Cluster-Kopfschmerzen
Wie Dornen in der Schläfe
Eine spezielle Form des Kopfschmerzes ist der Cluster-Kopfschmerz. Bis zu ein Prozent der Bevölkerung leiden unter diesen besonders intensiven Kopfschmerzen. Dreimal soviel Männer wie Frauen zählen zu den Betroffenen. Dabei wechseln sich Schmerzphasen mit mehreren Attacken täglich und beschwerdefreie Phasen über viele Jahre hinweg ab. Mittels Sauerstofftherapie und speziellen Medikamenten können die Attacken abgeschwächt bzw. unterdrückt werden.
Der Cluster-Kopfschmerz ist eine besonders schmerzhafte Form des Kopfschmerzes. Er gehört zur Gruppe der Trigemino-autonomen Kopfschmerzen (TAK). Alle TAK-Kopfschmerzen sind von kurzdauernden Schmerzattacken mit den unterschiedlichsten Begleitsymptomen geprägt. Das englische Wort Cluster" bedeutet Haufen und beschreibt damit das besondere Merkmal dieses Kopfschmerz: sein gehäuftes Auftreten in Perioden von meistens 4-12 Wochen. Diese Schmerz-Perioden" werden von symptomfreien Zeitspannen (meist wenige Monate) abgelöst. Bei mehr als zehn Prozent aller Betroffenen entwickelt sich der Cluster-Kopfschmerz zu einer chronischen Krankheit, in der es nahezu keine schmerzfreien Perioden mehr gibt.
Brennender Dorn in der Schläfe"
Eine Schmerzattacke wird meist durch sogenannte Triggerfaktoren ausgelöst. Die häufigsten Trigger sind Alkohol, Stress, aber auch körpereigene Stoffe wie das Histamin. Gerade im Zusammenhang mit Alkohol und den vielen Vorurteilen, denen Cluster-Kopfschmerz-Patienten teilweise ausgesetzt sind, muss betont werden, dass Trigger lediglich eine Attacke auslösen können, jedoch nicht die Ursache der Krankheit sind.
Die Betroffenen leiden während der Schmerzphase unter zahlreichen akuten Attacken, die mehrmals täglich (bis zu achtmal) auftreten können. Dabei konzentriert sich der Schmerz auf eine Kopfseite und auf den Bereich der Augenhöhlen und der Stirn. Für die Betroffenen fühlt sich dieser äußerst heftig bohrende Schmerz wie ein brennender Dorn in der Schläfe" an, so als würde das Auge aus dem Kopf herausgedrückt". Die einzelnen Attacken dauern zwischen einer halben und drei Stunden und treten häufig 1-2 Stunden nach dem Einschlafen oder in den frühen Morgenstunden auf.
Die Begleitsymptome dieses Kopfschmerzes konzentrieren sich auf das Gesicht. Die Pupillen verengen sich und ein Oberlid kann herabhängen. Es kommt zu Tränenfluss, einer geschwollen Nase und Gesichts- oder Stirnschwitzen. Da es Cluster-Kopfschmerz-Patienten - im Gegensatz zu Menschen mit Migräne - meist etwas besser geht, wenn sie sich hinsetzen oder herumgehen, haben sie während der Schmerzattacken einen ausgeprägten Bewegungsdrang.
Die Schwere der Attacken minimieren
Die Betroffenen leiden meist ein Großteil ihres Lebens unter Cluster-Kopfschmerzen. Da es bisher nur Vermutungen über die Ursachen dieses Kopfschmerzes gibt, ist eine Heilung derzeit nicht möglich. So konzentriert sich die Therapie auf die akute Behandlung einzelner Attacken und deren Vorbeugung.
Zur Unterdrückung bzw. Abschwächung der Attacken ist die Sauerstofftherapie das Mittel der ersten Wahl. Hierbei werden um die acht Liter reinen Sauerstoffs pro Minute bis zu einer Dauer von 20 Minuten über eine Gesichtsmaske inhaliert. Dabei setzt sich der Patient aufrecht, leicht vorn übergebeugt hin. Die Betroffenen haben meist eigene, tragbare Sauerstoffgeräte zuhause, um bei einer Attacke sofort reagieren zu können. Auf Antrag kann die gesetzliche Krankenkasse die Kosten hierfür übernehmen.
Eine weitere Form, die Attacken abzuschwächen bzw. zu unterdrücken ist die Einnahme von sogenannten Triptanen, wie z.B. das Sumatriptan. Sie gehören zur Gruppe der sogenannten Serotoninantagonisten. und hemmen die Ausschüttung von Serotoninen -einem Nervenzell-Botenstoff.
Neben der Schwächung von akuten Attacken ist auch eine Prophylaxe möglich. Meist werden hierbei Medikamente, wie z.B. Verapamil, Kortikosteroide oder Lithiumcarbonate eingesetzt. Sie wirken langfristig und werden vor einer erwarteten Schmerzperiode eingenommen.
Göbel, H.: Kopfschmerzen. Ursachen, Mechanismen, Diagnostik und Therapie. Springer, Berlin
Poeck, K.; Hacke, W.: Neurologie. Springer, Berlin





