Tabletten und Lack statt Essig und Laser

Nagelpilz behandeln – welche Mittel nachhaltig wirken

Sind die Fuß- oder Fingernägel mit Pilzen infiziert, kann das ein hässlicher Anblick sein. Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser. Häufig braucht man allerdings Geduld, bis die Nägel wieder gesund sind. Wer neben Sportlern außerdem gefährdet ist, ob Hausmittel schnelle Hilfe versprechen und kosmetischer Lack zur Tarnung geeignet ist, beantworten zwei Experten.

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In Schwimmbad und Sauna ist das Risiko hoch, sich mit Nagelpilz anzustecken. Ein paar einfache Maßnahmen beugen vor.
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Strandspaziergänge und Flip Flops im Sommer, Sauna und Schwimmbad im Winter: Menschen mit Nagelpilz kostet das häufig Überwindung. Ist die Infektion weit fortgeschritten, nagt der unschöne Anblick der Nägel am Selbstbewusstsein. 12,4 Prozent der deutschen Bevölkerung, also fast 10 Millionen Menschen, sind einer Studie zufolge von Nagelpilz – medizinisch Onychomykose oder Tinea unguium – betroffen, wobei das Risiko mit dem Alter steigt. Dabei muss man nicht mit der Erkrankung leben: Es gibt gute Therapiemöglichkeiten, die allerdings etwas Disziplin und Ausdauer erfordern.

Vorsicht, hier lauert Nagelpilz-Gefahr!

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Verformt, verfärbt und bröckelig? Die Symptome

Anfänglich nur etwas eingetrübt, verfärben sich die Nägel durch den Pilzbefall immer mehr, bis der Fuß- oder Fingernagel oftmals komplett gelb, bräunlich oder sogar grünlich erscheint. "Los geht es meist von der Nagelkante her", sagt Professor Martin Schaller, stellvertretender ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik in Tübingen. Ein weiteres Symptom: "Die Struktur der Nagelplatte verändert sich, sie wird dicker, es kommt zu Verformungen." Es folgt das Abbröckeln der mit Pilzen infizierten Nagelsubstanz. Im Verlauf löst sich der Nagel oftmals ab. Mediziner sprechen in dem Fall von der distalen subungualen Onychomykose.

fußpilz nagelpilz
Nagelpilz befällt meist die Fußnägel. Im fortgeschrittenen Stadium löst sich die weiß-gelb verfärbte Nagelsubstanz auf und bröckelt.
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Eine weitere verbreitete Form von Nagelpilz ist die weiße, superfizielle Onychomykose. Dabei kommt es zu punktförmigen kleinen weißen Flecken die sich im Verlauf ausbreiten, bis sich weiße Streifen über große Teile des Nagels ziehen. Egal, um welchen Typ es sich handelt: "Wer den Verdacht hegt, von Nagelpilz betroffen zu sein, sollte in jedem Fall einen Hautarzt aufsuchen", rät Dr. Peter Arne Gerber, leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Ein Dermatologe wird die Nagelsubstanz untersuchen und je nach Stadium und Form der Infektion mit den geeigneten Mitteln behandeln.

Ausführliche Informationen zu den Symptomen von Nagelpilz finden Sie hier.

Unsicher? Vergleichen Sie Ihre Nägel mit den Bildern unserer Fotostrecke zur Diagnose von Nagelpilz:

Nagelpilz erkennen

Optimale Behandlung von Nagelpilz

Auch wenn Lasern als Therapiemaßnahme noch so aggressiv von Firmen beworben und von einigen Ärzten propagiert wird: "Es gibt keine guten Studien die belegen, dass Lasern als alleinige Maßnahme den Pilz komplett beseitigt", so Gerber. Eine sehr hohe Temperatur von über 50 Grad Celsius müsste erreicht werden, um den Nagelpilz abzutöten: "Nicht tolerabel für die Patienten", meint Dermatologe Schaller.

Fachärzte setzen deshalb auf die systemische Therapie, um gegen Pilze und deren Sporen anzugehen. In der Regel werden mehrere Mittel und Anwendungen kombiniert:

  1. Cremes und Lacke (antimykotikahaltige Mittel)
  2. Abtragen des krankhaften Nagelmaterials (beispielsweise durch medizinische Fußpflege)
  3. Therapie mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Tablettenform (Antimykotika)
  4. gegebenenfalls zusätzlich Lasertherapie (beispielsweise wenn Tabletten aufgrund von Leberproblemen nicht eingenommen werden dürfen)

Mehr Infos über die Behandlung von Nagelpilz gibt es hier.

Wann Nagellack sinnvoll ist         

Medizinische Lacke sind nicht bei jeder Form von Pilzinfektion geeignet. "Das alleinige Auftragen von medizinischen Lacken empfiehlt sich nur, wenn kleine Teile des Nagels an den Rändern befallen sind", sagt Dermatologe Martin Schaller. Aber auch bei wenig betroffenen Nägeln gilt: Die Behandlung kann lange Zeit in Anspruch nehmen. Sie sollte so lange anhalten, bis gesunder Nagel nachgewachsen ist. Das kann bei Fingernägeln rund sechs Monate, bei Fußnägeln sogar bis zu einem Jahr dauern. Bricht man die Therapie nach wenigen Wochen ab, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Pilzsporen unter der Nagelplatte überleben und der Pilz erneut ausbricht.

