Nicht nur das Gedächtnis leidet

Morbus Alzheimer: Häufigste Form der Demenz

Morbus Alzheimer ist die häufigste Demenzform und bis heute unheilbar. Die Symptome der Krankheit lassen sich in drei Stadien einteilen. Mit der richtigen Behandlung lässt sich der Verlauf von Alzheimer zwar nicht aufhalten, aber lange hinauszögern.

Älteres Paar am Strand
Alzheimer-Patienten tut der liebevolle Kontakt zu ihren Bezugspersonen gut.
Getty Images/iStockphoto

Morbus Alzheimer ist eine chronische, nicht ansteckende Erkrankung des Gehirns, bei der langsam, aber fortschreitend Nervenzellen untergehen. Sie ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt, der 1907 als erster die Krankheitssymptome und die typischen krankhaften Veränderungen im Gehirn beschrieben hat.

Diese Veränderungen entstehen durch die Ablagerung fehlerhaft gebildeter Eiweißstrukturen innerhalb und außerhalb der Nervenzellen. Vor allem die Gehirnanteile im Schläfen- und Scheitelbereich sind von solchen Alzheimer-Plaques betroffen.

Die Alzheimer-Demenz führt zu Störungen

  • des Gedächtnisses
  • der Sprache
  • des Denkvermögens
  • des Erkennens
  • der Handhabung von Gegenständen sowie
  • der örtlichen und zeitlichen Orientierung.

Es können auch andere Symptome wie Verwirrung oder starke Stimmungsschwankungen, Aggressivität und Wutausbrüche auftreten. Die Alzheimer-Krankheit ist in der Gruppe der demenziellen Krankheiten oder Hirnleistungsstörungen die häufigste Form. Unter Demenz versteht die Medizin den krankhaften Verlust geistiger Fähigkeiten – bei Fortschreiten der Krankheit kommt es zunehmend zur Verwirrtheit.

Definition der Demenz nach der Weltgesundheitsorganisation

Es gibt mehrere Demenzdefinitionen. Die engste Definition findet sich in dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgearbeiteten Kriterienkatalog, dem Diagnoseschlüssel ICD-10 (International Classification of Diseases). Für die Diagnose Demenz müssen folgende vier Kriterien erfüllt sein:

  • Eine Abnahme des Gedächtnisses und anderer geistiger Fähigkeiten, erkennbar an der Verminderung der Urteilsfähigkeit und des Denkvermögens.

  • Keine Bewusstseinstrübung. Die Patienten sind wach und ansprechbar und reagieren auf bestimmte Anforderungen entsprechend ihrer verbliebenen Fähigkeiten.

  • Verminderte Kontrolle über die eigenen Affekte mit mindestens einem der folgenden Merkmale: emotionale Labilität, Reizbarkeit, Apathie, Vergröberung des Sozialverhaltens; zum Beispiel können Patienten die Intensität ihres Lachens und Weinens nicht mehr steuern, haben Gefühlsausbrüche ohne ersichtlichen Grund, können Gefühle und den Umgang mit den Mitmenschen nicht mehr steuern, scheinen sich für die Außenwelt charakterlich verändert zu haben.

  • Dauer der Symptome von mindestens sechs Monaten.

Zahl der Alzheimer-Patienten verdoppelt sich

Laut einem Report der WHO und der Alzheimer's Disease International (ADI) gibt es Alzheimer weltweit. Mit steigender Lebenserwartung wird in bisher weniger betroffenen Ländern wie China und Indien die Erkrankung stark zunehmen. Derzeit haben 35,6 Millionen Menschen weltweit die Demenzerkrankung. Bereits 2030 sollen es doppelt so viele sein, berechnen die Experten der WHO – falls bis dahin keine wirksame Therapie entwickelt worden ist. Sicher ist bisher nämlich nur eines: Alzheimer ist eine typische Alterserkrankung. Das Risiko für diese Form von Demenz steigt mit zunehmenden Lebensjahren.

