Wenn das Gedächtnis nachlässt

Demenz: Symptome, Formen und Verlauf

Wenn Denk- und Gedächtnisleistungen im Alter deutlich nachlassen, liegt oft eine Demenz vor. Auf welche Symptome man außerdem achten sollte, um die Krankheit frühzeitig behandeln zu können.

Älteres Ehepaar am Meer
Stärkstes Symptom der Demenz ist das Nachlassen der Gedächtnisleistung.
iStock

Unter Demenz versteht man eine zumeist fortschreitende Verminderung der geistigen Fähigkeiten. Dabei lassen unter anderem Gedächtnisleistung, Urteilsvermögen und Lernfähigkeit nach. Die Erkrankung liegt vor, wenn außer einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses noch mindestens ein weiteres der folgenden Symptome auftritt:

  • Störungen des Bewegungsablaufs
  • Sprachstörungen
  • Schwierigkeiten beim (Wieder-) Erkennen von Personen und Gegenständen
  • Schwierigkeiten beim Meistern von Alltagssituationen
  • Jetzt den Selbsttest durchführen!

    Vergesslich oder dement? Mit dem Mini-Mental-Status-Test ermitteln Ärzte das Risiko an einer Demenz zu erkranken oder den Fortschritt der Erkrankung.

Auch die Persönlichkeit der von Demenz Betroffenen kann sich verändern – ein Anzeichen, das oft als erstes wahrgenommen wird. Ärzte unterscheiden zwischen leichten, mittleren und schweren Formen der Demenz, wobei die Krankheit in vielen Fällen immer weiter voranschreitet.

In den meisten Fällen treten Demenzerkrankungen im fortgeschrittenen Alter auf. Es ist wichtig, sie deutlich von Symptomen des normalen Alterungsprozesses abzugrenzen. In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an der Krankheit, Prognosen gehen von einem starken Anstieg in den nächsten Jahrzehnten aus.

Ursachen und Risikofaktoren

Demenz ist ein Oberbegriff für mehrere Erkrankungsbilder. Die häufigste Form der Demenz ist Alzheimer. Aber auch Durchblutungsstörungen im Gehirn und andere neurologische Krankheiten können zum Verlust der geistigen Fähigkeiten führen und verschiedene Demenzformen auslösen.

Alzheimer gehört zu den häufigsten Formen der Demenz. Dabei führen bestimmte Ablagerungen in und zwischen den Nervenzellen des Gehirns zu einer Zerstörung dieser Zellen. Dadurch nimmt die Gehirnmasse ab, die Hirnleistungen werden schwächer.

Weitere Ursachen

Die zweithäufigste Demenzform ist die sogenannte vaskuläre (die Gefäße betreffende) Demenz. Hierbei werden die Nervenzellen aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn geschädigt. Durchblutungsstörungen treten zum Beispiel infolge von Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und/oder Schlaganfall auf. Mischformen aus der durch Alzheimer bedingten und der vaskulären Demenz sind möglich.

Weitere Ursachen können unter anderem die folgenden Erkrankungen sein:

Auch Drogen können geistige Fähigkeiten beeinträchtigen

Übermäßiger Alkohol- oder Drogenkonsum kann ebenfalls zum Verlust kognitiver Fähigkeiten führen. Hier unterscheidet der Arzt zwischen einer vorübergehenden Bewusstseinstrübung und einer echten Demenz.

Da Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und Alzheimer vor allem im höheren Alter auftreten, sind überwiegend ältere Menschen ab 65 Jahren betroffen.

Symptome: Typische Anzeichen bei Demenz

Bei Demenzerkrankungen treten hauptsächlich Symptome wie ein Nachlassen des Gedächtnisses und Urteilsvermögens, Orientierungsschwierigkeiten im Alltag, Probleme beim Erkennen von bekannten Personen oder Gegenständen sowie Wesensveränderungen auf.

