Verträglichkeit und Nebenwirkungen der Hormonspirale

Die Hormonspirale ist komfortabel und sicher – einmal eingesetzt kann sie bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Doch manche Frauen beobachten anfangs Veränderungen, die sie verunsichern. In der Regel sind solche Auffälligkeiten harmlos und verschwinden von selbst. Bei manchen Nebenwirkungen sollten Anwenderinnen aber ihren Frauenarzt aufsuchen.

Frau hält sich den Unterleib
Die Hormonspirale gilt als gut verträglich. Zu Nebenwirkungen kommt es vor allem in der Eingewöhnungsphase. Dann treten etwa Zwischenblutungen, Schmerzen, Übelkeit oder Ödeme auf.
© iStock.com/STEFANOLUNARDI

Die Hormonspirale verhütet, wie die Pille auch, eine Schwangerschaft auf hormonellem Weg. Im Gegensatz zur Pille wirkt das von ihr freigesetzte Gestagen Levonorgestrel jedoch vorwiegend lokal in der Gebärmutter. Ins Blut gelangt es nur in geringen Mengen, sodass eine Wirkung durch Levonorgestrel außerhalb der Gebärmutter kaum auftritt. Daher ist die Hormonspirale sogar für die Stillzeit eine geeignete Verhütungsmethode.

Hormonspirale greift kaum in Zyklus ein

Da das Hormon der Hormonspirale Levonorgestrel kontinuierlich in geringen Mengen freigesetzt wird, werden Schwankungen der Hormonkonzentration im Blut, wie sie bei der Pille vorkommen, vermieden.

Hormonspirale – häufige Fragen

Durch die vorwiegend lokale Wirkung der Hormonspirale in der Gebärmutter bleiben der Monatszyklus und der Eisprung in den meisten Fällen unbeeinflusst. Schon im ersten Zyklus nach dem Entfernen der Hormonspirale kann wieder eine Schwangerschaft eintreten. Hormonelle Verhütungsmethoden hingegen, die im ganzen Körper wirken, wie die Pille oder der Hormonring, hemmen den Eisprung. Nach deren Absetzen kann es deshalb bei manchen Frauen einige Monate dauern, bis sich der Monatszyklus wieder normalisiert und eine Schwangerschaft möglich wird.

Hormonspirale schwächt Regel ab

Bei den meisten Anwenderinnen verringern sich Intensität und Dauer der Regelblutung. Das freigesetzte Levonorgestrel verhindert, dass sich die Gebärmutterschleimhaut im Monatszyklus aufbaut. Dadurch nehmen die Blutmenge und die Menge der während der Blutung abzustoßenden Schleimhautreste oft deutlich ab. Das sorgt für weniger schmerzhafte Blutungen.

Nach einem Jahr der Anwendung haben die meisten Frauen eine Menstruation, die nur noch wenige Tage anhält. Bei etwa 20 Prozent der Anwenderinnen bleibt die monatliche Blutung mit der Zeit ganz aus. Aus medizinischer Sicht ist dies unbedenklich und hat keinen Einfluss auf den Eintritt einer Schwangerschaft nach dem Entfernen der Hormonspirale. Beim ersten Ausbleiben der Regel sollte zum sicheren Ausschluss einer Schwangerschaft eine Untersuchung beim Frauenarzt erfolgen. Kommt es zu einer seltenen Schwangerschaft unter Anwendung der Hormonspirale, ist das Risiko, dass es sich um eine Eileiterschwangerschaft handelt, erhöht.

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Weniger Wechselwirkungen als bei anderen hormonellen Methoden

Derzeit liegen keine Erkenntnisse über eine Wirkungsbeeinflussung der Hormonspirale durch Medikamente vor. Dennoch bleibt es immer wichtig, den Arzt, wenn dieser ein Medikament verschreibt, auch auf die Verhütung mit der Hormonspirale hinzuweisen und in jedem Fall den Beipackzettel gründlich auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Mitteln, auch Verhütungsmitteln, hin zu studieren.

Bei Diabetikerinnen empfehlen Experten, in der Anfangszeit, in der sie die Hormonspirale anwenden, den Blutzuckerspiegel sicherheitshalber engmaschig zu kontrollieren, da das Hormon Levonorgestrel den Kohlenhydratstoffwechsel beeinflussen kann und dadurch womöglich andere Dosen der Diabetes-Medikamente benötigt werden. Diesbezügliche Erfahrungen bestehen bei der Einnahme Levonorgestrel-haltiger Antibabypillen. Die Anwendung der Hormonspirale führt aufgrund der vorrangig lokalen Wirkweise jedoch in der Regel nicht dazu, dass die Diabetes-Therapie angepasst werden muss.

