Gutartige Prostatavergrößerung

Prostatahyperplasie: Wenn das Männerorgan vegrößert ist

Dass etwas mit der Prostata nicht in Ordnung ist, bemerken Männer meist, wenn sie Beschwerden beim Wasserlassen haben. Die Blase kann nicht richtig entleert werden oder der Harnstrahl ist abgeschwächt. Eine benigne Prostatavergrößerung (BPH) ist häufig, helfen können verschiedene Behandlungsoptionen. Wann ist eine Operation sinnvoll?

Mann nachdenklich
Eine gutartig vergrößerte Prostata ist nicht alleinig ein Phänomen des hohen Alters. Die benigne Prostatahyperplasie macht bereits etwa 50 Prozent der Männer über 50 Jahren zu schaffen.
© iStock.com/Nikada

Die benigne Prostatahyperplasie ist die gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Häufige Beschwerden von Männern mittleren und höheren Alters wie ständiger Harndrang, schwieriges Wasserlassen, nächtliche Gänge zur Toilette und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird, sind typische Symptome einer Prostatavergrößerung. Etwa 50 Prozent der Männer über 50 Jahre sind von der gutartigen Form des Prostatawachstums betroffen, bei den über 70-Jährigen sind es bis zu 70 Prozent. Damit zählt die benigne Prostatahyperplasie zu den häufigsten Erkrankungen des fortgeschrittenen Alters bei Männern.

Die Vorsteherdrüse (Prostata) liegt vor dem Mastdarm direkt unter der Harnblase des Mannes. Sie ähnelt in Form und Größe einer Kastanie und wiegt im Normalzustand etwa 25 Gramm. Eine vergrößerte Prostata kann dagegen bis zu 150 Gramm wiegen. Der obere Abschnitt der Harnröhre verläuft direkt durch die Prostata hindurch, weshalb es hier bei einer vergrößerten Prostata zu Problemen kommt. Außerdem vereinigen sich in der Vorsteherdrüse die beiden Samenleiter mit dem Ausführungsgang der Samendrüse.

Artikelinhalte im Überblick:

Gutartige Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs?

Eine Prostatavergrößerung kann gutartig oder bösartig sein. Während das bösartige Gewebe der Vorsteherdrüse bei Prostatakrebs in die umgebenden Strukturen einwächst und diese zerstört, ist das bei der gutartigen Prostatavergrößerung nicht der Fall. Gutartig bedeutet, dass es zu einer Zellvermehrung und damit zu einem Wachstum der Prostata kommt, jedoch ohne aggressives und unkontrollierbares Einwachsen in anderes Gewebe. Auch Tochtergeschwüre (Metastasen) entstehen bei einem gutartigen Wachstum nicht. Die benigne Prostatahyperplasie ist somit kein Krebs und auch keine Krebsvorstufe. Die Beschwerden der gutartigen Prostatavergrößerung, die als benignes Prostatasyndrom (BPS) bezeichnet werden, sind ausschließlich die Folge der Größenzunahme des Prostatagewebes. Die Größenzunahme kommt durch eine Vermehrung der Prostatazellen zustande, deshalb handelt es sich hier um eine Hyperplasie.

Schaubild der Prostata

 

Syptome der gutartigen Prostatavergrößerung

Die gutartige Prostatavergrößerung findet hauptsächlich im inneren Teil der Vorsteherdrüse statt. Deshalb sind bei einer Prostatavergrößerung Symptome darauf zurückzuführen, dass die Harnröhre zunehmend eingeengt wird.

Die Einengung der Harnröhre führt dazu, dass der normale Druck, den die Harnblase zum Wasserlassen aufbaut, nicht für einen kräftigen Strahl ausreicht. Teilweise bricht der Harnstrahl auch ab und in fortgeschrittenen Fällen kann überhaupt kein Urin mehr durch die Harnröhre gepresst werden (Harnverhalt). Im Anfangsstadium können Männer den Harnstrahl durch verstärktes Pressen zeitweise verstärken. Außerdem kommt es zu einem verzögerten Beginn des Wasserlassens. Andererseits kann es nach Beendigung des Wasserlassens dazu kommen, dass eine kleine Menge Urin „nachträufelt“ und das Gefühl entsteht, dass die Blase nie ganz leer wird.

