Karies und Parodontitis vorbeugen

Professionelle Zahnreinigung

Bei der professionellen Zahnreinigung werden Zahnbelag und Zahnstein entfernt, um Karies und Parodontitis vorzubeugen

Professionelle Zahnreinigung
Eine regelmäßig durchgeführte professionelle Zahnreinigung kann Karies und Parodontitis vorbeugen.
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„Ein sauberer Zahn erkrankt nicht“ – der simple Lehrsatz des deutschen Zahnmediziners Alfred Kantorowicz (1880-1962) aus dem Jahr 1930 gilt auch heute noch. Eine regelmäßige und gründliche Zahnpflege, die die Zahl der krankmachenden Keime im Mund reduziert, verhindert die Entstehung von Karies , Zahnfleischentzündung und Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis ). Dazu gehört zunächst das mehrmalige tägliche Zähneputzen und Reinigen mit Zahnseide. Darüber hinaus ist es sinnvoll, beim Zahnarzt regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Sie erfolgt mithilfe spezieller Instrumente und löst Zahnbelag und Zahnstein von der Zahnoberfläche vollständig ab. Die Reinigung fördert nicht nur die Zahngesundheit, sondern dient auch der Vorbeugung und unterstützenden Behandlung anderer Krankheiten wie Herzkreislauf- oder Magen-Darmerkrankungen.

Warum ist die Zahnreinigung nötig?

Zahnbelag, von Zahnmedizinern als Plaque bezeichnet, bildet sich in dem Moment, in dem Speichel die gereinigte Zahnoberfläche überspült. In Minutenschnelle lagern sich Speicheleiweiße - so genannte Muzine - an den  Zahnschmelz an und bilden ein Schmelzoberhäutchen. Es hat eine Dicke von etwa 1/1000 Millimeter und enthält zunächst noch wenige Bakterien. Das Schmelzoberhäutchen schützt die Zähne vor dem Einfluss von Säuren.

Doch schon innerhalb weniger Stunden kommt es zur Besiedelung der Zahnoberfläche mit Bakterien, die sich massiv vermehren und ausbreiten. Mineralien werden eingelagert, sodass nach und nach ein harter Zahnbelag entsteht, der sogenannte Zahnstein. Dieser begünstigt die Ausbreitung des bakteriellen Zahnbelags und fördert damit die Entzündung des Zahnhalteapparates, die sogenannten Parodontitis.

Nützt die Professionelle Zahnreinigung der Gesundheit oder nur dem Geldbeutel des Arztes?

Der Nutzen der PZR ist unter Experten nach wie vor umstritten – laut Verbraucherschützern besonders dann, wenn noch keine Parodontitis vorliegt, durch welche die Zähne sich lockern. Der Medizinische Dienst des Krankenkassenbunds (MDS) bewertet in seinem IGeL-Monitor die Zahnreinigung deshalb als "unklar", was ihren gesundheitlichen Effekt betrifft. Der MDS begründet das damit, dass sich keine aussagekräftige Studie finden lässt, die den Nutzen der PZR eindeutig belegt. Gleichzeitig schade das Putzprogramm vom Profi aber auch nicht, so der Verband.

Wie oft sollte eine professionelle Zahnreinigung erfolgen?

Bei Patienten mit guter Zahngesundheit und geringem Risiko werden jährliche oder halbjährliche Termine zur professionellen Zahnreinigung empfohlen. Besteht hingegen ein erhöhtes Risiko für Karies oder Parodontitis -  etwa bei Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus - können unter Umständen häufigere Reinigungen sinnvoll sein. Dies gilt auch für Patienten mit Zahnimplantaten sowie für Patienten, bei denen ungünstige Mundhygienebedingungen herrschen, Zahnfleischtaschen oder etwa eine Neigung zu vermehrter Zahnsteinbildung oder Verfärbungen besteht.

Was kostet die Zahnreinigung und was bezahlt die Krankenkasse?

Grundsätzlich ist die professionelle Zahnreinigung eine Selbstzahler- oder individuelle Gesundheitsleistung (IGeL): Der Patient muss sie aus eigener Tasche finanzieren. Je nach Abrechnungssatz stellt der Zahnarzt für eine PZR um die 50 bis 150 Euro in Rechnung. Setzt er den 1,0-fachen Satz an, kostet die Reinigung für 28 Zähne zum Beispiel nur 43,96 Euro. Beim 2,3-fachen Satz sind es 101,36 Euro. Wendet der Zahnarzt mit dem Faktor 3,5 einen noch höheren Satz an, muss er das verständlich und nachvollziehbar schriftlich begründen – etwa damit, dass die Reinigung wegen des Zahnzustands seines Patienten außergewöhnlich aufwändig war.

