Sturzprophylaxe - Frakturen vermeiden

Bei Osteoporose: Stürze vermeiden

Wenn schwache Knochen und Sturzneigung zusammenkommen, drohen Frakturen. Schmerzen sind fast immer die Folge, oftmals auch der Verlust der Selbständigkeit. Daher ist es eminent wichtig, das Sturzrisiko abzuklären.

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Lieber einen Stock zu Hilfe nehmen als einen Sturz riskieren.
(iStockphoto)

Wer an Osteoporose leidet, hat eine höhere Knochenbruch-Neigung. Ohne auslösenden Sturz muss es aber nicht zu gravierenden Konsequenzen wie einer Fraktur kommen. Mit zunehmendem Alter und weiter abnehmender Knochendichte wird es allerdings immer wahrscheinlicher, dass ohne adäquate Behandlung Wirbelkörper auch ohne äußeren Anlass einbrechen. Etwas anders ist es bei einer Fraktur von Speiche oder Oberschenkelhalsknochen. Hier kommt meist ein Sturz als Auslöser hinzu. Allerdings sind dies klassischerweise Stürze aus geringer Höhe, beispielsweise aus dem Stand, die bei normaler Knochendichte ohne Konsequenzen geblieben wären.

Um diese Gefahr einschätzen zu können, wird bei Osteoporose-Patienten eine Sturzanamnese durchgeführt, d.h. geklärt, ob bereits Stürze ohne entsprechenden Auslöser aufgetreten sind. Ergänzend werden Koordination und Gangsicherheit mit einfachen funktionellen Tests überprüft, beispielsweise wird die Fähigkeit, fünf Minuten auf einem Bein zu stehen, getestet, die Zeit für eine Gehstrecke von fünf Metern gemessen oder die Fähigkeit, einige Minuten im Tandemstand, also ohne umzukippen mit beiden Füßen direkt hintereinander auf einer gedachten Linie zu stehen, überprüft. Ergeben sich Defizite, was bei Betagten eher die Regel, denn die Ausnahme ist, sollte mit Übungen gegengesteuert werden.

Stürze passieren meist, wenn eine andere Tätigkeit während des Gehens ausgeführt wird. In jungen Jahren klappt das ohne Probleme. Im Alter kann dies zu Überforderung führen, weil jede der Aktivitäten für sich die volle Aufmerksamkeit erfordert. Mit sogenannten Multitasking-Trainings kann die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, in diesem Fall stabil auf den Beinen zu bleiben, wenn der Kopf sich einer Aufgabe zuwendet, wiedererlangt werden. Daher sind sie für die Sturzprävention geeignet. Eine beliebte und effektive Art, Gleichgewicht und Gangsicherheit zu trainieren, ist das rhythmische Gehen oder Klatschen zu unterschiedlicher Musik, wobei vorgegeben ist, welche Bewegung zu welcher Musik erfolgen soll. In einer Schweizer Studie konnte durch dieses einfache Trainingsverfahren die Sturzrate nach sechs Monaten etwa halbiert werden. Mit Volkstanz lassen sich ähnliche Erfolge erzielen.

Häusliches Umfeld sicherer machen

Neben diesen dem Menschen eigenen Einschränkungen (intrinsische Faktoren) werden auch im Umfeld anzutreffende Risikofaktoren (extrinsische Faktoren) für einen Sturz ermittelt, beispielsweise im Rahmen eines Hausbesuchs. Dazu zählen zum einen Stolperfallen wie lose Ecken oder gewellte Teppiche - sie sollten mit Klebeband am Boden befestigt werden - oder herumliegende Lampenkabel. Zum anderen kann die Gefahr von schlecht sitzenden Schuhen, einer schlecht geputzten oder nicht an die aktuelle Sehstärke angepassten Brille oder auch von schlechter Beleuchtung ausgehen. All diese Risikofaktoren sollten überprüft und gegebenenfalls beseitigt werden.

Sturzvermeidung großgeschrieben

Ein wichtiger Risikofaktor für Stürze und Frakturen ist Untergewicht. Daher ist es im Alter eher besser, ein paar Kilo mehr zu wiegen. Die Pölsterchen können den Aufprall bei einem Sturz abmildern. Gelingt es nicht, das Untergewicht durch Essen auszugleichen, ist zu erwägen, ob eine sogenannte Hüftschutzhose (Hüftprotektor) als Schutz über Tag angezogen wird. Er ist eine Art seitlich gepolsterte Unterhose, die den Oberschenkelhals und die Hüfte vor Sturzfolgen schützt. Zur Sturzvermeidung gehört auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D.

Essen gegen Osteoporose

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. Januar 2011
Quellen: Broschüre zur Sturzprävention für Senioren: http://www.mgepa.nrw.de/pdf/gesundheit/senioren_sturzunfaelle_n.pdf; Download vom 15.12.2010 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Merkblatt Vermeidung von Stürzen bei älteren Menschen. http://www.gesundheitsinformation.de/merkblatt-vermeidung-von-stuerzen-bei-aelteren-menschen.203.de.html; Download vom 15.12.2010 Leitlinie des Dachverbandes Osteologie: http://www.dv-osteologie.org Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin: Ältere Sturzpatienten 2004 Trombetti A. et al. Effect of Music-based Multitask Training on Gait, Balance, and Fall Risk in Elderly People. Archives of Internal Medicine 2010; Online first: 22. November. doi:10.1001/archinternmed.2010.446

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