Wichtige Messgröße

Der Pearl Index – so sicher sind Verhütungsmittel

Der Pearl Index dient als Entscheidungshilfe für oder gegen ein Verhütungsmittel. Er gibt an, wie zuverlässig eine Schwangerschaft verhindert wird. Grundsätzlich gilt: je kleiner der Pearl Index, desto sicherer die Verhütung. Doch der Pearl Index ist nur eine theoretische Größe und lässt wichtige praktische Entscheidungskriterien außer Acht.

Antibabypille und Kondom
Mit Hilfe des Pearl Index lässt sich die Sicherheit einzelner Verhütungsmethoden wie Pille oder Kondom vergleichen.
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Der Pearl Index ist eine Messgröße, um die Zuverlässigkeit von Verhütungsmitteln beurteilen und vergleichen zu können. Er gibt an, wie viele Frauen unter Verwendung einer bestimmten Verhütungsmethode ungewollt schwanger werden. Je kleiner der Pearl Index, desto sicherer und zuverlässiger ist die Methode. Genaugenommen ermittelt er also die Versagerquote eines Verhütungsmittels.

Die Berechnung des Pearl Index funktioniert dabei folgendermaßen: 100 Frauen verhüten ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode und am Ende wird gezählt, wie viele von ihnen schwanger geworden sind.

Alternativen zur Pille

An einem Beispiel wird es deutlicher: Wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit Kondomen verhüten und regelmäßig Geschlechtsverkehr haben, werden zwei bis 12 von ihnen trotz Kondom schwanger. Kondome haben also einen Pearl Index von 2-12. Wie man an den Zahlen schon sehen kann, ist der Pearl Index eine Größe, die in der Praxis großen Schwankungen unterworfen ist. Deshalb findet man auch immer wieder unterschiedliche Angaben zu ein und demselben Verhütungsmittel. Außerdem sagt er nichts darüber aus, warum die Methode im Einzelfall versagt hat.

Wie wird der Pearl Index berechnet?

Der Pearl Index geht zurück auf den amerikanischen Biologen Raymond Pearl. In den 1920er und 30er Jahren forschte er intensiv zum Thema Fruchtbarkeit und überlegte, wie man sie wissenschaftlich und statistisch erfassbar machen könnte. Dabei bezog er in seine Untersuchungen auch Parameter wie die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, die Zahl der aufgetretenen Schwangerschaften, die Anzahl der Fehlgeburten und lebendgeborenen Kinder mit ein. Heute wird nur noch eine vereinfachte Version des ursprünglichen Pearl Index verwendet. Berechnet wird er aber immer noch nach der von Raymond Pearl entwickelten Methode:

Pearl-Index = (Schwangerschaften x 12 Monate x 100) : (Anwendungsmonate x Teilnehmerinnen der Studie)

Damit der Wert vergleichbar ist, wird er auf 100 Frauen umgerechnet und sagt damit aus, wie viele von 100 Frauen ungewollt schwanger werden, wenn sie mit der Methode ein Jahr lang verhüten. Bei der Antibabypille wird der Pearl Index meist mit 0,1 - 0,9 angegeben. Das bedeutet, dass von 100 Frauen, die die Pille einnehmen, theoretisch nur 0,1 bis 0,9 in diesem Jahr schwanger werden. Auf 1.000 Frauen hochgerechnet sind es also eine bis neun.

Zum Vergleich: Ohne jede Verhütung liegt der Pearl Index auf ein Jahr gesehen bei 85 für junge Frauen um die 20 Jahre, fällt dann bei 35-Jährigen auf 50 und bei 40-Jährigen auf 30.

Jedes Mal, wenn ein neues Verhütungsmittel auf den Markt kommt, muss der Pearl Index ermittelt werden. Die Hersteller sind zur Durchführung dieser Studien verpflichtet. Doch Vorsicht: Oft sind sie aufgrund geringer Panelzahlen nicht sehr repräsentativ und wenig aussagekräftig. Wenn bei digitalen Verhütungscomputer oder Verhütungsapps ein Pearl Index von 2 oder 3 angegeben wird, ist ein gesundes Maß an Skepsis angebracht.

Pearl-Index-Tabelle: Sicherheit der wichtigsten Verhütungsmethoden im Überblick

Methode Pearl Index*
Pille 0,1 - 0,9
Minipille 0,8 - 1,5
Vaginalring 0,4 - 0,6
Hormonspirale ca. 0,1
Kupferspirale 0,5 - 2,7
Hormonpflaster 0,7 - 0,9
Hormonimplantat 0 - 0,08
Dreimonatsspritze 0,3 - 1,4
Temperaturmethode 0,8 - 3
Symptothermale Methode (NFP) 0,3 - 2
Billingsmethode (Zervixschleimbeobachtung) 5 - 32
Kondom 2 - 12
Schaumtabletten/Spermizide 5 - 29
Diaphragma mit Spermizid 1,3 - 4
Portiokappe mit Spermizid 2 - 4
Knaus-Ogino-Methode(Kalendermethode) 9
Coitus Interruptus ("Aufpassen") 10 - 38
Sterilisation 0,01 - 0,06
Pille danach 2
Ohne Verhütung 85

* Anm.: Zahlen vgl. Pschyrembel 2018 und DGGG

Wie finde ich die richtige Verhütungsmethode für mich?

