Organspende

Direkt gefragt: Werden Sie Organe spenden?

Direkt gefragt: Werden Sie Organe spenden?
Herz, Niere, Leber, Lunge, Pankreas und Dünndarm sowie Hornhaut oder Knochen können einem verstorbenen Spender entnommen werden.
(C) 2008 Jupiterimages

Mit dem eigenen Tod noch Leben retten: Nach dem Willen der Politik soll sich jeder Bürger aktiv entscheiden, ob er bereit ist, Organe zu spenden. Bis zu sieben Menschen können dank eines Spenders wieder ein besseres Leben führen. Aber die Spendenbereitschaft in Deutschland lässt zu wünschen übrig.

Das Schicksal kann jeden treffen: Ein plötzlicher Unfall oder eine schwere Krankheit und der Patient braucht dringend ein Herz, eine Niere oder eine Lunge von einer fremden Person, um zu überleben.

Allein in Deutschland warten rund 12.000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Weil es hierzulande zu wenig Spenderorgane gibt, hat sich die Politik nun parteiübergreifend auf einen neuen Reformvorschlag zum Thema Organspende geeinigt. Im Herbst 2012 trat das Gesetz, die sogenannte Entscheidungslösung, in Kraft. Es sieht vor, dass die gesetzlichen und privaten Krankenkassen regelmäßig Briefe an die Versicherten schicken. Jeder Bürger ab 16 Jahren soll gefragt werden: Möchten Sie bei einem möglichen Hirntod Ihre Organe oder Gewebe spenden?

Der Organspendeausweis bleibt freiwillig

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Wie stehen Sie zur Organspende?

Die Angeschriebenen können mit "Ja" oder "Nein" antworten. Ein Organspendeausweis ist in dem Brief enthalten. Wie bisher kann jeder bestimmte Organe für die Transplantation bestimmen oder ausschließen. Wer zum Beispiel nicht möchte, dass die Augenhornhaut nach dem Tod einem anderen Menschen transplantiert werden, kann dies auf dem Ausweis vermerken. Die bisherige Zustimmungslösung wird in eine Entscheidungslösung umgewandelt, doch eines ändert sich nicht: Ein Organspendeausweis ist und wird in Deutschland keine Pflicht.

Niemand ist gezwungen auf die schriftlich Anfrage einzugehen, der Brief kann ungeöffnet im Papierkorb landen. Ab 2014, soweit technisch möglich, soll die mögliche Spendenbereitschaft auf der elektronischen Gesundheitskarte vermerkt sein. Die Versicherten sollen in regelmäßigen Abständen angeschrieben und immer wieder gefragt werden.

Durch wiederholtes Nachfragen: Spendenbereitschaft soll sich erhöhen

Ziel ist ein Denkanstoß, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen: Durch die wiederholten Anschreiben sollen die Bürger aktiv dazu gebracht werden, sich mit dem Thema Organspende zu befassen.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) unterstützt die neue Gesetzeslage: "In einer aktiven und nachdrücklichen Ansprache der Bevölkerung liegt die Chance, die Diskrepanz zwischen in Umfragen geäußerter Zustimmung und dokumentiertem Willen im Organspendeausweis zu schließen", sagt Dr. Thomas Beck, Kaufmännischer Vorstand der DSO. 

Denn in Umfragen sind viele Deutsche bereit, nach dem Tod fremden Menschen mit den eigenen Organen zu einem besseren Leben zu verhelfen. Nach einer gemeinsamen Studie der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK würden rund 66 Prozent der Deutschen den zugesendeten Organspendeausweis mit Ja beantworten. Doch diese Entscheidung muss schriftlich nachweisbar sein. Aktuell haben nur knapp 20 Prozent den Ausweis ausgefüllt.

In vielen Ländern muss dem Organspenden aktiv widersprochen werden

In Deutschland ist die Organspende bisher durch die Zustimmungslösung gesetzlich geregelt. Das bedeutet: Jeder, der sich bereit erklärt nach dem Ableben seine Organe oder Gewebe zu spenden, muss einen Spendeausweis bei sich tragen. Ist dies nicht der Fall, bestimmen die Angehörigen den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen. Für die Verwandten ist das ein schwerer Schritt. In neun von zehn Sterbefällen sind es Personen aus dem Familienkreis, die über eine Spende entscheiden.

Im Gegensatz zur deutschen Zustimmungslösung gibt es in den meisten anderen europäischen Ländern die Widerspruchslösung. Hier muss der Einzelne zu Lebzeiten ausdrücklich einer Organspende widersprochen haben, ansonsten können in den meisten Fällen Organe nach dem Tod transplantiert werden.

Ein Organspender kann sieben Menschen retten

In Deutschland sterben durchschnittlich 21 Menschen pro Woche, weil kein Spenderorgan für sie gefunden wird. Ein einzelner gesunder Organspender kann nach seinem Tod bis zu sieben kranken Menschen helfen.

Die Zahl der postmortalen Organspenden ist 2011 um 7,4 Prozent zurückgegangen. Im vergangenen Jahr wurden 1200 Organspenden in Deutschland durchgeführt, 96 weniger als noch 2010. Die Zahl der gespendeten Organe ist um sieben Prozent von 4205 auf 3917 zurückgegangen. Vor zwei Jahren wurden noch 4326 Menschen aus dem Eurotransplant-Verbund mit fremden Organen geholfen, 2011 nur noch 4054.

Hier können Sie sich den Spendeausweis herunterladen:

 

Autor: lifeline / nl
Letzte Aktualisierung: 07. Juni 2014
Quellen: http://www.bmg.bund.de, http://www.dso.de, http://www.organspende-info.de

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