Es gibt aber auch Beschwerden, die durch eine Reizung der Blase und des Blasenausgangs entstehen. Diese kommt daher, dass sich die Blasenmuskulatur zusammenziehen muss, um das Wasserlassen einzuleiten. Da die Muskulatur bei einer vergrößerten Prostata mehr Druck aufbauen muss, wird sie überlastet und verdickt sich mit zunehmender Zeit. Die Muskulatur reagiert überempfindlich, die Harnblase kann den Urin nicht mehr wie üblich über längere Zeit sammeln und es kommt zu Schmerzen.

Ein weiteres Problem bei erkrankten Männern können Störungen der sexuellen Leistungsfähigkeit sein. Auch wenn die Probleme beim Wasserlassen die typischsten Beschwerden sind, können die Beeinträchtigungen der Sexualfunktion einen großen Leidensdruck erzeugen.

Grundsätzlich hängt die Schwere der Symptomatik nicht unmittelbar von der Ausprägung der Prostatavergrößerung ab, sondern ist von Mann zu Mann sehr unterschiedlich. Während manche Männer mit einer stark vergrößerten Prostata gut zurechtkommen, leiden andere bereits sehr unter einer leichten Form der Prostatahyperplasie.

Typische Symptome der Prostatavergrößerung sind:

  • schwacher und teilweise unterbrochener Harnstrahl
  • häufiger Harndrang
  • es dauert eine Weile, bis der Urin kommt
  • das Wasserlassen dauert länger als früher
  • Drang beim Wasserlassen zu pressen
  • Nachträufeln
  • Gefühl, dass die Blase nicht ganz leer wird
  • häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen (Pollakisurie)
  • nächtlicher Harndrang und mehrfaches Wasserlassen in der Nacht (Nykturie)
  • starker Harndrang, der nicht zurückgehalten werden kann (imperativer Harndrang)
  • Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)
  • erektile Dysfunktion (Errektionsstörungen)
  • verminderter Samenerguss
  • Schmerzen bei der Ejakulation
Hilfe bei häufigem und nächtlichem Harndrang

Komplikationen durch Prostatavergrößerung möglich

Ist die Vorsteherdrüse seit längerer Zeit vergrößert, führt die Einengung der Harnröhre zunehmend zu Komplikationen, die dann behandlungsbedürftig werden. Folgende Komplikationen können durch eine benigne Prostatahyperplasie entstehen:

  • Wiederkehrende Harnwegsinfekte: Durch ständigen Restharn in der Blase können sich Krankheitserreger leichter ansiedeln und vermehren.

  • Blasensteine: Da immer Urin in der Harnblase zurückbleibt, wird die Bildung von Blasensteinen begünstigt.

  • Blut im Urin: Blutgefäße im Bereich der Blasenschleimhaut können durch den erhöhten Druck einreißen.

  • Balkenblase: Da dauerhaft ein vermehrter Druck benötigt wird, um die Harnblase zu entleeren, kommt es zu einem Wachstum der Blasenmuskulatur. Dadurch verliert die Blasenwand an Elastizität und es kann zu Aussackungen (Pseudodivertikel) kommen. Mit der Zeit verdicken sich die Muskelzüge der Blase so stark, dass sie balkenartig erscheinen.

  • Harnverhalt: Ist die Einengung der Harnröhre zu stark, kann kein Urin mehr ausgeschieden werden. Er sammelt sich in der Harnblase an und überdehnt diese massiv. Ein Harnverhalt ist extrem schmerzhaft und die gefüllte Blase ist unter der Bauchdecke zu sehen und zu ertasten. Das Risiko, einen Harnverhalt zu bekommen, wird durch Alkohol, Bettruhe, bestimmte Medikamente und sexuelle Aktivität erhöht. Ein Harnverhalt ist ein medizinischer Notfall und muss schnell behandelt werden! Über einen Katheter wird versucht, den Harn aus der Blase abfließen zu lassen. Bei mehrmaligem Auftreten eines Harnverhalts ist in der Regel eine baldige Operation notwendig.