Selbsttest
Welches Verhütungsmittel passt zu mir?

Verhütung ist eine höchst individuelle Sache und kommt stark auf die eigenen Vorlieben, den Charakter und die Lebensumstände an. Dieser Test kann daher nur als grobe Einschätzung dienen, welches Verhütungsmittel für Sie geeignet sein könnte. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, bewerten Sie am besten mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin und gegebenenfalls Ihrem Partner.

Bei Hormonspirale höheres Risiko für Zysten

Bei Anwendung der Hormonspirale besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Ausbildung gutartiger Zysten in den Eierstöcken. Dabei handelt es sich um flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die in den meisten Fällen harmlos sind. Jeden Monat bilden sich in den Eierstöcken natürlicherweise Follikelzysten um heranreifende Eizellen, die wieder verschwinden, wenn keine Befruchtung stattgefunden hat. In manchen Fällen bleiben sie bestehen, wachsen und verursachen dann Beschwerden. Das kann auch nach Einlage der Hormonspirale passieren, da sie den Eisprung nicht unterdrückt.

Nebenwirkungen der Hormonspirale vor allem in der Eingewöhnungsphase

Die Hormonspirale hat mögliche Nebenwirkungen. Dies können beispielsweise Schmier- und Zwischenblutungen sein, die vorwiegend in den ersten drei Monaten auftreten. Sie klingen in der Regel nach der ersten Zeit wieder ab. Meist reichen leichte Slipeinlagen aus, um sie aufzufangen.

Auch Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Spannungen in der Brust, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit und Wassereinlagerungen (Ödeme) können vorübergehend vorkommen. Diese Nebenwirkungen betreffen während der Eingewöhnungsphase etwa ein bis drei Prozent der Anwenderinnen, danach oft nur weniger als ein Prozent von ihnen. Lediglich Bauchschmerzen sind zumindest am Anfang etwas häufiger. Unmittelbar nach dem Einlegen der Hormonspirale verspüren viele Frauen ein Ziehen im Unterleib, das mit Regelschmerzen vergleichbar ist.

Unterleibsschmerzen – das sind die Ursachen

Einige Frauen mit Spirale berichten auch von Akne oder Unreinheiten der Haut. Diese können durch das Gestagen Levonorgestrel hervorgerufen werden. Sind die Anwenderinnen von der Pille auf die Hormonspirale umgestiegen, kann es auch sein, dass nun lediglich das normale Hautbild wieder zutage tritt. Die oftmals hautbildverbessernde Wirkung der Antibabypille fällt dann weg.

Problematisch ist eine erhöhte Infektionsgefahr durch die Spirale

Für junge Frauen, die noch keine Kinder geboren haben, gilt die Hormonspirale nicht als erstes Mittel der Wahl. Hintergrund ist, dass hier eine höhere Ansteckungsgefahr mit sexuell übertragbaren Erregern, die zu einer Infektion des kleinen Beckens führen können, vermutet wird. Verhütungsmittel, die in der Gebärmutter eingesetzt werden, fördern eine solche Infektion womöglich zusätzlich. Verkleben dabei die Eierstöcke, büßen sie ihre Funktionsfähigkeit ein, sodass es zur Unfruchtbarkeit kommen kann.

Leben junge Frauen allerdings in einer stabilen Partnerschaft, ist das Infektionsrisiko, selbst wenn sie eine Hormonspirale zur Verhütung benutzen, laut Studien nicht höher als bei älteren Frauen. Daher wird in den Anwendungsempfehlungen der Hormonspirale darauf hingewiesen, dass sie möglichst nur dann vor einer ersten Schwangerschaft angewendet werden sollte, wenn aufgrund des Sexualverhaltens ein vergleichsweise niedriges Risiko für sexuell übertragbare Infektionen besteht. Der Arzt wird die Patientin vorab gründlich untersuchen und sie entsprechend über die Eignung der Hormonspirale als Verhütungsmethode beraten.

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Zyklusbedingte Stimmungsschwankungen und PMS

Da die Hormonspirale den normalen Monatszyklus kaum beeinflusst, bleiben hormonell bedingte Stimmungsschwankungen innerhalb des Zyklus erhalten. Nur in seltenen Fällen gehören depressive Verstimmungen oder unkontrollierte Gefühlsausbrüche zu den Nebenwirkungen.

