Vaginalinfektionen

Mythen rund um Scheidenpilz

Scheidenpilzinfektionen sind weit verbreitet und mit rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke fast immer problemlos zu therapieren. Trotzdem kursieren um die Erkrankung seltsame Gerüchte und Tipps. Lifeline löst die hartnäckigsten Mythen rund um Scheidenpilz auf.

Mythen rund um Scheidenpilz
Der Scheidenpilz-Erreger "Candida albicans" wird in den meisten Fällen durch Schmierinfektionen von der Analregion in die Scheide übertragen.
Getty Images/iStockphoto

Mythos 1: Scheidenpilz ist eine Geschlechtskrankheit

Geschlechtskrankheiten werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Der Scheidenpilz-Erreger Candida albicans wird aber in den meisten Fällen durch Schmierinfektionen von der Analregion in die Scheide übertragen. Bei vielen Frauen siedelt der Erreger in geringer Keimzahl auch dauerhaft "friedlich" im Vaginalmilieu und beginnt erst, sich sprunghaft zu vermehren und Krankheitssymptome auszulösen, wenn die Abwehrkräfte angeschlagen sind. Es kann zwar passieren, dass auch beim Sex Scheidenpilzerreger übertragen werden beispielsweise beim Wechsel zwischen Anal- und Vaginalverkehr, um eine Geschlechtskrankheit handelt es sich bei Scheidenpilz aber trotzdem nicht. Es ist, wie der Name schon verrät, eine Pilz-Erkrankung.

Mythos 2: Pilzinfektion entsteht durch mangelhafte Hygiene

Wenn sich eine Frau mit Scheidenpilz infiziert, hat das nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Der Hefepilz Candida albicans, der die Erkrankung auslöst, siedelt bei den meisten Frauen dauerhaft und ohne Krankheitssymptome auszulösen im Vaginalmilieu. Das ist von der Natur so vorgesehen und vollkommen normal. Wenn das Immunsystem angeschlagen ist beispielsweise während einer Erkältung oder in stressigen Lebensphasen, beginnt der Pilz allerdings häufig, sich sprunghaft zu vermehren und die typischen, unangenehmen Scheidenpilz-Symptome wie hartnäckiges Jucken auszulösen. Ein anderer häufiger Auslöser der Erkrankung sind Schmierinfektionen. Dabei werden Hefepilzsporen aus der Analregion vermehrt ins Scheidenmilieu "verschleppt". Das kann schnell passieren, wenn beim Toilettengang "von oben nach unten", statt umgekehrt gewischt wird. Mit schmutziger Unterwäsche oder Ungewaschensein hat ein Vaginalpilz aber absolut nichts zu tun.

Mythos 3: Mit Scheidenpilzinfektion nicht ins Schwimmbad

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Während einer Infektion mit Scheidenpilz ist Schwimmen gehen in den meisten Fällen vollkommen in Ordnung. Es ist allerdings hilfreich, dabei einige Dinge zu wissen und zu beachten:

  • Der Aufenthalt im Wasser lässt die Schleimhäute im Intimbereich aufquellen, dadurch wird das Eindringen von Pilzen erleichtert. Deshalb ist es wichtig, dass der nasse Badeanzug oder Bikini nach dem Schwimmen sofort ausgezogen und der Intimbereich sorgfältig abgetrocknet wird.
  • Ob und wie sich das Baden auf den Scheidenpilz auswirkt, hängt auch davon ab, wo Sie sich ins kühle Nass stürzen. In öffentlichen Schwimmbädern kann das gechlorte Wasser die empfindliche Scheidenflora angreifen und damit einen akuten Scheidenpilzbefall verschlimmern. Eine fetthaltige Salbe, die vor dem Baden im Intimbereich aufgetragen wird, kann diesen Effekt abmildern.
  • Meerwasser kann bei der Regeneration einer angegriffenen Scheidenflora sogar helfen: Das salzhaltige Wasser wirkt sich positiv auf die Schleimhäute aus.