  • Überlaufblase: Bei einem Harnverhalt kann der Druck in der Harnblase so hoch werden, dass der Urin trotz Verschluss aus der Harnröhre herauströpfelt. Dieses Überlaufen ist aber kein Wasserlassen und führt nicht zu einer Entlastung.

  • Nierenstau: Es ist möglich, dass der Urin durch den Rückstau über die Harnleiter bis in die Nierenbecken zurückgestaut wird. Dies kann auf Dauer die Nieren schädigen und im schlimmsten Fall zum Nierenversagen führen.

  • Harnvergiftung (Urämie): Bestimmte Stoffwechselprodukte müssen über den Urin aus dem Körper ausgeschieden werden. Sind die Nieren als Folge der Prostatavergrößerung und des anhaltenden Nierenstaus geschädigt, können diese Substanzen den Körper nicht verlassen und sammeln sich an. Typische Symptome sind Juckreiz, Übelkeit und Erbrechen. Eine Urämie kann unbehandelt lebensbedrohlich sein.

Was sind die Ursachen und welche Risikofaktoren gibt es?

Obwohl Ärzte sehr viel über die Symptome und Auswirkungen der Prostatavergrößerung wissen, ist die Frage nach den auslösenden Faktoren noch weitgehend ungeklärt.

Als gesicherter Faktor gilt das Lebensalter: Etwa 50 Prozent der Männer über 50 Jahre, 70 Prozent der Siebzigjährigen sowie 90 Prozent der Achtzigjährigen sind betroffen. Diese Entwicklung entspricht zum Teil den Veränderungen im Hormonhaushalt, die bei Männern mit zunehmendem Alter stattfinden. Es scheint sich der Einfluss der männlichen Sexualhormone, insbesondere von Testosteron und Dihydrotestosteron, auf das Zellwachstum in der Prostata mit zunehmendem Alter zu verändern. Besonders der Anteil der Prostata, der direkt von der Harnröhre durchzogen wird, fängt in fortgeschrittenem Alter unter dem Einfluss der männlichen Sexualhormone an, stärker zu wachsen. Diese Theorie wird dadurch erhärtet, dass Männer, die nach einer Hodenentfernung nur sehr geringe Testosteronwerte aufweisen, nicht an einer benignen Prostatavergrößerung erkranken.

Nicht nur den männlichen, sondern auch den weiblichen Sexualhormonen wird eine auslösende Wirkung für eine Vergrößerung der Prostata zugeschrieben. Männer haben ganz natürlich ebenfalls weibliche Sexualhormone (Östrogene) im Körper, wenngleich wesentlich weniger als Frauen. Mit zunehmendem Alter nimmt der natürliche Gehalt an männlichen Sexualhormonen ab, während die Menge an Östrogenen gleich bleibt oder sogar leicht zunimmt. Insbesondere dann, wenn durch starkes Übergewicht die Östrogenproduktion in den Fettzellen sehr groß ist, kommt es zu einer relativen Östrogenüberproduktion. Wie sich das genau auf das Wachstum der Prostatazellen auswirkt, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Eine genetische Veranlagung zur Prostatavergrößerung scheint es nur bei jungen Männern mit benigner Prostatahyperplasie zu geben. Setzt die Prostatahyperplasie so früh ein, dass eine Operation schon vor dem 60. Lebensjahr notwendig wird, besteht in der Hälfte der Fälle eine familiäre Vorbelastung.

Ob die Ernährung einen Einfluss auf die Vergrößerung der Prostata hat, ist noch nicht geklärt und aktuell Gegenstand der Forschung.

Diagnose der gutartigen Prostatavergrößerung

Um eine gutartige Prostatavergrößerung von anderen Krankheiten mit ähnlichen Symptomen und insbesondere von Prostatakrebs zu unterscheiden, gibt es verschiedene Untersuchungen. Durch die Kombination der unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse stellt der Arzt die endgültige Diagnose.

  • Krankenbefragung (Anamnese): Durch ein ausführliches Gespräch lassen sich Hinweise auf Vorerkrankungen, frühere Eingriffe oder Medikamente finden, welche für die Beschwerden verantwortlich sein können. Im Fokus stehen hier insbesondere Harnwegserkrankungen und Nervenkrankheiten.