Sollten Sie manchmal Namen oder Termine vergessen, muss das kein Anzeichen für eine Demenz sein. Vergesslichkeit kann ganz normal sein und zum Beispiel durch Stress verursacht werden. Erst wenn sich die Symptome häufen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Auf folgende Anzeichen sollten Sie achten:

  • Betroffene erinnern sich oft nicht mehr an Vereinbarungen,

  • haben Mühe, Gesprächen zu folgen,

  • vergessen Dinge und Personen,

  • verlegen Gegenstände,

  • haben zunehmend Probleme bei komplexen Handlungen wie Kochen oder Einkaufen.

Mitunter kommen Wortfindungsstörungen und Orientierungslosigkeit hinzu.

Aggressivität und Hilflosigkeit

Damit dem Umfeld die nachlassenden geistigen Fähigkeiten nicht auffallen, ziehen sich Demenzkranke anfangs immer mehr zurück, Verhalten und Persönlichkeit verändern sich.

Da zunächst hauptsächlich das Kurzzeitgedächtnis betroffen ist, ist noch ein Leben ohne fremde Hilfe möglich. Schreitet die Demenz voran, entweder kontinuierlich oder schubförmig, lassen die geistigen Fähigkeiten weiter nach und die Alltagsbewältigung wird immer schwerer.

Bei einem mittleren Schweregrad können nur noch einfache Handlungen ohne Hilfe verrichtet werden und es treten zusätzliche Symptome wie Wutausbrüche und Aggressivität auf. Eigentlich vertraute Personen und Gegenstände werden irgendwann nicht mehr erkannt. Bei einer schweren Demenz ist der Betroffene gänzlich auf fremde Hilfe angewiesen. Gezielte Äußerungen sind kaum noch möglich und die Wahrnehmungsfähigkeit ist deutlich getrübt.

Demenztest: Nur vergesslich oder dement?

 

Verdacht auf Demenz: Das wird untersucht

Der Arzt diagnostiziert eine Demenz anhand verschiedener neurologischer und psychiatrischer Untersuchungen sowie bildgebender Verfahren. Dabei ermittelt er unter anderem den Zustand der geistigen Fähigkeiten.

Wenn außer einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses weitere Symptome auftreten, die für eine Demenz sprechen, suchen Sie am besten einen Arzt auf. Dieser wird sich zunächst mit Ihrer Krankengeschichte befassen (Anamnese) und nach den Symptomen fragen. Um eine eventuelle Veranlagung zu prüfen, ist es wichtig, ob in Ihrer Familie bereits Fälle von Demenz aufgetreten sind.

Geistige Fähigkeiten auf dem Prüfstand

Anhand verschiedener Tests überprüft der Arzt dann folgende geistige Fähigkeiten:

  • Wie gut funktionieren Lang- und Kurzzeitgedächntis?

  • Wie gut ist die Ausdrucksfähigkeit?

  • Inwieweit haben Orientierung und Lernfähigkeit nachgelassen?

  • Werden Personen und Dinge (wieder-) erkannt?

  • Wie ist das Verhalten in Alltagssituationen?

  • Wie gut ist das sprachliche und allgemeine Verständnis?

Um die entsprechende Behandlung einzuleiten, ist es notwendig, die Ursache zu diagnostizieren. Deshalb führt der Arzt zusätzlich zu den neuropsychologischen Tests eine körperliche Untersuchung durch. Dabei stellt er beispielsweise anhand bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanttomographie (MRT) mögliche Veränderungen am Gehirn fest. Ergänzend dazu werden häufig Blutuntersuchungen und eine Messung der Gehirnaktivität (EEG) vorgenommen.

Wie Demenz behandelt wird

Die Therapie einer Demenz richtet sich nach der Grunderkrankung. Ärzte kombinieren in der Regel medikamentöse mit nichtmedikamentösen Maßnahmen wie Krankengymnastik und Verhaltenstherapie.

