Hilfe für Schwerkranke

Organspende kann Leben retten

Organspende kann Leben retten
Ein Organspendeausweis gibt Aufschluss darüber, ob sein Träger mit einer Organspende nach dem Tod einverstanden ist.
PantherMedia / Birgit Reitz-Hofmann

Organspende bedeutet, dass ein Spender ein oder mehrere Organe wie Niere, Herz oder Lunge nach seinem Tod zur Entnahme und Transplantation zur Verfügung stellt. Doch auch zu Lebzeiten können gesunde Menschen eine der beiden Nieren oder einen Teil der Leber spenden.

Voraussetzung für eine Organspende ist in Deutschland das Vorliegen einer Einverständniserklärung des Spenders in Form eines Organspenderausweises beziehungsweise die Zustimmung der Angehörigen sowie die zweifelsfreie Feststellung des Hirntods des Organspenders.

Bei einer Organspende nach dem Tod ist es notwendig, dass der Hirntod dem Kreislaufstillstand vorausgeht. In den meisten Todesfällen ist die Reihenfolge umgekehrt, daher kommen nur wenige Verstorbene überhaupt als Organspender in Frage. Von den etwa 400.000 Menschen, die jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern sterben, geht bei nur einem Prozent der Hirntod dem Kreislaufstillstand voraus. Das sind etwa 4.000 Personen.

Lebendspenden nur an nahe Verwandte

Doch auch zu Lebzeiten können gesunde Menschen eine der beiden Nieren oder einen Teil der Leber spenden. Lebendspenden sind nur zwischen nahen Verwandten und auf freiwilliger Basis gestattet.

Die Verpflanzung der Organe geschieht, um kranke, funktionsschwache oder fehlende Organe zu ersetzen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert seit 2000 in Deutschland alle Organspenden, die nach dem Hirntod des Spenders durchgeführt werden.

In Deutschland werden aktuell etwa 12.000 Spenderorgane benötigt. Zwei Drittel der Betroffenen wartet auf eine Spenderniere. Da wesentlich mehr Menschen ein Organ benötigen, als durch Spenden zur Verfügung stehen, werden Wartelisten geführt und Organe nach bestimmten Kriterien an ihre Empfänger zur Transplantation in einem Transplantationszentrum vermittelt. Die Wartezeit auf eine passende Organspende kann mehrere Jahre betragen.

Gesetzesänderung soll Organspendebereitschaft ankurbeln

Die kürzlich beschlossene Änderung im Organtransplantationsgesetz soll künftig für mehr Spendeorgane sorgen. So werden die Krankenkassen künftig jedes ihrer Mitglieder regelmäßig auffordern, den eigenen Willen bezüglich der Organspende zu dokumentieren.Ob die beschlossenen Maßnahmen allerdings ausreichen, um die Zahl der Spendewilligen künftig zu erhöhen, ist umstritten.

Die wichtigste Weiche für eine Organspende kann jeder Einzelne für sich selber stellen. Wer einen Organspendeausweis beantragt und jederzeit mit sich führt, gibt den behandelnden Notfallärzten im Falle eines Hirntodes Auskunft darüber, ob und welche Organe nach dem Tod entnommen und gespendet werden dürfen. Daneben ist es sinnvoll, auch Angehörige über seine Entscheidung zu informieren. Denn falls kein Organspendeausweis vorliegt, verfügen sie nach dem Willen des potenziellen Spenders.

Feststellung des Hirntods genau geregelt

Voraussetzung für eine Organentnahme ist der eingetretene Hirntod des Spenders. Dies schreibt das Transplantationsgesetzt vor. In den Richtlinien zur Feststellung des Hirntods der Bundesärztekammer ist des Weiteren festgehalten, wie der Hirntod festgestellt werden soll. Mehrere Ärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntod des potenziellen Organspenders feststellen. Wichtig dabei ist, dass sie an der späteren Entnahme oder Verpflanzung der Organe nicht beteiligt sein dürfen.

Als Hirntod bezeichnen Ärzte den gesamten Ausfall der Funktionen von Hirnstamm sowie Groß- und Kleinhirn. Dieser Verlust der Hirnfunktion kann durch einen Tumor, eine Hirnblutung oder ein Trauma (beispielsweise nach einem Unfall) ausgelöst werden. Wird das Gehirn hierbei für kurze Zeit nicht mit Sauerstoff versorgt, können seine Funktionen verloren gehen. Da Menschen ohne Hirntätigkeit nicht atmen können, werden Hirntote weiterhin künstlich beatmet, um den Blutkreislauf aufrecht zu erhalten. Nur so besteht die Option auf die spätere Entnahme von Organen.

