Zahngesundheit

Erosion: Schützen Sie Ihre Zähne!

Kohlensäurehaltige Limonaden, Fruchtsäfte und saures Aufstoßen – ein täglicher Säureangriff, der unseren Zähnen an die Substanz geht. Die Folge ist ein langsam fortschreitender Verlust des Zahnschmelzes; Zahnärzte sprechen von Erosion. Trotz der zunehmenden Bedeutung dieses Problems, welche sich aus unseren heutigen Lebensgewohnheiten ergibt, wird der Zahnerosionim Vergleich zur Karies wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein großer Fehler, denn der Verlust der Zahnsubstanz ist irreversibel. Eine gute Vorbeugung kann unsere Zähne jedoch schützen.

Wenn es um Zahnschäden geht, denken die meisten Menschen an Karies. „Karies ist noch immer die Hauptkrankheit des Zahns, bestätigt auch Prof. Adrian Lussi von der Universitätsklinik für Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin in Bern, Schweiz. Doch nimmt die Karieshäufigkeit dank umfassender Aufklärung und immer besserer Prophylaxemöglichkeiten in den letzten Jahren kontinuierlich ab. Immer häufiger haben es Zahnärzte stattdessen mit einem anderen Problem zu tun: Erosion. Doch trotz der zunehmenden Relevanz wird dieser krankhaften Zahnveränderung immer noch zu wenig Beachtung geschenkt.Die Zahnerosion ist definiert als oberflächlicher Zahnhartsubstanzverlust, der durch chemische Einflüsse (Säure) und ohne Bakterienbeteiligung verursacht wird. Damit unterscheidet sich die Zahnerosion in ihrer Entstehung entscheidend von der bakteriell bedingten Karies.Die Ursachen der Erosion sind zum einen äußere Faktoren wie säurehaltige Lebensmittel und Getränke, bestimmte Medikamente und Zahnpflegegewohnheiten. Zum anderen gibt es verschiedene innere Faktoren, welche zu den säurebedingten Schmelzschäden führen. Dazu zählen Erkrankungen, die einen häufigen Kontakt der Zähne mit Magensäure zur Folge haben, z.B. Magersucht und Bulimie mit häufigem Erbrechen, aber auch chronische Magen-Darm-Störungen mit Rückfluss von magensäurehaltigem Speisebrei in die Speiseröhre (Reflux). Gerade Reflux bleibt oftunerkannt. „Etwa 40% der Bevölkerung sind stille Refluxer, weiß Prof. Lussi.Im Anfangsstadium wird Zahnerosion meist gar nicht bemerkt, weil der Zahnschmelz sich flächenhaft auflöst und klinisch noch keine Erweichung der Oberfläche nachweisbar ist. Die Oberfläche des Zahns erscheint matt und seidig. Typischerweise bleibt ein schmaler Rand am Zahnfleischsaum zunächst ausgespart, da der Schmelz an dieser Stelle durch Flüssigkeit aus dem Zahnfleisch besser geschützt ist. Im weiteren Verlauf der Zahnerkrankung zeigen sich auf den geschädigten Zahnflächen Dellen und Stufen. Der Zahn erscheint mit zunehmendem Substanzverlust gelblich, da das das Zahnbein (Dentin) durchscheint. Schließlich können die Defekte bis ins Zahnbein selbst reichen, was sich oft durch erhöhte Empfindlichkeit der Zähne gegen physikalische Einflüsse wie Wärme und Kälte äußert. Die Zahnhöcker auf den Kauflächen flachen ab, die Furchen (Fissuren) verschwinden, die Zähne wirken wie abgeschmirgelt. Ein typisches Zeichen sind zudem Zahnfüllungen, deren Rand durch den zunehmenden Schwund der benachbarten Zahnsubstanz über die Zahnfläche hinausragen. „Eine derartige Füllung ist immer ein Zeichen von Erosion, denn das bekommt kein Zahnarzt hin auch ein Schweizer Zahnarzt nicht, sagt Prof. Lussi schmunzelnd.Die Folgen offenbaren, wie wichtig es ist, dass Zahnärzte auf korrosionsbedingte Warnsignale achten, denn sonst geht wertvolle Zahnsubstanz unwiederbringlich verloren. Ebenso nötig ist eine breitangelegte Aufklärung der Bevölkerung über Warnsignale und Maßnahmen zur Vermeidung von Zahnerosionen.

Wie man Zahnerosionen vorbeugen kann

  • Überprüfen Sie Ess- und Trinkgewohnheiten bei sich und ihren Kindern. Besonders schädlich sind säurehaltige Getränke (Limonaden, Softdrinks, Sportgetränke und Fruchtsäfte). Ein hoher Kalzium- und Phosphatgehalt in Getränken kann die schädigende Wirkung hingegen aufheben. Mittlerweile gibt es spezielle mit Kalzium angereicherte Fruchtsäfte, welche den Zahnschmelz schonen.
  • Ferner sollten Häufigkeit und Dauer des Kontaktes der Zähne mit den Säuren möglichst gering sein. Das heißt: Nicht durch die Zähne ziehen oder den ganzen Mundraum spülen, stattdessen zügig schlucken oder auch einen Trinkhalm benutzen, der den Kontakt der Zähne mit dem Getränk auf ein Minimum reduziert.
  • Speichel ist ein sehr wichtiger Schutzfaktor, da er Säuren neutralisiert und verdünnt und den Zahn mit einer Schutzschicht umhüllt. Zuckerfreie Kaugummis regen die Speichelproduktion an.
  • Lassen Sie endogenen Ursachen wie Reflux oder Essstörungen unbedingt behandeln.
  • Optimieren Sie Ihre Zahnhygiene. Richtige Zahnputztechnik mit kleinen kreisenden Bewegungen vermeidet das „Wegputzen von Zahnschmelz, besonders im Zahnhalsbereich bei Zahnfleischrückgang.
  • Putzen Sie die Zähne frühestens eine halbe, besser eine Stunde nach dem Essen/Trinken, da sonst der durch Säuren angegriffene Zahnschmelz regelrecht weggebürstet wird; insbesondere bei zu starkem Andruck, zu harten Borsten und aggressiven Zahnpasten. Spezielle Zahnbürsten mit sehr dichten, weichen Borsten, die sich der Form der Zahnoberflächen anpassen und Zahnpasten mit einem niedrigen Abrasionsgrad ("Schmirgelgrad") schonen den Schmelz.
  • Bei Erbrechen sollten nicht sofort die Zähne geputzt werden, spülen Sie den Mund statt dessen gründlich mit Wasser aus.
  • Kalziumhaltige Nahrungsmittel wie Milchprodukte und Käse helfen, den Säureangriff im Mund zu reduzieren. Die Tradition, zum Abschluss eines guten Essens Käse zu reichen, ist aus Sicht der Zahngesundheit ausgesprochen sinnvoll.
  • Einmal wöchentlich hochkonzentrierte Fluoridgele anzuwenden, ist ebenfalls gut, da Fluoridgele zur Ausbildung einer stabilen Kalziumfluorid-Deckschicht auf den Zähnen und zum Verschluss der offen liegenden Dentinkanälchen führen.

Autor: Tarja Wündrich
Letzte Aktualisierung: 12. Mai 2006
Quellen: Pressegespräch „Erosion: Ein wachsendes Problem für Gletscher und Zahngesundheit. Sensodyne schützt Zähne und Natur von GSK Consumer Healthcare; 2. April 2006, Bergstation Eisgrat, Stubaier Gletscher/Tirol

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