Patienten sollten sich vor der Behandlung erkundigen, welche Leistungen das Angebot ihres Zahnarztes genau umfasst und auf einem schriftlichen Kostenvoranschlag bestehen, der sich an der zahnärztlichen Gebührenordnung orientiert. Viele Krankenkassen erstatten ihren Versicherten jedoch die Beträge im Rahmen von Bonusprogrammen teilweise oder ganz.

Verbraucherschützer raten den Versicherten, bei ihrer Krankenkasse oder ihrem privaten Zahnzusatzversicherer nach einer Kostenübernahme zu fragen. Laut der Untersuchung zahlen 38 der befragten 57 gesetzlichen Kassen die PZR zumindest anteilig, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Manche Kassen und Versicherungen kommen voll für die professionelle Zahnreinigung auf. Eine Garantie für die Kostenübernahme bieten jedoch selbst Zahnzusatzversicherungen nicht Bei den 27 untersuchten privaten Zusatzversicherern ermittelten die Verbraucherschützer 126 verschiedene Tarife.

Wann die Zahnreinigung sinnvoll ist

Eine professionelle Zahnreinigung dient in erster Linie der Vorbeugung von Karies , Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis ). Auch ästhetische Aspekte spielen eine Rolle, denn gesunde und gereinigte Zähne sind eine wichtige Voraussetzung für ein gepflegtes Aussehen.

Bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder einem geschwächten Immunsystem (z.B. nach Organtransplantation, bei Autoimmunerkrankungen oder bei AIDS) spielt eine gute Mundhygiene eine besonders wichtige Rolle. Die Betroffenen sind in der Regel besonders anfällig für die Entstehung von Karies und Zahnfleischentzündungen, sodass ihnen eine regelmäßige professionelle Zahnreinigungen empfohlen wird. Dies gilt ebenso für Träger von Zahnimplantaten.

Darüber hinaus wirkt sich die Reduzierung der Bakterien im Mund auch bei anderen Erkrankungen vorbeugend und unterstützend aus. Dazu zählen:

  • Herzkreislauferkrankungen: Vorbeugung von Herzinfarkt, Schlaganfall
  • chronisch-obstruktive Lungenerkrankung ( )
  • Magen-Darmerkrankungen

So läuft die Professionelle Zahnreinigung ab

Bevor mit der Reinigung der Zähne begonnen werden kann, untersucht der Zahnarzt oder der zahnmedizinische Prophylaxeassistent den Zustand der Zähne. Er stellt dabei fest, welche Zahnbeläge vorhanden sind, ob es Zahnfleischblutungen, Zahnfleischentzündungen oder beginnende Zahnfleischtaschen gibt und ob die Bildung von Zahnbelag durch bestimmte Zahnkonstellationen (Zahnfehlstellungen, Zahnersatz) begünstigt wird. Anhand der Befunde legt wird der Umfang der Behandlung festgelegt.

Zahnreinigung in vier Schritten

Bei der professionellen Zahnreinigung entfernt ein speziell geschultes Praxismitglied weiche und harte Beläge von den Zähnen und reinigt die Zahnzwischenräume sowie Zahnfleischtaschen. Danach werden meist noch alle Zahnflächen poliert und ein fluoridhaltiger Lack aufgetragen, der Karies vorbeugt. Dafür setzt die zahnmedizinische Assistentin ein ganzes "Arsenal" an unterschiedlichen Werkzeugen ein. Die ganze Prozedur erfolgt in vier Schritten:

  1. Grobreinigung: Hierbei wird der Zahnstein mit speziellen Handinstrumenten  oder mit Ultraschall großflächig abgelöst.
  2. Feinreinigung: Bei der Feinreinigung werden feine Zahnsteinreste, die noch auf der Zahnoberfläche verblieben sind, abgelöst. Solche feinen Reste bilden leicht den Ausgangspunkt für neue Zahnbeläge und Zahnstein, weshalb sie sorgsam entfernt werden müssen. Hilfsmittel für die Feinreinigung sind Ultraschallgeräte, feine Scaler, Küretten und Feilen.
  3. Politur: Hierbei werden mit Gummikelchen und fluoridhaltigen Polierpasten weiche Zahnbeläge entfernt. Die Zahnoberflächen werden dadurch glänzend und glatt, was die Neubildung von Belägen erschwert.
  4. Pulverstrahlreinigung: Verfärbungen der Zähne, zum Beispiel durch Kaffee, Tee oder Tabak, können mit Pulverstrahlgeräten entfernt werden. Zum Abschluss können fluoridhaltige Gele oder Lacke aufgetragen werden, die als Schutzfilm für Zahnbeläge dienen.

