Demenz-Prävention

Studie belegt: Millionen Alzheimerfälle sind vermeidbar

Fortscher beziffern Effekt von Risikofaktoren

Wirksame Therapien gegen Morbus Alzheimer gibt es nach wie vor nicht. Wie weit sich die Wahrscheinlichkeit senken lässt, die Demenzerkrankung zu bekommen, haben Wissenschaftler vorgerechnet. Der größte Risikofaktor für Alzheimer wäre demnach leicht abzuwenden.

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Sport ist eine wichtige Säule der Prävention von Alzheimer. Zu wenig Bewegung ist in Europa der Hauptrisikofaktor für eine spätere Demenz.
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Alzheimer ist weltweit auf dem Vormarsch. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Alzheimer-Patienten von derzeit rund 35 Millionen bis zum Jahr 2050 auf 115 Millionen verdreifachen wird. Allein in Deutschland leiden derzeit rund 1,2 Millionen Menschen an der Demenzerkrankung, die vor allem Hochbetagte trifft: Während nur zwei bis drei Prozent der 70- bis 75-Jährigen an Alzheimer erkrankt sind, ist jenseits des 90. Lebensjahres schon jeder Dritte betroffen.

Größte Risikofaktoren für Alzheimer im Fokus

Aus bisherigen Studien ist bekannt, dass bestimmte Verhaltensweisen, Vorerkrankungen und der Bildungsstand das Risiko beeinflussen, an Alzheimer zu erkranken. Zu den Risikofaktoren für Demenz zählen Bewegungsmangel, Rauchen, Bluthochdruck und Übergewicht im mittleren Lebensalter, ein niedriges Bildungsniveau, Diabetes und Depression.

Wissenschaftler um den englischen Statistiker und Psychologen Sam Norton vom King's College haben nun in einer Studie berechnet, wie stark sich jeder einzelne dieser sieben Risikofaktoren auf die Entstehung von Alzheimer auswirkt und wie viele Neuerkrankungen vermieden werden könnten, wenn es gelänge, diese Faktoren zu minimieren.

Hauptrisiko für Alzheimer in Europa: Bewegungsmangel

Dazu untersuchten sie die Ergebnisse von Metaanalysen. Darunter sind Zusammenfassungen einzelner Studien zu verstehen. Die Forscher berechneten, dass in Europa und den USA mangelnde Bewegung der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Alzheimer ist. Weltweit gesehen birgt ein niedriges Bildungsniveau die größte Gefahr, im Alter an Alzheimer zu erkranken.

Ein Drittel der Alzheimerfälle geht auf alle sieben Faktoren zurück

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Oft sind mehrere Risikofaktoren im Spiel: Norton und Kollegen bezifferten den Anteil derjenigen Alzheimer-Fälle, die auf alle sieben untersuchten Risikofaktoren zurückgehen, auf 28,2 Prozent. Auf dieser Basis rechneten die Londoner Wissenschaftler nun vor, dass sich immerhin 8,3 Prozent aller Alzheimer-Neuerkrankungen bis 2050 verhindern ließen, wenn pro Dekade die einzelnen Risikofaktoren nur um zehn Prozent verringert werden könnten.

Aktiv werden gegen Alzheimer

Die Wissenschaftler leiten daraus konkrete Maßnahmen zur Alzheimer-Prävention ab. Dazu gehört, den Zugang zu Bildung zu erleichtern, Depressionen adäquat zu behandeln und effektive Methoden zu entwickeln, um Risiken für Durchblutungsstörungen zu senken. Solche vermeidbaren Risiken sind etwa Rauchen, Bewegungsarmut, Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes.

Zur Prävention von Alzheimer ist demnach jeder Einzelne gefragt, zumal ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, gesunder Ernährung und ohne blauen Dunst nicht nur vor dem Vergessen, sondern zugleich vor einer Vielzahl weiterer Erkrankungen schützt - darunter Diabetes und Bluthochdruck.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2014
Quellen: Sam Norton et al., Potential for primary prevention of Alzheimer's disease: an analysis of population-based data (Summary), The Lancet Neurology online,Juli 2014; Studie empfielt Alzheimer-Prävention, aerzteblatt.de, 15.07.2014; Die Alzheimer-Krankheit, Informationen der Alzheimer Forschung Initiative e.V., Stand 20.01.2013

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