Eine Demenz ist in der Regel nicht heilbar. Durch eine entsprechende Behandlung lässt sich der Krankheitsverlauf jedoch positiv beeinflussen. Hauptziel ist es, die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern.

Medikamente bei Demenz

Bei Alzheimer mit leichter bis mittelschwerer Demenz verordnen Ärzte oft Cholinesterasehemmer, um die geistigen Fähigkeiten zu verbessern. Bei einer mittelschweren bis schweren Alzheimer-Demenz lässt sich der Krankheitsverlauf durch den Wirkstoff Memantin positiv beeinflussen. Um weiteren Schäden vorzubeugen, werden im Falle einer vaskulären (gefäßbedingten) Demenz in der Regel blutverdünnende Mittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel verschrieben. Weitere Grunderkrankungen werden ebenfalls individuell medikamentös behandelt.

Leichte Demenz lässt sich mit Ginkgo-Extrakt behandeln

Die 2015 aktualisierte S3-Leitlinie zur Therapie der Demenz empfiehlt erstmals auch die Anwendung eines bestimmten Ginkgo-Präparats: ein hochkonzentrierter, als EGb 761 bezeichneter Ginkgo-biloba-Extrakt wurde in die Reihe der Behandlungsmöglichkeiten bei beginnender, leichter bis mittelschwerer Demenz aufgenommen. Klinische Studien konnten seine Wirkung bei einer Dosierung von einmal täglich einer Filmtablette mit 240 Milligramm nachweisen, sofern der Extrakt dauerhaft eingenommen wurde.

Bei Patienten besserte die regelmäßige Einnahme Konzentration, Gedächtnisleistung und minderte seelische Veränderungen wie Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit. Nebenbei wurde so auch die Belastung für die Angehörigen nachweislich gelindert.

Nichtmedikamentöse Behandlung

Ein wichtiger Bestandteil der Demenz-Therapie sind die nichtmedikamentösen Behandlungsmethoden. Dazu gehören vor allem:

  • das Üben von alltäglichen Verrichtungen und Aufgaben
  • Gedächtnistraining
  • Bewegungstherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Stimulation durch Musik, Aromen oder Licht

Es ist ratsam, auch Angehörige in die Behandlung mit einzubeziehen. Dabei wird hauptsächlich der Umgang mit Demenzerkrankten im Alltag vermittelt. Es ist zum Beispiel sinnvoll, Stolperfallen aus dem Umfeld des Betroffenen zu entfernen und wichtige Gegenstände gut sichtbar zu platzieren.

Verlauf: Stadien der Demenz oft über Jahre stabil

Demenz kann abhängig von der Ursache sehr unterschiedlich verlaufen – entweder kontinuierlich oder schubförmig. In einigen Fällen bleibt der Zustand der Betroffenen über längere Zeit stabil. Dabei kann die Lebenserwartung sehr unterschiedlich sein.

Die Demenz lässt sich in verschiedene Stadien einteilen, deren Übergänge fließend sind:

  • Leichte Demenz: vermehrte Vergesslichkeit und Orientierungsprobleme

  • Mittelschwere Demenz: Nachlassen der geistigen Fähigkeiten bis zu einem Grad, bei dem der Alltag allein nicht mehr bewältigt werden kann

  • Schwere Demenz: Versiegen der Sprache, Hilfsbedürftigkeit in allen Belangen des täglichen Lebens, Harn- und Stuhlinkontinenz

Ein Fortschreiten von einer leichten zu einer mittleren und später zu einer schweren Demenz zieht sich oft über den Zeitraum mehrerer Jahre hin. Dabei verschlechtert sich der Zustand entweder kontinuierlich oder schubförmig oder er bleibt über unterschiedlich lange Zeiträume hin stabil. Die Krankheit dauert in seltenen Fällen bis zu 20 Jahre an.

Zwar ist eine Demenz nicht heilbar und verkürzt die Lebenserwartung der Betroffenen um mehrere Jahre. Durch eine entsprechende Therapie lässt sich der Verlauf jedoch positiv beeinflussen.

