Eine Frage der Gene

Ursachen von ADHS

Es sind vor allem genetische Faktoren, die in Zusammenhang mit der Entstehung von ADHS diskutiert werden. Doch auch psychosoziale Einflüsse und andere Umweltfaktoren scheinen eine Rolle zu spielen.

Die Frage nach dem "Warum?" ist im Fall von AHDS nach wie vor nicht abschließend geklärt. In der Regel kommt es zu einem Zusammenspiel von neurobiologischen und psychosozialen Einflüssen, die das Krankheitsbild ADHS bedingen können.

Genetische Faktoren für ADHS

Eine primäre Rolle bei der Entstehung von ADHS spielt die genetische Veranlagung für ADHS. Diese wird in Zusammenhang mit einem gestörten Gehirnstoffwechsel gesehen. Das heißt, dass bei ADHS-Patienten konkret ein Mangel an Dopamin im Gehirn festgestellt werden kann. Dopamin wiederum ist ein wichtiger Botenstoff, der für eine "normale" Reizverarbeitung verantwortlich ist.

Fehlt es an Dopamin, kann es bei den Betroffenen zu einer regelrechten Reizüberflutung kommen – und das bereits in ganz normalen Situationen. Für Kinder mit ADHS bedeutet das, dass es auch beim Spielen oder beim Lernen leicht zu einer solchen Reizüberflutung kommen kann. Impulsives Verhalten, ein unbändiger Bewegungsdrang oder auch Konzentrationsstörungen sind dann die Folgen, die ganz typische Symptome für ADHS sind.

Soziale Einflüsse auf Entstehung von ADHS

Auch wenn genetische Faktoren heute als Hauptursache für ADHS gesehen werden – es ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch Einflüsse aus der direkten Umgebung eines Kindes die Entstehung beziehungsweise auch den Verlauf von ADHS beeinflussen können. Mögliche psychosoziale Auslöser sind zum Beispiel:

  • Familiäre Probleme, zum Beispiel Scheidung der Eltern,
  • ständiger Streit in der Familie,
  • finanzielle Belastungen,
  • Fehlen von Regeln und Stabilität durch inkonsequente Erziehungsmethoden,
  • ständige Bewertung und Kritik,
  • Dauerberieselung durch TV, Computerspiele oder Smartphone,
  • Mangel an körperlicher Aktivität

Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt

Im Zusammenhang mit der Entstehung von ADHS werden darüber hinaus auch der Konsum von Nikotin, Alkohol und anderen Drogen während der Schwangerschaft diskutiert. Desweiteren könnten zentralvenöse Infektionen eine Rolle spielen. Einen möglichen Einfluss könnten außerdem ein Sauerstoffmangel während der Geburt oder andere Komplikationen bei der Entbindung haben.

Umweltfaktoren: ADHS durch Autoabgase

Wer in frühester Kindheit starker Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr ausgesetzt ist, entwickelt später signifikant häufiger ein Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). Das haben US-amerikanische Forscher belegen können.

Die Studie von Forschern um Nicholas Newman von der Universität Cincinnati ergab, dass Siebenjährige statistisch gesehen häufiger an ADHS leiden, wenn sie in noch jüngeren Jahren von Autoabgasen verpestete Luft atmen mussten. Sie begleiteten ihre kleinen Probanden vom Säuglingsalter bis zum achten Lebensjahr mit Untersuchungen. Von zunächst 762 Babys blieben 576 während des gesamten Studienzeitraums am Ball.

Wie sich herausstellte, zeigten Babys, deren Eltern nahe einer großen Verkehrsader wohnen, als Schulkinder häufiger Die typischen Symptome von ADHS. Dazu zählen etwa Konzentrationsprobleme und auffälliges bis aggressives Verhalten.

„Die Luftverschmutzung durch Autos ist einer von vielen Faktoren, die die Entwicklung des Gehirns beeinflussen“, sagt Newman, „aber sie ist vermeidbar.“ Wie die Abgase genau in den Hirnstoffwechsel eingreifen und ADHS begünstigen, sei noch unbekannt. „Es könnte aber sein, dass sie Blutgefäße verengen und verschiedene toxische Substanzen der vorderen Hirnrinde schaden“, glaubt der Wissenschaftler und Erstautor.

Macht Zucker Kinder zum Zappelphilipp?

Kaum ist der Schokoriegel oder Lutscher im Mund, benimmt sich das Kind wie aufgezogen: Dieses Phänomen beschreiben viele Eltern. Viele Eltern haben deshalb Zucker im Verdacht, ihre Kinder unruhig und hyperaktiv zu machen. Stimmt dieses Vorurteil? Bislang konnte keine empirische Studie belegen, dass der Konsum von Zucker einen Einfluss auf die Entstehung von ADHS hat.

Auch der Mediziner und Autor Carsten Lekutat erteilt dem Mythos vom "Zucker-ADHS" eine klare Absage: Süßes mache Kinder nicht hyperaktiv und hibbelig, schreibt Lekutat in seinen "Halbwahrheiten der Medizin". Ein strenges Zuckerverbot tauge im Umkehrschluss nicht dazu, sich brave und ruhige Kinder heranzuziehen, so der Experte.

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