Misshandlung

Kranke Psyche durch Gewalt im Kindesalter

Kranke Psyche durch Gewalt im Kindesalter
Prügel und andere Gewalterfahrungen in der Kindheit können das Risiko für spätere psychische Störungen erhöhen.
Getty Images/iStockphoto

Wer als Kind misshandelt wurde, hat als Erwachsener ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen. Darauf deutet eine US-amerikanische Studie hin.

Misshandlungen während der Kindheit können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und erhöhen damit das Risiko für psychische Störungen im Erwachsenenalter. Das hat eine Studie der Harvard Medical School (Belmont, Massachusetts) ergeben, über die in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichtet wurde.

Forscher analysieren Gewalterfahrung

Im Rahmen der Studie waren 73 Männer und 120 Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren nach Misshandlungen verschiedenster Art in ihrer Kindheit gefragt worden, etwa nach körperlicher Gewalt, sexuellem Missbrauch, Beschimpfungen und emotionaler Vernachlässigung, aber auch nach anderen Stressfaktoren wie Trennungen oder Probleme der Eltern. Von den Befragten gaben 46 Prozent an, keine Erfahrungen mit Misshandlungen gemacht zu haben, während 16 Prozent über drei oder mehr Formen von Gewalterfahrung berichteten.

Anschließend wurden von den Gehirnen der Probanden Aufnahmen mit einem Kernspin-Gerät gemacht. Die Forscher vermaßen den Hippocampus und betrachteten vor allem drei Schlüsselgebiete. Dabei zeigte sich, dass die drei analysierten Schlüsselgebieten bei in ihrer Kindheit misshandelten Studienteilnehmer um 5,8 bis 6,5 Prozent kleiner waren als bei den anderen Probanden.

Stress beeinträchtigt Gehirnentwicklung

Vorhergehende Studien hatten bereits gezeigt, dass Zellen dort ein Hormon als Reaktion auf Stress ausschütten, wenn das Gehirn noch nicht ganz ausgereift ist. Die Forscher der Harvard Medical School mutmaßen, dass die Entwicklung der Nervenzellen des Hippocampus möglicherweise durch ein Übermaß des Stresshormons gestört wird. Am anfälligsten sei die Region vermutlich im Alter von drei bis fünf Jahren.

Veränderungen im Hippocampus wurden laut Studie bereits bei einer ganzen Reihe von psychischen Erkrankungen beobachtet, beispielsweise bei , Schizophrenie, Posttraumatische Belastungsstörungen und Borderline.

Die Studie könnte nach Meinung der Autoren deshalb auch zur Klärung beitragen, warum Menschen, die in der Kindheit Gewalt erlebten, häufiger an psychischen Krankheiten leiden.

Autor: dpa / rs
Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2012

Neueste Fragen aus der Community
Aktuelle Top-Themen
Wann Cannabis-Anbau zur Therapie erlaubt ist
"Gebt das Hanf frei"

Kölner Gericht segnet Hanf-Anbau zur Selbstmedikation ab - aber nur in bestimmten Fällen mehr...

Spinne am Morgen vertreibt Angst und Sorgen
Therapie der Arachnophobie

Wieso sich eine Arachnophobie morgens erfolgreicher behandeln lässt mehr...

Menschliche Zellen erstmals von HIV befreit
Durchbruch in der Aids-Therapie?

Forscher vermuten Durchbruch in der Therapie der bislang unheilbaren Immunschwäche Aids mehr...

Anti-Keim-Folie verhindert OP-Infektionen
Gefahr bei Bauchoperationen

Wundinfektionen sind die häufigste Komplikation nach Operationen mehr...

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Ratgeber
  • NagelpilzNagelpilz

    Nagelpilz ist häufig ein verschleppter Hautpilz. Erfahren Sie mehr über Erkrankung und Behandlung

  • AllergieAllergie

    Bei Kindern treten sie gehäuft auf und jeder vierte Erwachsene quält sich: Allergien. Alles zum Thema

  • SchönheitsoperationenSchönheitsoperationen

    Von Brustvergrößerung bis Fettabsaugen: Alle wichtigen Infos zu den häufigsten Schönheits-OPs

Zum Seitenanfang