Wenn Kinder den Urin nicht halten können

Diagnose bei Bettnässen: Was passiert beim Arzt?

Wenn am Morgen das Bettlaken im Kinderzimmer mal wieder auffallend feucht ist und auch tagsüber der rechtzeitige Gang zur Toilette einfach nicht klappen will, wächst bei vielen Eltern die Sorge. Was steckt bloß dahinter? Sicherheit kann ein Arztbesuch bringen.

Diagnose bei Bettnässen: Was passiert beim Arzt?
Wenn Kinder es fortlaufend nicht rechtzeitig aufs Klo schaffen, sollten die Ursachen abgeklärt werden.
©iStock.com/3sbworld

Das nächtliche Einnässen (Enuresis nocturna) ist bei Kindern ein häufiges Phänomen. So sind etwa fünfzehn Prozent der Fünfjährigen vom nächtlichen Bettnässen betroffen, bei den Jugendlichen sind es ungefähr ein bis zwei Prozent. Aber auch das Einnässen am Tag – bedingt durch kindliche Blasenschwäche - ist keine Seltenheit. Eine Blasenschwäche kommt bei zwei bis drei Prozent der sieben Jahre alten Kinder und bei einem Prozent der Jugendlichen vor.

In den wenigsten Fällen ist Bettnässen jedoch Anzeichen für eine Krankheit, sondern hängt vielmehr mit einer verhältnismäßig langsamen Entwicklung der Blasenkontrolle zusammen. Aber auch ein seelisches Problem kann hinter der Enuresis dahinter stecken.

Bettnässen aus medizinischer Sicht

Vom Bettnässen im medizinischen Sinn (Enuresis nocturna) sprechen Ärzte erst, wenn ein Kind nach dem fünften Lebensjahr noch an mindestens zwei Nächten im Monat einnässt. Mediziner unterscheiden zwischen der primären und der sekundären Enuresis.

  • Eine primäre Enuresis liegt vor, wenn das Kind seit der Geburt noch nie über einen längeren Zeitraum trocken war. Hier nimmt man als Ursache für das Bettnässen eine Verzögerung in der Entwicklung an: Es dauert in diesen Fällen lediglich etwas länger, ehe die Blase auch nachts kontrolliert werden kann. Häufig gibt es dazu eine familiäre Veranlagung. Die primäre Enuresis ist mit 75 bis 80 Prozent die häufigere Form.
     
  • Bei der wesentlich selteneren sekundären Enuresis nässt das Kind nachts plötzlich wieder ein, nachdem es bereits mehrere Monate trocken war. Bei dieser Form von Bettnässen scheinen psychische Ursachen eine Rolle zu spielen, denn häufig tritt sie mit plötzlichen Veränderungen im Leben des Kindes ein. Etwa wenn ein neues Geschwisterkind geboren wird, wenn sich die Eltern trennen oder den Wohnort wechseln.

Schimpfen oder Strafen hilft bei Bettnässen nicht

Den meisten Kindern mit Enuresis ist das Bettnässen sehr peinlich. Ältere kapseln sich vielfach von ihrer Umgebung ab, wollen nicht bei Freunden übernachten oder an einem Schulausflug teilnehmen. Eltern sollten auf das Bettnässen keinesfalls mit Vorhaltungen oder, schlimmer noch, mit Strafe reagieren. Ein Besuch beim Kinderarzt ist bei Enuresis in jedem Fall hilfreich. Dieser untersucht zunächst, ob eine körperliche Erkrankung, wie etwa ein Harnwegsinfekt, ausgeschlossen werden kann. Danach versucht der Mediziner in einem ausführlichen Gespräch herauszufinden, ob der kleine Patient an seelischen Problemen leidet oder ob das Bettnässen lediglich auf eine vergleichsweise langsame Entwicklung zurückzuführen ist. In beiden Fällen helfen Eltern ihrem Kind am besten mit viel Verständnis und vor allem mit Geduld.

Gespräch und Untersuchung beim Arzt

Im Zweifelsfall lohnt daher der frühzeitige Gang zum Arzt. Hier kann die genaue Diagnose gestellt und die Ursache des Problems in Angriff genommen werden.

Zur Diagnose kann der Arzt auf verschiedene Verfahren zurückgreifen. Am Anfang steht das ausführliche Gespräch mit dem Kind und den Eltern (Anamnese). Im Fokus des Interesses stehen unter anderem:

  • Häufigkeit der Toilettengänge
  • Urinmenge beim Toilettengang
  • Trinkmenge
  • Probleme beim Stuhlgang
  • Unfreiwilliger Harnabgang: Wann tritt er besonders auf (nachts? tagsüber?)
  • Begleitsymptome: zum Beispiel schmerzhaftes Wasserlassen und Bauchschmerzen – Verdacht auf Harnwegsinfekt

Weitere Aspekte sind unter anderem Entwicklungsstand des Kindes, die familiäre Situation, bisherige Untersuchungen und ggf. eingeleitete Therapien.

In der Regel schließt sich der Anamnese die körperliche Untersuchung an. Eventuell können dabei Veränderungen festgestellt werden, die für eine zugrunde liegende Erkrankung sprechen würden.

Urinuntersuchung und Blasentagebuch

Der Anamnese und körperlichen Untersuchung können verschiedene weitere Maßnahmen folgen. Dazu gehört unter anderem die Analyse einer Urinprobe mithilfe eines Teststreifens. Eine vermehrte Bakterienanzahl spricht dabei möglicherweise für eine Harnwegsinfektion.

Im Rahmen der Diagnostik spielt auch das Blasentagebuch eine wichtige Rolle. Hier werden über einen Zeitraum von zwei bis drei Tagen Angaben etwa zu der Häufigkeit der Toilettengänge, der Menge des Urins oder der Frequenz des nächtlichen Einnässens gesammelt. Auch die Trinkmenge wird in einem derartigen Blasentagebuch erfasst. Da das Ausfüllen möglichst detailliert und fehlerfrei erfolgen sollte, ist hier die tatkräftige Unterstützung der Eltern gefragt.

Weitere Untersuchungsmethoden

Um die Harnblase, aber auch weitere Organe wie Niere oder Harnleiter genau beurteilen zu können, führt der Arzt gegebenenfalls eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs durch. So erkennt er eventuelle Veränderungen der Harnblase oder er bestimmt die Menge des Urins, der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt (Restharn). Eine weitere mögliche Untersuchung ist die Uroflowmetrie, bei der der Urinfluss während der Blasenentleerung bestimmt wird.

Behandlung richtet sich nach der Ursache

Oft lässt sich mit diesen relativ einfachen Maßnahmen feststellen, was die Ursache für die Probleme ist. Besteht eine sogenannte organische Blasenschwäche (ausgelöst beispielsweise durch einen Organschaden etwa im Rückenmark oder im Bereich der Nieren), können weitere diagnostische Methoden wie eine Magnetresonanztomographie (MRT)  folgen.

In den meisten Fällen ist die Blasenschwäche jedoch nicht organisch bedingt, Mediziner sprechen dann von einer funktionellen Blasenschwäche. In diesem Fall können unterschiedliche Therapieoptionen (zum Beispiel Blasenschulung, psychotherapeutische Ansätze, Medikamente) hilfreich sein. Welche Behandlungsform im individuellen Fall die Richtige ist, gilt es im Gespräch zwischen Arzt, Eltern und Kind zu klären.

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