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Symptome und Verlauf von Alzheimer

Am Anfang treten als Symptome von Alzheimer Gedächtnisprobleme und eine Abnahme der geistigen Fähigkeiten auf. Nach und nach beeinträchtigen diese das tägliche Leben immer stärker, zudem sind Veränderungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen spürbar.

Der Verlauf der Alzheimer-Demenz wird in drei Stadien eingeteilt, die jeweils mit typischen Symptomen einhergehen.

Frühes Stadium: Das Erinnerungsvermögen ist gestört

Im ersten Stadium der Alzheimer-Erkrankung leidet vor allem das Kurzzeitgedächtnis der Betroffenen. Sie vergessen Namen, die ihnen gerade genannt wurden, versäumen Termine und Verabredungen oder haben Mühe, Gesprächen zu folgen. Fremdwörter und abstrakte Begriffe bereiten ihnen Verständnisschwierigkeiten, Wortspiele erschließen sich ihnen nicht mehr sofort und ihre Sprache wird einfacher.

Oft fällt es den Erkrankten in diesem Stadium auch schwerer, sich in unbekannter Umgebung zurechtzufinden. Ihr Zeitgefühl leidet unter der Alzheimer-Erkrankung. Außerdem kann es zu Wahrnehmungsstörungen kommen, die etwa das Autofahren unmöglich machen. Anspruchsvolle Tätigkeiten, wie zum Beispiel berufliche Arbeit, können nur noch eingeschränkt ausgeübt werden. Selbst einfache Dinge wie sich anzuziehen bereiten manchmal Mühe. Manche Patienten verlieren das Interesse an ihren Hobbys, aber auch an Alltagstätigkeiten. Entscheidungen fallen ihnen schwer und ihr Urteilsvermögen kann in Mitleidenschaft gezogen sein.

All diese Symptome erleben die Alzheimer Patienten in diesem Stadium bei vollem Bewusstsein. Angst, Beschämung, Wut, Frustration und Depressionen können die Folgen sein. Viele der Betroffenen ziehen sich deshalb zurück oder versuchen – häufig von ihren Angehörigen zunächst unterstützt –, die eigene Schwäche zu überspielen. Oft begegnen sie ihrer Umwelt auch mit Misstrauen und Aggressivität.

Mittleres Stadium: Bewegungen werden unkoordiniert

Im zweiten Stadium der Alzheimer-Erkrankung sind die Patienten nur noch mit Unterstützung in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen. Alle Störungen der ersten Phase schreiten weiter fort. Auch das Langzeitgedächtnis leidet nun. Die Namen vertrauter Menschen werden manchmal vergessen oder verwechselt. Die Sprachäußerungen werden immer einfacher, das Sprachverständnis lässt zunehmend nach. Es kann vorkommen, dass Wörter, kurze Sätze oder auch Handlungen permanent wiederholt werden. Ebenso ist es möglich, dass sich die Betroffenen selbst in eigentlich vertrauter Umgebung verirren. Sie können unruhig sein oder sogar davonlaufen.

Stimmungswechsel sind in diesem Stadium häufig und oftmals abrupt. Es kann zu aggressivem Verhalten kommen, aber auch zu Rückzug und Verweigerung von Hilfe. Für einige Alzheimer-Kranke vertauschen sich Tag und Nacht: Sie sind während der Dunkelheit auf den Beinen und schlafen tagsüber. Alltagstätigkeiten wie Anziehen, Waschen oder Essen bereiten immer größere Schwierigkeiten, weil Bewegungen nicht mehr präzise ausgeführt und immer schlechter koordiniert werden können. Die Kontrolle über Blase und Darm kann verloren gehen.

Die Betroffenen sind im mittleren Stadium auf umfangreiche Hilfe angewiesen – bei den einzelnen Verrichtungen des Alltags ebenso wie bei der Gestaltung ihres Tagesablaufs. Trotzdem ist es selbst in dieser Krankheitsphase noch möglich, dass die Alzheimer-Patienten vorübergehend beinahe normal wirken – wenn auch leider immer seltener.

