Unterstützung für Eltern

Mein Kind hat ADHS: Ratgeber für Eltern

Wenn die Diagnose ADHS das eigene Kind betrifft, geraten viele Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Wichtig sind klare Strukturen, aber auch Liebe, Zuwendung, Verständnis und das richtige Maß an Lob. Lesen Sie hier die besten Tipps für Eltern.

Kind schaukelt
Kinder mit ADHS brauchen Möglichkeiten, ihren Bewegungsdrang auszuleben.
©iStock.com/stacey_newman

Wenn das eigene Kind ADHS hat, dann bedeutet das für die Eltern neben der Sorge um das Kind vor allem auch eine nervliche Zerreißprobe. Egal ob es das Zähneputzen, Hausaufgabenmachen oder Zubettgehen betrifft – alltägliche Vorgänge werden häufig zum Kampf. Kein Wunder, dass viele Eltern hier an ihre Grenzen stoßen.

Hinzu kommen die bohrenden Blicke der anderen, wenn sich das Kind in der Öffentlichkeit auffällig verhält und das Gefühl, selbst etwas falsch zu machen.

Im Überblick:

Diagnose und ADHS-Behandlung

Eine gesicherte Diagnose ADHS ist oft der erste Schritt, um den Eltern etwas von der Belastung zu nehmen und ihnen klar zu machen: "Nicht ich habe Schuld – mein Kind ist krank und leidet darunter!" Quälende Selbstzweifel können so häufig nach Jahren endlich abgeschüttelt werden. Doch die aktive Mitarbeit der Eltern ist besonders gefordert: Sie haben die Aufgabe, den Rahmen dafür zu schaffen, dass sie und ihr Kind mit der Diagnose ADHS möglichst gut leben können.

Die Basis für das Leben mit einem an ADHS erkrankten Kind ist eine individuell angepasste Behandlung. Hierbei spielen als Therapie-Bausteine spezielle Medikamente, Verhaltenstraining sowie psychotherapeutische Maßnahmen eine Rolle.

  • zum ADHS-Test

    Wie Eltern erkennen, ob Hyperaktivität oder Unkonzentriertheit ihres Kindes noch ganz normal oder schon Anzeichen von ADHS sind.

Informieren Sie sich hier ausführlich zur Behandlung bei ADHS.

Tipps für Eltern von Kindern mit ADHS

Daneben sind die Eltern für Kinder mit ADHS die wichtigste Stütze. Doch wie kann man selbst eine Stütze sein, wenn einen der Stress und die vielen täglichen Konfliktsituationen immer wieder an die Grenze der eigenen Belastbarkeit bringen? Was, wenn man selbst nicht weiter weiß und einfach die Geduld verliert? Es gibt einige grundregelnde Tipps, die Eltern von an ADHS erkrankten Kindern berücksichtigen können, um den Alltag besser zu gestalten.

Tipp 1: Regeln erarbeiten

Eines der Hauptprobleme bei ADHS ist die Reizüberflutung. Die Kinder können die auf sie einströmenden Reize häufig nicht richtig einordnen und es fällt ihnen besonders schwer, Prioritäten richtig zu setzen. Umso wichtiger ist es, ADHS-Kindern klare Regeln und Strukturen vorzugeben. Am besten ist es, wenn Sie diese Regeln gemeinsam mit Ihren Kindern erarbeiten.

Vermitteln Sie dem Kind auch, dass Regelverstöße nicht ohne Konsequenzen bleiben. Überfrachten Sie aber den Alltag nicht mit Prinzipen und Paragraphen: Setzen Sie Prioritäten und heben Sie auf verständliche Weise hervor, was Ihnen am Herzen liegt. Sprechen Sie darüber auch mit Ihrem Partner, schließlich sollten Sie Geschlossenheit im Auftreten gegenüber Ihrem Kind vermitteln.

Wichtige Regeln können sein:

  • Alle bleiben während einer Mahlzeit am Tisch ruhig sitzen.
  • Geschwister werden nicht geschlagen oder an den Haaren gezogen.
  • Nach 20 Uhr wird nicht mehr ferngesehen.

Tipp 2: Den Tag strukturieren

Alles, was Gewohnheit vermittelt, schafft auch ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe. Das ist gerade für von ADHS betroffene Kinder von zentraler Bedeutung.

Beispiele für Strukturen im Tagesablauf:

  • Nach dem Mittagessen ist eine Stunde Zeit zum Spielen.
  • Am Nachmittag werden von 14 bis 16 Uhr Hausaufgaben erledigt.
  • Am Abend gibt es eine Gute-Nacht-Geschichte.

Tipp 3: Immer wieder loben

Natürlich liegt es bei ADHS nahe, auf die nächste Konfliktsituation geradezu vorprogrammiert zu sein. Es gibt ja auch immer wieder genügend Gründe für Ärger. Doch Vorsicht – versuchen Sie, Ihre Perspektive ein wenig zu korrigieren. Achten Sie auf die positiven Verhaltensweisen und loben Sie Ihr Kind immer wieder ganz bewusst. Das gibt nicht nur Ihrem Kind, sondern auch Ihnen ein gutes Gefühl.