DSO koordiniert die Organspenden in Deutschland

Falls der Hirntote keine Erklärung zur Organentnahme hinterlassen hat, treten die Ärzte mit seinen Angehörigen in Kontakt, die die Entscheidung zur Organspende nach dessen mutmaßlichen Willen fällen müssen. Besteht von Seiten des Hirntoten eine zu Lebzeiten abgegebene Einwilligungserklärung zur Organspende, wird die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) informiert. Diese Organisation koordiniert Organspenden deutschlandweit. Es folgen Untersuchungen im Labor, in denen unter anderem die Blutgruppe des Betroffenen ermittelt und nach Anzeichen für eine Infektionskrankheit gesucht wird. Wenn aus medizinischer Sicht nichts gegen eine Organspende spricht, werden die Organe im Rahmen einer Operation entnommen.

Im Operationssaal werden dem Spender die freigegebenen Organe entnommen und nochmals genau untersucht. Nun wird festgelegt, ob sich Organe wie Herz, Leber, Lunge oder Niere tatsächlich für einen bereits ausgewählten Empfänger eignen. Sofern aus medizinischer Sicht nichts gegen eine Transplantation spricht, werden die Organe schnellstmöglich in ein Transplantationszentrum transportiert, wo der Empfänger im Idealfall bereits vorbereitet im Operationssaal liegt. Sobald das Spenderorgan eingetroffen ist, kann die Organstransplantation beginnen.

Entnommene Organe nur kurze Zeit haltbar

Es ist besonders wichtig, dass Spenderorgane möglichst rasch an ihren Bestimmungsort transportiert werden, da sie teilweise nur wenige Stunden haltbar und für eine Transplantation geeignet sind. Die maximale Konservierungszeit für Organe reicht von vier bis acht Stunden bei einem Herz bis zu etwa 24 Stunden bei einer Niere.

Nachdem die Organe entnommen wurden, wird der Verstorbene zur Bestattung freigegeben. Seine Angehörigen können sich von ihm verabschieden und ihn beerdigen lassen.

Lebendspende: Ärztekammer-Kommission muss zustimmen

Vor der Lebendspende eines Organs, beispielsweise der Niere, wird der Spenderwillige ausführlich über alle Risiken aufgeklärt und medizinisch untersucht. Wenn keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen und die Lebendspende-Kommission der Ärztekammer zustimmt, kann eine Lebendspende durchgeführt werden.

Dem Spender wird dabei im Rahmen einer größeren Operation ein Teil der Leber entnommen oder eine von beiden Nieren entfernt und auf einen Empfänger übertragen. Der Empfänger befindet sich bereits im Krankenhaus, während beim Spender das Organ entnommen wird. Das Organ wird direkt nach der Entnahme transplantiert.

Große Chance für Organempfänger

Eine Organspende verhilft Menschen mit einer schweren Erkrankung an einem Organ zu mehr Lebensqualität und einer Verlängerung des Lebens. So können unter anderem Menschen mit einer Niereninsuffizienz durch eine Spenderniere von der Dialysebehandlung befreit werden. Das Verpflanzen der Hornhaut kann zu einem verbesserten Sehvermögen führen und die Herztransplantation kann für den Empfänger des Organs den Beginn eines "zweiten Lebens" bedeuten.

Für einen Organspender oder dessen Angehörigen ergeben sich aus einer Organspende nach dem Tode keine Risiken. Jedoch kann die Organtransplantation für den Empfänger des Organs mit Komplikationen verbunden sein.

Lebendspender nehmen Risiken in Kauf

Bei einer Lebendspende setzen sich die Spender freiwillig den Risiken eines größeren operativen Eingriffs aus. Folgen können beispielsweise Blutungen, Infektionen oder auch Thrombosen sein. Während sich die Leber nach einer Teilspende in der Regel wieder gut regeneriert, kann es nach dem Entfernen einer Niere im späteren Verlauf des Lebens zu Komplikationen kommen – zum Beispiel, wenn die verbleibende Niere erkrankt, der Spender selbst dialysepflichtig wird und auf ein Spenderorgan angewiesen ist.

Organspende oft letzt Möglichkeit

Nach einer langjährigen Erkrankung an Organen stellt die Organtransplantation oft die einzige Alternative und letzte Möglichkeit dar, um das Leben des Betroffenen zu verlängern und Lebensqualität zurück zu gewinnen.

Autor: Lifeline / Jessica Schmid
Letzte Aktualisierung: 12. September 2012
Quellen: Krukemeyer, M .G. und Lison, A. E. (Hrsg.). Transplantationsmedizin. Ein Leitfaden für den Praktiker. De Gruyter, Berlin 2006 Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: www.organspende-info.de (Stand: Mai 2009) Online-Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantationen (DSO), Frankfurt am Main: www.dso.de (Stand: Mai 2009) Online-Informationen des Statistischen Bundesamtes, Bonn: www.gbe-bund.de (Stand: Mai 2009) Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts: Schweinezellen und -organe für Menschen: Warum, wo, wer und wann? Internationales Symposium Xenotransplantation im RKI (Stand: 8. Juni 2006)

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