Spätes Stadium: Vollständige Pflegebedürftigkeit

Im letzten Stadium der Alzheimer-Erkrankung sind die Betroffenen vollständig von Betreuung und Pflege abhängig, häufig kommt Stuhl- und Harninkontinenz hinzu. Ihr Gedächtnis ist nicht mehr in der Lage, neue Informationen zu speichern. Auch nahe Angehörige werden nun oft nicht mehr erkannt. Die Sprache ist auf wenige Wörter reduziert.

Unruhe, Depressionen, Ängste und Wahnvorstellungen treten in diesem Stadium nicht mehr auf. Zunehmend verlieren die Betroffenen der Alzheimer jedoch die Kontrolle über ihren Körper. Viele Patienten können nur noch in kleinen, schleppenden Schritten, häufig aber auch gar nicht mehr gehen. Sie bewegen sich nur noch auf Aufforderung, nicht mehr aus eigenem Antrieb. Selbst die Fähigkeit, aufrecht zu sitzen, kann verloren gehen.

Demenztest: Nur vergesslich oder dement?

Alzheimer ist nicht tödlich – aber die Begleiterkrankungen

Die Mimik ist eingeschränkt. Schlucken wird unmöglich. Blase und Darm können nicht mehr kontrolliert werden. Unter Umständen treten Krampfanfälle auf. Die Patienten sind teilnahmslos und nehmen ihre Umgebung ebenso wie sich selbst kaum noch wahr.

Wie lange jedes einzelne Stadium der Erkrankung andauert, kann im Einzelfall nicht vorhergesagt werden. Im Durchschnitt leben Alzheimer-Patienten noch sieben bis zehn Jahre, nachdem die Diagnose gestellt wurde. Doch auch kürzere oder erheblich längere Zeiträume sind möglich. Der Tod tritt häufig durch Begleiterkrankungen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung ein. Denn Alzheimer an sich ist nicht tödlich.

Typische Merkmale demenzieller Erkrankungen sind fortschreitende Beeinträchtigungen des Kurzzeit- und später Langzeitgedächtnisses. Probleme bei der räumlichen und zeitlichen Orientierung treten ebenfalls auf. Die Erkrankten wissen nicht, wo sie sind, finden sich an einst vertrauten Orten nicht zurecht und können Tageszeit und Datum nicht bestimmen.

Ursachen: So entsteht Alzheimer-Demenz

Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind bisher nicht geklärt, und so ist auch eine an den Ursachen ansetzende Therapie nicht möglich.

Die Medizin geht heute davon aus, dass die Alzheimer-Krankheit entsteht, wenn mehrere Schädigungsfaktoren zusammenkommen. Außerdem besteht bei den Patienten vermutlich eine Disposition für diese Erkrankung. Die genaue Ursache für Alzheimer ist aber nach wie vor nicht geklärt.

Im Mittelpunkt des Interesses bei der neurobiologischen Ursachenforschung stand in den letzten Jahren das so genannte Amyloid-Protein, welches in herdförmigen Ablagerungen des Hirnmantels, in den so genannten Plaques, enthalten ist. Allerdings findet sich dieses Amyloid nicht nur bei Alzheimer-Kranken, sondern auch bei älteren, nicht dementen Menschen. Es müssen zum Amyloid also offenbar noch andere Krankheitsfaktoren hinzukommen.

Lange gingen Wissenschaftler davon aus, dass es bei Alzheimer-Patienten zu einem Absterben der Nervenzellen kommt. Erst 2007 haben Göttinger Wissenschaftler herausgefunden, dass die Nervenzellen nicht absterben, sondern in ihrer Funktion gestört werden. Der Grund sind Eiweißablagerungen an den Synapsen, welche die Signalübermittlung zwischen den Nervenzellen hemmen und den Energiefluss stören. In der Folge verkümmert die Empfängerseite von Signalen in den Synapsen und die Knospen der Nervenzellfortsätze ziehen sich zurück. Die Nervenzellen selbst überleben aber zunächst. Dadurch eröffnet sich ein möglicher Ansatz für künftige Therapien gegen Alzheimer.