Verlockend ist es für Frauen, über die unschönen, mit Pilzen befallenen Nägel farbigen Nagellack zu streichen. Auch aufgeklebte Gelnägel sehen manche Patientinnen als Möglichkeit, die Infektion zu verstecken. Allerdings müssen medizinische Lacke jeden Tag aufgetragen werden und der Verlauf des Nagelpilzes kann durch farbige Lacke und Gelnägel schlecht beobachtet werden. Fachärzte raten deshalb während der Behandlung von kosmetischen Lacken und künstlichen Nägeln ab.

Essig bis Teebaumöl: Wie sinnvoll sind Hausmittel?

Die Nägel morgens und abends mit Essigessenz betupfen und Fußbäder mit Teebaumöl nehmen: In Internetforen berichten Nagelpilzgeplagte von ihren Erfahrungen mit Hausmitteln. "Wer heilt hat Recht", meint Hautarzt Peter Arne Gerber: "Mit Medikamenten und einem Besuch beim Arzt erzielt man in der Regel allerdings bessere Ergebnisse".

Die größten Mythen über Nagelpilz

Wie man sich mit Nagelpilz ansteckt

Zur Onychomykose kommt es, wenn Pilze die Finger- und/oder Fußnägel befallen. In 90 Prozent der Fälle sind Fadenpilze (Dermatophyten) die Verursacher. Sie ernähren sich von Hornsubstanz (Keratin) – dem Hauptbestandteil unserer Nägel. In seltenen Fällen kann auch durch Hefen oder Schimmelpilze eine Infektion entstehen.

"Einem Nagelpilz geht oft ein Fußpilz voraus", erklärt Facharzt Martin Schaller: "Er beginnt meist in den engen Zwischenräumen der Zehen, was sich durch aufgequollene und juckende Haut zeigt". Der Pilz kann sich auch über die Sohle ausbreiten, bis er zu den Nägeln gelangt.

Am häufigsten betroffen sind der große und der kleine Zehennagel, weil sie außen liegen und deshalb anfälliger sind für kleine Verletzungen. Über diese kann der Pilz leicht in den Nagel eindringen und sich ausbreiten.

Faktoren, die Nagelpilz ebenfalls begünstigen:

  • genetische Veranlagung
  • kalte Füße durch Durchblutungsstörungen
  • Immunschwäche
  • Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes
  • Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen)
  • zu enge oder luftundurchlässige Schuhe und Socken
  • Verletzungen durch die Pediküre
  • Fußfehlstellungen
  • Sportarten, die die Füße stark beanspruchen, zum Beispiel Tennis oder Marathon laufen

Ausführliche Informationen über Ursachen und Risikofaktoren für Nagelpilz lesen Sie hier.

  • zum Test

    Veränderungen der Finger- und Fußnägel können auf eine Nagelpilzinfektion hinweisen. Vergewissern Sie sich mit unserem Test, was Sie haben könnten

Mit diesen sieben Tipps können Sie vorbeugen

Ein paar einfache Maßnahmen verhindern eine Pilzinfektion. Sieben Regeln vom Experten:

  1. "Der Pilz braucht ein feuchtes warmes Milieu", sagt Dermatologe Schaller: "Deshalb sollte man die Füße immer trocken halten". Dazu nach dem Duschen oder Baden die Füße inklusive der Zehenzwischenräume mit einem Handtuch trocknen oder föhnen.

  2. In Schwimmbad oder Sauna sollten Sie immer Badeschlappen tragen, da man sich über infizierte Hautschuppen von anderen anstecken kann. Nicht nur durch direkten Körperkontakt, sondern auch über Teppiche und Badematten.

  3. In Sportschuhen fühlen sich Pilze durch das feuchte und warme Klima besonders wohl. Geborgte Laufschuhe können deshalb ebenfalls Überträger von Pilzsporen sein.

  4. Verwenden Sie immer Ihr eigenes Nagelpflegeset.

  5. Besteht bereits ein Nagelpilz, sollte man Kleidungsstücke und Handtücher, die mit dem Pilz in Berührung kommen, täglich bei mindestens 60, besser bei 90 Grad Celsius waschen, um eine Ausbreitung zu verhindern.

  6. Socken sollten atmungsaktiv (zum Beispiel aus Baumwolle) und Schuhe luftdurchlässig sein (besser Lederschuhe als Schuhwerk aus Synthetik). Statt zu engen, bevorzugen Sie bequeme Schuhe, die nicht zu Verletzungen an Haut und Nägeln führen.

  7. Spezielle Pilzcremes aus der Apotheke empfehlen sich bei Fußpilz und für jeden, der schon einmal einen Nagelpilz hatte. "Dabei am besten als Prophylaxe den ganzen Fuß nach dem Nägel schneiden eincremen", rät Schaller.

Weitere Tipps zum Vorbeugen von Nagelpilz haben wir hier zusammengestellt.

Nagelpilz vorbeugen? So gehts!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2017
Quellen: Beratende Experten: Prof. Dr. med. Martin Schaller, stellvertretender ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik in Tübingen, Priv.-Doz. Dr. med. Peter Arne Gerber, leitender Oberarzt der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum in Düsseldorf; Sonstige Quellen: http://dmykg.ementals.de/wp-content/uploads/2015/08/Onychomykose.pdf; http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=3340; http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=3969; http://www.aerzteblatt.de/archiv/23712

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