Keine körperliche Ursache erkennbar

Reizmagen: Was hilft gegen funktionelle Dyspepsie?

Der Begriff Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) bezeichnet eine sogenannte funktionelle Magen-Darm-Erkrankung, der keine erkennbaren organischen Ursachen zugrunde liegen. Kennzeichnend können unter anderem Beschwerden im Bereich des Oberbauchs sein.

Reizmagen: Frau hat Magenschmerzen
Brennende Schmerzen im Oberbauch können auf einen Reizmagen hinweisen.
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Der Reizmagen wird im medizinischen Sprachgebrauch als funktionelle Dyspepsie bezeichnet und gehört somit zu den sogenannten funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen. Hinter diesem Begriff verbergen sich Krankheiten des Magen-Darm-Trakts, für die keine organischen Ursachen gefunden werden können. Was nicht unbedingt heißt, dass es keine derartigen Veränderungen gibt, sondern nur, dass sie mit den herkömmlichen Methoden bislang nicht aufzuspüren sind.

Richtungweisend für die Diagnose Reizmagen sind Beschwerden, die auf eine Beteiligung von Magen und oberem Dünndarm hindeuten. So sprechen viele Mediziner von einem Reizmagen oder einer funktionellen Dyspepsie, wenn ein oder mehrere Symptome wie Völlegefühl nach dem Essen, das Gefühl, zu schnell satt zu sein, sowie Schmerzen und/oder Brennen im Oberbauch in den letzten drei Monaten auftraten. Diese Beschwerden müssen nicht ununterbrochen bestehen. Dabei sollte der Beginn der Pein mindestens ein halbes Jahr zurückliegen. Außerdem darf es keinen Hinweis auf eine andere Erkrankung geben, die für das Beschwerdebild verantwortlich sein kann. Andere Erkrankungen sind als Ursache auszuschließen.

Etwa 20 bis 30 Prozent der Allgemeinbevölkerung haben einen Reizmagen. Ungefähr ein Drittel bis die Hälfte der Betroffenen suchen wegen starker Beschwerden einen Arzt auf.

Reizmagen: Typische Symptome der funktionellen Dyspepsie

Im Vordergrund stehen beim Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) Beschwerden, die vor allem auf eine Beeinträchtigung von Magen und Dünndarm hinweisen.

Viele Patienten leiden an Schmerzen und Brennen im Bereich des Oberbauchs. Weitere mögliche Symptome beim Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) sind ein Druckgefühl in der Magenregion, Völlegefühl, zu rasches Sättigungsgefühl, saures Aufstoßen und Appetitlosigkeit, aber auch Übelkeit und Erbrechen. Mancher Patient entwickelt eine Abneigung gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln oder Speisen. Nicht selten verstärken Stress und Ernährungsfehler die Symptome.

Bei einem Teil der Betroffenen kommt es darüber hinaus auch zu Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen, die typisch für ein Reizdarmsyndrom sind. Denn nicht selten treten Reizmagen und Reizdarm zusammen auf.

Daneben können auch sogenannte vegetative Symptome auftreten, dazu gehören Stiche in der Herzgegend, verstärktes Schwitzen, Kreislaufprobleme oder Beschwerden beim Wasserlassen.

Oft leiden die Betroffenen an den immer wieder auftretenden oder lang anhaltenden Symptomen schon lange, mitunter viele Jahre. Die Lebensqualität kann erheblich beeinträchtigt sein. Die Lebenserwartung von Menschen mit Reizmagen ist im Vergleich zu Nichtbetroffenen aber nicht verkürzt.

Untypisch für einen Reizmagen sind hingegen Beschwerden wie Blut im Stuhl, Fieber, nicht erklärbare, ungewollte Gewichtsabnahme oder nächtliche Beschwerden. Dahinter können sich andere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder auch anderer Organe verbergen. Treten solche Symptome auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Reizmagen: Diese Ursachen stecken dahinter

Experten diskutieren verschiedene Wege, wie funktionelle Dyspepsie entstehen könnte. Dazu gehört ein überempfindliches Nervensystem im Magen und oberen Dünndarm.

Eventuell reagieren Organe möglicherweise besonders empfindlich auf Reize wie Magensäure oder Dehnung durch den Nahrungsbrei – so könnten die Symptome des Reizmagens zustande kommen. Andererseits kann eine Bewegungsstörung des Magens vorliegen, die dazu führt, dass der Nahrungsbrei zu lange im Magen verbleibt oder diesen zu schnell verlässt. Warum es zu diesen Störungen der Magenbeweglichkeit oder des Nervensystems kommt, ist noch nicht geklärt.

Weiterhin können psychische Belastungen oder unausgewogene Ernährung die Beschwerden intensivieren oder auslösen. Manche Betroffene bemerken, dass sie bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen. Auch zu schnelles Essen oder Essen unter Zeitdruck oder beim Besprechen von Problemen kann die Symptome hervorrufen oder verstärken.

Bei einigen Patienten ging den Beschwerden eine Infektion im Bereich des Magen-Darm-Trakts mit Erbrechen und Fieber voraus. Ob allerdings eine durch das Bakterium Helicobacter pylori hervorgerufene Entzündung der Magenschleimhaut eine mögliche Ursache ist, weiß man nicht genau. Neuere Untersuchungen sprechen eher dagegen.

Reizmagen: So läuft die Dyspepsie-Diagnose

Im Vordergrund der Diagnostik beim Reizmagen steht die ausführliche Befragung des Patienten.