So wird Alzheimer festgestellt

Hilflosigkeit ist ein zentrales Diagnose-Kriterium der beginnenden Alzheimer-Krankheit. Die weitere sorgfältige Diagnostik dient vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen einer Hirnleistungsstörung.

Zu Beginn der Erkrankung fallen Alzheimer-Patienten meist durch Merkfähigkeitsstörungen, Probleme der Wortfindung, diskrete Einbußen bei der Auffassungsgabe oder durch eine verschämt praktische Hilflosigkeit auf.

Um eine normale Altersvergesslichkeit von einer Demenz abzugrenzen, kann als Anhaltspunkt dienen, dass beim normalen Altern vor allem Dinge und Sachen vergessen werden, bei einer möglichen Demenzerkrankung jedoch Ereignisse und Begebenheiten.

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Untersuchung beim Hausarzt

Mithilfe einiger leicht durchzuführender Tests kann schon der Hausarzt prüfen, ob eine Demenz vorliegt. Diese Tests enthalten Fragen zur räumlichen und zeitlichen Orientierung, zum Erinnerungsvermögen und zur Wortflüssigkeit.

Dem Hausarzt kommt bei der Früherkennung als erstem Ansprechpartner eine besondere Rolle zu. Dabei gibt es zwei Probleme: Einerseits schämen sich die Patienten, ihre Gedächtnisstörungen anzusprechen. Andererseits sind viele Menschen mit Alzheimer manchmal nicht mehr in der Lage, den Arzt aus freien Stücken aufzusuchen.

Vielerorts gibt es Gedächtnissprechstunden, die sich auch die Früherkennung von Demenzerkrankungen zum Ziel gesetzt haben.

Ausschluss anderer Erkrankungen

Der weitere Untersuchungsgang dient vor allem dem Ausschluss anderer möglicher Krankheitsursachen (sogenannte Ausschlussdiagnostik). Der Arzt schließt weitere Demenzformen, Depressionen und andere Erkrankungen aus. Sie umfasst auch internistische, neurologische, psychiatrische und psychologische Untersuchungen, ferner Labortests und die Ableitung eines EEG (Messung der Hirnströme). Mithilfe der Computertomografie, der Kernspintomografie des Schädels und anderer bildgebender Verfahren, wie der PET (Positronen-Emissions-Tomografie) können zum Beispiel Tumore, Hirnblutungen und Ähnliches als mögliche Ursache einer Hirnleistungsstörung gefunden werden. Unter Umständen ist auch eine Rückenmarkspunktion (Liquoruntersuchung) erforderlich, um entzündliche Gehirnerkrankungen auszuschließen, wenn die Krankheitsgeschichte, der körperliche Befund oder andere Zeichen auffällig sind.

Eine hundertprozentig sichere Diagnose der Alzheimer-Demenz kann allerdings erst der Pathologe nach dem Tode des Patienten stellen. Die Diagnose einer Alzheimer-Krankheit wird allerdings gestützt durch:

  • die fortschreitende Verschlechterung der Sprache (Aphasie), der motorischen Fähigkeiten (Apraxie) und der Wahrnehmung (Agnosie), der Beeinträchtigung der täglichen Aktivitäten und Verhaltensänderungen

  • Fälle in der Familie (genetische Vorbelastung)

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      Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

    unauffälliges EEG (Elektroenzephalogramm) oder erhöhte langsame Aktivität

  • fortschreitende Schrumpfung des Gehirns in nacheinander folgenden Aufnahmen mit dem CT (Computertomografie)

Weitere Befunde, wenn andere Ursachen für eine Demenz ausgeschlossen sind:

