Experten-Interview zu ansteckender Hautkrankheit

Impetigo contagiosa: Therapie und Ursachen einfach erklärt

Eine Impetigo-Infektion (Grindflechte) ist eine bakterielle Infektion der Haut, die überwiegend bei Kindern auftritt. Im Zuge dieser Infektion kommt es zu Rötung und Bläschenbildung. Besonders in den ersten Tagen ist die Erkrankung höchst ansteckend, sodass der Betroffene isoliert werden und auf besondere Hygiene achten sollte.

impetigo bild kruste schorf
Eine honiggelbe Kruste nach dem Aufplatzen der Bläschen ist eines der wichtigsten Kennzeichen einer Impetigo contagiosa. Die ansteckende Hautkrankheit bekommen vor allem Kinder.
© iStock.com/vladans

Die Bläschen bei einer Impetigo-contagiosa-Infektion (lateinisch für "ansteckender Ausschlag") treten in zwei Verlaufsformen auf: der kleinblasigen und der großblasigen. "Bei der kleinblasigen Form entstehen kleine Bläschen, die schnell platzen. Das ausgetretene Sekret trocknet rasch wieder ein und es bildet sich eine honiggelbe Kruste", erklärt Dr. Hans-Ulrich Voigt, Dermatologe aus München.

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

"Dann gibt es noch die großblasige Form, auch Impetigo bullosa genannt. Dabei sind die Bläschen gut sichtbar, aber Verkrustungen sind seltener. Diese beiden Formen werden durch unterschiedliche Bakterien ausgelöst: Die kleinblasige Form in der Regel durch Staphylokokken und die großblasige Form durch Streptokokken", so Voigt.

Impetigo: Symptome und Ursachen der ansteckenden Infektion

Die Impetigo-Infektion trifft besonders oft Kinder, weil das kindliche Immunsystem noch nicht voll entwickelt ist und dementsprechend die Bakterien noch nicht so gut abwehren kann. Übertragen werden die Erreger von Haut zu Haut. "Im Kindergarten oder in der Schule spielen die Kinder miteinander und sind enger zusammen als Erwachsene. Außerdem neigen Kinder auch vermehrt dazu, sich zu kratzen. An diesen verletzten Stellen treten Impetigo-Infektionen häufiger auf", erläutert Lifeline-Experte Voigt.

Auch im Nasen-Rachen-Raum kommen die Bakterien vor. Dort verursachen sie zunächst keine Symptome, aber wenn die Kinder sich beispielsweise im Gesicht kratzen, dann können die Bakterien in die Haut eindringen und die Infektion auslösen.

"Die Impetigo-Infektion ruft allgemeine Symptome wie Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl und Schüttelfrost hervor. Als schwerwiegende Komplikation kann es zu einer Nierenentzündung kommen, die dann unter Umständen zu Nierenfunktionsstörungen führen kann. Selten kommt es zu einem rheumatischen Fieber. Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion gegen die Bakterien, die sich in Form von Entzündungen an den Gelenken äußert", sagt Dr. Voigt.

Therapie bei Impetigo: Gibt es Nebenwirkungen?

Behandelt wird die Impetigo-Infektion meist örtlich mit antibakteriellen Substanzen wie zum Beispiel Fusidinsäure. "Fusidinsäure ist ein lokales Antibiotikum, welches im Normalfall gut wirkt. Das Präparat muss mehrmals täglich aufgetragen werden. Bei allgemeinen Symptomen, wie Fieber oder Krankheitsgefühl gibt man zusätzlich noch oral Antibiotika. Ansonsten muss man auf eine gute Hygiene achten, am besten sollte man sich mit desinfizierenden Lösungen reinigen", erläutert der Facharzt.

Nebenwirkungen sind mit der Lokaltherapie einer Impetigo meist nicht verbunden. "Selten kommt es zu allergischen Reaktionen auf Fusidinsäure. Wenn Allergien auftreten, muss das Präparat gewechselt werden. Bei der systemischen Therapie mit Antibiotika kann es zu Durchfall kommen", erklärt Dr. Voigt.

Kinderkrankheiten erkennen und behandeln

Hygienemaßnahmen verringern Ansteckungsgefahr

Bis zum Abheilen der Krusten, was rund acht bis zehn Tage dauert, ist der Impetigo-Patient ansteckend. In öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen ist die Erkrankung meldepflichtig. Die Kinder müssen isoliert werden und zu Hause bleiben, bis die Krusten abgeheilt sind. "Wenn in einer Familie mehrere Kinder leben, dann sollten Eltern darauf achten, dass die Kinder getrennt voneinander schlafen und in dieser Zeit den Kontakt meiden, insbesondere in den ersten Tagen, wenn die Stellen noch offen sind. Besonders infektiös ist die Erkrankung nämlich im Bläschenstadium", erklärt Experte Voigt.

Bei Kindern sollte man überprüfen, ob die Bakterien im Nasen-Rachen-Raum vorhanden sind. In diesem Fall muss diese Region mitbehandelt werden. Dafür gibt es eine spezielle Nasensalbe, die die Bakterien abtöten kann. "Die Nasensalbe muss dreimal täglich angewendet werden. Zusätzlich sollte das Kind mit desinfizierenden Lösungen gurgeln. Einmal täglich sollte der ganze Körper mit einer desinfizierenden Seife gewaschen werden", empfiehlt Voigt.

Die Dusche und das Bad sollten anschließend mit einem Desinfektionsmittel abgesprüht werden, damit sich nicht noch weitere Familienmitglieder anstecken. "Handtücher, Waschlappen, Unterwäsche, Kleidung und Bettwäsche sollte man täglich wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen. Die Zahnbürste sollte nach dem Zähneputzen mit einer Spüllösung für drei Minuten desinfiziert werden", sagt Dermatologe Voigt. Diese begleitenden hygienischen Maßnahmen tragen dazu bei, die Übertragungsgefahr bei Impetigo contagiosa zu minimieren.

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