Kann man Demenz vorbeugen?

Da in vielen Fällen die Ursachen für eine Demenz oder ihre Grunderkrankung (zum Beispiel Alzheimer) nicht hinreichend bekannt sind, lässt sich einer Demenz nur schwer vorbeugen. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren wie Übergewicht oder Rauchen, die Sie meiden können.

Bei vielen Formen von Demenz wie beispielsweise Alzheimer sind die Ursachen nicht bekannt, ein Vorbeugen ist demnach nicht möglich. Verschiedene Faktoren verstärken jedoch das Risiko für eine arterielle Erkrankung (zum Beispiel Schlaganfall), die ebenfalls zu einer Demenz führen kann. Dazu gehören vor allem Rauchen, starkes Übergewicht und hoher Alkohol- oder Drogenkonsum. Diese Risikofaktoren können Sie meiden.

Halten Sie Ihr Gedächnis auf Trab!

Zusätzlich empfiehlt es sich, mit fortschreitendem Alter Ihr Gedächtnis zu trainieren, zum Beispiel mithilfe von Kreuzworträtseln und Sudokus. Durch regelmäßige Vorsorge- und Routineuntersuchungen lassen sich mögliche Krankheiten oft frühzeitig erkennen und entsprechend behandeln.

Wo Betroffene und Angehörige Rat und Hilfe finden

Unterstützung beim Thema Demenz finden Sie bei Fachärzten wie Neurologen und Psychiatern. Auch Selbsthilfegruppen können sinnvoll sein.

Wenn Sie bei sich oder einer Person aus Ihrem näheren Umfeld Symptome für Demenz feststellen, wenden Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt. Dieser wird bei Bedarf Neurologen und Psychiater hinzuziehen. Des Weiteren finden Sie Rat bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Über diesen Verein bekommen Sie zum Beispiel Kontakt zu Selbsthilfegruppen – sowohl für Betroffene als auch für Angehörige.

Anlaufstellen für Informationen und Hilfe:

• Alzheimer Forschung Initiative e.V.: www.alzheimer-forschung.de

• Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: www.deutsche-alzheimer.de

• Kompetenznetz Demenzen e.V.: www.kompetenznetz-demenzen.de

Demenz-Schnelltest: Wie heißt der nochmal?

 

Zum Seitenanfang

Aktuelle Artikel zum Thema
Demenz bei Parkinson
Demenzformen

Parkinson-Patienten leiden vor allem an Einschränkungen ihrer Bewegungsfähigkeit. Bei bis zu 40 Prozent von ihnen schränkt die Krankheit jedoch auch die geistige Leistungsfähigkeit ein. Vor allem im höheren... mehr...

Wie Acetylcholinesterase-Hemmer Alzheimer verzögern
Alzheimer

AChE-Hemmer kommen in der Alzheimer-Therapie zum Einsatz. Was die Medikamente gegen Demenz ausrichten können mehr...

Ein aktiver Kopf bremst die Demenz
Lesen, Schreiben, Rätsel lösen

Bücher, Briefeschreiben und Rätsellösen zögern den geistigen Verfall heraus mehr...

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. April 2016
Durch: es
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, DEGAM- Leitlinie Nr. 12, omikron publishing: Demenz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/021 (Stand: 10/2008) (gekürzte Internetfassung) Universität Witten-Herdecke, Patientenleitlinien: Demenz, www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html, (Stand: 6/2005) Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S3-Leitlinie Kurzversion (Stand: 11/2009) Claus-Werner Wallesch, Hans Förstl: Demenzen, Referenz-Reihe Neurologie – klinische Neurologie. Thieme-Verlag, Stuttgart 2005; S3-Leitlinie "Demenzen", Langversion – Januar 2016. http://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2015/PDFs_Download/038013_S3-LL-Demenzen-240116.pdf

Demenz
Testen Sie sich!
Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...
Meistgelesene Artikel
Ratgeber

Zum Seitenanfang