Mythos  4: Vorm ersten Geschlechtsverkehr ist kein Vaginalpilz möglich

Scheidenpilz ist keine Geschlechtskrankheit und tritt in den meisten Fällen unabhängig von sexueller Aktivität auf. Bei Mädchen in der Pubertät sind fast immer hormonelle Schwankungen der Auslöser einer Scheidenpilzinfektion. Bei einem instabilen Hormonspiegel hat es der Erreger von Scheidenpilz besonders leicht, sich im empfindlichen Scheidenmilieu auszubreiten. Bei Mädchen und jungen Frauen verändert sich der Hormonspiegel häufig, zum Beispiel vor der ersten Menstruation oder wenn zum ersten Mal die Antibabypille eingenommen wird. Auch Schulstress, Liebeskummer und Ärger mit den Eltern können zu einer instabilen Hormonlage führen und einen Ausbruch von Scheidenpilz begünstigen. Bei Kindern kann sich eine Scheidenpilzinfektion entwickeln beispielsweise nach einer längeren Antibiotikagabe oder durch eine Candida-Überbesiedelung des Darms.

Mythos 5: Bei einer Candidose nichts Süßes essen

Die sogenannte "Anti-Pilz-Diät", bei der kein Zucker und wenig Kohlehydrate gegessen werden dürfen, kursiert seit Langem als alternatives Heilmittel gegen Scheidenpilz. Dahinter steckte die Idee, dass man Scheidenpilz durch zuckerarme Kost "aushungern" kann. Der Scheidenpilz-Erreger "Candida albicans" ernährt sich zwar tatsächlich von Zucker – die Annahme, dass zuckerfreie und kohlehydratarme Ernährung einen akuten Vaginalpilz-Befall eindämmen oder gar heilen kann, ist aber noch nie durch eine Studie belegt worden. Frauen, die an Scheidenpilz leiden, können die Erkrankung in den allermeisten Fällen schnell und unkompliziert mit einem Anti-Pilz-Medikament - meist in Form von Vaginaltabletten plus Salbe - aus der Apotheke bekämpfen. Während der Therapie ist durchaus auch mal etwas Süßes erlaubt!

Mythos  6: Mit Scheidenpilzinfektion direkt zum Arzt

In vielen Fällen können Frauen eine Scheidenpilzinfektion mit einem frei verkäuflichen Antipilz-Medikament aus der Apotheke (zum Beispiel Kadefungin) erfolgreich selbst heilen. Die Behandlung mit Vaginaltabletten und Salbe ist unkompliziert und dauert nur wenige Tage. Wenn eine Scheidenpilz-Infektion trotz Behandlung in kurzen Abständen immer wiederkehrt, sollte das Problem allerdings ein Gynäkologe abklären.

Mythos 7: Sauna hat mit Scheidenpilzen nichts zu tun

Wer ein Handtuch mit jemandem teilt, der einen Vaginalpilz hat, könnte sich daran infizieren. Wenn Sie das beachten und ihr eigenes Tuch zum Draufsetzen verwenden, sollten Sie in der Sauna keine Probleme haben, da es die Erreger bei den heißen Temperaturen deutlich schwerer haben. Anders ist das beim Dampfbad: Davon ist Frauen mit chronischer Scheidenpilzinfektion abzuraten.

Im Gegensatz zur heißen und trockenen Sauna herrscht im Dampfbad nämlich eine hohe Luftfeuchtigkeit. Sie erleichtert Pilzsporen die Vermehrung. Gleiches gilt für sogenannte Biosaunen. Sie sind im eigentliche Sinne keine Saunen, sondern "feuchte Warmluftbäder". Damit sich Krankheitskeime nicht ungehindert vermehren, wird das Wasser in öffentlichen Bädern gechlort. Genau da liegt das Problem von Frauen, die für Pilzinfektionen anfällig sind: Chlor greift die Scheidenflora an und mindert ihre Schutzfunktion. Manchmal lassen sich Pilzinfektionen auch auf allzu warme Schwimmbecken zurückführen, in denen fühlen sich Pilze doch sehr wohl. Manchmal hilft es jedoch, wenn Frauen eine Fettsalbe wie etwa Vaseline vor dem Sprung ins Wasser benutzen. Und: Ziehen Sie nach dem Baden sofort die feuchten Badesachen aus. Duschen Sie nach dem Schwimmen gründlich, trocknen Sie sich gut ab und ziehen Sie trockene Wäsche aus Baumwolle an. Synthetische Badekleidung verhilft schnell zu einem Wärme- und Feuchtigkeitsstau im Schritt. Beides potenzielle Pilzförderer und Auslöser für Scheideninfektionen. Wer sich mit chronischen Pilzinfektionen plagt, dem ist ein Urlaub am Meer sehr zu empfehlen, denn das Salzwasser hilft der Scheidenflora sich zu regenerieren.

Mehr zum Thema Scheidenpilz ist manchmal Urlaubssouvenir auf scheidenpilz.com

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