  • Rektale Untersuchung: Die Prostata kann vom Arzt mit dem eingeführten Finger vom Darm ausgehend untersucht werden. Dazu wird der Finger durch den Anus eingeführt und die Prostata durch die Wand des Mastdarmes abgetastet. Durch die Beurteilung von Größe und Beschaffenheit der Vorsteherdrüse können Hinweise auf bösartige oder gutartige Veränderungen gefunden werden.

  • Urinanalyse: Zum Ausschluss einer Harnwegsinfektion und anderer Erkrankungen wird der Urin untersucht.

  • Blutanalyse: Es werden die Konzentrationen bestimmter Substanzen (beispielsweise Kreatinin) im Blut bestimmt, um Rückschlüsse auf die Nierenfunktion zu erhalten. Außerdem wird der PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) gemessen, der bei Prostatakrebs oft erhöht ist. Allerdings gibt es auch einen Zusammenhang zwischen der benignen Prostatahyperplasie und dem PSA-Wert. Zudem muss bedacht werden, dass der PSA-Wert natürlichen Schwankungen unterliegt.

  • Ultraschall (auch transrektal): Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung werden die Prostatagröße und die Dicke der Harnblasenmuskulatur bestimmt. Außerdem kann der Arzt messen, wie viel Urin nach dem Wasserlassen noch in der Blase ist (Restharn) und nach Nieren-, Harnleiter- und Blasensteinen suchen. Falls möglich, wird die Ultraschalluntersuchung durch den Darm vorgenommen, ansonsten durch die Bauchdecke. Die Untersuchung mittels Ultraschall ist am besten geeignet, um die Größe der Prostata zu bestimmen.

  • Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie): Patienten urinieren in ein spezielles Gerät. Dabei wird von Sensoren gemessen, wie hoch die Fließgeschwindigkeit des Urins ist.

  • Blasendruckmessung (Urethrozystometrie): So wird gemessen, welcher Druck in der Blase während des Wasserlassens herrscht.

  • Harnblasenspiegelung: Mit Hilfe eines Endoskops wird die Harnblase von innen betrachtet. Dazu werden die nötigen Instrumente über die Harnröhre eingeführt. Im Bereich des Harnröhrenaustritts kann der Arzt einen Teil der Prostata beurteilen. Er sieht mittels Harnblasenspiegelung außerdem, ob sich ein Tumor in den Harnwegen gebildet hat, was sich unter anderem durch Blut im Urin bemerkbar machen kann.

  • Urethrogramm: Vor der Röntgenuntersuchung bekommt der Patient Kontrastmittel über die Harnröhre verabreicht. So wird die Harnröhre im Röntgenbild sichtbar.

  • Biopsie: Sollte die Beurteilung all dieser Untersuchungsergebnisse den geringsten Hinweis auf eine bösartige Veränderung der Prostata ergeben, muss eine Biopsie vorgenommen werden. Dabei werden mit einer dünnen Nadel Gewebeproben aus der Vorsteherdrüse entnommen und im Labor untersucht. Dieses Verfahren erlaubt eine sichere Unterscheidung zwischen einer benignen Prostatahyperplasie und Prostatakrebs.

  • Fragebögen: Um die Schwere der Symptomatik und die damit einhergehende Einschränkung der Lebensqualität zu beurteilen, gibt es standardisierte Fragebögen. Je nach Auswertung wird entscheiden, ob eine genauere Diagnostik der Prostataveränderungen notwendig ist oder nicht. Bei nur sehr leichten Beschwerden wird unter bestimmten Voraussetzungen zunächst abgewartet und lediglich der weitere Verlauf im Rahmen regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert, bevor mit einer Behandlung begonnen wird.

Vielseitige Behandlungsmöglichkeiten

Eine benigne Prostatahyperplasie wird in der Regel erst dann behandelt, wenn durch die Beschwerden beim Betroffenen ein Leidensdruck entsteht.