Der Arzt wird sich bei Verdacht auf einen Reizmagen genau nach den Beschwerden erkundigen, danach, wie lange sie schon bestehen, wann sie auftreten, wodurch sie verstärkt werden, aber auch nach früheren Krankheiten, regelmäßiger Medikamenteneinnahme, möglichen psychischen Belastungen sowie dem familiären und beruflichen Umfeld. Anschließend erfolgt eine genaue körperliche Untersuchung mit Fokus auf die geschilderten Beschwerden.

Weitere Untersuchungen veranlasst der Arzt vor allem, um andere Krankheiten auszuschließen. Dazu gehören unter anderem Blutanalysen, Magenspiegelung (Gastroskopie) oder Ultraschall (Sonographie). Mithilfe der Magenspiegelung kann der Mediziner die Schleimhaut von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm genau betrachten und mögliche Geschwüre oder Tumoren identifizieren. Außerdem lässt sich so auch eine Besiedlung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori feststellen.

Reizmagen-Behandlung: Die Bausteine der Therapie

Ein Arzneimittel, das allen Patienten mit Reizmagen hilft, gibt es leider nicht. Oft beginnt die Behandlung mit einem Anpassen der Ernährung und auch der Lebensweise.

So sind häufigere Mahlzeiten und kleinere Portionen bei einem Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) hilfreich. Zwar gibt es keine „Reizmagendiät“, doch kann ein Weglassen von Nahrungsmitteln, die die Beschwerden auslösen oder verstärken, sinnvoll sein. Ein Symptomtagebuch zu führen, unterstützt die Suche nach möglichen Auslösern. Dabei werden Zeitpunkt und Intensität der Beschwerden erfasst. Außerdem notiert der Betroffene, in welcher Situation er sich gerade befand und wie er sich fühlte, als die Symptome auftraten und was er dagegen unternahm. Das Tagebuch sollte über 14 Tage geführt werden, bei gebärfähigen Frauen über einen Monatszyklus.

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Die Symptome eines Reizmagens können auch Nebenwirkungen von Medikamenten sein. Wenn möglich werden daher nicht zwingend notwendige Medikamente abgesetzt.

Reichen die genannten Maßnahmen nicht aus, um die Beschwerden zu lindern, kann der Arzt auf verschiedene Medikamente zurückgreifen. Bei der Auswahl der Arzneimittel richtet er sich nach den dominierenden Symptomen.

Steht zum Beispiel die Störung der Magenbeweglichkeit im Vordergrund, verordnet der Arzt sogenannte Prokinetika. Diese fördern die Bewegung des Magens und somit den Weitertransport der Nahrung in den Darm. Dadurch können sich Beschwerden wie Völle- und Druckgefühl, Aufstoßen sowie Übelkeit und Erbrechen bessern.

Medikamente und Hausmittel beruhigen den Reizmagen

Dominiert eher Sodbrennen, helfen womöglich Medikamente, die die Säureproduktion des Magens hemmen. Dazu gehören Protonenpumpenhemmer oder seltener H2-Blocker. Sie lindern auch die Schmerzen im Oberbauch.

Wird eine Besiedlung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori festgestellt, kann der Arzt eine spezifische medikamentöse Therapie aus zwei verschiedenen Antibiotika und einem Säurehemmer verschreiben, um die Bakterien zu entfernen.

Neben Umstellung der Ernährung und der Lebensweise sowie Medikamenten zeigen auch psychotherapeutische Maßnahmen, etwa Verhaltenstherapie oder Entspannungstechniken wie Yoga, Wirkung. Auch pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), etwa mit Kümmel- und Pfefferminzöl, können Reizmagen-Patienten helfen.

Mit einer an den Patienten und seine Beschwerden angepassten Therapie verschwinden die Symptome zwar in der Regel nicht vollständig, lassen sich aber deutlich lindern.

Reizmagen: Kann man funktioneller Dyspepsie vorbeugen?

Eine gesunde Ernährung und eine aktive Lebensweise stärken die Verdauungsorgane und deren Funktion. Dadurch lassen sich Beschwerden im Magen-Darm-Trakt in manchen Fällen verhindern, und die funktionelle Dyspepsie entsteht gar nicht erst.

Täglich sollten Obst, Gemüse und Salat auf dem Speiseplan stehen, Fisch sollte häufiger und Fleisch seltener gegessen werden, um einem Reizmagen vorzubeugen. Außerdem ist es wichtig, ausreichend zu trinken, etwa zwei Liter am Tag, möglichst in Form von Wasser oder ungesüßten Kräuter- und Früchtetees.

Andere Tipps für die Ernährung sind:

  • mehrere kleinere Mahlzeiten am Tag
  • leichtes, gut verdauliches Essen
  • falls bestimmte Lebensmittel wie Bohnen oder Kohl Blähungen hervorrufen, darauf verzichten
  • nicht zu scharf und zu stark gewürzt essen
  • kein übermäßiger Kaffee- und Alkoholgenuss, bei empfindlichem Magen ganz darauf verzichten
  • nicht rauchen.

Aktives Leben mit regelmäßiger Bewegung, zum Beispiel Fahrrad fahren oder Spazierengehen, ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Daneben sollte es aber auch Phasen der Entspannung und Erholung geben, den erholsamen und ausreichenden Schlaf nicht zu vergessen.

Eine aktive und gesunde Lebensweise senkt das Risiko für einen Reizmagen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. September 2015
Quellen: Mönnikes H. et al: Funktionelle Magen- und Darmerkrankungen; Der Gastroenterologe; 05 / 2008; S. 415-427; Springer Medizin Verlag Hefner J. et al: Psychische Faktoren gastrointestinaler Erkrankungen; Psychotherapeut; 03 / 2010; S. 203-208; Springer Medizin Verlag

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