
Medikamentöse Begleittherapie
Begleiterkrankungen sind häufig und bedürfen einer Behandlung
Alzheimer-Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Demenz oft eine Reihe von Begleiterkrankungen, die eine Folge der fortschreitenden Hirn-Veränderungen sind. Dazu gehören z.B. Depressionen, Schlafstörungen, Unruhe, Angstzustände, Aggressivität und Wahnvorstellungen. Diese Begleiterkrankungen bedürfen ebenso der Behandlung wie die eigentliche Demenz.
Bei der Therapie von Begleiterkrankungen der Alzheimer-Demenz sollte zunächst auf nicht-medikamentöse Maßnahmen zurückgegriffen werden. Oft lässt sich auf diesem Wege bereits eine deutliche Besserung der Beschwerden erzielen. Reichen die Maßnahmen nicht aus, sollten Medikamente eingesetzt werden. Eine Vielzahl von Substanzen erlaubt heute, gezielt auf einzelne Symptome der Patienten zu reagieren.
Über die direkte Behandlung von Begleiterkrankungen hinaus ist es möglich, das Nervengewebe mit Medikamenten vor Schäden zu schützen, die durch aggressive Stoffwechselprodukte im Körper verursacht werden. Auch auf diese Weise lässt sich der Verlauf der Alzheimer-Erkrankung verzögern.
Stimmung aufhellen: die Behandlung mit Antidepressiva
Depressionen sind eine häufige Begleiterkrankung von Alzheimer. Sie müssen jedoch nicht immer durch die Demenz ausgelöst sein. Auch bei Alzheimer-Patienten können sie eine Folge von Lebensumständen sein. Als erstes sollte deshalb immer geklärt werden, welche Faktoren die Depression hervorbringen oder verstärken, und versucht werden, diese abzustellen.
Depressionen bei Alzheimer verlaufen oft nicht gleichförmig. Je nach Krankheitsphase können sie ihr Erscheinungsbild und ihren Schweregrad rasch ändern. Das muss bei der Behandlung berücksichtigt werden. Der Verlauf einer Depression sollte deshalb monatlich überprüft werden, damit die Therapie, falls erforderlich, angepasst werden kann.
Für den Einsatz gegen Depressionen stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. An erster Stelle sind die Cholinesterase-Hemmer zu nennen. Untersuchungen haben gezeigt, dass sie nicht nur die geistige Leistungsfähigkeit der Alzheimer-Patienten fördern, sondern oft auch depressive Zustände bessern, von denen die Krankheit begleitet wird.
Reicht diese Behandlung nicht aus, kann auf speziell gegen Depression gerichtete Medikamente zurückgegriffen werden, so genannte Antidepressiva. Die Auswahl der in Frage kommenden Wirkstoffe ist bei Alzheimer jedoch beschränkt. Das liegt daran, dass einige Antidepressiva aufgrund ihrer Wirkungsweise den bereits bestehenden Acetylcholin-Mangel im Gehirn der Patienten weiter verstärken würden. Diese Antidepressiva scheiden deshalb für die Behandlung aus. Möglich ist jedoch der Einsatz von Wirkstoffen aus der Gruppe der so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.
Unruhe, Angst, Wahnvorstellungen: die Behandlung mit Neuroleptika
Wie bei Depressionen auch sollte, wenn Symptome wie Schlafstörungen, Unruhe, wahnhafte Vorstellungen, Sinnestäuschungen, Angst oder Aggressivität auftreten, zunächst nach Faktoren aus dem Lebensumfeld der Betroffenen gesucht werden, von denen die Beschwerden ausgelöst oder verstärkt werden. Unter Umständen lassen sich die Begleitsymptome durch Umstellungen in den Lebensverhältnissen des Patienten aus der Welt schaffen. Auch die Cholinesterasehemmer wirken derartigen Begleitsymptomen entgegen.
Sollte damit keine ausreichende Besserung erzielt werden, stehen als Medikamente Neuroleptika zur Verfügung. Sie haben sich über lange Zeit in der Behandlung psychischer Erkrankungen bewährt. Bei Alzheimer werden so genannte atypische Neuroleptika eingesetzt. Aus dieser Untergruppe gilt in Deutschland Risperidon als Mittel der Wahl.
Wegen der schnellen Veränderungen, denen die Symptome unterliegen können, wird empfohlen, ihr Fortbestehen in wöchentlichem Abstand zu überprüfen und die Therapie entsprechend anzupassen.
Schutz des Nervengewebes aber mit Vorsicht
Eine weitere Form der Behandlung von Alzheimer-Demenz besteht darin, das Nervengewebe vor aggressiven Stoffwechselprodukten des Körpers zu schützen. Zum Einsatz kommen dabei Antioxidantien wie Selegilin oder Vitamin E.
Die genaue Wirkungsweise von Antioxidantien ist allerdings noch nicht entschlüsselt worden. So verzögern zwar Vitamin E und Selegilin das Fortschreiten der Erkrankung, wenn sie einzeln verabreicht werden. In Kombination verringert sich dieser Effekt jedoch, anstatt sich, wie zu erwarten wäre, zu verstärken.
Unklar ist auch die Wirkung von Antioxidantien bei gleichzeitiger Einnahme von Cholinesterase-Hemmern. Vor beliebiger Einnahme und Kombination von Vitamin E und anderen Antioxidantien, wie sie manche Gesundheitspäpste" empfehlen, wird deshalb von ärztlicher Seite gewarnt.
Entzündungshemmende Substanzen zeigen keine Wirkung
Im Zusammenhang mit Alzheimer wurde immer wieder beobachtet, dass im Gehirn der Betroffenen entzündliche Prozesse ablaufen. Es lag deshalb nahe, zu vermuten, dass entzündungshemmende Substanzen einen günstigen Effekt auf den Krankheitsverlauf ausüben. Obwohl inzwischen zahlreiche Wirkstoffe geprüft wurden, konnte eine Wirkung von Entzündungshemmern bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Von ihrem Einsatz wird daher abgeraten.
Das gilt auch für weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) und Medikamente, die den Fettstoffwechsel im Blut beeinflussen (Statine), von denen man sich ebenfalls einen günstigen Einfluss auf die Alzheimer-Erkrankung erhofft hatte. In keinem Fall konnte bislang ein positiver Effekt beobachtet werden.