Medikamente bei guartiger Prostatavergrößerung

Der erste Behandlungsschritt ist eine medikamentöse Therapie, bei der Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen eingesetzt werden können. Einige Wirkstoffe zielen lediglich darauf ab, die Symptome zu verbessern und müssen dauerhaft eingenommen werden. Andere Medikamente können wiederum helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und damit die Notwendigkeit weiterer Behandlungsschritte – etwa eine Operation – hinauszuzögern oder zu verhindern. Nur der behandelnde Arzt kann entscheiden, welche Medikamentengruppe oder gegebenenfalls welche Kombination von Wirkstoffen individuell sinnvoll sind.

  • pflanzliche Mittel (Phytotherapie): Diese pflanzlichen Arzneimittel enthalten Phytosterine, die eine hormonähnliche Wirkung haben sollen. Die Wirksamkeit ist nicht wissenschaftlich erwiesen, es gibt jedoch oft Behandlungserfolge. Bekannte Substanzen sind: Sägepalmenfrüchte, Kürbiskerne und Kürbiskernsamen, Brennnesselwurzel und Roggenpollen. Ein Vorteil dieser Präparate sind die geringen Nebenwirkungen, allerdings sind pflanzliche Mittel nur bei einer sehr schwachen Ausprägung der Symptome eine Behandlungsmöglichkeit.

  • Alphablocker: Alphablocker sind die am häufigsten zum Einsatz kommenden Medikamente bei der benignen Prostatahyperplasie. Sie eignen sich, um die Symptome zu verbessern, können allerdings nicht dazu beitragen, dass sich die Prostata wieder verkleinert. Alphablocker wie beispielsweise Tamsulosin helfen bei der Öffnung des Blasenauslasses, indem sie Muskelgruppen von Prostata und Blase entspannen. Das Wasserlassen fällt deutlich leichter. Ein Vorteil von Alphablockern ist die innerhalb weniger Tage eintretende Wirkung.

  • Phosphodiesterasehemmer (PDE-Hemmer): Diese Mittel können die Beschwerden lindern, indem sie ähnlich wie Alphablocker die Durchblutung verbessern sowie die Muskulatur von Prostata und Blase entspannen. Außerdem können Wirkstoffe wie Tadalafil bei Erektionsstörungen helfen, die manchmal im Zusammenhang mit der gutartigen Prostatavergrößerung auftreten. Eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs ist mit PDE-Hemmern nicht zu erreichen.

  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmer: 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren sind die einzigen bekannten Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern können. Medikamente wie Finasterid oder Dutasterid wirken auf den Testosteronstoffwechsel ein und verringern dadurch das Prostatavolumen. Erfolge sind allerdings erst nach mehreren Woche bis Monaten messbar. Neben Impotenz und Libidoverlust können sie jedoch dazu führen, dass der PSA-Wert stark verfälscht wird.

In einigen Fällen, beispielsweise bei einer Nierenschwäche oder bei Blasensteinen, kommen diese Medikamente nicht infrage. Dann sind unter bestimmten Voraussetzungen operative Eingriffe sinnvoll.

Operative Therapie bei gutartiger Prostatavergrößerung

Ab einem gewissen Schweregrad der Symptome oder bei Komplikationen genügt der reine Einsatz von Medikamenten nicht aus. Dann muss auch eine gutartigen Prostatavergrößerung operativ behandelt werden. Zu einer Operation wird meist bei häufigen Harnwegsinfekten, Blasensteinen, Blut im Urin, einer Verschlechterung der Nierenfunktion oder bei sich wiederholendem Harnverhalt geraten.

Welches Operationsverfahren Anwendung findet, hängt von vielen Faktoren ab und wird immer individuell entschieden. Dabei hat jede Methode Vor- und Nachteile. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen transurethralen (über die Harnröhre) Operationstechniken und einer Operation mittels Bauchschnitt, wobei erstere wesentlich häufiger zum Einsatz kommen. Außerdem stehen Laserverfahren zur Verfügung, die im Vergleich zu den anderen Methoden schonender sind. Folgende Verfahren stehen zur Auswahl:

  • transurethrale Prostata Resektion (TURP): Dies ist das Standardverfahren, denn zu keiner anderen Operationsmethode gibt es bessere Erfahrungswerte. Wie bei einer Harnblasenspiegelung werden eine winzige Kamera und eine Metallschlinge über die Harnröhre eingeführt. Mithilfe der Schlinge wird nun schichtweise das vergrößerte Gewebe der Prostata abgetragen. Dies erfolgt mittels Strom, es ist also ein schnittloses Verfahren. Das abgetrennte Gewebe wird über die Harnröhre herausgeholt. Bei diesem Verfahren kann mithilfe einer Kamera sehr punktgenau gearbeitet werden, was eine ausreichende Verkleinerung der Prostata bei gleichzeitiger Schonung des Harnröhrenschließmuskels ermöglicht. Ein weiterer Vorteil der TURP: Durch die Abtragung von Gewebe ist eine anschließende Untersuchung möglich, um Prostatakrebs zu erkennen oder auszuschließen.

  • transurethrale Prostata Inzision (TUIP): Mithilfe der gleichen Technik wie bei der transurethralen Prostata Resektion werden am Übergang zwischen Blasenhals und Prostata kleine Einschnitte vorgenommen. So wird der Harnröhre mehr Platz verschafft, was das Wasserlassen erleichtert. Bei dieser Methode wird allerdings kein Prostatagewebe entfernt.

  • Bipolare Plasmavaporisation: Der Zugang erfolgt bei dieser Methode ebenfalls über die Harnröhre. Anders als bei der TURP wird jedoch nicht mittels Strom, sondern mit einer speziellen Elektrode gearbeitet, die Plasmastrahlen erzeugt. In einer sechs Jahre andauernden Studie wurde festgestellt, dass die bipolare Plasmavaporisation im Vergleich zur TURP-Methode effizientere Kurzzeitergebnisse bei einer gleichzeitig geringeren Komplikationsrate liefert.

  • transurethrale Mikrowellentherapie (TUMT): Auch bei diesem minimalinvasiven Verfahren werden die Instrumente durch die Harnröhre eingeführt. Mikrowellen erhitzen das Prostatagewebe auf 70 Grad Celsius und zerstören es. Das Verfahren eignet sich im Gegensatz zum Standardverfahren TURP auch für Hochrisikopatienten, da eine Behandlung unter Lokalanästhesie möglich ist.

  • Laserverfahren: Die Zerstörung des überschüssigen Prostatagewebes kann ebenfalls durch verschiedene Lasertechniken vorgenommen werden. Auch hier erfolgt der Zugang über die Harnröhre. Laserverfahren sind minimalinvasive Methoden, die nur einen geringen Blutverlust zur Folge haben. Denn eine Operation der benignen Prostatavergrößerung wird oft erst im hohen Alter notwendig. Das bringt höhere Risiken mit sich, weil die Betroffenen häufig unter zusätzlichen Krankheiten leiden und geschwächt sind. Die schonenden Techniken mittels Laser eignen sich für diese Patienten daher besonders. Nicht zuletzt deshalb forschen Ärzte derzeit daran, diese Operationsmethoden weiterhin zu verbessern.

  • Holmium Laser Enukleation der Prostata (HoLEP): Bei der HoLEP handelt es sich um ein spezielles, minimalinvasives Laserverfahren, das relativ neu ist und nur von wenigen, sehr erfahrenen Operateuren angewandt wird. Der Operateur kann sehr präzise arbeiten und ein sehr hohes Volumen an überschüssigem Prostatagewebe entfernen. Auftretende Blutungen werden bereits während des Eingriffs gestillt. Wegen den sehr geringen möglichen Komplikationen bei gleichzeitig guten Langzeitergebnissen – selbst bei sehr stark vergrößertem Prostatagewebe – hat sich diese Verfahren neben der TURP-Methode zu einer bevorzugten Operationstechnik entwickelt.

  • Prostataenukleation: Dieses Operationsverfahren gilt seit der Einführung des Laserverfahrens als veraltet und findet deshalb keine Anwendung mehr. Es wurde in der Vergangenheit eingesetzt, wenn die Prostata bereits sehr groß war oder Komplikationen vorlagen. Dabei musste die Harnblase eröffnet und die Prostata durch sie hindurch entfernt werden. Im Unterschied zur Operation bei Prostatakrebs wurden bei der Prostataenukleation der gutartigen Prostatavergrößerung die Prostatakapsel und die Samenblasen nicht entfernt.

