren, zusätzlich an: Vorerkrankungen, Freizeitaktivitäten und auch manche Berufe erhöhen das Risiko deutlich. Dies gilt besonders für eine Ansteckung mit dem Pilz an den Zehennägeln. Risikogruppen sind

  • körperlich aktive Berufsgruppen (Bauberufe, Service-Personal aus der Gastronomie oder Angestellte im Einzelhandel)
  • Sportler
  • Diabetiker
  • ältere Menschen
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel bei angeborener Immunschwäche, bei Krebstherapie oder nach Organtransplantationen)

Kinder sind von Nagelpilz unterdurchschnittlich häufig betroffen, Mediziner führen dies auf das  schnellere Nagelwachstum zurück. Zudem haben sie noch nicht so viele Nagelverletzungen wie Erwachsene.

Ausführliche Informationen über Ursachen und Risikofaktoren für Nagelpilz lesen Sie hier.

  • zum Test

    Veränderungen der Finger- und Fußnägel können auf eine Nagelpilzinfektion hinweisen. Vergewissern Sie sich mit unserem Test, was Sie haben könnten

Gründliche Nagelpilz-Diagnose ermöglicht gezielte Therapie

Der Hautarzt erkennt Nagelpilz meist schon anhand der Symptome. Da Verfärbungen und Veränderungen an der Nagelplatte auch durch andere Erkrankungen oder äußere Umstände hervorgerufen werden können, werden befallene Teile der Nagelplatte abgeschabt und unter dem Mikroskop betrachtet.

Der Dermatologe kann so die Pilzauswüchse (Hyphen) oder die höchst widerstandsfähigen Sporen des Pilzes sehen. Für eine genaue Bestimmung der Pilzerreger wird häufig auch eine Kultur im Labor angelegt. Dies ist vor allem dann nötig, wenn die Pilzinfektion immer wiederkehrt.

Ein weiteres Verfahren zum Erregernachweis ist die Polymerase-Kettenreaktion (PCR von engl. Polymerase Chain Reaction). Damit können selbst abgestorbene Erreger noch nachgewiesen werden.

Ausführliche Informationen zur Diagnose von Nagelpilz lesen Sie hier.

Behandlung mit Tabletten und Lack: Was hilft gegen Nagelpilz?

Zur Behandlung des Nagelpilzes werden Substanzen eingesetzt, die die Vermehrung von Pilzzellen hemmen beziehungsweise diese abtöten, sogenannte Antimykotika (aus dem Griechischen übersetzt "Gegen-Pilz-Mittel").

Die Therapie kann äußerlich, lokal am erkrankten Nagel erfolgen – dann werden Salben oder medizinische Nagellacke auf die befallen Stellen aufgetragen – oder innerlich in Form von Tabletten oder Kapseln.

In bestimmten Fällen kann zur effektiven Behandlung von Nagelpilz eine Kombinationstherapie erforderlich sein.

Die Behandlung richtet sich nach der befallenen Nagelfläche und dem Nagelwachstum. Als abgeschlossen und geheilt gilt nur, bei wem ein komplett von Pilzsporen freier Nagel nachgewachsen ist. Während sich Fingernägel binnen weniger Wochen komplett regenerieren, benötigt beispielsweise ein Großzehnennagel rund ein Jahr, bis er sich komplett erneuert hat.

Eine nicht ausreichende oder falsche Diagnose oder die Beschaffenheit des Nagels kann den Therapieerfolg vereiteln. Ist er sehr dick oder stark befallen, können die Wirkstoffe den Erreger nicht in ausreichender Menge erreichen – der Pilz überlebt. Aber auch ein frühzeitiger Abbruch der Therapie kann dazu führen, dass sich der Pilz schnell wieder im Nagel breit macht.

Hausmittel: Essig und Co. gegen Nagelpilz?

Essig wird als Hausmittel gegen Nagelpilz gelobt. Tatsächlich kann die Säure im Essig den Nagelpilz bekämpfen, jedoch nur die Hyphen, nicht aber die Sporen. Wird der pH-Wert am Nagel durch ein Essigbad herabgesetzt, dann sterben zwar diese Hyphen ab, der Pilz schützt sich aber, indem er sich auf seine inaktive und höchst widerstandsfähige Sporen-Form reduziert.

Da eine Essigbehandlung übel riecht und auch die Haut strapaziert, wird diese meist nach kurzer Zeit wieder abgebrochen. Die Pilzsporen reaktivieren sich und es kommt zur Wiederinfektion (Reinfektion) mit dem Nagelpilz. Essig ist daher wie viele andere Mittelchen ungeeignet, um die Pilzinfektion am Nagel dauerhaft los zu werden.

