Schutzfaktor Vitamin D?

Krebs tritt in Ländern mit viel Sonne seltener auf

Jedes Jahr aufs Neue warnen Medien zu Recht vor zu langem Sonnenbaden und verweisen auf ständig steigende Hautkrebszahlen. Doch der Zusammenhang zwischen Sonne und Krebs ist weitaus vielschichtiger: Maßvoll genossen, ist Sonne auch ein Schutz – denn durch sie wird im Körper Vitamin D gebildet.

Frau nimmt Sonnenbad im Sommer
Sonne auf der Haut: Allzuviel ist ungesund. Zu wenig ist allerdings auch nicht zuträglich.
(c) George Doyle

UV-Licht gilt als der bedeutendste Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs, dessen Häufigkeit seit einigen Jahrzehnten dramatisch zunimmt. Doch gänzlich auf die Sonne zu verzichten, ist keine gute Empfehlung. So schützt Sonnenlicht vor zahlreichen Erkrankungen, auch vor einigen Arten von Krebs. Ein Effekt, der sich über das Vitamin D erklärt. Rund 90 Prozent des „Sonnenvitamins" muss der Mensch mithilfe von UV-Licht in der Haut herstellen. Gelingt ihm das infolge mangelnder Sonnenbestrahlung nicht, kann der resultierende Vitamin D-Mangel zahlreiche Krankheiten nach sich ziehen oder begünstigen: Knochenerkrankungen (Osteomalazie), Störungen des Kalizumstoffwechsels, Infektionserkrankungen, Herzkreislauferkrankungen, Autoimmunerkrankungen und andere. Offenbar, so zeigen es neuere Untersuchungen, können auch zahlreiche Formen von Krebs mit einem Mangel an Vitamin D in Verbindung stehen.

Was hat Vitamin D mit Krebs zu tun?

Die durch Sonne angeregte biologisch aktive Form des Vitamin D, das 1,25-Dihydroxivitamin D, wird demnach nicht nur – wie lange Zeit vermutet – in der Niere, sondern auch in fast allen anderen Organen gebildet. Dort reguliert 1,25-Dihydroxivitamin D verschiedene gewebespezifische Zellfunktionen, darunter das Zellwachstum: Es hemmt einerseits die Zellwucherung und löst andererseits die Zellreifung aus - Prozesse, die bei der Krebsentstehung von Bedeutung sind.

Nachweis des Zusammenhangs bei verschiedenen Krebserkrankungen

Studien trugen mittlerweile zahlreiche Indizien für den Zusammenhang zwischen einem Mangel an Sonne beziehungsweise Vitamin D und der Entstehung von Krebs zusammen. So fand sich beispielsweise bei einer Erhebung der Brustkrebsfälle in verschiedenen US-Bundesstaaten ein auffälliges Nord-Süd-Gefälle: In den nordöstlichen sonnenärmeren Bundesstaaten gab es doppelt so viele Frauen mit Brustkrebs wie in den sonnigen südwestlichen Staaten. Dieses Phänomen war nicht mit Ernährungsfaktoren zu erklären, sondern schien mit der unterschiedlichen Sonneneinwirkung zusammenzuhängen.

Eine weitere Studie zeigte, dass in den USA die Sterblichkeit an Dickdarm-Krebs in den Regionen mit wenig Sonne am höchsten ist. Umgekehrt hatten Erwachsene mit hohen Vitamin D-Spiegeln im Blut ein geringeres Risiko, an Dickdarm-Krebs zu erkranken. Forschungen in Europa ergaben ein ähnliches Bild. In sonnenreicheren Gefilden traten Dickdarm-, Eierstock-, Prostata- und Lymphknotenkrebs wesentlich seltener auf als in nördlichen Ländern. Zudem zeigte sich das Sterberisiko bei 17 Krebsarten gemindert, wenn die Betroffenen während ihres Lebens regelmäßigen Sonnenkontakt hatten.

Maßvoll schützt vor Krebs, zu viel Sonne schädigt

Experten sind sich mittlerweile einig: Bei regelmäßigem maßvollem Aufenthalt in der Sonne überwiegen die positiven Effekte des Sonnenlichts, bei intensiver übermäßiger Besonnung hingegen die negativen. Schon geringe Dosen an Sonnenlicht reichen aus, damit der Körper die nötigen Mengen an Vitamin D bilden kann. In Hinblick auf das hohe Risiko, einen Krebs der Haut zu bekommen empfehlen Experten, lieber häufig und kurz in die Sonne zu gehen als selten und lange. Dabei sollten der Aufenthaltsort und der Hauttyp beachtet werden. Je intensiver die Sonneneinstrahlung und je heller der Hauttyp, desto geringer sollte der ungeschützte Sonnenkontakt sein. Empfohlen werden höchstens fünf bis 15 Minuten pro Tag. Vitamin D durch gelegentlich intensives Sonnenbestrahlen auf „Vorrat“ zu bilden, scheint offenbar nicht möglich zu sein. Es wird daher geraten, einen echten Vitamin D-Mangel nicht durch UV-Licht, sondern über die Ernährung oder in bestimmten Fällen Nahrungsergänzungsmittel auszugleichen.

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