Durch den Pearl Index kann man Verhütungsmittel und ihre Sicherheit gut miteinander vergleichen. Frauen, die auf gar keinen Fall schwanger werden möchten, werden Methoden mit sehr niedrigem Pearl Index vorziehen wie die Antibabypille oder die Hormonspirale. Frauen in festen Beziehungen und mit späterem Kinderwunsch sind vielleicht auch mit einer weniger sicheren Methode zufrieden.

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Auch bleibt zu berücksichtigen, ob man hormonellen Verhütungsmitteln gegenüber positiv oder negativ eingestellt ist, ob die Methode zusätzlich vor Geschlechtskrankheiten schützen soll und ob die Familienplanung abgeschlossen ist und entsprechend auch endgültige Schritte wie eine Sterilisation in Frage kommen. Der Pearl Index ist hier eine gute Entscheidungshilfe.

Theorie und Praxis: Methodensicherheit und Anwendungsfehler

Das Problem mit dem Pearl Index: Er sagt erst einmal nichts darüber aus, warum die Methode versagt hat. Häufig wird deshalb noch zusätzlich zwischen der reinen Methodensicherheit und der Anwendungssicherheit unterschieden.

  • Die Methodensicherheit gibt die Zahl der Schwangerschaften an, zu der es unter optimaler Anwendung ohne Anwendungsfehler gekommen ist. Sie liegt meist deutlich niedriger als die Anwendungssicherheit. Man bezeichnet dies auch als Perfect use oder Method Pearl Index.

  • Die Anwendungssicherheit ist der tatsächliche Wert, der Anwendungsfehler in der Praxis mit enthält. Er liegt meist wesentlich höher und kann auch stark schwanken. Das ist der Wert, der beim klassischen Pearl Index normalerweise angegeben wird.

Mythen übers Verhüten

Beide Werte können zum Teil erheblich voneinander abweichen. Bei optimaler Anwendung gehört das Kondom beispielsweise zu den sicheren Verhütungsmitteln mit einem Method Pearl Index von 0.6. Kommt es aber zu Anwendungsfehlern – und die sind gerade beim Kondom häufig – liegt die Sicherheit nur mehr bei 2 bis 12. Die hohe Fehlerquote bei Kondomen beruht in erster Linie auf nicht sachgemäßer Anwendung, falscher Kondomgröße oder falscher Lagerung.

Ebenso groß ist der Unterschied bei der Pille: Korrekt eingenommen ist die Pille nahezu 100 Prozent sicher. Bei Einnahmefehlern wie Erbrechen oder Vergessen der Pilleneinnahme sinkt die Sicherheit jedoch. Auch Medikamente können die Wirkung herabsetzen und dazu führen, dass man trotz Pille schwanger wird.

Darüber hinaus berücksichtigt der Pearl Index persönliche Faktoren eines Paares nicht, denn bei jungen Paaren tritt eine Schwangerschaft schneller ein, das Gleiche gilt, wenn ein Paar sexuell sehr aktiv ist. Außerdem ist davon auszugehen, dass ausreichend Erfahrung mit einer Methode zu höherer Sicherheit führt.

Der Pearl Index ist also ist eine Entscheidungshilfe, sollte aber nicht das einzige Kriterium für die Wahl einer Methode sein. Im Einzelfall sollte man immer auch die persönliche Lebenssituation eines Paares, die Motivation für Verhütung und die Erfahrung und Sorgfalt bei der Anwendung des Mittels einbeziehen.

Hormonspirale – häufige Fragen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2018
Letzte Änderung durch: Silke Stadler

Quellen: DGGG: Leitlinie zur Empfängnisverhütung, AWMF 015/015 (Stand 2010); Arbeitsgruppe NFP: Natürlich & sicher – Das Praxisbuch. Stuttgart, 2011; Online-Informationen von ProFamilia: der Pearl Index (Abgerufen am 09.05.2018); Pearl, Raymond: Factors in Human Feritility and their statistical evalutation, the Lancet Vol. 222, Baltimore 9.9.1933; Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Verlag, Berlin, 2018; Amboss Medizinwissen: www.miamed.de/amboss (abgerufen am 09.05.2018)

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