Prostata-Wissen: Zehn Fakten über die Männerdrüse

Krankheitsverlauf und Prognose

Bei einer nur geringen Vergrößerung der Prostata kommt es meist noch nicht zu Beschwerden und die Krankheit schreitet in der Regel langsam voran. In einer groß angelegten Studie wurden Männer mit mäßigen bis schweren Beeinträchtigungen durch eine vergrößerte Prostata über fünf Jahre hinweg beobachtet. Bei 16,6 Prozent von ihnen schritt die Krankheit fort, was sich bei fast allen in einer Verschlechterung der Symptome äußerte und lediglich bei zwei Prozent zur schweren Komplikation eines akuten Harnverhalts führte.

Sind die Symptome so ausgeprägt, dass sie den Alltag der Betroffenen beeinträchtigen, lassen sich die Beschwerden durch die Gabe von Medikamenten meist lindern und das Fortschreiten der Erkrankung häufig verlangsamen. Schreitet die Erkrankung so stark fort, dass die Lebensqualität massiv eingeschränkt wird oder kommt es zu Komplikationen, ist meist eine Operation notwendig. Es stehen zahlreiche Operationsmethoden zur Verfügung, wobei sich die Wahl des geeigneten Verfahrens immer nach dem individuellem Befund richtet.

Früherkennung der Prostatavergrößerung

Für Männer ab 45 Jahren gibt es eine jährliche Vorsorgeuntersuchung, die beim Urologen oder Hausarzt stattfindet. Diese wird bislang nur von etwa zwölf Prozent der Männer in Deutschland in Anspruch genommen. Bei der Untersuchung tastet der Arzt die Leistenregion ab. Auch das rektale Abtasten und eine Ultraschalluntersuchung der Prostata gehören zur Früherkennung. Ein weiterer wichtiger Parameter ist der PSA-Wert, der über eine Blutanalyse bestimmt wird und dessen Erhöhung ein wichtiges Indiz für Prostatakrebs sein kann.

Die Untersuchung ist insbesondere wichtig, um auszuschließen, dass es sich bei einer Zellvermehrung um Krebs handelt. Außerdem kann das Fortschreiten einer gutartigen Vergrößerung der Prostata häufig mit Medikamenten eingedämmt werden. Da eine Prostatahyperplasie jedoch nicht bei allen Männern sofort zu Beschwerden führt, ist die Hyperplasie bei der Diagnose in manchen Fällen bereits so stark fortgeschritten, dass eine medikamentöse Therapie nicht mehr infrage kommt und eine Operation notwendig ist.

Kaum Vorbeugung möglich

Da die Ursachen der Prostatahyperplasie bislang noch unbekannt sind, gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen, die bei fortschreitendem Alter sicher helfen. Das Risiko für eine benigne Prostatahyperplasie ist bei Übergewicht erhöht, deshalb sollten insbesondere ältere Männer Normalgewicht anstreben. Außerdem soll körperliche Aktivität das Risiko verringern. Um einen deutlichen Effekt zu erzielen, sollte bereits in jungen Jahren damit angefangen werden.

Es gibt zudem Maßnahmen, die zur Verringerung von mechanischen Reizungen beitragen. So können, bei einer mäßig vergrößerten Prostata, leichtgradige Beschwerden gelindert werden:

  • Vermeiden Sie langes Sitzen. Stehen Sie bei überwiegend sitzenden Tätigkeiten immer wieder auf und gehen Sie einige Minuten auf und ab.

  • Tragen Sie bequeme Unterwäsche, die nicht zu eng ist.

  • Unterdrücken Sie den Harndrang nicht. Je häufiger Sie die Blase entleeren, desto geringer ist die Gefahr der Überfüllung und Überdehnung der Harnblasenmuskulatur.

  • Achten Sie auf regelmäßigen Stuhlgang, sodass kein zusätzlicher Druck auf Harnblase und Harnwege entsteht.

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