Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Was hilft?

Beim kreisrunden Haarausfall greift das Immunsystem die eigenen Haarwurzeln an. Es kommt dadurch zu kahlen, runden Stellen auf dem Kopf, in den Augenbrauen oder im Bart. Was die Ursachen sind und was hilft, lesen Sie hier.

Kreisrunder Haarausfall (alopecia areata)
Typischer beginnender kreisrunder Haarausfall bei Alopecia areata.
© iStock.com/WIRUL KENGTHANKAN

Mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland leiden unter kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata). Es ist nach dem erblich bedingten Haarausfall bei Männern (Alopecia androgenetica) die zweithäufigste Form des Haarausfalls. Von kreisrundem Haarausfall sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen. Bei Kindern tritt die Krankheit hauptsächlich im Alter von drei bis zwölf Jahren auf.

Im Überblick:

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Ursachen des kreisrunden Haarausfalls

Beim kreisrunden Haarausfall handelt es sich vermutlich um eine erbliche Autoimmunerkrankung, bei der auch äußere Faktoren Einfluss haben. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Haarwurzeln von Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) und anderen Immunzellen angegriffen werden. Die genauen Ursachen der Alopecia areata sind noch unklar. Fest steht, dass die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Menschen mit kreisrundem Haarausfall sind häufig auch von anderen entzündlichen und Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis, Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow und Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) betroffen.

Warum und wann eine Alopecia areata auftritt, warum die Haare Zentimeter neben einem Alopezie-Areal völlig normal wachsen oder warum es zu einer spontanen Heilung kommt, ist nicht geklärt. Psychischer Stress, Infektionen und Umwelteinflüsse werden als Auslöser diskutiert, sind aber bisher nicht bewiesen.

So zeigt sich kreisrunder Haarausfall

Die akute Alopecia areata beginnt mit akutem Haarverlust in Form von scharf abgegrenzten runden Arealen auf dem Kopf, an den Augenbrauen oder am Bart. Prinzipiell können alle behaarten Körperbereiche vom kreisrunden Haarausfall betroffen sein. Dabei können die ersten Symptome in jedem Alter auftreten. Die Stärke der Symptome und der Verlauf der Erkrankung können individuell sehr unterschiedlich sein. Folgende Formen des kreisrunden Haarausfalls gibt es:

  • Alopecia reticularis: mildeste Form mit kreisrunden, haarlosen Bereichen auf dem Kopf oder an anderen Körperpartien

  • Alopecia totalis: vollständiger Verlust der Kopfbehaarung

  • Alopecia universalis: vollständiger Verlust der Kopf- und Körperbehaarung

Je nach Form und Schwere des kreisrunden Haarausfalls können weitere Symptome, wie Veränderungen der Zehen- und Fingernägel (Tüpfel- und Sandpapiernägel), hinzukommen.

Diagnose: So wird Alopecia areata festgestellt

Der richtige Ansprechpartner bei kreisrundem Haarausfall ist der Dermatologe. Er fragt nach dem Verlauf und der Krankheitsgeschichte (Anamnese) und inspiziert die betroffenen Stellen. Beim kreisrunden Haarausfall sind diese sehr typisch, da sie meist scharf begrenzt und fleckig sind. Außerdem werden auf weitere Symptome wie Rötung oder Schuppung geachtet, wie sie bei Schuppenflechte, die auch vorübergehend zu Haarausfall führen kann, auftritt. Im Anschluss wird die Kopfhaut dermatoskopisch untersucht. Ein Haarzugtest mit anschließendem Tricho(rhizo)gramm gibt Auskunft über die Wachstumsstadien der Haarwurzeln: Dazu werden 20 bis 50 Haare epiliert und die Haarwurzeln mikroskopisch untersucht.

Das Blut kann im Labor auf bestimmte Parameter wie Eisenmangel oder eine Schilddrüsenerkrankung untersucht werden, um andere Ursachen auszuschließen. Bei Frauen kann auch ein Hormonstatus hilfreich sein.

Therapie: Was hilft wirklich bei Alopecia areata?

Bis heute wurde keine wirklich dauerhaft erfolgreiche Behandlung für den kreisrunden Haarausfall gefunden. Es können lediglich die Symptome gemildert, aber nicht die Krankheit behoben werden, weshalb es oft nach Absetzen der Therapien zum erneuten kreisrunden Haarausfall kommt. Viele Ärzte empfehlen deshalb, gerade bei mildem Verlauf, zunächst abzuwarten, da die Spontanheilungsrate innerhalb eines Jahres bei 75 bis 80 Prozent liegt. Allerdings ist dies für viele Menschen schwer auszuhalten, da der kreisrunde Haarausfall sichtbar ist und das Erscheinungsbild stark beeinflusst.

Mögliche Therapieansätze bei Alopecia areata sind:

  • Kortison (Glukokortikoide): äußerliche Anwendung für einige Wochen unbedenklich, aber Wirksamkeit nicht belegt

  • Zink (zur Beeinflussung des Immunsystems): aufgrund des geringen Nebenwirkungsrisikos vor allem bei Kindern sinnvoll

  • Januskinase-Inhibitoren: Substanzen, die Zellen des Immunsystems und Entzündungsbotenstoffe sehr spezifisch hemmen und heute bereits gegen schwere Rheuma- und Knochenmarkserkrankungen eingesetzt werden. Werden kontrovers diskutiert.

  • Topische (äußerliche) Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon oder Quadratsäure-Dibutylester: Vielversprechender Ansatz, der eine Hautallergie hervorruft, bei der nach Abklingen wieder Haarwachstum stattfinden soll. Die Wirksamkeit beträgt 30 bis 80 Prozent.

Weitere Therapieansätze beim kreisrunden Haarausfall, bei denen die Wirksamkeit nicht belegt ist, sind beispielsweise die Lichttherapie oder die Behandlung mit Metothrexat.

Verlauf und Prognose des kreisrunden Haarausfalls

Bei kreisrundem Haarausfall sind Verlauf und Prognose individuell sehr unterschiedlich. Bei einem Drittel der Betroffenen mit erstmaligen Symptomen verschwindet Alopecia areata innerhalb der ersten sechs Monate wieder, nach einem Jahr sind bis zu 80 Prozent der Betroffenen wieder ohne Symptome.

Bei manchen Menschen treten nur einmalig wenige kahle Stellen auf, die dann spontan wieder verschwinden, bei anderen kommen immer neue Stellen mit Haarausfall hinzu, auch wenn vorhandene betroffene Stellen wieder zuwachsen. Dann gibt es Betroffene, die unter vielen größeren kahlen Stellen leiden, die über Jahre bestehen bleiben. Schlussendlich gibt es auch Menschen, bei denen mit Alopecia areata seit vielen Jahren völlige Haarlosigkeit besteht.

Die Prognose ist umso schlechter:

  • je früher im Kindesalter der kreisrunde Haarausfall erstmalig auftritt
  • je ausgedehnter die betroffenen Stellen sind und je länger sie bestehen
  • wenn die Finger- und Zehennägel betroffen sind
  • wenn weitere Autoimmunerkrankungen oder Neurodermitis vorliegen
  • wenn der kreisrunde Haarausfall bei einer anderen Person in der Familie vorhanden ist

Für Menschen, die dauerhaft vom kreisrunden Haarausfall betroffen sind, kann es sinnvoll sein, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen und mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Vorbeugen

Bisher gibt es keine Möglichkeit, dem kreisrunden Haarausfall vorzubeugen, da er vermutlich erblich bedingt ist. Stress sollte im Rahmen einer gesunden Lebensführung gering gehalten beziehungsweise ausgeglichen werden.

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