Nagelpilz heilt selten von selbst und kommt oft wieder

Auch eine Selbstheilung ist bei Nagelpilz nicht zu erwarten. Deshalb sollten Pilzinfektionen an den Nägeln immer behandelt werden, zumal Nagelpilz sonst Ausgangspunkt für weitere Pilzinfektionen der Haut werden kann – und sehr ansteckend ist.

Die Pilze vermehren sich nämlich durch Sporen, die besonders gut in feuchtwarmer Umgebung überleben. Das ist der Grund, warum Badezimmer oder Schwimmbäder häufige Infektionsquellen darstellen und Zehennägel häufiger betroffen sind. An den Zehennägeln breitet sich die Pilzinfektion zudem schneller aus als an den Fingernägeln.

Mit diesen Tipps beugen Sie Nagelpilz vor

In der Therapiephase muss eine lückenlose Behandlung des Nagelpilz erfolgen, da der Pilz selbst aus seiner inaktiven Form in Sporen jederzeit wieder erwachen kann und sich schnell erneut im Nagel festsetzt. Die regelmäßige Kontrolle eines frisch ausgeheilten Nagels und das Vorbeugen einer Wiederinfektion bieten dann den besten Schutz.

Nagelpilz vorbeugen? So gehts!

Um eine Onychomykose zu vermeiden, sollten Sie im Schwimmbad und in der Sauna Badeschuhe tragen und die Füße nach dem Waschen sorgfältig abtrocknen oder besser noch: trocken föhnen. In den Umkleiden von öffentlichen Turnhallen und Fitnessstudios sollten Sie Schuhe tragen.

Weitere Tipps zum Vorbeugen von Nagelpilz haben wir hier zusammengestellt.

Was Sie über Nagelpilz wissen sollten
Nagelpilz: Warum Ältere häufiger erkranken
Altersbedingte Abwehrschwäche

Unbehandelt verläuft Nagelpilz bei älteren Menschen schwerer, eine konsequente Behandlung ist nötig. mehr...

Problematisch: Nagelpilz bei Diabetikern
Risikofaktor Zuckerkrankheit

Generell unterliegen Diabetiker einem höheren Risiko, an Nagelpilz zu erkranken. Infektionen wie Nagel- oder Hautpilze heilen dadurch schlechter, schädigen die Haut und ebnen so den Weg für Infektionen. mehr...

Nagelpilz in der Schwangerschaft
Nagelpilz-Behandlung

Was kann eine werdende oder junge Mutter gegen die Erkrankung tun? mehr...

Test: Habe ich Nagelpilz?

Ist es Nagelpilz? Der Selbsttest hilft Ihnen dabei, es herauszufinden.

Zum Selbsttest.
Auslöser von Nagelpilz
< Nagelpilz Ursachen
Ursachen

Ein Nagelpilz kann durch verschiedene Erreger hervorgerufen werden. Bestimmte Menschen haben zudem ein hohes Risiko, sich zu infizieren. mehr...

Expertenrat Nagelpilz

Sie haben eine Frage zum Thema Nagelpilz? Fragen Sie Dr. med Oliver Mainusch, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Zum Expertenrat
Mittel gegen Nagelpilz
< Nagelpilz Behandlung
Behandlung

Bei leichtem Befall ist eine lokale Behandlung in der Regel ausreichend, um den Nagelpilz in den Griff zu bekommen. In schweren Fällen können zusätzlich auch Tabletten notwendig werden. mehr...

Medikamente bei Nagelpilz: Behandlung mit Tabletten
Medikamente gegen schwere Nagelmykose

Bei schwerer Nagelmykose reicht lokale Therapie nicht aus, Tabletten sind erforderlich mehr...

Hausmittel gegen Nagelpilz: Helfen Essig und Alkohol?
Nagelpilz

Warum Hausmittel bei Nagelpilz nicht helfen und was besser ist mehr...

So beugen Sie Nagelpilz vor
< Nagelpilz vorbeugen
Vorbeugen

Lästige Nagelpilzinfektionen kann man sich überall und auf verschiedene Weise zuziehen. So beugen Sie vor - daheim, beim Sport, im Schwimmbad. mehr...

Nagelpilz: So schützen Sie sich und Ihre Lieben
Die richtige Fußpflege

Um Nagelpilz vorzubeugen oder rechtzeitig zu entdecken, sollten Sie Ihre Füße regelmäßig genau untersuchen. Dabei sollten Sie vor allem auf kleinere Verletzungen und Druckstellen Acht geben. mehr...

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. November 2015
Durch: sba

Advertisement
Wie gut ist Ihr Medizinwissen?
Wie heißt der griechische Fachbegriff für Nagelpilz?