  • Begleitsymptome wie Depressionen, Schlaflosigkeit, Inkontinenz, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, plötzliche Wutausbrüche, sexuelle Störungen, Gewichtsverlust, neurologische Störungen (motorische Beeinträchtigungen, Gangstörungen)

  • Krampfanfälle in fortgeschrittenen Stadien

Folgende Symptome lassen an der Diagnose einer Alzheimer-Krankheit zweifeln:

  • plötzliches, infarktartiges Auftreten

  • neurologische Herdzeichen wie halbseitige Lähmung, Empfindungsstörungen, Einschränkungen des Gesichtsfeldes, Koordinationsstörungen im frühen Krankheitsstadium

  • Krampfanfälle oder Gangstörungen in der Anfangsphase der Krankheit

Unheilbar, aber gut zu behandeln: Alzheimer-Therapie

Die Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung der Alzheimer-Krankheit haben sich in den letzten Jahren verbessert. Mit den sogenannten Acetylcholinesterase-Hemmern und dem Wirkstoff Memantin stehen heute Medikamente zur Verfügung, die die geistigen Fähigkeiten und Alltagsbewältigung der Betroffenen zumindest für mehrere Monate stabilisieren oder sogar verbessern können, wenn rechtzeitig mit der Therapie begonnen wird.

Alzheimer kann heute noch nicht geheilt werden. Die Therapie der Demenz erfordert daher einen umfassenden, ganzheitlichen Behandlungsansatz, mit Einsatz von medikamentösen und auch nichtmedikamentösen Therapien. Heute versteht man immer besser, wie die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen gefördert und möglichst lange erhalten werden können. Auch die Betreuung der Angehörigen, die oft einer großen Belastung ausgesetzt sind, ist mittlerweile fester Bestandteil der Behandlung. Auch Begleitsymptome wie Angst, Depression, Aggressivität oder Unruhe werden durch diese Behandlung verbessert. Wie bei anderen chronisch degenerativen Erkrankungen ist bereits das zeitweise Bremsen oder Stoppen des Fortschreitens der Erkrankung als Erfolg zu werten.

Nichtmedikamentöse Behandlung

Für Demenzkranke sind Verlässlichkeit und Stabilität der Umwelt von großer Bedeutung. Die begleitenden Behandlungsmaßnahmen müssen unbedingt die begrenzten Bewältigungsmöglichkeiten der Demenzpatienten berücksichtigen, sie weder unter-, noch überfordern.

Begleitende Maßnahmen können beispielsweise sein:

  • Bewegungstherapie
  • Tagesstrukturierung
  • Aktivierung
  • kognitives Training
  • Realitätsorientierung
  • Musiktherapie
  • sogenanntes Snoezelen (Stimulation der Sinne) mit individualisierten biografiebezogenen Stimuli
  • Soziotherapie (Betreuung und Pflege)
  • psychiatrische und/oder psychologische Therapie

Medikamentöse Alzheimer-Behandlung

Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantin richten sich direkt gegen die Demenz, also gegen den Abfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus können sie eingeschränkte Alltagsfunktionen verbessern und Verhaltensveränderungen wie Depressionen, Angst, Aggressivität und Wahnvorstellungen verringern oder sogar vermeiden. Es gibt auch Hinweise, dass sie die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessern und die Einweisung in ein Pflegeheim verzögern können. Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz gelten die Acetylcholinesterasehemmer heute als Mittel der Wahl, ihr Einsatz wird von allen Fachgesellschaften empfohlen. In mittelschweren bis fortgeschrittenen Erkrankungsstadien wird Memantin eingesetzt.

Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz kommen häufig Acetylcholinesterasehemmer zum Einsatz. Neu an der aktuellen Behandlungsleitlinie: Auch ein Extrakt aus Ginkgo biloba wird bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz zur Therapie empfohlen. In mittelschweren bis fortgeschrittenen Erkrankungsstadien wird Memantin eingesetzt.

