The Wolf of Wallstreet auf Droge

Ludes oder Quaaludes: Die Partydroge der 70er

Ludes ist die Droge des Wolf of Wallstreet. Methaqualon, auch Quaaludes oder Ludes genannt, ist ein Schlafmittel, das in den 70ern als Droge missbraucht wurde und aktuell noch in Afrika als Rauschmittel benutzt wird. Lifeline erklärt die Wirkung der Tablette mir dem Aufdruck "Lemmon 714".

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"Ludes"-Tabletten wurden in den 60er-Jahren als Schlafmittel eingesetzt, wegen des hohen Suchtpotentials aber 1984 vom Markt genommen. Der Wolf of Wallstreet, Jordan Belfort (im Film dargestellt von Leonardo DiCaprio, li.) konsumierte täglich die als Methaqualone bezeichnete Droge.
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Es ist das Leben des Jordan Belfort, das uns Leonardo DiCaprio in den Kinos im neuen Blockbuster "The Wolf of Wallstreet" zeigt. Es geht um Geld, Macht, Sex und Drogen. Letztere prägen das Leben des Börsenmaklers Belfort in den späten 70ern und er verfällt wie so viele in dieser Zeit einer Droge namens "Ludes", von der die meisten heutzutage noch nie etwas gehört haben.

"In den 70er Jahren war Ludes schick und total angesagt, doch heute gibt es bei weitem stärkere Drogen auf dem Markt, mit denen sich Notärzte und Rettungsdienste täglich auseinandersetzen müssen", erklärt Armin Stark, Anästhesist und Notarzt aus München im Gespräch mit Lifeline. "Ludes ist - zum Glück - aus der Mode gekommen", so der Notfallmediziner.

Was ist Ludes?

Ludes ist einer von vielen Namen für den Wirkstoff Methaqualon. Im Drogenmilieu wird es als seven-one-foursseventeen, oder lemmon 714 bekannt. Diese Bezeichnungen leiten sich vom Aufdruck auf der Tablette ab, die unter dem Handelsnamen Quaalude 1965 von der Pharmafirma Parest in Amerika auf den Markt gebracht wurde.

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Dem Aufdruck Lemmon 714 verdankt Methaqualon einen seiner vielen Beinamen, außer dem bekannteren Ludes.
The Intervention Organization

Dabei war die Entdeckung von Methaqualon ein Zufall. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war der Inder M. L. Gujiral auf der Suche nach einem Mittel gegen Malaria. Was er fand war ein Chinazolin-Derivat, das sich als Schlafmittel (Hypnotikum) eignet und als Quaalude als erste Alternative zu den schnell süchtig machenden Barbituraten beworben wurde. Quaalude führte aber entgegen der Versprechen des Herstellers zu physischer und psychischer Abhängigkeit.

Wie wirkt Ludes?

Ludes hat eine stimmungsaufheiternde (euphorisierende) und sexuell erregende (aphrodisierende) Wirkung. In den 70er Jahren wurde Ludes als relativ günstige Droge auf der Straße gehandelt, woraus sich unter Studenten der Trend des sogenannten "Luding out" entwickelte: 300 bis 450 Milligramm Methaqualon werden zusammen mit Wein eingenommen. Durch den Alkohol wird das durch Methaqualon ausgelöste Gefühl der Unzerstörbarkeit und starken Euphorie zusätzlich verstärkt. Methaqualon senkt die und steigert das sexuelle Empfinden und den Sexualtrieb.

Löst der Film "The Wolf of Wallstreet" eine neue Welle von Ludes-Süchtigen aus?

Stark kennt das Phänomen, dass Jugendliche den Konsum bestimmter Drogen aus Kinofilmen oder Fernsehensendungen nachahmen: "Läuft am Wochenende der Film Kids im Fernsehen, kommt immer einer auf die Idee, Klebstoff zu schnüffeln. An Ludes kommt niemand so leicht ran, wie an Kleber mit Lösungsmittel", berichtet Stark aus seiner Erfahrung als Notarzt. In Deutschland sieht er keinen Markt für Ludes. "Diese Droge wird aktuell nur noch in Afrika verstärkt konsumiert. So leicht kann man sie sich dann nicht schicken lassen",  so Stark.

Ludes wurde 1981 verboten

In den USA wurden Medikamente mit dem Wirkstoff Methaqualon aufgrund des weitverbreiteten Missbrauchs 1984 vom Markt genommen, aber dennoch weiterhin illegal hergestellt. In der BRD war Methaqualon als Normi-Nox auf dem Markt, wurde 1981 dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt und galt als nicht mehr verschreibungsfähig. In der DDR war Methaqualon als Wirkstoff des Schlafmittels Dormutil erhältlich und wurde fast zeitgleich vom Markt genommen.

Medikamenten-Info: Das heute in Deutschland von actavis erhältliche Nachfolgepräparat Dormutil N enthält den Wirkstoff Diphenhydraminhydrochlorid.

In Österreich wurde Methaqualon wegen seines Suchtpotentials 1992, in Deutschland ein Jahr später die Zulassung als Schlafmittel gänzlich entzogen. In der Schweiz ist Ludes unter dem Namen Toquilone weiterhin erhältlich, aber nur auf Rezept in Apotheken.

Quaaludes

Abhängigkeit von der Droge Ludes

Die regelmäßige Einnahme von Ludes führt zu schweren Nervenschädigungen und einer psychischen und physischen Abhägigkeit. Entgegen der Erwartung bei einem Schlafmittel, wirkt die Droge Ludes in kleinen Mengen aktivierend und stimmungsaufhellend. In der empfohlenen Dosierung wirkt Ludes bestimmungsgemäß beruhigend bis einschläfernd.

Bei einer Überdosierung kommt es zu Benommenheit, Magen-Darm-Problemen, einer Gangunsicherheit (Ataxie), Kribbelgefühl, Sprachstörungen und Muskelzucken. Im schlimmsten Fall führt die Droge Ludes zu inneren Blutungen, Schüttelkrämpfen, Bewusstlosigkeit mit Atemstillstand oder durch das Ersticken an Erbrochenem zum Tod.

Ludes hat viele Namen - eine Begriffsklärung

Der Wirkstoff in Ludes heißt Methaqualon (engl. Methaqualone). Im Drogenmilieu werden aber viele umschreibende Namen für die illegalen Substanzen benutzt. So wurde Methaqualon als seven-four-one, seventeen oder lemmon 714 bezeichnet, da die Tablette des Herstellers Parest einen solchen Aufdruck trug. Weitere Bezeichnungen resultieren aus den verschiedenen Handelsnamen, unter denen der Wirkstoff in den Apotheken verkauft wurde. Quaalude oder Mandrax waren die am häufigsten verkauften Produkte. Da zur berauschenden Wirkung mehrere Pillen mit Alkohol eingenommen werden, wird umgangssprachlich immer die Mehrzahl verwendet und von "Quaaludes" oder eben "Ludes" gesprochen. Die Größe der Tabletten brachte "Ludes" die Bezeichnung des Gorilla Biscuit ein. Im deutschsprachigen Raum wurde ein Ludes-Präparat als Mozambin durch den Falco-Hit "Ganz Wien" bekannt.

 

Shel Silverstein: Quaaludes Again

"Quaaludes Again" aus dem Album "The Great Conch Train Robbery": Die Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen der Droge Ludes hat der Singer-Songwriter Shel Silverstein 1980 in seinem satirischen Lied beschrieben.

mattymoesc via YouTube

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