Eine Frage der Gene

Ursachen von ADHS

Es sind vor allem genetische Faktoren, die im Zusammenhang mit der Entstehung von ADHS diskutiert werden. Doch auch psychosoziale Einflüsse und andere Umweltfaktoren scheinen eine Rolle zu spielen.

ADHS Ursachen
Die Hauptursache von ADHS besteht in einem gestörten Gehirnstoffwechsel. Familiäre Probleme wie andauernder Streit können für ADHS aber auch mitverantwortlich sein.
© iStock.com/skynesher

Die Frage nach der Ursache ist im Fall von AHDS nach wie vor nicht abschließend geklärt. In der Regel kommt es zu einem Zusammenspiel von neurobiologischen und psychosozialen Einflüssen, die das Krankheitsbild ADHS bedingen können.

Im Überblick:

ADHS bei Erwachsenen und Kindern: 20 wichtige Symptome

Genetik: neurologische Ursachen für ADHS

Die Hauptursache für die Entstehung von ADHS ist vermutlich eine genetische Veranlagung. Die erbliche Komponente von ADHS steht in Zusammenhang mit einem gestörten Gehirnstoffwechsel. Weil einzelne Hirnregionen bei Betroffenen weniger aktiv sind als bei Gesunden, liegt eine Signalstörung vor.

In den betroffenen Regionen im Gehirn besteht bei ADHS-Patienten konkret ein Ungleichgewicht an den Botenstoffen Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Unter anderem Motivation und Aufmerksamkeit sind von diesen Botenstoffen abhängig. Augrund des veränderten Hirnstoffwechsels können Menschen mit ADHS Reize nur unzureichend verarbeiten und Informationen lediglich eingeschränkt filtern.

So kann es bei Betroffenen zu einer regelrechten Reizüberflutung kommen – und das bereits in ganz normalen Situationen. Für Kinder und Erwachsene mit ADHS bedeutet das, dass sie schnell überfordert sind. Impulsives Verhalten, ein unbändiger Bewegungsdrang oder auch Konzentrationsstörungen sind dann die Folgen, die ganz typische Symptome für ADHS sind.

Psychosoziale Ursachen und Risikofaktoren für ADHS

Auch wenn genetische Faktoren die Hauptursache für ADHS sind, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass auch Einflüsse aus der direkten Umgebung die Entstehung beziehungsweise auch den Verlauf von ADHS negativ beeinflussen können. Mögliche psychosoziale Auslöser sind zum Beispiel:

  • familiäre Probleme, zum Beispiel Scheidung der Eltern,
  • ständiger Streit in der Familie,
  • finanzielle Belastungen,
  • unzureichende emotionale Zuwendung,
  • Fehlen von Regeln und Stabilität durch inkonsequente Erziehungsmethoden,
  • ständige Bewertung und Kritik,
  • Dauerberieselung durch TV, Computerspiele oder Smartphone,
  • Mangel an körperlicher Aktivität

Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt

Im Zusammenhang mit der Entstehung von ADHS werden darüber hinaus der Konsum von Nikotin, Alkohol und anderen Drogen während der Schwangerschaft diskutiert. Zudem könnten zentralvenöse Infektionen eine Rolle spielen. Möglicherweise haben Komplikationen bei der Geburt, etwa ein Sauerstoffmangel, auch einen Einfluss.

Umweltfaktoren: Autoabgase als Ursache für ADHS

Wer in frühester Kindheit starker Luftverschmutzung – etwa durch den Straßenverkehr – ausgesetzt ist, entwickelt später signifikant häufiger ein Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Das konnten US-amerikanische Forscher belegen.

Die Studie von Wissenschaftlern um Nicholas Newman von der Universität Cincinnati ergab, dass Siebenjährige statistisch gesehen häufiger an ADHS leiden, wenn sie in jüngeren Jahren Luft ausgesetzt waren, die von Autoabgasen verschmutzt ist. Die Forscher begleiteten fast 600 Probanden vom Säuglingsalter bis zum achten Lebensjahr. Das Ergebnis: Babys, die nahe einer großen Verkehrsader aufwuchsen, zeigten als Schulkinder häufiger ADHS-Symptome.

„Die Luftverschmutzung durch Autos ist einer von vielen Faktoren, die die Entwicklung des Gehirns beeinflussen“, sagt Newman, „aber sie ist vermeidbar.“ Wie die Abgase genau in den Hirnstoffwechsel eingreifen und ADHS begünstigen, sei noch unbekannt. „Es könnte aber sein, dass sie Blutgefäße verengen und verschiedene toxische Substanzen der vorderen Hirnrinde schaden“, so der Wissenschaftler.

Macht Zucker Kinder zum Zappelphilipp?

Kaum ist der Schokoriegel oder Lutscher im Mund, benimmt sich das Kind wie aufgezogen: Dieses Phänomen beschreiben viele Eltern. Einige haben deshalb Zucker im Verdacht, ihre Kinder unruhig und hyperaktiv zu machen. Bislang konnte allerdings keine empirische Studie belegen, dass der Konsum von Zucker einen Einfluss auf die Entstehung von ADHS hat.

Auch der Mediziner und Autor Carsten Lekutat erteilt dem Mythos vom "Zucker-ADHS" eine klare Absage: Süßes mache Kinder nicht hyperaktiv und hibbelig, schreibt er in seinen "Halbwahrheiten der Medizin". Ein strenges Zuckerverbot tauge im Umkehrschluss nicht dazu, sich brave und ruhige Kinder heranzuziehen, so der Experte.

Hat ein Kind ADHS, gibt es viel, was Eltern tun können, um das psychosoziale Umfeld an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen. Die besten Tipps finden Eltern in unserem Ratgeber.

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