Tipp 4: Dem Bewegungsdrang Raum geben

Kinder mit ADHS brauchen Regeln und klare Strukturen, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, ihrem Bewegungsdrang nachzugeben. Ziel ist, genügend Gelegenheiten fürs Austoben zu bieten, um eine gesunde Balance zwischen Ruhe und Bewegung herzustellen.

Auch bestimmte, regelmäßig ausgeübte Sportarten wie zum Beispiel Fußball oder Handball regelmäßig ausgeübte Sportarten wie Fußball oder Handball wirken sich bei einigen Kindern mit ADHS positiv aus; Aufmerksamkeit und Gedächtnis bessern sich durch Bewegung. Zusätzlich wird bei solchen Team-Sportarten auch die Integrationsfähigkeit Ihres Kindes geschult. Liegen motorische Störungen vor, können auch spezielle Angebote wie beispielsweise therapeutisches Reiten genutzt werden. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt über die verschiedenen Möglichkeiten.

Tipp 5: Von Reizen abschirmen

Eine reizarme Umgebung kann therapeutische Maßnahmen untersützen. Nach dem Konzept der "Snoezelräume" kann man zu Hause eine Zimmerecke oder das gesamte Kinderzimmer so gestalten, dass das Kind möglichst gut zur Ruhe kommt. Ausstattungsgegenstände, die die Sinne ansprechen, sollten reduziert werden. Stattdessen bildet eine Kuschelecke mit Decken und leiser Musik einen Kontrast zum hektischen Alltag. Die bewusst eingesetzte Ruhe kann – kombiniert mit Zuwendung – Verhaltensstörungen reduzieren und Informieren Sie sich hier ausführlich zur Behandlung bei ADHS. mitunter überflüssig machen.

Tipp 6: Liebe und Zuwendung zeigen

Im Umgang mit einem an ADHS erkrankten Kind zählt vor allem eines: Liebe und Zuwendung. Doch genau das kann mitunter schwer sein. Zu sehr strapaziert die Situation die Nerven, zu häufig gab es Konfliktsituationen oder sogar Eskalationen. Machen Sie sich also immer wieder die positiven Seiten Ihres Kindes bewusst. Wo liegen seine Stärken? Welche unverwechselbaren Charakterzüge zeichnen Ihr Kind aus und machen es so einzigartig?

Tipp 7: Auf die richtige Ernährung achten

Fettes Essen liegt schwer im Magen und erschwert die Konzentration. Was für Arbeitnehmer und den Gang in die Kantine gilt, trifft auch für Kinder zu. Auch hier sollte leichte, ausgewogene Kost auf dem Speiseplan stehen. Achten Sie auf die richtigen Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe. Vor allem Omega-3-Fettsäuren sollten bei einer Ernährung bei ADHS nicht fehlen.

Diese Lebensmittel liefern Omega-3-Fettsäuren

ADHS bei Kindern: Unterstützung für Eltern

Auch Eltern von ADHS-Kindern brauchen oft professionelle Unterstützung von Sozialpädagogen oder anderen Experten. In Elterntrainings lernen Betroffene gemeinsam mit Gleichgesinnten unter Anleitung eines Coaches, typische Konfliktsituationen zu meistern. In solchen Trainings geht es nicht zuletzt auch darum, wieder die guten Seiten des Kindes in den Mittelpunkt zu rücken.

Andere Eltern wünschen sich einen qualifizierten Elterntrainer, der nach Hause kommt und die individuelle Situation entsprechend beurteilt und praktische Tipps gibt. Egal wofür Sie sich entscheiden – nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie sich diese Unterstützung wünschen.

Die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen

Nicht selten geraten Eltern von ADHS-Kindern in die Burnout-Falle. Dann können Sie Ihren Kindern nicht den Halt geben, der so dringend benötigt wird. Deshalb gilt: Gönnen Sie sich Auszeiten und machen Sie das, was Ihnen Spaß macht.

Dafür ist Unterstützung nötig. Vielleicht ist Ihre Mutter, die Schwiegermutter oder auch die beste Freundin bereit, sich ein paar Stunden um den Nachwuchs zu kümmern? Natürlich ist es dann wichtig, auch die Aufsichtsperson über das Krankheitsbild ADHS sowie einige grundlegende Regeln zu informieren.

Hilfe für Eltern von Kindern mit ADHS gibt es im Netz, per Telefonberatung, in Foren und Selbsthilfegruppen:

  • adhs365.de: Selbsthilfeforum für Eltern und Erwachsenen mit ADHS
  • Anderswelt Forum: In diesem Forum können sich Eltern von Kindern mit ADHS in der Community mit anderen Betroffenen austauschen.
  • Telefonberatung: Bei der Telefonberatung der ADHS Deutschland e.V. werden Fragen von Betroffenen, Eltern, Angehörige und Lehrern schnell beantwortet.
  • Selbsthilfegruppen finden: Hier finden Betroffene unter Angabe ihrer Postleitzahl Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe.
  • Online-Selbsthilfegruppe: Wer nicht die Möglichkeit hat, vor Ort eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, kann sich auch im Netz in Selbsthilfegruppen austauschen.
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