Beratung zur richtigen Mund- und Zahnhygiene

Im Rahmen der professionellen Zahnreinigung erfolgt meist auch eine Beratung zur richtigen Mund- und Zahnhygiene. Dabei wird der optimale Einsatz der Zahnbürste und die Anwendung von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten erklärt. Bei manchen Patienten bietet sich auch die Benutzung eines Zungenreinigers an.

Im Regelfall dauert die professionelle Zahnreinigung beim Erwachsenen etwa eine Stunde.

Nebenwirkungen: Schmerzen bei der Zahnreinigung?

Die gesamte Behandlung ist zwar unangenehm, jedoch erträglich. Eine Betäubung ist nicht nötig. Die professionelle Zahnreinigung tut in der Regel nicht weh. Bei einer akuten Zahnfleischreizung oder Zahnfleischentzündung kann es während der Behandlung jedoch zu  leichten Schmerzen kommen. Diese klingen in der Regel kurz nach der Zahnreinigung wieder ab. Mit der richtigen Zahnpflege können Sie das Ergebnis der professionellen Zahnreinigung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten.

Manchmal kommt es auch zu leichtem Zahnfleischbluten, welches durch kleine Verletzungen am Zahnfleisch entsteht und nicht mit dem Bluten bei entzündetem Zahnfleisch zu vergleichen ist. Problematisch sind solche Blutungen jedoch in der Regel nur für Personen mit erhöhter Blutungsneigung, zum Beispiel in Folge einer erblich bedingten Gerinnungsstörung (Hämophilie, "Bluterkrankheit") oder durch die  Einnahme blutverdünnender Mittel.

Wie bei jeder sonstigen zahnmedizinischen Behandlung besteht auch bei der professionellen Zahnreinigung das Risiko, dass Krankheitserreger, speziell Bakterien aus der Mundschleimhaut in die Blutbahn dringen und sich im Körper ausbreiten (Septikämie).

Bei Trägern einer künstlichen Herzklappe kann es dazu kommen, dass sich die ins Blut geschwemmten Bakterien auf der Herzklappe ansammeln und eine Entzündung der Herzinnenhaut, eine sogenannte Endokarditis, hervorrufen. Bei stark geschwächtem Immunsystem (zum Beispiel nach Organtransplantation oder bei AIDS) kann eine Septikämie zur Blutvergiftung (Sepsis) mit schweren Infektionssymptomen führen.

Wann sollte keine Zahnreinigung gemacht werden?

Bei Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Endokarditis (Herzinnenhautentzündung, zum Beispiel. infolge einer künstlichen Herzklappe) darf eine professionelle Zahnreinigung nur dann durchgeführt werden, wenn im Vorfeld Antibiotika eingesetzt werden, um der Ausbreitung von Bakterien im Blut (Septikämie) entgegenzuwirken. Dies kann auch bei  Personen mit geschwächtem Immunsystem, z.B. nach Organtransplantation oder bei AIDS, erforderlich sein.

Auch bei Menschen mit erhöhter Blutungsneigung ist besondere Vorsicht geboten. Dies betrifft erblich bedingte Gerinnungsstörungen (Hämophilie, "Bluterkrankheit") ebenso wie die Einnahme blutverdünnender Mittel.

Zähne putzen - aber richtig!

Autor:
Letzte Aktualisierung: 29. September 2016
Durch: es
Quellen: IGeL-Monitor: Professionelle Zahnreinigung, URL: http://www.igel-monitor.de/Igel_A_Z.php?action=view&id=74, abgerufen 29.09.2016: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zum Thema Professionelle Zahnreinigung: http://www.verbraucherzentrale-rlp.de/media221888A, Stand: Mai 2013, abgerufen September 2016; Zu-Yin Chen: The Association of Tooth Scaling and Decreased Cardiovascular Disease; Abstract Nr. 17704, Jahrestagung der American Heart Association vom 12.-16.11.2011, Orlando, Florida Hellwege, K.-D.: Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe. Ein Leitfaden für die Individualprophylaxe, Gruppenprophylaxe und initiale Parodontalprophylaxe. 5., überarb. und erw. Aufl., Heidelberg: Hüthig, 1999 Information der Bundesärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Stand: 04/2008), URL: http://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/pati/bzaekdgzmk/2_03_pzr.pdf Köttgen, C.: Präventionsorientierte Zahnreinigung und parodontale Erhaltungstherapie. Aufgabe für das gesamte zahnärztliche Praxisteam. In: Der Freie Zahnarzt 6, (2011), S. 45-55

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