Vor allem bei Frauen, die bereits vorher unter zyklusbedingten Stimmungsschwankungen gelitten haben, wird sich durch das Einlegen der Hormonspirale diesbezüglich kaum etwas ändern.

Bei welchen Nebenwirkungen zum Arzt?

In den meisten Fällen sind die Nebenwirkungen der Spirale auf die Eingewöhnungsphase beschränkt. Bei länger anhaltenden oder starken Beschwerden ist es jedoch sinnvoll, den Frauenarzt aufzusuchen, um die Ursache abklären zu lassen.

Ein Anlass für einen Arztbesuch sind vor allem plötzliche, starke Blutungen – insbesondere dann, wenn sie nach langen Phasen ohne Auffälligkeiten auftreten. Auch stärkere und anhaltende Schmerzen sind als Warnsignal zu deuten und sollten sicherheitshalber ärztlich abgeklärt werden. Sie können ein Hinweis darauf sein, dass die Hormonspirale verrutscht ist und/oder eine Verletzung der Gebärmutter vorliegt – allerdings ist das nur sehr selten der Fall. Ein leichtes Ziehen im Unterbauch, wie es auch im Rahmen der Menstruationsblutung auftreten kann, ist nach dem Einsetzen der Hormonspirale jedoch möglich und verschwindet mit der Zeit in der Regel wieder.

Kontraindikationen: Wann die Hormonspirale nicht empfohlen wird

Auch wenn die Hormonspirale mit dem Gestagen Levonorgestrel allgemein relativ gut verträglich ist, darf sie in manchen Fällen nicht oder nur unter strengen Vorsichtsmaßnahmen angewendet werden, da sonst gesundheitliche Risiken auftreten können.

Bei folgenden Erkrankungen oder Zuständen darf die Hormonspirale nicht eingesetzt werden:

  • Vermutete oder bestätigte Schwangerschaft: Vor dem Einlegen der Hormonspirale muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden. Wie bei allen Verhütungsmethoden, die in die Gebärmutter eingeführt werden, besteht sonst ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt oder ein vorzeitiges Einsetzen von Wehen.

  • Infektionen und Entzündungen im Genital- oder Beckenbereich: Die Hormonspirale kann bereits bestehende Infektionen oder Entzündungen im Genitalbereich verschlimmern.

  • Erkrankungen und Zustände, die mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden sind

  • Fehlgeburt innerhalb der letzten drei Monate

  • Nachweis oder Verdacht von Krebsvorstufen oder Krebs des Gebärmutterhalses beziehungsweise Gebärmutterkörpers

  • Nachweis oder Verdacht von hormonempfindlichen Tumoren, etwa Brustkrebs: Durch das Gestagen Levonorgestrel kann das Wachstum progesteronempfindlicher Tumoren angeregt werden.

  • Blutungen in der Gebärmutter außerhalb des Monatszyklus mit unklarer Ursache

  • angeborene oder erworbene Fehlbildungen der Gebärmutter

  • gutartige Wucherungen in der Gebärmuttermuskulatur, sogenannte Myome

  • akute Lebererkrankungen oder Lebertumoren

  • bekannte Überempfindlichkeit gegen Levonorgestrel oder einen der sonstigen Bestandteile der Hormonspirale

Liegen folgende Erkrankungen vor oder treten sie erstmalig auf, darf die Hormonspirale nur unter strengen Vorsichtsmaßnahmen eingelegt oder entfernt werden:

  • Gelbsucht

  • alle Formen von Blutkrebs (Leukämie)

  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise Schlaganfall, Herzinfarkt, starker Bluthochdruck, Blutgerinnsel (Thrombosen)

  • Blutgerinnsel der Netzhaut

  • Zustände, die das Einschwemmen von Bakterien ins Blut (Bakteriämie) begünstigen können, zum Beispiel Herzklappenfehler und angeborene Herzkrankheiten: In diesen Fällen ist das Einlegen und Entfernen der Hormonspirale nur unter einer Antibiotikatherapie erlaubt.

  • starke Migräne

Der Arzt klärt im Vorgespräch auf!

Über die Kontraindikationen und die möglichen Risiken, die in Ihrem speziellen Fall bei der Anwendung der Hormonspirale bestehen können, klärt Sie Ihr Arzt in einem Vorgespräch auf. Zudem ist im Vorfeld des Einsetzens der Spirale eine gründliche Untersuchung vorgesehen, die eine Kontraindikation mit Gestagen Levonorgestrel sicher ausschließt und dem Arzt ermöglicht, Risiken zu erkennen und einzuschätzen.

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