Bewegung für mehr Konzentration

Sport hilft Kindern mit ADHS

Aufmerksamkeit und Gedächtnis bessern sich durch Bewegung

Kinder beim Sport
Sportprogramme können bei ADHS-Kindern Medikamente ergänzen oder sogar ersetzen.
© iStock.com/2xsamara

Sie zappeln, sind unaufmerksam und treiben Eltern und Lehrer nicht selten zur Verzweiflung. Kinder mit ADHS werden deshalb viel zu oft und viel zu schnell mit Medikamenten behandelt. Dabei könnten spezielle Sportprogramme genauso gut helfen.

Durch sportliche Aktivität können Konzentrationsvermögen und Gedächtnisleistung von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, verbessert werden. Die Sportart scheint dabei keine Rolle zu spielen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Regensburger Forscherinnen, die ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift "Research in Developmental Disabilities" veröffentlichten. Entsprechende Bewegungsprogramme können demnach in der Therapie junger ADHS-Patienten eingesetzt werden.

Kinder mit ADHS sind vor allem unaufmerksam, hyperaktiv und impulsiv. Häufig werden jedoch auch gravierende Defizite im Bereich der motorischen und kognitiven Fähigkeiten beobachtet. In früheren Untersuchungen konnten Forscherteams der Universität Regensburg bereits einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fähigkeiten aufzeigen.

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Für die Sportwissenschaftlerinnen Susanne Ziereis und Professor Petra Jansen lag deshalb die Vermutung nahe, dass sportliche Bewegungseinheiten auch einen positiven Einfluss auf Kinder mit ADHS haben könnten. Der Einfluss von Sport auf den Verlauf von ADHS wurde bislang weltweit kaum erforscht.

43 ADHS-Kinder nahmen an Studie teil

Die Wissenschaftlerinnen untersuchten in Zusammenarbeit mit einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis, ob unterschiedliche Sportprogramme einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten bei Kindern mit ADHS hatten. 43 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren – 32 Jungen und elf Mädchen –, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, nahmen an der Studie teil.

Kinder absolvierten unterschiedliche Trainingsprogramme

Die Kinder wurden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt. Zwei nahmen an einem zwölfwöchigen motorischen Training teil, eine dritte Gruppe diente zur Kontrolle der Ergebnisse. Eine der Sportgruppen absolvierte spezielle Übungen zur Handgeschicklichkeit, der Ballfertigkeit oder der Balance.

In der zweiten Gruppe wurde der Schwerpunkt auf Sportarten gelegt, bei denen eben diese Fähigkeiten nicht oder kaum gefordert waren. Vor und nach der ersten Trainingseinheit sowie im Anschluss an die gesamte zwölfwöchige Trainingsphase wurde jeweils die kognitive und motorische Leistungsfähigkeit der Kinder erfasst.

Nach Sportprogramm waren die Kinder aufmerksamer

Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig: Kinder, die an einem der beiden Trainingsprogramme teilgenommen hatten, zeigten eine signifikante Leistungssteigerung im Bereich von Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit. Demgegenüber stagnierten die entsprechenden Leistungen bei der Kontrollgruppe. Die Regensburger Wissenschaftlerinnen folgerten daraus, dass sportliche Aktivität im Allgemeinen zu einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten von Kindern mit ADHS beitragen kann.

Auf der Grundlage dieser Beobachtungen empfehlen sie gezielte Bewegungsprogramme, um die Defizite bei den Kindern zu reduzieren oder ganz auszugleichen. Die Bewegungstherapie könnte Medikamentengaben ergänzen oder sogar ersetzen. Dazu sei sie gut in den Alltag und den Behandlungsplan von Kindern mit ADHS integrierbar.

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