Wenn konzentrieren unmöglich wird

ADHS bei Erwachsenen oft unerkannt

Blonde Frau denkt nach
ADHS: so viel zu tun, doch die Gedanken schweifen ständig ab.
Getty Images/iStockphoto

Die Einen müssen „nur noch schnell die Welt retten“. Andere verschieben lieber alles auf „morgen“. Hinter diesen Liedzeilen könnte mehr als nur gelebte Alltagshektik stecken,  doch die Betroffenen ahnen es selbst nicht. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitäts-Störung) bei Kindern und Jugendlichen ist bekannt. Aber auch Erwachsene können davon betroffen sein.

Die Einen müssen „nur noch schnell die Welt retten“. Andere verschieben lieber alles auf „morgen“. Hinter diesen Liedzeilen könnte mehr als nur gelebte Alltagshektik stecken,  doch die Betroffenen ahnen es selbst nicht. ADHS (Aufmerksamkeits defizit- / Hyperaktivitäts-Störung) bei Kindern und Jugendlichen ist bekannt. Aber auch Erwachsene können davon betroffen sein.

„Dass ADHS auch im Erwachsenenalter eine große Rolle spielt, ist erst in den letzten Jahren so bewusst geworden. Ursprünglich ist man davon ausgegangen, [dass es] am Ende der Pubertät [nach]lässt“, sagt Chefarzt Alexander Marcus von der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier.

Der Zappelphilipp ist das Sinnbild der ADHS: Ständig in Bewegung und permanent unruhig. Dieses Symptom tritt zwar nach der Pubertät zurück und die Impulsivität, die sich meist durch lautes Schreien, aggressives Verhalten und Wutausbrüchen äußert, wird dann zunehmend stärker kontrollierbar. Was aber bleiben kann oder erst dann erkennbar wird, sind die Konzentrationsschwäche und die ständige Vergesslichkeit.

Leben mit ADHS

In der Folge kommt es häufig zu Schwierigkeiten in der Schule, später im Studium oder Berufsleben setzen sich die Probleme fort. Selbst alltägliche Aufgaben wie das Zähneputzen werden von ADHS-Patienten häufig einfach „verschwitzt“. Marcus nennt Beispiele: Eine Hausfrau fängt ständig neue Tätigkeiten an, ohne etwas zu Ende zu bringen. Ein Jugendlicher, der eine Ausbildung nach der anderen abbricht. Und ein Erwachsener, der einen Job nach dem anderen annimmt. „Man setzt sich ständig unter Druck und denkt, man leistet nichts. Dabei hat man unheimlich viel gemacht, nur nichts zu Ende gebracht“, beschreibt Marcus exemplarisch die Situation seiner Patienten.

Besonders alarmierend: Die Gefahr drogensüchtig oder straffällig zu werden ist bei Erwachsenen mit der ADH-Störung deutlich erhöht. Da Abläufe nicht zu Ende gedacht werden können, wird häufig Neues ausprobiert, ohne an die Konsequenzen zu denken.

Ein anderer Fall aus der Klinik beschreibt einen Patient, der im Geschäft schlichtweg vergessen hatte, dass er die Waren auch bezahlen muss. Wird eine ADHS frühzeitig erkannt, so kann dem Betroffenen geholfen werden, noch bevor es soweit kommt.

Wege zur Behandlung gibt es

Die Behandlung der ADHS besteht meist aus einer Mischung von Therapie, Beratung und Medikamenten. Doch dazu muss diese erst einmal erkannt werden. Die Störung selbst tragen die Betroffenen seit ihrer Kindheit in sich: „Je schlauer jemand ist, desto später fällt es auf.“, stellt Marcus fest. Über lange Zeit könne so tatsächlich über eine ADHS hinweggetäuscht werden. Wenn man dann im Studium aber für ein Examen oder die Abschlussprüfung der Ausbildung lernen müsse, sind die Betroffenen plötzlich nicht mehr dazu fähig sich zu konzentrieren oder weiter zu lernen.

Hilfe für Erwachsene mit ADHS

Bei Kindern schätzt der Experte den Anteil von Betroffenen mit ADHS auf fünf bis sechs Prozent. Dementsprechend niedriger liegt die Zahl der Erwachsenen, die nach der Pubertät betroffen sind. Bundesweit hält Marcus einen Bevölkerungsanteil von zwei bis drei Prozent für wahrscheinlich, die derartige Probleme mit Konzentration und Aufmerksamkeit haben. Spätestens im Erwachsenenalter muss aber dann geklärt werden, woher die ADHS kommt.

Der Chefarzt betreut derzeit mehr als 100 ADHS-Betroffene und stellt dabei immer wieder fest, dass viele seiner Patienten „ein Riesenproblem“ damit haben, mit ihren eigenen Emotionen umzugehen: Trauer, Wut, Zorn und Angst wechselten sich ab, ohne dass es dafür konkreten Anlass gäbe. Doch aufgrund der insgesamt geringen Anzahl an Betroffenen, ist es nach den Erfahrungen des Psychiaters schwer, einen Spezialisten für die Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter zu finden.

Den Weg zum Psychologen finden die Betroffenen meist nicht, da ihre Probleme selbst  nicht erkennen. Somit lastet auf dem Umfeld und den Angehörigen die Aufgabe, die ADH-Störung zu erkennen und dann zu helfen. Der Lifeline Ratgeber über ADHS hilft dabei die Symptome richtig zu erkennen und das eigene Verhalten, sowie das Anderer, zu verstehen. Die Tipps für Eltern erleichtern den Umgang miteinander und zeigen Wege aus der Störung.

Anzeichen für ADHS bei Erwachsenen

Autor: Andreas Gill / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 29. August 2012
Quellen: mit Material der dpa

Lifeline-Fan auf Facebook werden

Weiterführende Artikel

Zum Seitenanfang