Zur Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Antioxidantien, Vitaminen wie Vitamin B12 oder zur Behandlung mit Hormonen liegen derzeit widersprüchliche Erkenntnisse vor. Sie werden deshalb gegenwärtig nicht empfohlen.

Behandlung der Begleitsymptome

Alzheimer-Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Demenz eine Reihe von Begleitsymptomen wie Depressionen, Schlafstörungen, Unruhe, Angstzustände, Aggressivität und Wahnvorstellungen. Diese Begleitsymptome bedürfen ebenso der Behandlung wie die eigentliche Demenz.

Bei der Therapie von Begleitsymptomen der Alzheimer-Demenz sollte zunächst auf nicht-medikamentöse Maßnahmen zurückgegriffen werden. Oft lässt sich auf diesem Wege bereits eine deutliche Besserung der Beschwerden erzielen. Reichen die Maßnahmen nicht aus, sollten Medikamente eingesetzt werden. Auch die Therapie mit Antidementiva wie den Acetylcholinesterase-Hemmern oder Memantin kann die Begleitsymptome verbessern.

Reicht diese Behandlung nicht aus, können zur Behandlung der depressiven Symptome Antidepressiva eingesetzt werden, wie die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Trizyklische ("klassische") Antidepressiva sollten dagegen möglichst vermieden werden, da sie die Gedächtnisprobleme der Betroffenen noch zusätzlich verstärken können.

Bei Unruhe, Angst und Wahnvorstellungen können kurzfristig atypische Neuroleptika eingesetzt werden. Allerdings haben auch diese Medikamente potenzielle Nebenwirkungen, beispielsweise ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Wegen der schnellen Veränderungen, denen die Symptome unterliegen können, wird empfohlen, ihr Fortbestehen in wöchentlichem Abstand zu überprüfen und die Therapie entsprechend anzupassen.

Alzheimer vorbeugen

In den letzten Jahren wurden die Ursachen der Alzheimer Erkrankung intensiv untersucht. So ist bereits eine Vielzahl von Risikofaktoren bekannt, die die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, erhöhen. Diese Risikofaktoren lassen sich teilweise meiden.

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Ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des Gedächtnisses ist die Pflege sozialer Kontakte. Menschen, die im mittleren Erwachsenenalter allein leben, sind doppelt so stark gefährdet, eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln, wie Menschen, die mit anderen zusammen wohnen.

Auch körperliche Aktivität kann das Risiko deutlich senken. Bereits ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Gesundheit. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Untersuchungen des Blutzuckers und Cholesterinspiegels scheint die Wahrscheinlichkeit für Alzheimer zu reduzieren. Diabetes Diabetes, erhöhter Blutdruck, Übergewicht, hoher Cholesterin- und Homocysteinspiegel, Rauchen und Alkoholmissbrauch gelten dagegen als Risikofaktoren.

Zur Vorbeugung mit Medikamenten, etwa bestimmten Vitaminen wie Vitamin B12 oder zur Behandlung mit Hormonen liegen widersprüchliche Erkenntnisse vor. Sie wird deshalb gegenwärtig nicht empfohlen.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. April 2016
Durch:
Quellen: Handbuch Demenz, Ulrich Kastner und Rita Löbach, Urban & Fischer. 2010; Wenn Eltern Kinder werden, Edda klessmann, Huber Verlag 2011, Spektrum der Wissenschaft Spezial: Alzheimer, 2012; Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Alzheimer's Disease International (ADI): "Dementia: a public health priority"; S3-Leitlinie „Demenzen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz; 2009; Dr. Gunter Freese: Hinweise mehren sich - Schützt Vitamin B12 vor Alzheimer? Springermedizin.de vom 18.10.2010; URL: http://www.springermedizin.de/schuetzt-vitamin-b12-vor-alzheimer/291924.html; E. Richartz-Salzburger et al.: Vorzeitige Immunalterung: ein pathogenetischer Faktor bei Alzheimer-Demenz? Nervenarzt 2010 • 81:837–843, Springer Medizin Verlag 2010

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